Kopf & Psyche

Ritalin – Eingriff in den Gehirnstoffwechsel

Kindern und Erwachsenen, die an der Aufmerksamkeitsstörung ADHS leiden, kann Ritalin das Leben erleichtern. Wer es aber als Mittel zum Gehirndoping oder als Droge nutzt, riskiert ernste Nebenwirkungen.

Ritalin ist einer der Markennamen für Methylphenidat. Diesen Wirkstoff entdeckte 1944 der Wissenschaftler Leandro Panizzon. Er und seine Frau Marguerita testeten ihn im Selbstversuch. Vor allem Marguerita war begeistert, weil sich unter dem Einfluss der Substanz ihr Tennisspiel verbesserte. Von ihrem Spitznamen „Rita“ leitet sich der Markenname Ritalin ab. 1954 kam Ritalin in Deutschland rezeptfrei auf den Markt. Ab 1971 wurde Methylphenidat dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt und wurde verschreibungspflichtig.

Weitere Markennamen neben Ritalin sind unter anderem

  • Medikinet
  • Concerta
  • Equasym

So wirkt die Substanz

Methylphenidat entfaltet seine Wirkung im Gehirn. Der Stoff blockiert dort die Wiederaufnahme von Dopamin. Dadurch verbleibt das Dopamin länger zwischen den Nervenzellen. Der Spiegel des Neurotransmitters erhöht sich und entfaltet seine aktivierende Wirkung. Das Leistungsvermögen nimmt zu. Dopamin ist unter anderem zuständig für die

  • Konzentrationsfähigkeit,
  • Wahrnehmung,
  • Lernfähigkeit.

Dopamin einzunehmen wäre sinnlos, weil es die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden und deshalb nicht ins Gehirn gelangen kann. Somit kann nur das Dopamin genutzt werden, das der Körper in den Nervenzellen selbst bildet. Die Wirkungsdauer nach der Einnahme von Ritalin liegt je nach Präparat bei drei bis acht Stunden.

Hier wird Methylphenidat eingesetzt

In Deutschland sind Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat zur Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) für Kinder ab sechs Jahre und Erwachsene zugelassen. Voraussetzung ist, dass andere Maßnahmen, etwa eine Verhaltenstherapie, keinen Erfolg gezeigt haben.

> ADHS-Therapie – Medikamente und andere Therapien

Teenager Mädchen im Gespräch mit Psychologin.

Ritalin wird erst verschrieben, wenn andere Maßnahmen nicht helfen. (c) New Africa / Fotolia

ADHS ist die häufigste psychische Störung von Kindern und Jugendlichen. In seltenen Fällen besteht sie bis ins Erwachsenenalter fort. 250.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leben mit der Diagnose ADHS. Jungen sind drei- bis viermal so häufig betroffen wie Mädchen. Die Hauptsymptome des ADHS bei Kindern sind:

  • mangelnde Ausdauer,
  • geringe Konzentrationsfähigkeit,
  • ausgeprägter Bewegungsdrang,
  • Neigung zu impulsivem und unüberlegtem Verhalten,
  • emotionale Instabilität.

Erhalten hyperaktive Kinder Methylphenidat, können sie in Folge ein paar Stunden ruhig sitzen und sich konzentrieren. Bis zu 90 Prozent der Kinder, die wegen ADHS zeitweise den Wirkstoff einnahmen, berichten, dass sie spürbar besser lernen konnten und sich ausgeglichener fühlten.

Ritalin für die Therapie von ADHS bei Erwachsenen

Nach Schätzungen leiden bis zu drei Prozent der Erwachsenen an ADHS. Die Störung tritt im Erwachsenenalter nicht neu auf. Die typischen Symptome –Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit – lagen schon in der Kindheit vor. Seit 2011 wurde das Anwendungsgebiet von Methylphenidat-Präparaten auf Erwachsene erweitert. Die Zulassung umfasst sowohl die Weiterbehandlung über die Kindheit hinaus als auch die Neueinstellung mit Methylphenidat im Erwachsenenalter.

> Gibt es ADHS auch bei Erwachsenen?

Die Substanz als Gehirn-Doping oder Droge

Seit einigen Jahren hat sich Ritalin auch als Dopingmittel einen Namen gemacht. In niedriger Dosierung beruhigt der Wirkstoff unruhige Kinder. Höher dosiert kann er den Antrieb gesunder Erwachsener steigern und sie leistungsfähiger machen. Dabei ist der Übergang vom Medikament zur Droge fließend. Das Risiko einer Sucht besteht jedoch nur, wenn Ritalin absichtlich überdosiert wird.

Mediziner warnen davor, sich das verschreibungspflichtige Medikament illegal zu besorgen. Ritalin kann nämlich, falsch dosiert, den komplexen Gehirnstoffwechsel, in den es eingreift, gehörig durcheinanderbringen. Wer im Internet oder auf der Straße Pillen kauft, geht zudem das Risiko ein, gefälschte Medikamente zu erwerben, die im schlimmsten Fall Gifte enthalten können.

Nebenwirkungen vor allem nach Überdosierung

Methylphenidat kann in seltenen Fällen, selbst richtig angewendet, Nebenwirkungen verursachen. Dazu zählen:

Wird Methylphenidat gebraucht, um die Leistungsfähigkeit zu erhöhen, oder als Droge eingenommen, können folgende Nebenwirkungen auftreten:

> Sucht – Wer ist anfällig?