Kopf & Psyche

Trigeminusneuralgie – Starke Schmerzen im Gesicht

Plötzliche, stechende Gesichtsschmerzen – darunter leiden die Betroffenen einer Trigeminusneuralgie. Auch wenn die Schmerzen nur wenige Sekunden anhalten, zählen sie zu den stärksten bekannten Schmerzen überhaupt. Erfahren Sie hier mehr dazu.

Die Trigeminusneuralgie ist eine eher unbekannte Krankheit. Trotzdem leiden etwa vier von 100 000 Menschen darunter. Aber Sie müssen sich mit dem Gesichtsschmerz nicht abfinden. Eine Trigeminusneuralgie kann mit verschiedenen Methoden behandelt werden.

Trigeminusneuralgie – Was ist das?

Die Trigeminusneuralgie ist ein in Intervallen auftretender Gesichtsschmerz, der durch eine Schädigung oder Reizung des fünften Hirnnervs (Trigeminusnerv) entsteht. Dieser Nerv teilt sich im Schädel auf der Höhe des Ohrläppchens in drei Äste auf und tritt am Unterkiefer, am Oberkiefer und etwa auf Augenhöhle aus dem Schädel heraus. Durch verschiedene Ursachen kann sich ein starker Druck auf den Nerven aufbauen. Wenn sich dieserer spontan entlädt, verursacht das anfallartige Schmerzen im Gesicht.

Mediziner unterscheiden zwischen Klassischer und Symptomatischer Trigeminusneuralgie. Bei der Symptomatischen Trigeminusneuralgie gibt es eine bestimmte Ursache, die auch festgestellt werden kann. Bei der Klassischen Trigeminusneuralgie gibt es meist keine Vorerkrankung. Diese Form der Erkrankung kommt am häufigsten vor.

Welche Symptome verursacht die Erkrankung?

Eine Trigeminusneuralgie verursacht plötzliche, blitzartige Schmerzen im Gesicht, welche überwiegend einseitig auftreten. Von Betroffenen werden diese Schmerzen als einschießend und stromstoßartig charakterisiert. Eine Schmerzattacke dauert ein paar Sekunden bis maximal zwei Minuten. Sie kann sich bis zu 100 Mal am Tag wiederholen.

Zwischen den Anfällen sind die Betroffenen beschwerdefrei. Die Trigeminusneuralgie ist trotzdem eine große Beeinträchtigung in ihrem Alltag.

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Ursachen einer Trigeminusneuralgie

Die klassische Trigeminusneuralgie ist die häufigere Form und hat ihre Ursache in einem krankhaften Gefäß-Nerv-Kontakt. Bei älteren Menschen kommt es in Folge des zunehmenden Alters zu einer Verdickung der Blutgefäße. Die Verdickungen beeinflussen die Isolierschicht zwischen Nerv und Blutgefäß. Dadurch drückt das Blutgefäß auf den Nerv und löst die Schmerzattacke aus. Deshalb kommt die Klassische Trigeminusneuralgie vor allem bei älteren Menschen vor.

Die Symptomatische Trigeminusneuralgie ist selten und entsteht unter anderem aufgrund von Entmarkungskrankheiten, wie Multiple Sklerose. Dabei ist die Schädigung der Nervenscheide der Auslöser der Schmerzattacke. Weitere Ursachen sind Hirntumore oder Metastasen, welche zu einem krankhaften Gefäß-Nerv-Kontakt führen.

> Mehr Informationen zum Thema Multiple Sklerose finden Sie hier

Akute Auslöser für eine Schmerzattacke können kleinste Bewegungen im Alltag, zum Beispiel eine  Berührung der Haut im Gesichtsbereich, das Sprechen, das Zähneputzen oder das Kauen und Schlucken sein.

Diagnose einer Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie lässt sich nicht sofort erkennen, da der plötzlich auftretende Gesichtsschmerz verschiedene Ursachen haben kann. Meist ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner. Er kann an einen Neurologen (Facharzt für Erkrankungen rund um das Nervensystem) weiterleiten. Vor allem für die Anamnese beim Arzt kann es sinnvoll sein, ein Schmerztagebuch zu führen und in diesem alle Schmerzattacken zu dokumentieren. Das erleichtert sowohl dem Mediziner, als auch dem Patienten die Erfragung der Symptome.

Älterer Mann, der einer jungen Ärztin gegenüber hockt und mit ihr spricht.

In einem Gespräch kann der Neurologe die Symptome erfragen. (c) Colourbox.de

Nach einer ausführlichen Anamnese erfolgt eine Untersuchung der Nerven. Werden keine Schädigungen gefunden, weist das auf eine Trigeminusneuralgie hin. Meist wird dann ein MRT des Kopfes durchgeführt. Im Mittelpunkt dieser Untersuchung steht der Trigeminusnerv. Dieser wird auf mögliche Beeinträchtigungen wie Tumore, Einschränkung durch Blutgefäße oder Anzeichen einer Entmarkungskrankheit untersucht. Hierbei kann nicht nur festgestellt werden, ob eine Trigeminusneuralgie feststeht, sondern auch in welcher Form.

Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt verschiedene Methoden, um eine Trigeminusneuralgie zu behandeln. Klassische Schmerzmittel können die Beschwerden nicht lindern. Daher erfolgt die Behandlung der betroffenen Personen mit Anti-Epileptikal, um erneute Schmerzanfälle zu verhindern. 50 Prozent der Patienten leben dadurch schmerzfrei.

Hilft das nicht, wird der Arzt eine Operation empfehlen. Dabei stehen verschiedene Methoden zur Auswahl:

Ganglion-Gasseri-Techniken

Dabei wird ein Eingriff durch die unverletzte Haut im oder am vom Trigeminusnerv gebildeten Nervenknoten vorgenommen. Der Eingriff wird unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Der Arzt führt eine Nadel über die Wange bis zum Nervenknoten ein und zerstört dort die für die Schmerzleitung verantwortlichen Nervenfasern. Ein Risiko dieser Methode ist, dass es zu Empfindungsstörungen in der betroffenen Gesichtshälfte kommen kann. 90 Prozent der Betroffenen werden mit dieser Methode erfolgreich behandelt.

Mikrovaskuläre Dekompression

Diese Operation wird unter Vollnarkose durchgeführt. Der behandelnde Arzt öffnet hinter dem Ohr eine kleine Stelle im Schädel und legt anschließend die Wurzel des Trigeminusnervs frei. Danach klemmt er ein kleines Kunststoffpolster zwischen die Nervenwurzel und das Blutgefäß. Dadurch wird eine erneute Quetschung verhindert. 98 Prozent der Betroffenen sind sofort oder kurz nach dem Eingriff beschwerdefrei.

Radiochirurgie

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Radiochirurgie. Der betroffene Nerv wird nahe dem Hirnstamm in einer einmaligen Sitzung mit einem kleinen Strahlungsfeld unter örtlicher Betäubung bestrahlt. Die Betroffenen sind oft nach 24 Stunden schmerzfrei. Allerdings kann es in seltenen Fällen auch mehrere Monate dauern, bis die Schmerzen vollständig verschwinden.

Folgen einer Trigeminusneuralgie

Eine Trigeminusneuralgie ist eine große Belastung für Betroffene. Sie wissen, dass bei kleinsten Bewegungen im Alltag eine erneute Schmerzattacke ausgelöst werden kann. Umso wichtiger ist es daher, dass sich Patienten an einen Mediziner wenden und die Erkrankung behandeln lassen.

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