Medizin aktuell

Schmerzgedächtnis – Entstehung, Vermeidung und Löschung

Wenn akute Schmerzen zu chronischen Schmerzen übergehen, könnte dies mit dem Schmerzgedächtnis zusammenhängen.

Unser Gehirn merkt sich langanhaltende Schmerzen und entwickelt daraus ein Gedächtnis. Wir erklären Ihnen, wie ein Schmerzgedächtnis entsteht, wie Sie die Entstehung vermeiden können und ob es wieder „gelöscht“ werden kann.

Was ist ein Schmerzgedächtnis und wie entsteht es?

Empfinden wir Schmerzen, möchte unser Körper uns damit vor Verletzungen und eventuellen Gefahren warnen. Bei jedem Schmerz leiten die Sinneszellen (Synapsen) an den Nervenenden, Informationen an das Schmerzzentrum im Hirn, welches sich die Sinneswahrnehmung für eine gewisse Zeit merkt. Werden die Schmerzen behandelt und treten nach kurzer Zeit nicht mehr auf, sind auch im Gehirn die Informationen weitestgehend gelöscht.

Tritt ein Schmerzreiz allerdings länger anhaltend auf und wird nur unzureichend behandelt, kann dies Spuren im Nervensystem des Rückenmarks und im Gehirn hinterlassen. Nicht selten ist eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesie) die Folge. Bei chronischen oder gänzlich unbehandelten Schmerzen können durch die permanente Reizung und Weiterleitung von Schmerzimpulsen über die Nervenbahnen, krankhafte Veränderungen der Signalverarbeitung im Nervensystem ausgelöst werden.

In beiden Fällen speichert unser Gehirn die Schmerzen in einer Art „Blackbox“ (Schmerzgedächtnis) dauerhaft ab. So ist es möglich, dass Betroffene die gespeicherten Schmerzen vermeintlich spüren, obwohl die Ursache für den Schmerz gar nicht mehr existiert.

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Kann die Entstehung eines Schmerzgedächtnis vermieden werden?

Wenn Sie akute Schmerzen rechtzeitig und zielgerichtet behandeln lassen, können Sie der Entstehung eines Schmerzgedächtnisses entgegenwirken. Schmerzmittel und andere Medikamente können Ihnen während der Behandlung zwar das Gefühl geben deutlich weniger Schmerzen zu verspüren. Dabei handelt es sich jedoch nur um eine Art Betäubung. Die Schmerzen an sich sind also noch da und werden auch weiterhin von den Nervenenden weitergeleitet. Aus diesem Grund wird insbesondere bei schmerzlindernden oder schmerzstillenden Medikamenten empfohlen, mittelfristig so wenig wie möglich aber so viel wie nötig einzunehmen.

Neben der Erstbehandlung mit Medikamenten spielt auch die Nachbehandlung eine wichtige Rolle, um einem Schmerzgedächtnis vorzubeugen. Bei Rückenschmerzen aufgrund mangelnder Bewegung oder einer Fehlhaltung werden beispielsweise im ersten Schritt die spürbaren Schmerzen gelindert. Die anschließende Nachbehandlung erfolgt mittels Physiotherapie, mehr Bewegung oder gezielte Übungen. Nur so können ein weiteres Bestehen oder erneutes Auftreten der Schmerzen an gleicher Stelle vermieden werden.

Symbolbild für Schmerzgedächtnis

Die richtige Therapie kann das Schmerzgedächtnis löschen. (c) Colourbox.de

Kann das Schmerzgedächtnis wieder „gelöscht“ werden?

Auch wenn das Schmerzgedächtnis mit einer Art Festplatte vergleichbar ist, lassen sich die im Gehirn eingebrannten Informationen leider nicht mehr einfach so löschen. Und auch die sensiblen Nervenzellen können nicht mal eben schnell außer Kraft gesetzt werden. Sie können jedoch mithilfe von gezielt eingesetzter Schmerztherapie umprogrammiert werden und Schmerzempfinden neu lernen.

Um die im Gehirn entstandene „Blackbox“ wieder verschwinden zu lassen, können folgende Schmerztherapien helfen:

  • Physiotherapie
  • Manuelle Therapie
  • Bewegungstherapie
  • Verhaltenstherapie
  • Elektrotherapie
  • Wärmetherapie
  • Entspannungstechniken
  • Akkupunktur

In den meisten Fällen werden mehrere Formen der Schmerztherapie miteinander kombiniert (multimodale Therapie). Das erklärte Ziel während der Therapie ist aber nicht nur die Ausschaltung des Schmerzreizes. Vielmehr sollen Betroffene lernen mit den Schmerzen richtig umzugehen. Wenn wir beispielsweise den Fokus zu sehr auf den Schmerz legen – das passiert oftmals unbewusst -, werden sie meist auch viel stärker wahrgenommen. Um herauszufinden, ob dem so ist, wird oft das Führen eines Schmerztagebuchs empfohlen. Die Psyche und das eigene Verhalten spielen also ebenfalls eine große Rolle.

Als durchaus effektive Methode, um das Schmerzgedächtnis auszuschalten, hat sich die Small Fiber Matrix Stimulation® bewährt. Hierbei werden die dünnen Nervenfasern mittels Elektroden aktiviert. Durch die langsame Stimulation kann man der permanenten Übertragung von Schmerzreizen entgegenwirken und die Neuronen nach einer gewissen Zeit wieder normalisieren.

Patienten, die ihr Schmerzgedächtnis löschen bzw. umprogrammieren wollen, sollten Eigeninitiative und viel Geduld mitbringen. Bis das Schmerzgedächtnis nämlich wirklich vollständig oder zumindest in großen Teilen überschrieben wurde, dauert es meist mehrere Monate oder sogar Jahre.

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