Kopf & Psyche

Stottern: Ursache und Behandlung

Marilyn Monroe soll gestottert haben, Bruce Willis und der Sänger Ed Sheeran als Kinder ebenfalls. Stottern (Fachbegriff: Balbuties) ist ein weit verbreitetes Problem. Doch es kann gelöst werden, wenn man es frühzeitig angeht.

Laut Statistik beginnen fünf Prozent aller Kinder vor dem fünften Lebensjahr plötzlich zu stottern, auch wenn sie zuvor schon flüssig sprechen konnten. Viele hören im Vorschulalter damit auf, die meisten aber spätestens vor der Pubertät. Bei einem Prozent der deutschen Bevölkerung erledigt sich das Problem jedoch nicht von selbst. Das bedeutet: Mehr als 800.000 Erwachsene stottern.

Mögliche Ursachen des Stotterns

Man geht davon aus, dass Stotternde von Geburt an die Veranlagung dazu hatten. Das heißt nicht, dass jeder, der die Veranlagung hat, auch zwangsläufig irgendwann stottert. Das müssen andere Umstände bewirken, die vermutlich im frühen Kindesalter auftreten, also in einer Phase, in der Jungen und Mädchen sich besonders stark entwickeln: sprachlich ebenso wie emotional und sozial.

Viel genauer hat man die Ursachen des Stotterns bisher nicht erforscht. Jüngere Untersuchungen haben aber ergeben, dass der Bereich des Gehirns, der für die Artikulation zuständig ist, bei erwachsenen Stotternden weniger durchlässig ist. Das heißt: Sie wissen, was sie wie sagen wollen, aber bei der Übermittlung hakt es manchmal.

Auf keinen Fall aber sind Stotternde weniger intelligent oder haben psychische Probleme, wie häufig angenommen wird. Auch Angst oder Nervosität sind keine Ursachen für chronifiziertes Stottern. Allerdings können sie es verstärken.

Stottern ist eine Sprechstörung: die Symptome

Das Stottern ist eine reine Sprechstörung und in erster Linie ein artikulatorisches Problem. Man darf es nicht mit einer Sprachstörung wie der Aphasie oder Dyslexie verwechseln, bei der Betroffene mental Probleme haben, Wörter oder Sätze zu bilden.

Es gibt drei typische Symptome des Stotterns:

  1. Die Blockierung: Der Betroffene macht zwischen zwei Wörtern eine lange Pause. Beispiel: “Ich sehe ………….. eine Kuh.”
  2. Die Dehnung: Der Betroffene bleibt an einem Laut hängen. Beispiel: “Ich sssssssssssssehe eine Kuh”.
  3. Die Wiederholung: Der Betroffene wiederholt einen Laut immer wieder. Beispiel: “Ich sehe eine K-k-k-k-k-k-uh.” Das muss nicht zwangsläufig zu Beginn eines Wortes passieren. Meistens tritt das Problem beim Übergang von Konsonant zu Vokal auf. Beginnt ein Wort allerdings mit einem Vokal, kann ein Stotternder bereits dort hängen bleiben.

Häufig treten auch sekundäre Symptome auf. Bei manchen etwa verkrampft sich die Muskulatur im Gesicht, wenn sie stottern. Andere machen auffällige Körperbewegungen. Viele vermeiden auch Blickkontakt oder verstummen ganz.

Entspannen, sprechen, vorlesen

Entspanntes Reden oder Vorlesen kann das Stottern verbessern. (c) Syda Productions/Fotolia

Therapiemöglichkeiten

Im Kindesalter ist Stottern heilbar. Eltern sollten Hilfe bei einem Logopäden oder Sprachheilpädagogen suchen, sobald ihr Sohn oder ihre Tochter unter der Sprechstörung zu leiden beginnt, aber auch, wenn diese bereits mehrere Monate anhält. Wenn man zu lange wartet, können sich bereits Folgesymptome gebildet haben. Scham oder Angst vor Gesprächssituationen zum Beispiel.

Behandlung bei Erwachsenen

Wer sich erst im Erwachsenenalter in Therapie begibt, hat dagegen kaum Chancen, dass das Stottern komplett verschwindet. Aber man kann sich Techniken angewöhnen, die das Sprechen und damit das Leben leichter machen.

Da die Ursachen des Stotterns nicht eindeutig sind, sind es folglich auch die Therapieansätze nicht. Die meisten basieren aber auf zwei Richtungen: dem Verändern der Sprechweise (“fluency shaping”) und dem Verändern des Stotterns (“Stottermodifikation”).

Was besser hilft, muss jeder Betroffene für sich selbst herausfinden. Den einen hilft es, die Atmung zu kontrollieren, am Wortanfang weicher zu sprechen oder Vokale zu dehnen. Anderen hilft es, Sätze zunächst zu singen oder gleichzeitig mit anderen zu sagen. Anhänger der Methode der Stottermodifikation lernen zum Beispiel, ihre “Behinderung” zu akzeptieren oder auch Situationen, in denen die Störung verstärkt auftritt, vorherzusehen und in Zukunft abzuwenden. Viele erwachsene Patienten stellen auch eine Verbesserung durch Entspannungsverfahren wie Progressive Muskelentspannung oder Autogenes Training fest.

Stotternde jeder Altersgruppe sind auf die Mithilfe ihrer Mitmenschen angewiesen. Gehen Sie im Gespräch mit einem Stotternden respektvoll, entspannt und geduldig mit ihm oder ihr um. Machen Sie die Sprechstörung nicht zum Thema, aber tun Sie auch nicht so, als würden Sie sie nicht bemerken.