Im Sommer 2021 erkrankte die ehemalige Nationalspielerin und Fußballtrainerin Martina
Voss-Tecklenburg an Gürtelrose. Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen mit
der schmerzhaften Erkrankung.
Gürtelrose: Das Risiko wird unterschätzt
Obwohl es in ihrer Familie bereits drei Fälle von Gürtelrose gab, sah Martina Voss-Tecklenburg für
sich persönlich kein Risiko selbst daran zu erkranken. Zum Zeitpunkt der Erkrankung fühlte sie
sich fit und voll leistungsfähig – die Diagnose traf sie wie ein Schock. Sie befand sich im Urlaub, in
einer entspannten und stressfreien Situation, als sie plötzlich einen stechenden Schmerz im
Rücken spürte. Zunächst dachte sie an einen Insektenstich, doch nach zwei Tagen bekam sie
heftige Schmerzen. Als sie daraufhin zu einer Ärztin ging, wurde ihr die Diagnose Gürtelrose direkt
gestellt.
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Die physische und emotionale Belastung war immens
Die Symptome wurden in den nächsten Tagen immer stärker. „Es tat wahnsinnig weh, ich hatte
Nerven- und Bewegungsschmerzen“, erinnert sie sich. „Ich konnte nachts nicht schlafen und
wusste nicht mehr, wie ich damit umgehen sollte.“ Obwohl sie durch Sportverletzungen in ihrem
Leben schon häufig mit Schmerzen umgehen musste, erschrak sie, wie sehr die Gürtelrose sie
beeinträchtigte. Fast täglich ging sie zu einer Ärztin, um gegen die Schmerzen angehen zu können.
Die Viruserkrankung zehrte fast ein Dreivierteljahr an ihr und beeinträchtigte sie stark in ihrem
Alltag. Die physische und emotionale Belastung war immens. „Es hat sehr viel Energie gekostet,
mit dieser Erkrankung umzugehen“, erzählt Martina Voss-Tecklenburg.
Windpocken spielen eine Rolle
Heute, fast zwei Jahre nach der Erkrankung, empfindet sie zum Glück keine Einschränkungen
mehr und hat hart daran gearbeitet, ihr sportliches Ausgangsniveau wiederzuerlangen. „Meine
Erfahrung hat definitiv mein Risikobewusstsein verändert“, betont sie. „Ich versuche nun, im Alltag
andere Menschen auf die Schwere der Gürtelrose aufmerksam zu machen und ihnen zu raten,
präventiv mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt darüber zu sprechen.“
Ähnlich wie Martina unterschätzen viele Menschen ihr persönliches Gürtelrose-Risiko. Dabei
erkrankt einer von drei Menschen im Laufe seines Lebens an der Viruserkrankung. Dies geschieht
nicht durch Ansteckung, sondern durch eine Reaktivierung des Windpocken-Erregers Varizella
Zoster. Mehr als 95 % der über 60-Jährigen tragen den Erreger nach einer Windpockenerkrankung
– meist in Kindertagen – in sich. Durch ein altersbedingt schwächer werdendes Immunsystem sind
Menschen ab 60 Jahren besonders gefährdet, an Gürtelrose zu erkranken. Bei bis zu 30 % der
Patient*innen entwickeln sich Komplikationen in Form von anhaltenden Nervenschmerzen, einer
sogenannten Post-Zoster-Neuralgie. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine
Schutzimpfung gegen Gürtelrose allen Personen ab 60 Jahren. Für Menschen mit
Grunderkrankung wird eine Impfung ab 50 Jahren empfohlen.
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