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Augeninfarkt – plötzlich blind

Man möchte es sich gar nicht vorstellen: Völlig unerwartet streikt das eine Auge und verliert seine Sehfähigkeit. Grund dafür ist eine Engstelle der Blutgefäße, die zum Augeninfarkt führt. Und: Dies kann tatsächlich gefährlich werden, doch in den meisten Fällen ist eine Therapie möglich.

Was ist ein Augeninfarkt?

Unter einem Augeninfarkt versteht man eine akute Durchblutungsstörung des Sehnervs und der Netzhaut des Auges. Eine andere Bezeichnung dafür ist Sehsturz. Dabei kommt es zu einem Verschluss der Gefäße, der verhindert, dass das Auge mit Blut versorgt wird. Die Ähnlichkeit der Namen zu Herzinfarkt und Hörsturz sind nicht nur zufällig: Die Ursachen und Risikofaktoren gleichen sich.

Ärzte unterscheiden den Augeninfarkt in:

  • Retinaler Venenverschluss: Hierbei sind Gefäße der Venen betroffen, die das Blut vom Auge weg transportieren. Das kann in der Zentralvene oder in einem Venenast vorkommen. Das Blut staut sich also im Auge und verursacht eine Schwellung. Diese Form tritt in den meisten Fällen auf.
  • Retinaler Arterienverschluss: In den Arterien wird sauerstoffreiches Blut vom Herzen hin zum Auge transportiert. Kommt es in der Zentralarterie oder einem Arterienast zur Verengung, wird das Auge nicht mehr ausreichend versorgt. Diese Form kommt jedoch seltener vor.

Augeninfarkt oft unerkannt

Ein Augeninfarkt tritt in der Regel nur an einem Auge auf, in nur einem Prozent der Fälle kommt es an beiden Augen zum Sehsturz. Das Kuriose dabei: Oft bleibt ein Augeninfarkt völlig unentdeckt, da das andere Auge weiterhin sieht und den Ausfall ausgleicht. Betroffen sind überwiegend Menschen über 50 Jahre, davon Männer häufiger als Frauen.

Ein Augeninfarkt kann unterschiedliche Folgen haben, je nachdem, welche Gefäße betroffen sind. Es kann zu einem kurzzeitigen Sehverlust des betroffenen Auges kommen, der nach wenigen Sekunden oder Minuten wieder beseitigt ist. Ebenso kann das Sehvermögen dauerhaft eingeschränkt sein. Im schlimmsten Fall führt der Infarkt zur kompletten Erblindung des Auges.

Was sind die Ursachen eines Augeninfarkts?

Beim Augeninfarkt wird die Durchblutung zu einem Auge unterbunden. Ursache dafür ist eine Verengung oder ein kompletter Verschluss der Blutgefäße. Dadurch kommen weder Nährstoffe noch Stauerstoff beim Auge an und das Auge wird blind.

Auslöser für den Gefäßverschluss sind Ablagerungen an den Gefäßwänden oder ein Blutgerinnsel, das das Gefäß verstopft. Eine solche Thrombose kann direkt an der Netzhaut entstehen, aber auch über die Adern vom Herzen zum Auge wandern.

Durch den plötzlichen Verschluss erhöht sich der Augeninnendruck. Zusätzlich kann das Blut nicht mehr richtig transportiert werden. Durch den Blutstau können sogar intakte Gefäße reißen und es kommt zu Blutungen.

Bei einem Augeninfarkt müssen Betroffene schnell handeln und einen Arzt aufsuchen. (c) Vasyl/Fotolia

Risikofaktoren für einen Sehsturz

Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die die Bildung der Gefäßverengungen begünstigen:

  • Rauchen
  • ungesunde Ernährung
  • wenig Bewegung
  • Übergewicht
  • Bluthochdruck
  • Stress
  • Diabetes mellitus
  • geringe Flüssigkeitszufuhr
  • Arterienverkalkung
  • erhöhtes Cholesterin

Das Alter spielt ebenfalls eine große Rolle, denn etwa 90 Prozent aller Augeninfarkte treten bei Menschen über 50 Jahre auf.

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Was sind die Augeninfarkt-Symptome?

Ein Sehsturz tritt meist völlig ohne Vorwarnung auf. Aus heiterem Himmel ist die Sehleistung eingeschränkt und es machen sich weitere Anzeichen bemerkbar, wie

  • verschleiertes Sehen
  • unscharfes Sehen
  • plötzliche Verschlechterung der Sehstärke
  • eingeschränktes Gesichtsfeld
  • Entzündung am Auge
  • plötzliche Erblindung eines Auges

Schmerzen treten beim Augeninfarkt in der Regel nicht auf. Als Folge kann sich jedoch der Augeninnendruck erhöhen, was für die Betroffenen oft schmerzhaft ist. Mediziner sprechen dann von einem Sekundärglaukom.

Achtung: Notfall!

Ein Augeninfarkt ist ein Notfall! Wer zu lange wartet, riskiert dauerhafte Schäden der Netzhaut und sogar eine Erblindung. Je schneller die Therapie beginnt, umso besser sind die Chancen auf eine Heilung.

Wie erkennt der Arzt einen Augeninfarkt?

Oft wissen die Betroffenen gar nicht, dass sie einen Augeninfarkt hatten. Die Diagnose wird häufig durch Zufall bei einer Routineuntersuchung gestellt. Der Augenarzt kann den Sehsturz am Augenhintergrund und an typischen Veränderungen an der Netzhaut erkennen. Durch eine sogenannte Fluoreszenzangiographie sieht der Arzt, ob die Gefäße verschlossen oder eingerissen sind. Blutungen, Flüssigkeitsansammlungen und Flecken sind dadurch sichtbar und sind wichtige Hinweise für die Diagnose.

Zusätzlich wird ein Sehtest durchgeführt. In schweren Fällen können die Betroffenen mit dem Auge keine Buchstaben auf der Zeichentafel mehr erkennen. Ist das Auge bereits erblindet, reagiert auch die Pupille nicht mehr auf einen Lichtreiz.

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Andere Krankheiten ausschließen

Weiterhin gilt es für den Arzt, die Seheinschränkung eindeutig als Augeninfarkt zu erkennen und nicht als Symptom einer anderen Erkrankung. Ähnliche Sehprobleme können nämlich auch bei einer Migräne, bei MS (Multipler Sklerose) oder bei einem Schlaganfall vorkommen.

Bei einem Migräneanfall sind beispielsweise meist beide Augen von der Sehstörung betroffen. Ein Augeninfarkt wird jedoch selten von weiteren Symptomen begleitet und tritt nur einseitig auf. Um zu erfahren, ob der Betroffene noch weitere Anzeichen an sich bemerkt hat, wird der Arzt im Gespräch gezielte Fragen stellen.

Da ein Augeninfarkt Vorbote einer anderen Gefäßerkrankung oder von Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein kann, wird unter Umständen ein Internist oder Neurologe zusätzliche Tests machen, wie

  • EKG (Elektrokardiogramm)
  • Ultraschall der Blutgefäße, insbesondere der Arterien
  • Ultraschall des Herzens

Dadurch lässt sich das Risiko für eine Thrombose, einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt besser einschätzen. Gibt es bei diesen Untersuchungen Auffälligkeiten, wird die anschließende Behandlung darauf ausgerichtet.

Ein Arzt behandelt einen Augeninfarkt mittels moderner Laser-Technologie. (c) romaset/Fotolia

Wie wird ein Augeninfarkt behandelt?

Die Behandlung des Augeninfarkts zielt darauf ab, die Durchblutungsstörung zu beseitigen, damit die Netzhaut wieder mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird. Dazu gibt es verschiedene Medikamente, die das Blut verdünnen und die Gefäße erweitern sollen, beispielsweise Aspirin. Um Entzündungen am Auge entgegenzuwirken, wird oft zusätzlich Cortison eingesetzt. Durch eine Infusion, die im Krankenhaus verabreicht wird, können die Medikamente schneller wirken.

Gegen einen erhöhten Augeninnendruck können ebenfalls Medikamente verordnet werden, außerdem ist eine Laserbehandlung möglich. Durch modernste Laser-Technik werden unter anderem Flüssigkeitsansammlungen beseitigt und die Neubildung von instabilen Gefäßen, die schnell zu Blutungen führen könnten, verhindert.

Video-Empfehlung

>> In diesem kurzen Video der Uniklinik Augsburg erfahren Sie, wie ein Augeninfarkt mit einer neuen Methode behandelt wird.
(Klicken Sie auf das Bild, um das Video aufzurufen)

Folgeschäden des Augeninfarkts verhindern

Ein weiteres Ziel der Therapie ist es, Folgeschäden so gut wie möglich zu reduzieren. Die Heilung bei einem Zentralvenenverschluss verläuft meist unkompliziert und kann die Blutversorgung wiederherstellen. Liegt die Verengung jedoch in einer Arterie, entstehen bereits nach 60 bis 90 Minuten ohne Blutversorgung dauerhafte Schäden an der Netzhaut. Hier ist das Ziel der Therapie, den Schaden möglichst zu begrenzen, damit das Auge nicht endgültig erblindet.

Da die Gabe von blutverdünnenden Medikamenten das Risiko für innere Blutungen erhöht, wird die Behandlung oft in einer Klinik unter ärztlicher Beobachtung durchgeführt.

Wie kann ich einem Augeninfarkt vorbeugen?

Die beste Vorbeugung gegen einen Augeninfarkt ist ein gesunder Lebensstil. Wie bei Herzinfarkt und Schlaganfall auch, kann das Risiko, einen Sehsturz zu erleiden, durch Vermeiden der Risikofaktoren massiv gesenkt werden:

  • Verzicht auf Zigaretten
  • ausgewogene, vitaminreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten
  • Verzicht auf Zucker und ungesunde Fette
  • viel Bewegung, am besten an der frischen Luft
  • Übergewicht reduzieren
  • Stress vermeiden
  • Entspannungstechniken üben (z.B. Yoga, Meditation)
  • viel trinken, mindestens 2 Liter Wasser oder ungesüßten Tee pro Tag

Wie sind die Heilungschancen bei einem Augeninfarkt?

Die Heilungschancen hängen davon ab, ob der Augeninfarkt durch einen Verschluss einer Vene oder Arterie ausgelöst wurde. In den meisten Fällen liegt die Gefäßverengung an einer Vene und lässt sich durch Medikamente gut behandeln.

Bei einem Augeninfarkt an einer Arterie bleiben jedoch fast immer Folgeschäden, wie eine dauerhafte Einschränkung des Sehvermögens oder sogar eine komplette Erblindung. Hier ist schnelles Handeln besonders wichtig. Setzt die Therapie innerhalb von 90 Minuten nach Auftreten der ersten Symptome ein, können bleibende Schäden reduziert werden.

Allerdings muss nach einem Augeninfarkt immer mit einer Einschränkung des Sehvermögens gerechnet werden. Die frühere Sehschärfe kehrt auf dem betroffenen Auge nur selten zurück. In nur etwa 10 Prozent der Fälle heilt der Sehsturz ohne bleibende Schäden ab. Mitunter ein Grund für die schlechte Prognose ist, dass ein Augeninfarkt oft erst viel zu spät erkannt wird. Wichtig ist in jedem Fall: Je früher mit der Behandlung begonnen wird, umso besser stehen die Chancen auf eine Heilung ohne bleibende Schäden.

Tipps der Redaktion

Wenn Sie noch mehr über die Erkrankung wissen möchten, finden Sie auf der Selbsthilfeseite „Durchblick“ hilfreiche Informationen:

http://www.selbsthilfe-durchblick.de/medizinundforschung.html

Menschen mit einer Sehbehinderung können sich in dieser Selbsthilfegruppe austauschen und Rat von anderen Betroffenen einholen:

https://bbsb.org/