Schon gewusst?

Schnupftabak: Wie schädlich ist er?

Schnupftabak wird gerne als gesunde Alternative zum Rauchen angepriesen, Mediziner sehen das jedoch anders. 

Haptschih! – Wer schnupft und dieses hört,
Der findet es beneidenswert.
Denn was die Seele dumpf umhüllt,
Wird plötzlich heiter, klar und mild.
Ja! Sehr erheitert uns die Prise,
Vorausgesetzt, dass man auch niese!

So dichtete Wilhelm Busch vor über 100 Jahren über die erheiternde und erleichternde Wirkung, die eine Prise Schnupftabak entfalten kann. Die Methode, Tabak durch die Nase zu konsumieren, gibt es aber schon viel länger, seit dem 15. Jahrhundert.

Der Siegeszug des Tabak

Columbus brachte den Tabak einst aus Kolumbien nach Spanien. Zunächst wurde er als vermeintliches Heilmittel beliebt. Das Schnupfen der Substanz soll Katharina von Medici erfunden haben, um ihren Sohn von seiner Migräne zu befreien. Auch gegen Pest und Läuse soll man später Tabak geschnupft haben.

Zum Genussmittel wurde er ab dem 18. Jahrhundert und war schon bald nicht mehr nur für den Adel erschwinglich. Zu den prominenten Konsumierern zählte neben Napoleon und Schiller übrigens auch Altkanzler Helmut Schmidt.

Während man den vor allem in Schweden beliebten Snus ebenso wie Kautabak oral konsumiert, wird Schnupftabak, wie der Name schon sagt, durch Schnupfen aufgenommen. Für viele ist er die ideale Alternative zu Zigaretten, da man ihn im Grunde überall konsumieren kann und niemanden mit Rauch und Geruch stört. Nur: Sind die gesundheitlichen Risiken dabei wirklich geringer als beim Rauchen von Zigarren und Co., wie viele meinen?

Was ist Schnupftabak eigentlich und wie wirkt er?

Schnupftabak ist fermentiertes Pulver, das aus den getrockneten Blättern der Tabakpflanze gemahlen wird. Im Anschluss kann man ihm mit Kräutern, Fruchtsäften oder Menthol verschiedene Aromen zufügen, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Sein spezielles Aroma entfaltet der Tabak dann durch die Gärung.

Das Nikotin im Tabak wiederum entfaltet seine Wirkung durch die Nasenschleimhaut. Meistens gibt man eine Prise davon (0,05 bis 0,1 Gramm) auf den Handrücken, hält ein Nasenloch zu und zieht den Tabak dann durch das andere hoch.

Der aktuell größte Hersteller ist die niederbayerische Firma „Pöschl Tabak“. Ihre Produkte zählen zur Sorte „Snuff“ mit Untersorten wie „Ozona C-Type Snuff“ mit Kirsch-Aroma. Daneben gibt es noch Brasil bzw. Schmalzler (weil ihn früher Butterschmalz geschmeidig hielt) und sogenannte klassische Schnupftabake. In der Regel wird Snuff in luftdichten Dosen verkauft, meistens in einer Portion von 10 Gramm.

Ein Senior schnupft Tabak im Garten

Schnupfen gilt v.a. bei älteren Herren als beliebter Zeitvertreib. (c) Adobe Stock / ARochau

Ist Schnupfen gesünder als Rauchen?

Tabakrauch ist eines der größten Gesundheitsrisiken, denn beim Rauchen entstehen Verbrennungsprodukte wie Teer und andere Schadstoffe wie Kohlenmonoxid, die ganz besonders gesundheitsschädigend sind und nicht selten tödliche Folgen haben.

Das im Tabak enthaltene Nikotin macht süchtig, ist aber nicht für schwere Raucher-Erkrankungen verantwortlich. Und wie ist es mit Tabak, der durch die Nase geschnupft wird?

Der klare Vorteil von Snuff gegenüber Glimmstängeln sind die nicht entstehenden Verbrennungsprodukte. Dennoch: Auch Snuff enthält Nikotin, und auch hier macht es süchtig. Außerdem ist es im Biokreislauf ein Nervengift, das viel stärker wirkt, wenn es über die Nasenschleimhäute aufgenommen wird.

Vorsicht vor giftigen Stoffen

Zusätzlich stecken in Tabak oft krebserregende Nitrosamine sowie Nitrite und Schwermetalle. Wer zu viel und zu stark schnupft, läuft zudem Gefahr, dass der Tabak über den Rachenraum bis in den Magen und Darm und ganz schnell in die Blutbahn gelangt und von dort ins Gehirn. Die mögliche Folge: ein Nikotinschock mit Übelkeit, Erbrechen bis hin zum Kreislaufkollaps.

Nichts für sensible Nasen

Wer regelmäßig Tabak durch die Nase zieht, riskiert außerdem, dass die Nasenschleimhaut zunehmend angegriffen wird, was u.a. zu Schwellungen oder einer chronischen Rhinitis führen kann.

Gesund ist Schnupftabak bzw. Snuff also definitiv nicht, und gegen Migräne oder andere Erkrankungen hilft er ebenfalls nicht. Auf den Dosen steht mittlerweile auch der Hinweis „Dieses Tabakerzeugnis schädigt Ihre Gesundheit und macht süchtig.“ Wie schädlich es ist, hängt allerdings vom Produkt und der Menge ab, die konsumiert wird.

Auf dem Oktoberfest gibt es sogenanntes "Wiesn-Koks".

Sieht aus wie Kokain, ist aber “Wiesn-Koks” aus Puderzucker. (c) Colourbox

Ein besonderer Fall: „Wiesn-Koks“

Besonders in Bayern hat Schnupftabak eine lange Tradition. Kein Wunder, dass der „Verein zum Erhalt der bayerischen Wirtshauskultur“ sich vehement für seinen Erhalt einsetzt. Eine ganz besondere aromatisierte Snuff-Art ist in Bayerns Hauptstadt München anzutreffen: das sogenannte „Wiesn-Koks“, ein weißes Pülverchen, das nicht nur ganz offen von Besuchern des Oktoberfestes durch die Nase inhaliert, sondern sogar in einigen der großen Festzelte verkauft wird.

Natürlich handelt es sich dabei nicht wirklich um Kokain, noch nicht einmal um Tabak, sondern um eine Mischung aus Traubenzucker und Aromastoffen wie Menthol, die erfrischen und wach machen sollen. Es ist vor allem ein Gag, der der Gesundheit allerdings auch nicht unbedingt zuträglich ist. Denn: Auch diese Substanz kann die Nasenschleimhäute reizen, und zu tief gezogen, kann sie bis in die Lunge gelangen, was zumindest bei Allergikern einen unangenehmen Effekt haben dürfte.