Gesundheits-Tipps

Saatgut selbst herstellen

Ein bunter Garten aus Gemüsestauden, Kräutern und Blumen erfreut jeden Hobbygärtner. Daher ist es im Spätsommer immer ein Wermutstropfen, wenn die Gartensaison dem Ende zu geht. Aber wieso nicht etwas für’s nächste Jahr aufbewahren und Saatgut selbst herstellen? Wir zeigen Ihnen die wichtigsten Schritte, wie Sie aus Ihren Lieblingssorten die kostbaren Samen sichern.

Samen aus der Eigenherstellung sind zu allererst wohltuend für Ihren Geldbeutel. Denn für einen prächtigen Garten benötigen Sie viele Jungpflanzen – und das kann schnell teuer werden. Außerdem werden sich Pflanzen, die sich dieses Jahr in Ihrem Garten wohl gefühlt haben, weiterhin optimal an den Standort anpassen. Mit der Saatgutvermehrung tragen Sie dazu bei, alte Sorten zu erhalten. Und am wichtigsten ist die gespannte Vorfreude, wie aus dem eigenen Saatgut frisches, nährstoffreiches Gemüse und duftende Pflanzen entstehen.

Samenfeste Sorten

Zu allererst muss man beim eigenen Saatgut beachten, ob die „Mutterpflanze“ samenfest ist. Während samenfeste Sorten jedes Jahr eine sehr ähnliche Ernte hervorbringen, werden bei nicht-samenfesten Sorten die Karten neu gemischt. Diese Pflanzenkeime haben verschiedene Merkmale an Form, Farbe und Geschmack gespeichert. Demnach wäre es bei einem nicht-samenfesten Rettich beispielsweise möglich, dass statt langer, weißer Rüben schwarze, runde Wurzeln wachsen.

Blumen- und Kräutersamen ernten: So geht‘s

Der Vorteil bei der Samenernte von Blumen und Kräutern ist, dass die Samen erst nach der prächtigen Blüte reif sind. Sobald die Blumen beginnen zu welken, trocknen die Blütenköpfe aus und beginnen, die Sämlinge freizusetzen. Um den Blumensamen fürs nächste Jahr zu gewinnen, schneiden Sie den Blütenkopf ab und lassen Sie ihn auf Zeitungspapier trocknen. Wenn die Samen nicht von alleine herausfallen, können Sie mit leichtem Schütteln und Reiben nachhelfen.

gelbe Fenchelkblüte

Die Blüte muss abgewartet werden, bevor sich die Samen bilden. (c) colourbox

Bei Kräutern gilt dieselbe Devise: Erst wenn der Blütenstand vollständig verblüht ist und sich die Kapseln bräunlich verfärbt haben, ist der Samen reif für die Ernte. Die Samenkapseln werden abgeschnitten und an einem dunklen Ort getrocknet. Die trockenen Hüllen lassen sich einfach mit den Fingern öffnen und die Sämlinge fallen heraus.

getrocknete Fenchelsamen an der Pflanze

Nach der Blüte bilden sich die Fenchel-Samen aus. (c) colourbox

Gemüsesamen: Hier ist Gärung gefragt

Da der Gemüsesamen häufig im Fruchtfleisch steckt, benötigt das Saatgut eine besondere Reinigung. Im Gegensatz zu trocken geerntetem Saatgut muss der Gemüsesamen zuerst durch Gärung von Pflanzenresten befreit werden.

Zunächst lösen Sie die Samen mit einem Teelöffel aus dem Innenleben der Frucht heraus, geben sie für 1 bis 2 Tage in ein verschließbares, mit Wasser gefülltes Glas. In diesem Zeitraum sorgt der Gärungsprozess dafür, dass sich das Fruchtfleisch und die keimhemmende Schicht von den kleinen Kernen lösen. Dieser Schritt ist wichtig, weil die Schutzhülle um die Samenkerne die Keimung verhindert. Eine Prise Zucker beschleunigt den Zersetzungsprozess. Das Glas wird an einem dunklen Ort bei Zimmertemperatur aufbewahrt und sollte nicht luftdicht verschlossen werden. Denn während des Gärungsprozesses entstehen Gase, die für Überdruck im Gefäß sorgen.

Sobald die Samen auf den Boden sinken und sich die Oberfläche der Kerne nicht mehr glitschig, sondern rau anfühlt, können Sie die Sämlinge in ein Sieb abgießen. Dabei sollten Sie die Flüssigkeit nicht aus den Samen herausdrücken, sondern abgedunkelt für etwa eine Woche auf einer glatten Oberfläche lagern. Zeitungspapier, Küchentücher oder Karton saugen die Feuchtigkeit optimal auf; regelmäßiges Umschichten der Keime sorgt dafür, dass sie gleichmäßig trocknen.

Saatgut schön und praktisch aufbewahren

Auch bei der Aufbewahrung kommt es auf die Hauptkriterien „Trocken“ und „Dunkel“ an. Gerade nach der Nassreinigung reagieren Samen ohne die Schutzschicht schnell auf Licht und Wärme und beginnen vorzeitig zu keimen. Befindet sich noch Restfeuchtigkeit in dem Samen oder im Gefäß, kann das Saatgut schimmeln und ist für die Aussaat unbrauchbar. Unter idealen Lagerbedingungen bleiben die Sämlinge 3 bis 5 Jahre keimfähig.

Hier können Sie unsere gesund & vital Samentütchen zum Ausdrucken (für Blumensamen, für Kräutersamen, für Gemüsesamen) herunterladen. Sie sind die ideale Aufbewahrung. So behalten Sie in der nächsten Gartensaison den Überblick – und zwar über Ihr eigenes Saatgut.

Die besten Einsteiger-Pflanzen

Wer zum ersten Mal selbst Saatgut herstellt, sollte sich anfangs an einjährigen Pflanzen versuchen. Viele dieser Sorten werfen reichlich und große Sämlinge ab, die sich leicht ernten lassen.

Für Gemüsesaatgut sind Tomaten der ideale Einstieg. Bevor Sie das Gemüse zubereitet, können Sie einfach die Samen herauslösen.

> Rund und gesund: Tomaten

Unter den Kräutern empfiehlt sich, mit Basilikum und Zitronenmelisse zu beginnen. Die Sämlinge verstecken sich in dem hochschießenden Blütenstand. Sobald die kleinen, weißen Blüten verblüht sind, bilden sich aus ihnen grüne Kapseln, die den Samen beinhalten.

Bei Blumen verhält es sich ähnlich: Auch hier stecken die Keime in der Blüte. Das pflegeleichte Mädchenauge eignet sich durch seinen großen Blütenkopf hervorragend für den ersten Versuch und peppt Ihren Garten mit einem Klecks Farbe auf.

Viel Freude beim Ausprobieren!

Sonderfall Zucchini: Gefahr der Vergiftung

Zucchini und andere Gurken- oder Kürbisgewächse können den Giftstoff Cucurbitacin enthalten. Das ist ein Bitterstoff, der beim Menschen Übelkeit und Erbrechen auslösen kann. Cucurbitacin ist aus den modernen Zucchini-Züchtungen herausgezüchtet worden. Beim Gärtnern kann Cucurbitacin allerdings versehentlich wieder hineinkommen – und zwar durch versehentliche Kreuzung von Zierkürbissen mit Zucchini.

getrocknete Kürbissamen

Samen aus Kürbisgewächsen können den Giftstoff Cucurbitacin enthalten. (c) Colourbox

Die Gefahr einer versehentlichen Kreuzung besteht, wenn die beiden Pflanzen in direkter Nachbarschaft angebaut werden. Deshalb sollten Sie besser nicht beide Pflanzen gleichzeitig anbauen. Und wenn eine Zucchini einmal sehr bitter schmeckt: besser Finger weg! Wer auf Nummer sicher gehen will, verwendet bei Zucchini doch gekauftes Saatgut.