Haut, Haare & Nägel

5 Nagelpilz-Hausmittel im Faktencheck

Können Sie Nagelpilz tatsächlich mit Hausmitteln wie Apfelessig, Eigenurin oder Zahnpasta natürlich bekämpfen? Wir haben den Faktencheck gemacht.

Pilzbefall an Fußnägeln oder Fingernägeln zählt zu den häufigsten Hauterkrankungen in Deutschland. Zwischen drei und 12 Prozent der Bevölkerung sind betroffen. Viele behandeln Nagelpilz (Fachwort Onychomykose) mit einfachen Hausmitteln wie Essig, Teebaumöl oder Zahnpasta. Doch das ist keine gute Idee. Die Tipps aus Omas Hausapotheke können die Symptome deutlich verschlimmern. Denn Nagelpilz ist kein kosmetisches Problem.

Eine Nagelpilzinfektion ist sehr hartnäckig und verschwindet nicht von alleine. Ein nicht fachgerecht diagnostizierter und behandelter Nagelpilz breitet sich fast immer weiter aus und ist obendrein ansteckend. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Faktencheck zur Nagelpilz-Behandlung mit Hausmitteln.

Essig reicht zur Behandlung nicht aus

Essigsäure erzeugt ein saures Milieu und soll Pilzsporen reduzieren. Einigen Betroffenen verschafft ein Apfelessig-Fußbad sogar kurzfristig Linderung. Dauerhaft entfernen kann Essig den Nagelpilz jedoch nicht.

Pilzsporen sind nämlich sehr resistent. Sie nisten sich im betroffenen Nagel ein und bilden bei einem „Klimawandel“ neue Sporen. Ein weiteres eindeutiges Argument gegen Essig bei Nagelpilz: Die Essigsäure kann die betroffenen Hautstellen zusätzlich reizen. Wissenschaftliche Beweise zur Wirkung von Essig gegen Nagelpilz liegen bis jetzt nicht vor.

Helfen Teebaumöl und Co. gegen Nagelpilz?

Ätherische Öle sind ein weiteres beliebtes Hausmittel gegen Nagelpilz. Sie sollen fungizid (= pilzabtötend) wirken und das Wachstum von Pilzsporen reduzieren oder die Sporen sogar vollständig abtöten. Die Anti-Pilz-Wirkung von Teebaumöl, Oreganoöl, Lavendelöl und Salbeiöl ist allerdings nicht stark genug. Eine tatsächliche Wirkung an den befallenen Nägeln bleibt also aus.

> Teebaumöl: Natürlicher Helfer mit Risiken

Eigenurin: Geeignetes Mittel gegen Nagelpilz?

Ein gesunder Harn soll Pilzsporen abtöten. Hautärzte (Dermatologen) raten von dieser Art der Behandlung dringend ab. Es besteht die Gefahr, dass sich die mit Nagelpilz befallenen Partien zusätzlich entzünden.

Nagelpilz

Nagelpilz kann nicht mit Hausmitteln behandelt werden. (c) sabine hürdler / Fotolia

Hilft Zahnpasta den erkrankten Nägeln?

Fluoridhaltige Zahlpasta soll eine antimykotische Wirkung haben und kostet nicht viel. Leider gilt für dieses Hausmittel gegen Nagelpilz das gleiche, wie für alle anderen: Klinische Belege zur Wirksamkeit liegen nicht vor.

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Was hilft wirklich gegen Nagelpilz?

Tatsächlich gibt es einige Mittel, die gut und effektiv gegen Nagelpilz helfen. Wir haben hier eine Liste zusammengestellt:

Medizinische Pilzmittel (Antimykotika)

  • Medizinische Anti-Pilz-Lacke: Die gut verträglichen, wasserlöslichen Lacke wirken effektiv gegen den Pilzbefall.
  • Kombinationsbehandlung mit Antipilz-Tabletten und Anti-Pilz-Lacken: Eine Kombibehandlung ist sinnvoll, wenn zusätzlich die Wachstumszone des Nagels betroffen ist.
  • Lasertherapie gegen Nagelpilz: Der Laser soll die Strukturen der Pilzsporen zerstören. Oft wird eine Kombination aus Laser und Anti-Pilz-Lack empfohlen.

> So behandeln Sie Nagelpilz schnell und effektiv

Fazit des Faktenchecks: Wie sinnvoll sind Nagelpilz-Hausmittel?

Keines der hier aufgezählten Hausmittel gegen Nagelpilz ist so effektiv wie Medikamente. Außerdem gehen Sie bei der Behandlung von Nagelpilz mit klassischen Hausmitteln weitere Risiken ein: Sie verschleppen eine effektive Behandlung und riskieren eine Ausbreitung des Nagelpilzes auf weitere Bereiche. Das erschwert die Behandlung und reduziert womöglich Ihre Bewegungsfähigkeit. Omas Hausmittel können außerdem die befallenen Partien und deren Umgebung zusätzlich reizen.