Knochen, Muskeln & Gelenke

Rückenschmerzen: Welcher Arzt ist richtig?

Wohl jeder Mensch kennt Rückenschmerzen – sie sind ein weit verbreitetes Volksleiden. Nicht immer haben sie Verspannungen oder schweres Heben als Ursache. Auch eine ernste Erkrankung führt zu Rückenbeschwerden: Morbus Bechterew. Hier eine präzise Diagnose zu erstellen, ist Sache des Facharztes.

Hexenschuss, Ischias, Verspannungen: Rückenschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Falsche Körperhaltung, zu wenig Bewegung, schweres Heben oder Verspannungen beim Schlaf führen zu Schmerzen, vornehmlich im unteren Rückenbereich. Jeder dritte Deutsche leidet regelmäßig an schmerzhaften Beschwerden im Rücken – vom Nacken bis zum Gesäß.

Schmerzt mal wieder das Kreuz, helfen wir uns gern selbst und greifen zum Wärmepflaster. Halten die Schmerzen an oder sind sie zu heftig, gibt es eine Spritze vom Arzt. Und den Plan, künftig nicht mehr in falscher Körperhaltung oder zu schwer zu heben, Gymnastik zu machen und endlich die neue Matratze anzuschaffen, schieben wir wieder auf …

Uneindeutiges Beschwerdebild

Häufig handelt es sich bei Rückenschmerzen um sogenannte mechanische Rückenschmerzen. Sie werden von Störungen in der Statik oder Mechanik des Körpers verursacht, also durch Fehlhaltungen, einseitige Belastung oder Überlastung. Auch mangelnde Bewegung kann zu Verspannungen führen. In diesen Fällen belasten verhärtete Muskeln die Nerven und verursachen den Schmerz.

Der Hausarzt verabreicht bei stärkeren mechanischen Rückenschmerzen als Sofortmaßnahme ein Schmerzmittel und schickt seine Patienten zur weiteren Behandlung zum Orthopäden. Begleitend verschreibt er oft Massagen mit Wärmebehandlung, Physiotherapie oder Akupunktur.

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Dass fast jeder Erfahrung mit mechanischen Rückenschmerzen hat, kann zu Problemen führen, wenn es sich bei den Beschwerden in Wahrheit um eine andere Art von Rückenschmerzen handelt – den entzündlichen Rückenschmerz. Der macht sich ebenfalls an den vertrauten Stellen bemerkbar, hat aber andere Ursachen und lässt sich mit den gängigen Mitteln nicht dauerhaft beheben.

Die wenigsten Menschen wissen, dass auch die Autoimmunerkrankung Morbus Bechterew Schmerzen im unteren Rückenbereich hervorruft. Zwar schaffen hier klassische Schmerzmittel oder Physiotherapie ebenfalls kurzfristig Abhilfe, doch die eigentliche Krankheit bleibt unbehandelt – schwere Dauerschäden drohen.

Chronische Erkrankung bekämpfen

Morbus Bechterew ist eine entzündlich-rheumatische Erkrankung. Sie beginnt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr und betrifft vor allem die Wirbelsäule. Neben heftigen nächtlichen Schmerzattacken im unteren Wirbelsäulenbereich verursacht sie eine eingeschränkte Beweglichkeit besonders morgens. Der Grund: Durch eine Fehlsteuerung im Körper entstehen entzündliche Prozesse, die eine Verknöcherung im Achsenskelett bewirken, also in der Wirbelsäule, im Brustkorb und im Bereich der Rippen. Der Körper wird unbeweglicher, die Gelenke versteifen.

Ihren Anfang nehmen die Symptome zumeist im Becken im Bereich der Kreuzbein-Darmbein-Gelenke und verursachen Schmerzen im Gesäß, besonders bei längerem Sitzen. Das kann dann bis in die hinteren Oberschenkel ausstrahlen. Außerdem können Hüfte, Knie und Sprunggelenke – meist einseitig – schmerzen und anschwellen.

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Fachärztliche Diagnose

Da das Schmerzbild bei Morbus Bechterew den klassischen mechanischen Rückenschmerzen ähnelt, bringt der Gang zum Arzt anfangs wenig Klarheit. Der Orthopäde schaut sich die Statik des Körpers und die Mechanik des Bewegungsapparates genauer an. Das ist angebracht, wenn falsche Körperhaltung, Verspannungen oder zu schweres Heben Ursache der Beschwerden sind.

Doch bei Morbus Bechterew gibt es eine große Bandbreite an Symptomen, etwa Entzündungen der Augen oder – seltener – der Lunge, des Herzens, des Darms oder der Haut. Das Problem: Die Symptome fallen in unterschiedliche fachärztliche Zuständigkeiten und werden anfangs nicht im Zusammenhang mit den Rückenbeschwerden gesehen. Morbus Bechterew als gemeinsame Ursache bleibt unerkannt. Tatsächlich dauert es oft sechs bis acht Jahre, ehe die Krankheit eindeutig diagnostiziert wird. Eine frühzeitige Diagnose ist bei Morbus Bechterew aber besonders wichtig, um die Beschwerden dauerhaft und wirksam bekämpfen zu können.

Rheumatologe bei Morbus Bechterew

Morbus Bechterew fällt als rheumatisch-entzündliche Erkrankung in die Zuständigkeit des Rheumatologen. Sowie er einen Verdacht auf Morbus Bechterew hat, wird er auch nach anderen Beschwerden fragen. Wer regelmäßig Schmerzen im unteren Rückenbereich verspürt, ohne dass es dafür eine plausible Erklärung gibt, sollte darüber genaue Aufzeichnungen machen und auch sein allgemeines Wohlbefinden beobachten.

Scheinbar nebensächliche Dinge wie Schlaflosigkeit und Abgeschlagenheit können ebenfalls Zeichen für Morbus Bechterew sein. Je genauer der Rheumatologe die individuelle Krankengeschichte nachvollziehen kann, desto präziser fällt seine Diagnose aus.

Morbus Bechterew behandeln

Mit der richtigen Behandlung lässt sich die Beweglichkeit des Körpers erhalten. Die möglichst frühzeitige Diagnose ist bei Morbus Bechterew so wichtig, da entstandene Verknöcherungen nicht mehr rückgängig zu machen sind. Doch Morbus Bechterew bleibt oft zu lange unerkannt, da die Schmerzsymptome so unspezifisch sind, meist falsch gedeutet und mit Hausmitteln bekämpft werden.

Mit geeigneten Medikamenten lässt sich die Krankheit in den Griff bekommen. Sogenannte Biologika können die Entstehung der entzündlichen Prozesse und die dadurch verursachte Verknöcherung des Achsenskeletts aufhalten. Zusammen mit regelmäßiger körperlicher Bewegung kann eine solche Behandlung den Patienten ein aktives und zufriedenes Leben ermöglichen. Doch dafür ist die frühzeitige Diagnose von Morbus Bechterew unabdingbar.

Unbehandelt führen die Entzündungen zu bleibenden Schäden an der Wirbelsäule. Wer also an wiederkehrenden Rückenschmerzen und morgendlicher Gelenksteifigkeit leidet, ohne dass es dafür erkennbare Ursachen gibt, sollte unbedingt den Rat eines Rheumatologen einholen.

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