Beauty & Wellness

Spliss vermeiden: Tipps für gesunde Spitzen

Wer langes, volles Haar bis in die Spitzen hat, ist entweder gesegnet – oder einem Werbefilm entsprungen. Bei allen anderen liegt das Problem meist in den Haarenden: Sie sind trocken, brüchig und gespalten. Ist es einmal kaputt, kann keiner das beschädigte Haar wieder zusammenkleben. Damit es so weit gar nicht kommt, erklären wir, wie Sie Spliss vermeiden.

Unsere Haarspitzen sind empfindlich und das zu Recht. Der älteste Teil des Schopfes reibt täglich an Schals und Strickpullis, stößt gegen Schultern und wird zwischen Fingern gezwirbelt. Kurzum: Die Spitzen haben kein leichtes Leben. Kommen Hitze, übertriebene Pflege und Chemikalien zum mechanischen Stress hinzu, erliegen sie den äußeren Einflüssen irgendwann. Sie werden porös und brechen.

Was genau ist Spliss?

Die Struktur unseres Haares ist dreigeteilt. Im Inneren befindet sich die Medulla, ein Kern aus Keratin. Drumherum besteht das Haar zu 75 bis 90 Prozent aus dem sogenannten Cortex – einem Mantel aus Faserbündeln, die miteinander verkittet sind – das Ganze ähnelt dem Aufbau eines Seils. Obendrüber legt sich die Cuticula, eine Schuppenschicht, die die Haarsubstanz schützt und Aufschluss über den Gesundheitszustand unserer Haare gibt: Liegen die Schuppen flach an, ergeben sie eine glatte Oberfläche und unser Schopf glänzt aus voller Kraft.

Im Umkehrschluss versiegt der Glanz, sobald die Oberfläche aufgeraut ist – durch Föhnen, Glätten und Färben zum Beispiel. Am Haarende macht sich dieser Schaden besonders bemerkbar, die Faserbündel des Haares liegen frei und können sich in ihre Bestandteile aufspalten – einmal, zweimal, dreimal, viermal …

Liebevoller Umgang

Ob die Haare dick und robust oder fein und sensibel sind, liegt schlichtweg nicht in unserer Macht, sondern in den Genen. Worauf wir aber Einfluss haben, ist die Pflege.

Empfindliche Haare brauchen eine besondere Behandlung, was nicht heißt, dass wir sie mit Pflegeprodukten zukleistern sollten. Im Gegenteil: Neigt das Haar zu Spliss, sollte man von einigen Stylinghilfen und -produkten die Finger lassen.

  • Glätteisen, Lockenstab und heiße Luft: Hitze stresst trockene Haare. Besser ist: mit kühler Luft föhnen, immer genügend Abstand – mindestens 20 Zentimeter – zum Schopf halten und am Ansatz beginnen. Das Haar an der Luft zu trocknen, ist natürlich der noch gesündere Weg.
  • Sprays und Festiger: Nur in Maßen verwenden, denn sie entziehen Feuchtigkeit. Besser: den Haaren regelmäßig eine Stylingpause gönnen.
  • Kämme und Bürsten: Scharfe Zinken und Borsten aus Plastik oder Metall können das Haar so schädigen, dass es bricht. Besser (und schonender): Kämme und Bürsten aus Naturmaterialien wie Holz, Horn und Wildschweinborsten verwenden.
  • Colorationen (besonders Blondierungen): Chemische Bleichmittel schädigen das Haar, besser ist Pflanzenhaarfarbe.
  • Shampoos und Spülungen: Die richtige Pflege für splissanfälliges Haar besteht aus einem milden, silikonfreien (!) Shampoo, am besten auf Naturbasis und speziell für langes Haar. Pflegespülungen und Conditioner glätten die Schuppenschicht und beugen so Spliss vor. Ein paar Tropfen Kokos- oder Arganöl halten trockene Spitzen zusätzlich geschmeidig.

Sanft zu den Haaren: Kämme und Bürsten aus Holz oder Horn

Sanft zu den Haaren: Kämme und Bürsten aus Holz oder Horn (c) Colourbox


Waschen, trocknen und betten

Splissgeplagte müssen beim Waschen, Frisieren und Schlafen besonders achtsam sein, damit die Mähne auch in den Längen und Spitzen so lange wie möglich gesund und glänzend bleibt.

  • Beim Waschen: Das Shampoo gehört nicht in die Spitzen. Es reicht aus, die Pflege ins obere Drittel der Haare einzumassieren. Beim Ausspülen (mit lauwarmen Wasser!) gelangt ganz automatisch genügend Schaum in die Spitzen.
  • Beim Trocknen: bloß nicht rubbeln! Die Haare mit einem Handtuch einfach sanft trocken drücken – und dann in Ruhe lassen. Frisch gewaschene Haare sollten nicht gekämmt werden, da sie in dem Zustand viel dehnbarer und verletzlicher sind.
  • Beim Frisieren: Hochsteck- oder Flechtfrisuren schützen die Haare vor schädlicher Reibung. Spiralförmige Zopfgummis sind besonders schonend, von Haargummis mit Metallverschlüssen ist hingegen abzuraten.
  • Beim Schlafen: Kissenbezüge aus Satin und Seide verringern durch ihre weiche, glatte Oberfläche die Haarschäden, die entstehen, wenn man sich nachts hin und her wälzt.

Gesund essen, Spliss vermeiden

Eine gesunde, ausgewogene Ernährung hat großen Einfluss auf die Beschaffenheit der Haare. Denn der Schopf ist ebenso wie der restliche Körper auf Vitamine angewiesen, die wir selbst nicht herstellen können. Besonders Zink, Eisen, Vitamin C und Biotin stärken die Haare von innen heraus. Die finden sich in Lebensmitteln wie Haferflocken, Vollkornprodukten, Nüssen, Milchprodukten, Hülsenfrüchten und Eiern.

> Die wichtigsten Vitamine für die Haare

Abschneiden – auch wenn’s schwerfällt

Der sicherste Weg, splissanfälliges Haar daran zu hindern, sich immer weiter zu teilen und die Spalterei bis in die Haarlängen zu treiben, ist das Schneiden der geschädigten Spitzen. Friseure bieten einen sogenannten Splissschnitt an, bei dem sie das Haar Strähne für Strähne eindrehen und die abstehenden, kaputten Spitzen wegkürzen. Vorsicht: Wenn Sie selbst Hand anlegen, achten Sie unbedingt auf eine scharfe Schere. Sind die Klingen stumpf, wird eher gerissen als geschnitten, und das Haarende franst hinterher schneller wieder aus.

Die Anti-Spliss-Geheimwaffe mancher Friseure heißt: heiße Schere. Sie wird elektrisch auf bis zu 200 Grad erhitzt und soll die Spitzen thermisch versiegeln. Das will langfristig Spliss vermeiden. Der Haken: Die heiße Schere hilft nur bei regelmäßigem Einsatz. Unter Fachleuten ist diese Methode umstritten.

Ein halbes Jahr Spliss-Pause verspricht eine sogenannte Keratinbehandlung beim Friseur, bei der die Haare mit einer speziellen Tinktur geglättet und versiegelt werden. Ganz günstig ist diese Kur allerdings nicht. Kostenpunkt: durchschnittlich 300 Euro.

Wer alle drei Monate vom Friseur die Spitzen schneiden lässt, dämmt die Neubildung von Spliss auch langfristig ein. Manchmal genügt es schon, sich von wenigen splissigen Millimetern zu trennen. Der Schmerz beim Haarelassen dürfte also nicht allzu groß sein, wenn man bedenkt, dass unser Haar jeden Monat um ein bis eineinhalb Zentimeter an Länge zulegt.

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