Gesund bleiben

Selbstständig bleiben im Alter: Selbstbestimmt und voller Lebensfreude den Lebensabend gestalten

Älterwerden wird vielfach mit einem Verlust der Selbstständigkeit gleichgesetzt. Dabei wünschen sich die meisten Menschen, ihren Alltag bis ins hohe Alter möglichst selbstbestimmt und voller Lebensfreude zu gestalten. Immerhin weiß die medizinische Forschung inzwischen längst, dass das biologische Alter eines Menschen oft wenig mit dem Datum auf der Geburtsurkunde zu tun hat.

Trotzdem kann das Alter und die damit einhergehende gesundheitliche Beschwerden den gewohnten Alltag grundlegend verändern. Körperliche und geistige Einschränkungen müssen nicht immer in die Unselbständigkeit führen. Mit ein paar einfachen Strategien lässt sich der Lebensabend maximal selbstbestimmt und mit viel Lebensqualität gestalten.

Den Alltag barrierefrei gestalten

Barrierefreies Wohnen ermöglicht einen selbstständigen Alltag trotz gesundheitlicher Einschränkungen. Insbesondere zentrale Bereiche wie die Küche, das Schlafzimmer und das Bad sollten frühzeitig barrierefrei gestaltet werden. So können wichtige Alltagsroutinen wie die Körperhygiene, das Ankleiden und die Essenszubereitung auch bei kleinen bis mittelschweren Einschränkungen noch ohne Unterstützung selbst durchgeführt werden.

Das Bundeministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat im Rahmen der Initiative „Zuhause im Alter“ eine Checkliste erstellt, mit der sich prüfen lässt, inwiefern das häusliche Umfeld bereits altersgerecht und barrierefrei gestaltet ist und in welchen Bereichen noch Veränderungen notwendig sind, um langfristig einen selbstbestimmten Alltag zu ermöglichen.

Die Checkliste „Ist meine Wohnung altersgerecht?“ kann auf der Internetpräsenz der Initiative kostenlos heruntergeladen werden.

Mit technischen Hilfsmitteln Sicherheit und Komfort schaffen

Das Gefühl von Sicherheit in jeder Lebenssituation ist ein wichtiger Baustein eines selbstbestimmten Alltags. Ältere Menschen sollten sich über die Möglichkeiten technischer Hilfsmittel informieren, die ihnen im Alltag mehr Sicherheit und Komfort vermitteln können.

Zu den klassischsten technischen Hilfsmitteln gehört der Hausnotruf, mit dem jederzeit geschulte Pflegekräfte hinzugerufen werden können, wenn ein Problem auftritt.

Die Möglichkeiten des modernen Smart Homes können auch dabei helfen, das Leben im Alltag selbstbestimmter zu gestalten. Bewegungsmelder in zentralen Bereichen des Hauses, auch im Außenbereich, sorgen für Sicherheit auch bei Dunkelheit. Eine elektronisch gesteuerte Verdunkelung, die sich programmieren lässt, sorgt für zusätzlichen Komfort. Sprachgesteuerte Technologien können beispielsweise Aspekte wie die Beleuchtung, das Telefonieren oder die Bedienung des Fernsehers erleichtern.

Außerhalb des häuslichen Umfeldes kann ein Handy Sicherheit bieten. Spezielle Seniorenmodelle überzeugen durch eine intuitive Benutzeroberfläche und komfortable Funktionen wie eine Sprachsteuerung und ein GPS-System. So lassen sich wichtige Notruf- und Kontaktnummern einspeichern und zentrale Anlaufstellen im Alltag im Navigationssystem speichern.

Eine Übersicht über die vielfältigen technischen Möglichkeiten für Senioren hat das Seniorenportal zusammengestellt.

Pflege im häuslichen Umfeld kann einen wichtigen Beitrag leisten

In jedem Alter können gesundheitliche Einschränkungen auftreten, die es erforderlich machen, Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Für Senioren, die sich ihre Selbstständigkeit im Alltag erhalten möchten, kann die häusliche Pflege eine gute Lösung sein. Durch die Unterstützung im häuslichen Umfeld ist es möglich, den gewohnten Alltag beizubehalten und trotz einzelner Einschränkungen ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Die häusliche Pflege fördert Selbstständigkeit, wenn die aktivierende Pflege im Fokus steht. Wichtig ist es dabei, bestehende Einschränkungen ebenso zu verstehen wie verbliebene Fähigkeiten und daraus Strategien für den Alltag zu entwickeln und zu vermitteln, mit denen die Betroffenen lernen können, neue Gegebenheiten mit ihrer gewohnten Lebensweise in Einklang zu bringen.

Die Unterstützung der aktivierenden Pflege ist gezielt darauf ausgerichtet, die Selbstständigkeit zu erhalten, und nicht darauf, einzelne Tätigkeiten langfristig auf das Pflegepersonal zu übertragen. Viele Tätigkeiten des Alltags, wie zum Beispiel Waschen und Ankleiden, Tätigkeiten im Haushalt oder kognitive Aspekte können mithilfe spezieller Strategien wieder neu erlernt und im Anschluss auch weiterhin selbstständig ausgeführt werden.

Senioren, die pflegerische Unterstützung in Anspruch nehmen möchten, ohne ihre Selbstständigkeit aufzugeben, sollten sich deshalb gezielt nach den Möglichkeiten einer aktivierenden Pflege erkundigen und einen Anbieter wählen, der in diesem Bereich ausreichend Erfahrung mitbringt.

Gehirnjogging hält den Kopf im Alltag fit

Das Gehirn steuert alle physischen und psychischen Prozesse des Körpers. Im Alter lässt die Leistungsfähigkeit des Gehirns allerdings nach. Auch ohne chronische Erkrankungen wie Alzheimer oder Demenz kann die Gehirntätigkeit mit zunehmendem Alter spürbar nachlassen.

Damit die Schaltzentrale im Kopf lange fit und leistungsfähig bleibt, ist Gehirnjogging das perfekte Training für den Alltag. Wer seinen Alltag selbstständig gestaltet, trainiert sein Gehirn automatisch, denn die Verarbeitung vielfältiger externer Reize und die Koordination all der komplexen und weniger komplexen Alltagsroutinen fördern eine aktive Gehirntätigkeit. Tätigkeiten im Haushalt, die Verwaltung von Einkaufsplanung und Einkauf, die Teilnahme am Straßenverkehr, alltägliche Situationen stärken die Verknüpfungen im Gehirn, die die Leistungsfähigkeit wachhalten.

Experten empfehlen schon ab einem Durchschnittsalter von 40 Jahren, das Gehirn zusätzlich durch gezieltes Gehirnjogging zu fordern. Lesen, Kreuzworträtsel oder Sudoku spielen liefern den Nervenzellen neue Nahrung und halten sie fit. Auch viele Alltagsroutinen können bewusst komplexer gestaltet werden und dadurch das Gehirn trainieren. So wird der Alltag zum Trainingsparkour: 

  • Den Einkaufszettel in einer Fremdsprache verfassen oder alle Punkte auf dem Zettel so umformulieren, dass sie mit demselben Anfangsbuchstaben beginnen
  • Einkaufszettel oder Terminkalender für die Woche auswendig lernen
  • Telefonnummern auswendig eintippen, anstatt sie aus dem Telefonbuchspeicher zu wählen
  • Zähne putzen oder Haare kämmen bewusst mit der weniger bevorzugten Hand
  • Beim Zähneputzen auf einem Bein stehen oder hüpfen
  • Strategiespiele wie Schach, Scrabble, Sudoku oder Kartenspiele

Wer sich täglich ein paar Einheiten Gehirnjogging gönnt, kann sich lange geistig fit halten und damit einen selbständigen Alltag unterstützen.

Interessiert und neugierig bleiben

Technologien, die den Alltag prägen, können eine große Hemmschwelle darstellen. Deshalb ist es für Menschen im fortgeschrittenen Alter wichtig, Neuem gegenüber interessiert und aufgeschlossen zu bleiben und sich selbst dazu zu motivieren, sich den Umgang mit Technologien anzueignen, die den Alltag angenehmer gestalten können.

Im Vordergrund steht vor allem der Umgang mit dem PC, dem Laptop, dem Tablet oder dem Smartphone. Das Internet bietet umfangreiche Möglichkeiten und Anknüpfungspunkte für die Teilhabe am sozialen Leben. Entsprechende Kurse, die speziell auf die Bedürfnisse von Seniorinnen und Senioren ausgerichtet sind, bieten zum Beispiel die regionalen Volkshochschulen und der Arbeiter Samariter Bund an.

Schon mit wenigen Grundkenntnissen können ältere Menschen so das Internet als Informationsquelle nutzen, mit Smartphone-Apps ihren Alltag komfortabler gestalten oder mit den Enkeln ein Videotelefonat über Skype führen. Wer interessiert und neugierig bleibt, verliert nicht so schnell den Anschluss und kann viel Lebensqualität aus den Möglichkeiten der modernen Technik gewinnen.

Soziale Kontakte pflegen

Soziale Kontakte sind eine große Stütze im Alltag. Ein stabiles Netzwerk aus Familie, Freunden, Nachbarn, Kollegen und anderen netten Bekanntschaften macht unabhängig und stärkt die Teilhabe am Leben. Gerade für ältere Menschen ist es wichtig, ihren Kontaktkreis zu pflegen und auch zu erweitern.

Um soziale Kontakte nicht einschlafen zu lassen, empfiehlt sich die Teilnahme an speziellen Seniorenangeboten, in Sportvereinen oder Interessensgruppen. Auch die Übernahme eines Ehrenamtes kann ein wertvoller Baustein für einen selbstbestimmten Alltag sein. So ist es leicht, mit Gleichgesinnten aus der näheren Umgebung in Kontakt zu kommen und sich ein gutes Netzwerk aufzubauen.

Gespräche und ein reger Austausch mit netten Menschen liefern immer wieder neue Impulse im Alltag und können dazu motivieren, das häusliche Umfeld regelmäßig zu verlassen und sich interessanten Unternehmungen anzuschließen. Außerdem kann ein funktionierendes Netzwerk eine große Stütze sein, wenn sich im Alltag die ersten Einschränkungen einschleichen oder vorübergehend Unterstützung benötigt wird, zum Beispiel im Falle einer Krankheit oder nach einem Unfall.

Soziale Kontakte sind ein wichtiger Bestandteil eines selbstbestimmten Alltags und tragen wesentlich dazu bei, den Lebensabend mit viel Lebensfreude und Aktivität zu füllen.