Medizin aktuell

Zika-Virus: Das sollten Sie jetzt wissen

Nachdem vor kurzem erste Zika-Infektionen in den USA bekannt wurden, hat die WHO jetzt den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Der Zika-Virus grassiert seit einigen Monaten in Südamerika und steht unter Verdacht, die Entwicklung ungeborener Kinder schwerwiegend zu schädigen. 

Auch in Deutschland gab es Infektionsfälle. Die Betroffenen hatten sich auf Reisen angesteckt. Die WHO hält es für möglich, dass das Virus auch von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Nach Einschätzung von Experten der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin ist davon auszugehen, dass sich die Infektionsgebiete weiter ausdehnen werden.

Was ist der Zika-Virus?

Der Zika-Virus wurde 1947 entdeckt, seit 2006 ist sein genetischer Aufbau entschlüsselt. Er stammt aus dem tropischen Afrika, wurde aber bis dato auch in Asien, Amerika und Polynesien nachgewiesen.

Wie kann man sich damit infizieren?

Auslöser der Infektion ist ein Stich durch infizierte Mücken der Gattung Aedes. Die Gelbfiebermücke Aedes aegypti gilt als Hauptüberträger. Ihr Lebensraum sind die Tropen und Subtropen. Auch die Asiatischen Tigermücken (vor allem Aedes albopictus) scheinen als mögliche Überträger in Frage zu kommen. Sie leben in gemäßigten Breiten und wurden in den letzten Jahren auch in Südeuropa gesichtet.

Der Virus wurde im Blut und in Samenflüssigkeit von Infizierten nachgewiesen. Die WHO hält eine Übertragung von Mensch zu Mensch für grundsätzlich möglich – ebenso wie das Robert Koch-Institut, das davon ausgeht, dass der Virus durch sexuellen Kontakt oder bei der Geburt übertragen werden kann.

Wie breitete sich der Zika-Virus aus?

Zum ersten Mal wurde 2007 von Inselstaaten im Südpazifik berichtet, dass sich dort gehäuft Menschen mit dem Virus infiziert hatten. In die Schlagzeilen geriet der Virus im Frühjahr 2014, als ein größerer Ausbruch in Brasilien auftrat. Im Herbst und Winter 2014 wurden Erkrankungen in Kolumbien und der Karibik gemeldet. In diesem Zeitraum traten in Brasilien vermehrt Fälle von sogenannter pränataler Mikrozephalie auf – im gleichen Verhältnis, wie vermehrt Infektionen mit dem Zika-Virus nachgewiesen wurden. Seit vergangenem Oktober wurden in dem Land 4.000 Fälle von Mikrozephalie gemeldet.

Was ist pränatale Mikrozephalie?

Unter pränataler Mikrozephalie versteht man eine Fehlbildung von Schädel und Gehirn bei ungeborenen Kindern. Als Neugeborene haben die Betroffenen einen zu kleinen Kopf und in der Regel auch ein zu kleines Gehirn. Dies führt zu Behinderungen und schweren neurologischen Störungen bei den Säuglingen. Auch andere Viruserkrankungen, zum Beispiel Röteln, oder radioaktive Strahlung können eine Mikrozephalie verursachen.

Dass der Zika-Virus in den aktuellen Fällen die Ursache für die Schädel-Hirn-Fehlbildungen ist, ist nicht nachgewiesen, gilt jedoch als sehr wahrscheinlich. Die WHO rief zeitgleich mit der Ausrufung des internationalen Gesundheitsnotstandes dazu auf, die Anstrengungen zur Erforschung des Virus zu verstärken und zu bündeln.

Woran erkennt man eine Infektion?

Die Symptome einer Ansteckung sind normalerweise nicht besonders schwerwiegend, und eine Behandlung im Krankenhaus ist in den meisten Fällen nicht nötig. Diese Beschwerden kann die Infektion auslösen:

  • Hautausschlag
  • leichtes Fieber
  • Gelenkschmerzen
  • Bindehautentzündung
  • seltener: Muskel- und Kopfschmerzen und Erbrechen

Der Ausschlag hält durchschnittlich sechs Tage an, die anderen Symptome klingen früher ab. Todesfälle sind extrem selten. Wichtig: Viele Infizierte erkennen die Erkrankung nicht, da ihre Symptome individuell sehr unterschiedlich ausfallen können. Einen sicheren Beweis für eine Infektion mit dem Zika-Virus liefert eine Blutuntersuchung auf Viren und Antikörper.

Wie kann man sich schützen?

Es gibt keine spezielle Therapie gegen der Virus und auch keine Impfung. Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin rät Schwangeren aktuell, nicht in Gebiete zu reisen, in denen der Virus grassiert. Ist dies nicht möglich, muss der Schutz vor Ansteckung, sprich vor einem Mückenstich, extrem erhöht werden. Eine generelle Reisewarnung besteht nicht.

Bei infizierten Schwangeren ist nach aktuellem Wissensstand laut dem Robert Koch-Institut „ein Risiko von Schädigungen des Zentralnervensystems der Kinder nicht auszuschließen“. Außerdem raten Experten Schwangeren, die in von Zika betroffenen Gebieten unterwegs waren, ihren Frauenarzt bei Vorsorgeuntersuchungen darauf hinzuweisen. Am 15. Januar 2016 empfahlen US-amerikanische Gesundheitsbehörden (Center for Disease Control and Prevention) schwangeren Frauen erstmals, Reisen nach Brasilien oder in andere betroffene Staaten zu verschieben, solange es dort Infektionen mit dem Zika-Virus gibt. Auch das auswärtige Amt empfiehlt Schwangeren, nicht in betroffene Gebiete zu reisen.

Aktuellste Informationen zur Lage der Infektionen in den einzelnen Ländern finden Sie hier:

www.paho.org/zikavirus
www.cdc.gov/zika/geo/index.html