Wie gesund sind Phytoöstrogene?

Wie gesund sind Phytoöstrogene?

Pflanzen wie Soja enthalten Pflanzenstoffe, die eine hormonähnliche Wirkung haben. Doch sind diese Pflanzenhormone gut oder schädlich?
Inhaltsverzeichnis
Durch Trends wie vegetarisch, vegan oder flexitarisch steigt die Nachfrage an pflanzlichen Eiweißquellen. Eine wichtige Rolle dabei spielen Sojaprodukte wie Sojamilch oder Tofu. Soja enthält allerdings neben pflanzlichem Eiweiß auch Phytoöstrogene, die als umstritten gelten. Zurzeit erlebt die Lebensmittelindustrie eine kleine Revolution. Die Menschen legen wieder besonders viel Wert auf hochwertige, biologische und naturbelassene Produkte. Auch werden die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln immer mehr hinterfragt, ebenso deren Wirkung auf den menschlichen Körper. In diesem Zusammenhang taucht auch der Begriff der Phytoöstrogene (= Pflanzenöstrogene) auf. Aber was verbirgt sich hinter dem Pflanzenstoff mit dem hormonähnlichen Namen?

Was sind Phytoöstrogene?

Ein Phytoöstrogen ist ein sogenannter sekundärer Pflanzenstoff. Zu den Bekanntesten gehören unter anderem die Isoflavone,die Lignane und die Auxine. Anders als es der Name vermuten lässt, enthalten Pflanzenstoffe keinerlei Hormone. Sie ähneln ihnen aber in ihrem Aufbau. Phytoöstrogene sind in einigen Lebensmitteln enthalten. So findet man diese unter anderem in Sojabohnen, Leinsamen oder auch in Rotklee, Hülsenfrüchten, Getreide und Kleie. > Rotklee in den Wechseljahren einnehmen?  Manche Obst- und Gemüsesorten, Samen und Tees enthalten die Lignane ebenso wie Bier oder Wein. Grundsätzlich bemisst sich die Konzentration des Pflanzenhormons bzw. Phytohormons nach der jeweiligen Sorte, der Reife, Erntezeit und den klimatischen Bedingungen. Die natürliche Aufgabe der Pflanzenhormone in den Pflanzen selbst ist die Verteidigung und Erhaltung der Population. Teilweise bieten sie auch einen Schutz vor Pilzen oder Bakterien.

In welchen Lebensmitteln stecken Phytoöstrogene?

Wie viele Isoflavone tatsächlich in einem Lebensmittel enthalten sind, hängt stark vom Verarbeitungsgrad ab: Reife Sojabohnen enthalten ein Vielfaches dessen, was später in Tofu oder einem Sojadrink landet. Die Verbraucherzentrale nennt folgende Richtwerte für den Isoflavon-Gehalt je 100 Gramm:
LebensmittelIsoflavone je 100 g
Sojabohnen (reif, roh)104–155 mg
Edamame / Sojabohnen (unreif, roh)18–49 mg
Tofu13–35 mg
Soja-Joghurtalternative33 mg
Sojadrink11 mg
Quelle: Verbraucherzentrale, „Soja und Isoflavone im Faktencheck“. Ein Glas Sojadrink (200 ml) liefert damit rund 20 mg Isoflavone — deutlich weniger, als in konzentrierten Präparaten steckt.

Phytoöstrogene als Nahrungsergänzungsmittel: Was gilt als Obergrenze?

Anders als bei normalen Lebensmitteln sind bei isolierten Isoflavonen in Kapseln oder Tabletten Grenzen zu beachten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nennt als Orientierungswerte maximal 100 mg Soja-Isoflavone pro Tag über höchstens 10 Monate beziehungsweise 43,5 mg Rotklee-Isoflavone pro Tag über höchstens 3 Monate. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schließt sich diesen Werten an und rät Frauen mit einer bestehenden oder früheren östrogenabhängigen Krebserkrankung der Brust oder Gebärmutter von der Einnahme isolierter Isoflavone ab. Wer ohnehin täglich Sojaprodukte isst, sollte zusätzliche Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache nehmen (Verbraucherzentrale, Marktcheck Isoflavone).

Wie reagiert der Körper auf Phytoöstrogene?

Wird die phytoöstrogenhaltige Nahrung nicht in Unmengen verzehrt, so ist die Aufnahme für den erwachsenen Körper nicht nur unbedenklich, sondern kann auch auch positive Gesundheitseffekte mit sich bringen.

Phytohormone und Babynahrung

Hierzu gibt es verschiedene Meinungen. Es wurden insgesamt sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf den frühkindlichen Organismus festgestellt. Babynahrung, welche einen hohen Sojaanteil aufweist, ist in Deutschland nur gegen Rezept erhältlich. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät in einer Stellungnahme dringend von Sojamilch für Säuglinge ab.
Sojabohnen, die reich an Phytoöstrogenen sind.
Sojabohnen enthalten besonders viele Phytoöstrogene. (c) makistock / Fotolia

Phytoöstrogene, Wechseljahre und Osteoporose

Bei Asiatinnen, die regelmäßig Sojaprodukte zu sich nehmen, wurde festgestellt, dass sie kaum unter Wechseljahresbeschwerden oder Osteoporose leiden. So könnte der Pflanzenstoff auch bei Europäerinnen Abhilfe schaffen. Es ist allerdings noch nicht klar, ob diese Effekte tatsächlich auf die Isoflavone zurückzuführen sind. Studien mit Isoflavonen als Nahrungsergänzungsmittel konnten die Wirkung nur unzureichend belegen. > Das sind die häufigsten Wechseljahresbeschwerden

Pflanzenhormone und Brustkrebs

Im asiatischen Raum hat man außerdem festgestellt, dass durch den Verzehr von vergleichsweise großen Mengen an Sojaprodukten das Brustkrebsrisiko um 25 % niedriger ist. Auch Männer erkranken weniger häufig an Prostatakrebs, da die Aufnahme von Phytoöstrogenen wie eine Hormonersatztherapie wirkt. Ebenso ist eine Herabsenkung des Metastaserisikos verzeichnet worden. Auch diese Erkenntnisse sind noch zu unsicher, um daraus Empfehlungen ableiten zu können.

Nachteile und Nebenwirkungen von Phytoöstrogenen

Zu den negativen Auswirkungen auf den menschlichen Körper zählt das Risiko der Unfruchtbarkeit sowie von Entwicklungsstörungen. Das Risiko an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken kann sich erhöhen. Außerdem können Phytohormone das Wachstum von Tumorzellen beschleunigen. Auch wurden Zusammenhänge zwischen der Aufnahme von pflanzlichen Hormonen und dem späteren Auftreten von Allergien oder auch Menstruationsbeschwerden erkannt. Eine Vergrößerung der Brustdrüsen beim männlichen Geschlecht (=Gynäkomastie) konnte ebenso beobachtet werden.

So wirken Pflanzenhormone im Körper

Phytoöstrogene sind Imitatoren der natürlichen Hormone. Wegen ihrer Ähnlichkeit zum menschlichen Östrogen, können sie sich an deren Rezeptoren binden. Dadurch können sie aber auch die „echten“ Östrogene verdrängen und den Hormonhaushalt stören. Bei einem Östrogenmangel, wie er in den Wechseljahren vorkommt, scheinen die pflanzlichen Östrogene deshalb eine förderliche Wirkung zu haben. Ältere Frau sitzt auf einem Sofa, stützt ihren Kopf mit der linken Hand und blickt nachdenklich nach vorne In anderen Lebensphasen besteht jedoch die Gefahr eines hormonellen Ungleichgewichts im Körper. Hierdurch können sich schlimmstenfalls bösartige Tumore entwickeln.

Fazit

Setzt man die Vor- und Nachteile in Relation, so überwiegen die negativen Aspekte. Doch geht man davon aus, dass diese Risiken vor allem mit einem Übermaß an Phytohormonen zusammenhängen, ist gegen einen maßvollen Verzehr von Soja nichts einzuwenden. Wie bei vielen anderen Dingen auch gilt: Die Dosis macht das Gift.

Zuletzt aktualisiert: August 2026

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