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Tai Chi – Innere Kampfkunst aus China

Im Kaiserreich China erfunden, hat sich seit den sechziger Jahren die traditionelle Kampfkunst Tai Chi weltweit verbreitet.

Tai-Chi ähnelt zwar im ersten Moment den sonst so bekannten Kampfsportarten wie Taekwondo oder Judo. Im Detail sind sie jedoch grundverschieden und nicht miteinander zu vergleichen. Die Stärke dieser asiatischen Sportart liegt nämlich in der Kombination aus harmonischen Kampfbewegungen, Meditation und Atmungstechniken. Erfahren Sie im folgenden Text, was Tai Chi genau ist, worauf es ankommt und wo Sie trainieren können.

Tai Chi – Philosophie und Grundprinzipien

Die offizielle Bezeichnung von Tai Chi in der Pinyinschrift lautet Tàijíquán. Seine Ursprünge gehen auf die taoistischen Mönche zurück, die in den Wudang Bergen in Nordwesten Chinas ab dem 4 Jahrhundert n.Chr. lebten. Die jetzigen Techniken wurden jedoch vor etwa zweihundert Jahren entwickelt. Sie sind ein Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin, in der das richtige Verhältnis zwischen Yin (Ruhe) und Yang (Energie), sowie das Fließen der Lebensenergie Qi entlang der Meridianen Grundprinzipien darstellen.

Bei Tai-Chi handelt es sich um eine innere Kampfkunst. Das bedeutet, dass das Erreichen eines inneren Gleichgewichts und einer inneren Kraft im Vordergrund stehen, mit denen die Energie des Gegners aufgefangen wird. Eine einheitliche Richtung fehlt in dieser Kampfkunst, die verschiedene Stile aufweist, wovon die bekanntesten der Yang-, der Wu- und der Chen-Stil sind. Gemeinsam ist jedoch die Fokussierung auf Entspannung und Weichheit.

Die Bewegungen sollen harmonisch sein, damit das Qi fließen kann. Verwandt mit Tai Chi ist die chinesische Meditationstechnik Qi Gong, die jedoch keine Kampfkunst ist und die geistige Arbeit als Schwerpunkt hat.

Die 10 Grundprinzipien des Tai-Chi

Der Tai Chi Meister Yang Chenfu (1883-1936), der den Yang-Stil maßgeblich prägte, entwickelte zehn Grundprinzipien, die Tai Chi Schüler während der Übungen folgen sollten. Diese lauten:

  1. Den Kopf entspannt aufrichten
  2. Die Brust zurückhalten und den Rücken gerade strecken
  3. Das Kreuz locker lassen
  4. Die Leere (unbelastete Glieder) von der Fülle (belasteten Gliedern) unterscheiden
  5. Die Schultern und die Ellenbogen hängen lassen
  6. Bewusstsein (Yi) statt Gewalt bei Bewegungen anwenden
  7. Auf die Koordination zwischen oberen und unteren Körperteilen achten
  8. Geist und Körper harmonieren lassen
  9. Die Bewegungen ohne Unterbrechungen fließen lassen
  10. Bei den Übungen ruhig bleiben

Tai Chi Übungen, die Figuren genannt werden, ähneln Tanzchoreografien und tragen Namen wie „Den Vogel am Schwanz fassen“ oder „Der weiße Kranich breitet seine Flügel aus“. Sie dienen dazu, die verschiedenen Teilfähigkeiten wie stabiles Stehen, Sensibilität, gutes Gleichgewicht und extreme Schnelligkeit und die sieben inneren Energien (klebende, hörende, verstehende, aufnehmende, neutralisierende, borgende und herausgebende Energie) kennenzulernen und zu beherrschen.

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Ein Mann um die 60 übt Tai Chi auf einer Matte.

Tai Chi eignet sich für Menschen jeden Alters. (c) ulza / Fotolia

Wo kann ich Tai Chi erlernen und was brauche ich dafür?

Tai Chi Kurse finden in der Regel in geschlossenen Räumlichkeiten wie Turnhallen statt. Wegen der Beliebtheit der chinesischen Kampfkunst bieten inzwischen zahlreiche Kampfsportschulen und Yogastudios Einstiegskurse und Trainingseinheiten für Fortgeschrittene. Aber auch in Parks treffen sich besonders in Großstädten Tai Chi Anhänger, um gemeinsam zu üben.

Eine Ausrüstung ist bei Tai Chi nicht nötig. Sie sollten jedoch bequeme Kleidung tragen, um sich entspannt bewegen zu können. Fortgeschrittene Tai Chi Schüler können auch mit Waffen trainieren, die jedoch als Instrumente dienen und nicht den Zweck haben, Gegner anzugreifen. Zu den verwendeten Waffen gehören Holzschwerte, Säbel, Fächer, Speere und Stöcke.

Tai Chi – Vor- und Nachteile der Sportart

Ein Vorteil von Tai Chi ist die entspannende Wirkung der Formen. Die Übungen stellen kein reines Krafttraining dar, sondern sind auch nützlich um Stress zu lindern, Erschöpfungssymptome zu reduzieren, die richtige Atmung zu lernen und die Psyche zu stärken. Aus diesem Grund eignet sich Tai Chi auch für depressive und gestresste Menschen und um Herz- und Gefäßkrankheiten bei Risikopatienten vorzubeugen. Senioren mit Gelenk- und Rheumaschmerzen und Patienten mit orthopädischen Beschwerden wie Nackenverspannungen oder Muskelverletzungen profitieren ebenfalls von den sanften Bewegungen.

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Ein weiterer Vorteil ist die Tatsache, dass Tai Chi Choreografien überall ausgeführt werden können und dafür keinerlei Ausrüstung notwendig ist. Ihre Ästhetik und ihre Eleganz sind ein weiterer Grund, sich mit ihnen zu befassen.

Die Langsamkeit der Übungen stellt den einzigen möglichen Nachteil dieser Sportart dar. Wer Geschwindigkeit, Angriffe und Zweikämpfe sucht, ist womöglich mit einer anderen asiatischen Kampfkunst wie Taekwon-Do oder Judo besser beraten, da bei Tai Chi die Erhaltung der Körperspannung und des Energieflusses eine zentrale Rolle spielen.