Kopf & Psyche

Was ist eine Borderline-Persönlichkeitsstörung?

Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung handelt es sich um eine psychische Erkrankung, bei der unberechenbares Verhalten und starke Emotionen den Alltag erschweren. Betroffene Menschen haben oft Schwierigkeiten, stabile und vertrauensvolle Beziehungen zu anderen einzugehen. Wir klären über die Krankheit auf.

Für Außenstehende mag es häufig aussehen, als hätte ein Borderline-Patient schlicht einen schwierigen Charakter. Deshalb wird oft nicht erkannt, dass ärztliche Hilfe benötigt wird. Mit der richtigen Behandlung ist es aber möglich, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität wieder zu steigern.

Wodurch wird eine Borderline-Persönlichkeitsstörung ausgelöst?

Nach heutigem Kenntnisstand gibt es nicht nur eine einzige Ursache für die Borderline-Persönlichkeitsstörung. Wissenschaftler sind sich stattdessen einig, dass die Erkrankung erst durch eine Kombination von mehreren Umständen entsteht.

Zum einen spielt die genetische Veranlagung eine wichtige Rolle. Das bedeutet, dass eine Neigung zu dieser Krankheit von Eltern an ihre Kinder vererbt wird. Das allein reicht jedoch nicht aus: Traumatisierende Erlebnisse in der frühen Kindheit, wie zum Beispiel Vernachlässigung, starke Konflikte zwischen den Eltern oder Missbrauch, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind später eine Borderline-Persönlichkeitsstörung entwickelt.

Außerdem leistet auch die Hirnforschung einen Beitrag zur Ursachenforschung: Studien haben ergeben, dass bei Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung die Bereiche des Gehirns, die für die Gefühle und das Gedächtnis zuständig sind, oft verkleinert sind und ihre Aufgabe schlechter erfüllen. So lassen sich zumindest einige der Symptome erklären.

Welche Symptome verursacht die Erkrankung?

Die Symptome einer Borderline-Persönlichkeitsstörung können vielfältig sein und sind von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Einige Hauptsymptome haben jedoch viele Borderline-Patienten gemeinsam. Diese sind zum Beispiel:

  • Unbestimmte Ängste, zum Beispiel vor dem Verlassenwerden oder vor Zurückweisung
  • Stimmungsschwankungen, Empfindlichkeit und starke emotionale Reaktionen, wie zum Beispiel Wutausbrüche
  • Unberechenbares, oftmals selbstschädigendes oder -verletzendes Verhalten, bis hin zum Suizid
  • Neigung zu verbaler oder physischer Gewalt
  • Eine gestörte Selbstwahrnehmung
  • Gefühle von Leere
  • Eine extreme Bewertung anderer Menschen, bei der diese entweder verherrlicht oder abgewertet werden
  • Häufige Missverständnisse und Schwierigkeiten, Konflikte zu lösen und sich zu versöhnen

Borderline-Persönlichkeitsstörung

Psychotherapie kann Betroffenen helfen. (c) WavebreakMediaMicro / Fotolia


Wie erkennt der Arzt die Erkrankung?

Ob ein Mensch von einer Borderline-Persönlichkeitsstörung betroffen ist, wird meistens im Gespräch mit einem Psychiater oder einem Psychotherapeuten eingeschätzt. Dieser ermittelt, ob zumindest ein Teil der typischen Verhaltensweisen und Persönlichkeitszüge vorhanden sind.

Dazu fragt er ausführlich nach den einzelnen Beschwerden, der persönlichen Vergangenheit und anderen körperlichen und psychischen Erkrankungen. Vorher ist jedoch meistens ein Besuch beim Hausarzt nötig, um sicherzustellen, dass die jeweiligen Beschwerden keine körperliche Ursache haben.

Wie lässt sich eine Borderline-Persönlichkeitsstörung behandeln?

Ein einfaches Heilmittel gibt es für die Borderline-Persönlichkeitsstörung nicht. In einer psychotherapeutischen Behandlung, wie zum Beispiel der Verhaltenstherapie, kann aber durch Gespräche und Übungen der Umgang mit der Erkrankung gelernt werden. So können auch die Symptome gelindert werden. Dadurch ist es für viele Patienten möglich, ein gesünderes Verhältnis zu sich selbst und anderen Personen zu entwickeln.

Unter der Borderline-Persönlichkeitsstörung leidet meistens nicht nur die betroffene Person, sondern auch die Menschen, die ihr am nächsten stehen. Wichtig ist für eine erfolgreiche Behandlung also, dass auch Familienmitglieder, Partner und andere wichtige Personen aus dem näheren Umfeld lernen, mit den verwirrenden und manchmal verletzenden Verhaltensmustern der betroffenen Person umzugehen.

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Medikamente können helfen

Ob die Borderline-Persönlichkeitsstörung auch mit Medikamenten behandelt werden kann, ist bisher umstritten. Die Wirkung der Psychotherapie ist wissenschaftlich besser belegt. Die Erkrankung tritt jedoch selten allein auf. Oft leiden Betroffene gleichzeitig unter Depressionen oder dem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS).

Zur Behandlung dieser psychischen Störungen gibt es wirksame Medikamente, wie beispielsweise Antidepressiva. Deshalb besteht die Therapie für Borderline-Patienten oft aus einer Mischung von Medikamenten und Psychotherapie.