Gesunde Frau

Schwangerschaftsdemenz – gibt es das wirklich?

Während der Schwangerschaft bringen die Hormone einiges durcheinander. Schwangerschaftsdemenz ist da ein Phänomen, das Frauen häufig zu schaffen macht.

Schwangerschaftsdemenz ist ein umstrittenes Thema, deren Existenz wissenschaftlich bisher nicht belegt werden konnte. Doch Frauen und deren Familien berichten immer wieder von Symptomen, die nicht von der Hand zu weisen sind. Anders als bei der Altersdemenz gehen hier jedoch keinerlei Gehirnzellen verloren. Wir erklären Ihnen, was es mit einer Schwangerschaftsdemenz auf sich hat und wie sie sich äußert.

Was ist Schwangerschaftsdemenz?

Von Schwangerschaftsdemenz, auch Stilldemenz genannt, können Frauen vorwiegend gegen Ende der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt betroffen sein. Während bei der Alzheimerkrankheit Gehirnzellen verloren gehen und Veränderungen des degenerativen Nervensystems stattfinden, handelt es sich bei einer Schwangerschaftsdemenz lediglich um eine zeitlich begrenzte Gedächtnisschwäche gepaart mit Unaufmerksamkeit und Vergesslichkeit.

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Schwangerschaftsdemenz: Die Anzeichen

Schwangere Frauen oder stillende Mütter klagen während einer Schwangerschafts- beziehungsweise Stilldemenz am meisten darüber, dass das Gedächtnis nachlässt und selbst die einfachsten Dinge in Vergessenheit geraten. Gegenstände werden verlegt, Termine werden vergessen. Selbst Frauen, die vorher gut organisiert waren und den Alltag im Griff hatten, scheinen überfordert und zerstreut.

Müttern, die gerade ein Kind geboren haben oder kurz davor stehen, fehlen in Unterhaltungen auch öfter mal die richtigen Worte. Diese Störung des verbalen Gedächtnisses kann ebenfalls auf eine Schwangerschaftsdemenz hindeuten. Die einfachsten Handlungen des Alltags können gerade in dieser Zeit Schwierigkeiten bereiten. Schlüssel verschwinden auf unerklärliche Weise, Verabredungen mit Freunden werden verschwitzt und generell kann die Konzentrationsfähigkeit nachlassen.

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Die Ursachen einer Stilldemenz

Der Körper einer Frau unterzieht sich während einer Schwangerschaft einigen Veränderungen, gerade auch hormonell. Da ist es nicht überraschend, dass vor allem die Hormone als Hauptauslöser der Stilldemenz ausgemacht wurden. Zwar mangelt es derzeit noch an aussagekräftigen Forschungsergebnissen, es wird dennoch davon ausgegangen, dass der sich verändernde Hormonhaushalt eine wichtige Rolle bei der auftretenden Vergesslichkeit während der Schwangerschaft spielt.

Junge Frau mit Baby auf dem Arm.

Die Mutter-Kind-Beziehung soll das Gedächtnis beeinflussen. (c) Colourbox.de

Mit der Geburt fällt in der Regel der Östrogen- und Progesteronspiegel deutlich ab. Die Werte von Prolaktin und Oxytocin hingegen steigen an. Bei Prolaktin handelt es sich um ein spezielles Hormon, dass bereits während der Schwangerschaft hergestellt wird, um die Milchproduktion sicherzustellen. Auch sollen Oxytocin und Prolaktin für die Bindung zwischen Mutter und Kind verantwortlich sein.

Schwangerschaftsdemenz: Mutter-Kind-Beziehung als Ursache

Neben der hormonellen Erklärung glauben Wissenschaftler, dass die Beeinträchtigung von kognitiven Fähigkeiten und Gedächtnis auch stark von der Mutter-Kind-Beziehung abgeleitet werden kann. Mit der neuen Mutterrolle entstehen für Frauen neue Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Die Prioritäten verschieben sich dadurch. Die frisch gebackene Mutter konzentriert sich nun stärker auf das Neugeborene und die Bedürfnisse des Babys, sodass andere Verpflichtungen und alltägliche Aufgaben teilweise einfach in Vergessenheit geraten und vernachlässigt werden. Kommen Probleme im familiären oder privaten Umfeld hinzu oder fühlt sich eine Frau mit ihrer neuen Verantwortung überfordert, kann dies ebenfalls zu einer verminderten Gedächtnisleistung führen.

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Schwangerschaftsdemenz und Cortisol

Cortisol ist ein Stresshormon, das eine Stilldemenz durchaus fördern kann. Mit steigendem Cortisolspiegel können Unaufmerksamkeit und Vergesslichkeit stärker ausgeprägt sein als sonst. Vor allem Schlafmangel, wie er in den letzten Schwangerschaftswochen und nach der Geburt nur allzu gerne vorkommt, kann zu erhöhten Cortisol-Werten führen. Doch es gibt Hoffnung: Stillen scheint den Cortisolspiegel wieder senken zu können.

Tipps bei Schwangerschaftsdemenz

Auch wenn der Begriff „Demenz“ in diesem Zusammenhang etwas unpassend gewählt ist, gibt es Mittel und Wege, um die Symptome zu lindern und dem Gedächtnis während dieser Umgewöhnungsphase bestmöglich auf die Sprünge zu helfen:

  • Vermeiden Sie Stress und emotionale Belastungen.
  • Geben Sie bestimmte Aufgaben an andere Familienmitglieder ab.
  • Viel trinken ist wichtig!
  • Kommen Sie zur Ruhe und gönnen Sie sich ausreichend Schlaf, zum Beispiel wenn der Nachwuchs schläft.
  • Achten Sie auf Ihre Ernährung und sorgen Sie für Regelmäßigkeit im Speiseplan.
  • Stillen kann helfen, die Cortisol-Ausschüttung zu senken.
  • Fordern Sie Ihr Gedächtnis mithilfe von Gehirnjogging (Kreuzworträtsel, Sudoku, etc.) heraus.
  • Kleine Notizzettel helfen Ihnen dabei, an Termine, Verabredungen und Erledigungen zu denken.

Schwangerschaftsdemenz ist in der Regel ganz normal und sollte sich spätestens nach dem Stillen wieder geben. Sollten Sie weitere Symptome bei sich beobachten können, die nicht zu einer Stilldemenz passen, ist es ratsam, einen Arzt zu konsultieren.

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