Kopf & Psyche

Das Wendy-Syndrom – wenn Frauen sich aufopfern

Wer kennt sie nicht: Peter Pan und Wendy Darling. Liebhaber bezaubernder Kindergeschichten, wissen, wer gemeint ist. Wendy ist Peter Pans beste Freundin und sehr darauf bedacht, dass es ihrem Freund gut geht und an nichts mangelt.

Grundsätzlich ist an diesem Verhältnis zwischen den beiden nichts Verwerfliches. Während Peter Pan sich jedoch strikt weigert, erwachsen zu werden und endlich Verantwortung für sein Leben und Handeln zu übernehmen, ist Wendy diejenige, die all diese Aufgaben für ihn übernimmt – und zwar freiwillig. Was dieses sogenannte Wendy-Syndrom mit der Realität zu tun hat, erfahren Sie bei uns!

Was ist das Wendy-Syndrom?

Wie bereits oben beschrieben, kommt das Verhältnis zwischen Mann und Frau beim Wendy-Syndrom dem Verhältnis zwischen Peter Pan und Wendy unsagbar nahe. Diese ist nämlich nicht nur in jeder Lebenslage für Peter Pan da, sie putzt außerdem sein Haus, regelt alles, was aus dem Ruder zu laufen droht und kümmert sich auch sonst um eigentlich alles, was anfällt. Wendy verhält sich eigentlich regelrecht aufopferungsvoll. Und genau hier kommen die Parallelen zum Wendy-Syndrom, einem psychischen Krankheitsbild, ins Spiel.

Die Ursachen des Wendy-Syndroms

Sehr viel ist über das Wendy-Syndrom bisher noch nicht bekannt. Fakt ist jedoch, dass meist Frauen unter dem Wendy-Syndrom leiden, die sich genauso hingebungsvoll um ihren Mann oder Partner kümmern wie es eben Wendy bei Peter Pan macht. Nur handelt es sich hierbei nicht um eine süße Kindergeschichte, sondern ist für die meisten Betroffenen bitterer Ernst. Auch wenn die betroffene Frau ihren Partner intensiv umsorgt, sich um alles kümmert und dabei in den meisten Fällen selbst bei allem auf der Strecke bleibt, ist es so, dass sie dies gerne und aus voller Überzeugung macht.

Man darf jedoch allgemeines „sich kümmern“ oder „sich um den anderen sorgen“ nicht mit der weitaus intensiveren Ausprägung und den krankhaften Zügen des Wendy-Syndroms verwechseln.

Eine der Hauptursachen, die wohl für das Wendy-Syndrom verantwortlich sind, ist ein mangelndes Selbstwertgefühl, im Einklang mit fehlendem Selbstbewusstsein. Dieses führt in solchen Fällen dazu, dass sich die vom Wendy-Syndrom betroffenen Frauen weniger wertvoll fühlen als es ihrer Meinung nach der Mann ist und dementsprechend handeln.

Sicherlich gibt es auch Männer, die am Wendy-Syndrom leiden, die Mehrheit betrifft in der Regel jedoch das weibliche Geschlecht. In einer solchen Beziehung fehlen prinzipiell die nötigen Grenzen und Regeln, die eine Partnerschaft und Ehe sonst ausmachen. Das gesunde Gleichgewicht zwischen den einzelnen Partnern ist quasi nicht vorhanden.

Frau mit Staubsauger, Mann auf Couch

Aufgabenteilung ist Betroffenen des Wendy-Syndroms fremd. (c) Budimir Jevtic/fotolia

Das Wendy-Syndrom: die Symptome

Da es sich beim Wendy-Syndrom um eine nicht körperliche Erkrankung handelt, ist es schwer, spezielle Symptome zu nennen. Erkennen kann man einen Menschen, der am Wendy-Syndrom leidet, meist daran, dass er sich nicht nur aufopferungsvoll um seinen/ihren Partner kümmert, sondern vor allem auch das eigene Leben komplett hinten anstellt. Frauen (und Männer) mit dem Wendy-Syndrom haben das innige Bedürfnis, sich um ihre Partner, Kinder oder andere nahestehende Mitmenschen intensiv zu kümmern und diese stark zu bemuttern.

Im gleichen Atemzug verzichten die Erkrankten auf alles, was ihnen in ihrem Leben möglicherweise selbst wichtig oder von Bedeutung wäre. Sie können nicht anders, als die gesamte Verantwortung an sich zu reißen. Ein perfektes Verhaltensmuster übrigens für Menschen (überwiegend Männer), die unter dem Peter-Pan-Syndrom leiden. Dabei handelt es sich praktisch um genau das Gegenteil: die Männer möchten weder reif noch erwachsen werden, keine Verantwortung in ihrem Leben übernehmen und benehmen sich im Grunde bei jeder Gelegenheit wie kleine Kinder – wie Peter Pan eben.

Gesundheitlich kann sich das Wendy-Syndrom langfristig durchaus auch auf dem Körper und das eigene Wohlbefinden auswirken. Von Erschöpfungszuständen und Frust bis hin zu ernsthaften Depressionen können zahlreiche Krankheitsbilder die Folge sein. Häufig ist es so, dass sich betroffene Frauen mit der Zeit ausgenutzt fühlen und in ihrem eigenen Leben, das sie lange Zeit vernachlässigt haben, keinen wirklichen Sinn mehr sehen. Dennoch haben sie Angst zurückgewiesen zu werden, sollten sie ihr Verhalten ändern.

Wendy-Syndrom: die Behandlung

Wie bei anderen psychischen Erkrankungen ist die Selbsterkenntnis auch hier der erste Weg, um sich helfen zu lassen. In intensiven Gesprächen mit einem Therapeuten kann den Betroffenen unter Umständen aus dem Teufelskreis geholfen werden. Die Stärkung des e^igenen Selbstwertgefühls spielt hierbei eine besonders wichtige Rolle. Betroffene Frauen sollten sich außerdem von unreifen Männern mit infantilen Verhaltenszügen fernhalten, um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen.