Dicke Luft – Sind Blähungen harmlos oder ein Grund zur Sorge?
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Dicke Luft – Sind Blähungen harmlos oder ein Grund zur Sorge?

Lesen Sie, wodurch Blähungen entstehen können.
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Symbolbild für Blähungen: eine Frau legt ihre Hände herzförmig auf ihren Bauch
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Pimpf, Pumpf oder Pups – für die Darmwinde gibt es viele lautmalerische Namen. Klingen diese noch unterhaltsam, ist vielen Menschen das eigentlich Geräusch der Blähungen sehr unangenehm. Dabei handelt es sich um einen normalen körperlichen Vorgang, der bei jedem Säugetier auftritt. Dem Darm entweicht Luft, diese passiert den Schließmuskel und verursacht dabei knatternde, rumorende oder pfeifende Laute. Bei einem gesunden Menschen geschieht das im Schnitt acht- bis zehnmal täglich. Aufmerksam sollte man werden, wenn sich die Blähungen stark häufen oder von Durchfall und Schmerzen begleitet werden.

Wodurch können harmlose Blähungen entstehen?

Entweichen dem Körper Blähungen, resultieren diese aus den sich im Darm angesammelten Gasen. Diese wiederrum entstehen aufgrund folgender Ursachen:

Blähende Lebensmittel

Nahrungsmittel, die auf den Körper stark blähend wirken, gliedern sich in folgende Kategorien:

  • Hülsenfrüchte, beispielsweise Linsen, Erbsen oder Bohnen
  • Obst, beispielsweise Kirschen, Bananen oder Beerenfrüchte
  • Trockenobst, beispielsweise Feigen, Pflaumen oder Rosinen
  • Zwiebelgewächse, beispielsweise Lauch, Knoblauch oder Porree
  • Kohlgemüse, beispielsweise Sellerie, Kohlrabi oder Weißkohl
  • Vollkornprodukte, beispielsweise Haferflocken, Hirse, Quinoa
  • Milchprodukte, beispielsweise Käse, Jogurt oder Sahne.

Wie eine Studie aus dem Jahr 2021 zeigt, regt vor allem eine gemüsebasierte Ernährung die Verdauung an und kann zu Blähungen führen. Bedeutet das im Umkehrschluss, ungesunde Lebensmittel minimieren das „Pups-Problem“? Nein, denn enthalten Speisen viel Fett, Zucker oder einen Zuckeraustauschstoff, können sie ebenfalls Blähungen verursachen. Zudem legen Studien einen Zusammenhang zwischen schlechter Ernährung und dem Risiko für Darmerkrankungen nahe.

Neben Nahrungsmitteln können auch Getränke den Darm reizen und eine verstärkte Gasbildung begünstigen:

  • Fruchtsäften,
  • Kaffee,
  • schwarzem Tee
  • kohlensäurehaltiger und alkoholischer Getränke.

Werden sie regelmäßig konsumiert, können die Darmwinde verstärkt auftreten. Um sie in Grenzen zu halten, empfehlen sich Alternativen, die wenig blähen: Kräutertees und stilles Wasser.

Lebensgewohnheiten

Verdauung und Blähungen gehen Hand in Hand. Dementsprechend können Verdauungsprobleme die unangenehmen Darmwinde verschlimmern. Diese resultieren nicht nur aus der Ernährung, sondern können durch alltägliche Verhaltensmuster ausgelöst werden. Zu diesen zählt die Aerophagie. Das Fachwort bezeichnet das absichtliche oder unabsichtliche Verschlucken von Luft. Meist geschieht dies beim schnellen Essen. Beim hastigen „Schlingen“ einer Mahlzeit gelangt im Schnitt die doppelte Menge Luft in den Darm wie beim langsamen Essen. Entstehen daraus unangenehme Folgen wie Bauchschmerzen, Krämpfe oder eben Darmwinde, können natürliche Verdauungshelfer Abhilfe schaffen.

Menschen, die sich wenig bewegen, können ebenfalls anfälliger für Flatulenzen sein. Ein aktiver Lebensstil, in den Sport oder einfaches Spazierengehen integriert werden, stimuliert den Darm. Die Darmmuskulatur wird ausreichend durchblutet und arbeitet dadurch besser. Sie transportiert die aufgenommene Nahrung sowie Bakterien schnell weiter, sodass sich tendenziell weniger blähende Gase bilden. Bei einem Bewegungsmangel kommt es jedoch zu einer reduzierten Durchblutung der Darmmuskulatur und damit zur Darmträgheit. Nahrung kann sich im Darm stauen und dadurch die Bildung von Kohlendioxid, Methan und Wasserstoff begünstigen.

Medikamente

Für Patienten, die regelmäßig bestimmte Arzneimittel einnehmen, können Blähungen ebenfalls zum Alltag gehören. Entzündungshemmende Medikamente wie Diclofenac sind beispielsweise für ihre blähende Wirkung bekannt. Gleiches gilt für:

  • den Arzneistoff Acarbose, der bei einer Diabetes mellitus Typ 2 eingenommen wird. Er verhindert das Abspalten von Glukose im Darm und kann dadurch den Blutzuckerspiegel senken.
  • den Arzneistoff Orlistat, der sich in Mitteln gegen Übergewicht befindet. Dieser hemmt gastrointestinale Lipasen, sodass der Organismus bestimmte Fette aus der Nahrung nicht abbauen kann.
  • den Arzneistoff Laktulose, der beispielsweise in Abführmitteln enthalten ist. Ebenfalls kann er zum Einsatz kommen, um die Bildung bakterieller Giftstoffe im Darm zu verhindern. Dadurch beugt er bei Patienten mit Leberzirrhose Funktionsstörungen des Gehirns vor.

Nach der Einnahme von Antibiotika können ebenfalls verstärkt Blähungen auftreten. Die Medikamente töten neben bakteriellen Krankheitserregern auch die nützlichen Darmbakterien ab. Das beeinträchtigt bestimmte Gärungsprozesse im Darm, wodurch sich hier vermehrt Luft bildet.

Schwangerschaft

Eine Frau mit Schwangerschaftsbauch
Neben vielen schönen Veränderungen während der Schwangerschaft kann auch die Verdauung beeinträchtigt werden. (c) Pixabay-com / redgular CCO Public Domain

Vermehrte Darmwinde bei schwangeren Frauen sind keine Seltenheit. Sie resultieren aus einer einsetzenden Trägheit des Darms, die wiederum dem Hormon Progesteron geschuldet ist. Das Gelbkörperhormon entspannt das Muskelgewebe im Magen-Darm-Trakt, sodass sich die Verdauung verzögert. Bereits während der ersten Phase der Schwangerschaft können sich durch diesen Prozess verstärkt Darmgase bilden. Wächst das Ungeborene im Bauch, drückt es unter Umständen auf dem Darm und kann die Verdauung dadurch zusätzlich beeinträchtigen.

Welche Krankheiten können Blähungen verursachen?

Neben den harmlosen und teilweise temporären und leicht zu behebenden Ursachen für Blähungen können diese als Symptome einer Erkrankung auftreten. Hierbei kann es sich um vergleichsweise harmlose Nahrungsunverträglichkeiten und Allergien oder schwerwiegende Krankheiten handeln.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Nahrungsmittelallergien

Kann der Organismus ein Bestandteil von aufgenommenen Nahrungsmitteln nicht richtig verarbeiten oder reagiert er darauf allergisch, treten Verdauungsstörungen auf. Häufige Blähungen können ein erstes Indiz dafür sein. Beispielsweise zeigen sie sich bei:

  • Laktoseintoleranz: Bei der Milchzuckerunverträglichkeit kann der Darm den aufgenommenen Milchzucker nicht in seine Bestandteile zerlegen. Darmbakterien zersetzen die Laktose, wodurch Symptome wie Flatulenzen, Bauchschmerzen, Krämpfe bis hin zu Durchfall ausgelöst werden können.
  • Fruktoseintoleranz: Bei einer Unverträglichkeit von Fruchtzucker gelangt dieser zunächst mit einem Transporteiweiß ins Blut. Geschieht das in größerer Menge, kann die Fruktose nicht in ihre Einzelbestandteile zerlegt werden. Wie bei der Milchzuckerunverträglichkeit kommt es zur Zersetzung des Stoffs durch die Darmbakterien, was ähnliche Symptome hervorruft.
  • Zöliakie: Liegt eine Glutenunverträglichkeit vor, handelt es sich um eine Überempfindlichkeitsreaktion des Körpers auf das in Getreideprodukten enthaltene Klebereiweiß. Neben verstärkten Blähungen gehören chronischer Durchfall, Übelkeit und Gewichtsverlust zu den typischen Symptomen.
  • Sorbitintoleranz: Sorbit – auch Sorbitol oder Glucitol genannt – kann als Zuckeralkohol in bestimmtem Obst vorkommen oder Lebensmitteln als industrieller Stoff zugesetzt werden. Hier dient er als Süßungsmittel, Haltbarmacher oder als Mittel zum Feuchthalten. Patienten mit einer Sorbitintoleranz weisen nach Aufnahme des Stoffs ähnliche Anzeichen wie bei einer Milchzuckerunverträglich auf.

Eine unangenehme, jedoch nicht lebensbedrohliche Erkrankung, die Blähungen nach sich ziehen kann, ist das Reizdarmsyndrom. Bei diesem liegt eine Funktionsstörung des Verdauungstrakts vor. Diese verursacht neben den Flatulenzen Symptome wie Krämpfe, starke Schmerzen, Veränderungen des Stuhls sowie allgemeines Missempfinden. Diese treten vermehrt nach der Nahrungsaufnahme auf.

Auch bei einer Nahrungsmittelallergie, beispielsweise gegen bestimmte Arten von Obst und Nüssen, können Blähungen entstehen. Sie gehen meist mit weiteren Allergiesymptomen wie Durchfall, Schwellungen der Schleimhäute, Juckreiz oder Hautekzemen einher.

Erkrankungen von Darm, Leber und Bauchspeicheldrüse

Chronische Blähungen können in Verbindung mit einer unregelmäßigen Verdauung und Blut im Stuhl Anzeichen für ein kolorektales Karzinom – besser bekannt als Darmkrebs – sein. Leiden Patienten neben starken Darmwinden an Verstopfung und Bauchschmerzen, können die Symptome auf einen Darmverschluss hindeuten. Dieser resultiert beispielsweise aus:

  • Morbus Crohn
  • Tumor
  • operationsbedingten narbigen Wucherungen
  • Lähmung der Darmbewegung (in der Fachsprache Peristaltik genannt)
  • Fremdkörpern im Darm.

Ebenso gehören vermehrte Blähungen mit Verstopfung und einem starken Druck unter dem rechten Rippenbogen zu den Anzeichen einer Leberzirrhose. Weitere Symptome dafür sind:

  • Leistungsschwäche
  • Appetitlosigkeit
  • Müdigkeit
  • Übelkeit.

Leiden Patienten an einer Pankreasinsuffizienz, können Blähungen hauptsächlich nach dem Verzehr fetthaltiger Lebensmittel auftreten. Sie gehen mit Symptomen wie vermehrtem Aufstoßen, Blähbauch, starken Krämpfen und Durchfall einher.

Wie wirkt sich die Psyche auf den Darm aus?

Symbolbild für Blähungen: eine Frau legt ihre Hände herzförmig auf ihren Bauch
Stress und psychische Anspannung können uns buchstäblich auf den Magen schlagen. (c) Pixabay-com / Alicia_Harper CCO Public Domain

Negative Gefühle wie Stress, Angst oder Ärger können einem sprichwörtlich wie ein Stein im Magen liegen. Sie aktivieren das zentrale Nervensystem, das seinerseits Stresshormone wie Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin freisetzt. Diese gelangen in die Darmwand, wo sie die Nervenzellen stimulieren und dadurch den Verdauungsprozess beeinträchtigen. Neben Blähungen können folgende Beschwerden auftreten:

  • Völlegefühl
  • Verstopfung
  • Durchfall
  • allgemeines Unwohlsein.

Ebenso verändern sich in Ausnahmesituationen Essverhalten und Lebensgewohnheiten. Hastige Nahrungsaufnahme, ungesunde Lebensmittel und Bewegungsmangel begünstigen nun ihrerseits die Flatulenzen.

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