Schon gewusst?

Was die Zunge über Sie verrät

„Sagen Sie mal A!“ – die Begutachtung Ihrer Zunge gehört seit jeher zu den Standarduntersuchungen von Ärzten. Sie können dadurch verschiedene Krankheiten identifizieren.

Nicht nur der Hals-Nase-Ohren-Arzt kann über den Zustand Ihrer Zunge Rückschlüsse auf mögliche Erkältungskrankheiten schließen. Auch Ärzte anderer Fachbereiche nutzen die Zungendiagnose. Denn Veränderungen der Mundflora, verursacht durch verschiedene Krankheiten, zeigen sich dort. Sie ist zudem über die Nervenbahnen mit dem Gehirn und vielen Körperorganen vernetzt.

Über die Zunge

Die Zunge ist ein kräftiger und beweglicher Muskelkörper. Sie benötigen sie zum Kauen, Saugen und Schlucken. Sie ist mit Sinneszellen für das Schmecken und das Tasten ausgestattet. Auch um zu sprechen, ist sie unverzichtbar. Ohne sie könnten Sie viele Laute nicht bilden. Sie unterteilt sich in die Zungenspitze (Apex linguae), den Zungenkörper (Corpus linguae) und die Wurzel (Radix linguae). Die Zungenoberseite (Dorsum linguae) ist leicht gewölbt. Für die Zungendiagnostik spielt sie die Hauptrolle.

Normalerweise sollte sie blassrosa und feucht, an der Oberfläche etwas rau und leicht belegt sein. Verändert sich ihr Aussehen und das nicht nur für ein paar Stunden, kann das ein Hinweis auf eine Erkrankung sein. Aber Vorsicht: Ihre Optik ist eines von vielen möglichen Krankheitszeichen. Nur ein Arzt kann im Zusammenspiel mit anderen Symptomen erkennen, ob eine Krankheit vorliegt. Vor der Inspektion sollten Sie keine färbenden Lebensmittel wie Kaffee, Tee, Rotwein, Oliven, Blaubeeren oder künstlich gefärbte Süßigkeiten zu sich nehmen.

Zu folgenden Veränderungen der Zunge kommt es häufig:

Weißer Belag: Wenn Ihre Zunge stärker als sonst weiß belegt ist, liegt meist ein Erkältungsinfekt vor. Es kann aber auch ein Hinweis sein auf eine Magen-Darm-Erkrankung, etwa eine Magenschleimhautentzündung. Hat sich der weiße Belag ganz hinten am Zungengrund gebildet, ist das ein Leitsymptom für Scharlach.

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Weiße Flecken: Liegt eine Pilzerkrankung, der sogenannte Soor vor, dann zeigen sich auf Ihrer Zunge oder im gesamten Mundraum weiße Flecken. Sie lassen sich leicht wegwischen, wobei darunter ein roter Fleck zum Vorschein kommt. Auslöser des Soors ist der Hefepilz Candida albicans.

Grau-weißer Belag: Hat er sich in der Mitte gebildet und erscheinen am Rand rote Flecken, könnte es sich um eine Begleiterscheinung von Typhus handeln. Riecht er süßlich bis faulig, ist das ein typisches Merkmal für Diphtherie.

Grauer Belag: Er könnte auf einen schweren Eisenmangel deuten.

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Junge Frau, die die Zunge heraus streckt.

Der Belag der Zunge kann viel über den Gesundheitsstand verraten. (c) ALDECAstudio/Fotolia

Gelber Belag: Er kann auf eine Leber- oder Gallenerkrankung hinweisen.

Brauner Belag: Er ist Anzeichen für eine Nierenschwäche.

Schwarzer Belag: Bildet er sich im hinteren Bereich der Zunge und sind zudem die Papillen (Zungenwärzchen) verlängert, liegt eine schwarze Haarzunge (Lingua pilosa nigra) vor. Sie ist harmlos, betrifft meist Männer.

Blau gefärbte Zunge: Die Verfärbung könnte auf eine Lungenkrankheit hindeuten.

Gräuliche Zunge: Möglicherweise liegt eine Blutarmut vor.

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Rotgeränderte weiße Stellen: Wenn sie leicht schmerzen, kann es sich beispielsweise um Aphten handeln. Das sind leichte Verletzungen der Schleimhaut. Manche Menschen neigen dazu. Allerdings könnte auch ein Tumor dahinterstecken. Das sollten Sie von einem Arzt abklären lassen.

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Rote oder blutende Stellen und kleine Geschwüre sollte ebenfalls der Arzt untersuchen, um Zungenkrebs auszuschließen.

Himbeerzunge: Ist sie stark gerötet und stehen die Papillen ein wenig hervor, ist das ein typisches Symptom für Scharlach. Auch durch das Kawasaki-Syndrom (Entzündung der kleinen und mittleren Blutgefäße) kann es zu so einer Rötung kommen.

Intensiv rote, glänzende Zunge: Die Lackzunge tritt infolge schwerer Lebererkrankungen auf, beispielsweise einer Leberzirrhose.

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Dunkelrote Knötchen und weißgeränderte Blasen: Es könnte sich um Plaques muqueuses handeln, die eine Begleiterscheinung der Syphilis im zweiten Stadium sind.

Landkartenzunge (Lingua geografica): Es erscheinen Flecken und Linien, weißlich bis rot. Sie ähneln einer Landkarte und verändern sich immer wieder. Die Landkartenzunge ist eine gutartige entzündliche Veränderung und wahrscheinlich genetisch bedingt.

Furchen und Risse: Sie können je nach Ausprägung und Anordnung auf Darmprobleme hindeuten, etwa im Fünffingerdarm.

Längsfurchen: Sind typisch für Syphilis.

Zungenbrennen: Brennt Ihre Zunge, könnte ein Vitaminmangel vorliegen, häufig des Vitamins-B12. Das Symptom ist auch typisch für Diabetes.

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Geschwollene Zunge: Eine allergische Reaktion, beispielsweise auf Erdnüsse, kann die Schwellung auslösen.