Blut & Immunsystem

Raynaud-Syndrom: Das hilft gegen die kalten Finger

Blass-bläuliche Färbung der Finger und ein prickelndes Stechen in den Händen – das sind typische Symptome von Raynaud. Was die mysteriösen Beschwerden auslöst, hat vor allem genetische Ursachen. Dennoch gibt es für Betroffene viele Möglichkeiten der Linderung.

Das sogenannte Raynaud*-Syndrom (Morbus Raynaud) sorgt dafür, dass der Blutfluss zu den Extremitäten, also Armen und Beinen, gestört oder sogar unterbrochen wird. Als erstes wird diese Unterversorgung mit Blut an den Händen und Füßen sichtbar, denn sie sind die Körperregionen, die am weitesten entfernt vom Herzen liegen.

* Der französische Arzt Maurice Raynaud war der erste Mediziner, der Mitte des 19. Jahrhunderts die Symptome der Erkrankung beschrieb. Er stellte fest, dass der Auslöser für das seltsame Aussehen der Hände und Füße seiner Patienten sowie ihre Schmerzen in diesen Körperteilen eine Störung der Durchblutung war.

Symptome des Raynaud-Syndroms

Kommt die Blutversorgung dieser Regionen zum Erliegen, färbt sich die Haut zunächst weißlich und dann bläulich – da das Blut in den Gefäßen immer mehr an Sauerstoff verliert. Das betroffene Körperteil fühlt sich jetzt kalt und taub an. Setzt nach kurzer Zeit der Blutfluss wieder ein, färbt sich die Haut rötlich. Das Taubheitsgefühl lässt nach, doch mit dem Zurückkehren der normalen Durchblutung setzen Schmerzen und das Gefühl von Brennen und Stechen ein.

Betroffene vergleichen die Empfindungen in diesem Stadium mit denen, die sich einstellen, wenn man mit bloßen Händen lange Kontakt mit Schnee oder eiskaltem Wasser hatte.

Eine Frau mit weißlich-bläulichen Fingern. Sie leidet am Raynaud-Syndrom.

Bei Raynaud fühlen sich Finger erst taub an, dann brennen sie schmerzhaft. (c) Adobe Stock / LoloStock

Was sind die Ursachen von Raynaud?

In erster Linie ist eine Überreaktion des Körpers auf Kälte die Ursache für die Beschwerden. Genauer: Es scheint, als würden die Blutgefäße von Betroffenen zu sehr auf Temperaturunterschiede reagieren*.

*Zur Erklärung: Unsere Blutgefäße können sich weiten und dehnen – als Reaktion auf die Umgebungstemperatur. Mit dieser Funktion steuert der Körper den Blutfluss zu den Zellen, kann dadurch aber auch gezielt Wärme nach außen abgeben (als Schutz vor Überhitzung) oder zurückhalten (bei Kälte).

Die Gefäße von Raynaud-Patienten verengen sich bei Kälte zu stark – sie schießen quasi über das Ziel hinaus. Die Folge: Der Blutfluss in die Extremitäten wird drastisch reduziert. Forscher vermuten, dass die Überreaktion der Blutgefäße genetisch bedingt ist.

Raynaud kann alleine auftreten, ist aber häufig auch gekoppelt an andere körperliche Beschwerden und tritt zum Beispiel als Begleiterscheinung von Lupus oder Rheumathischer Arthritis auf. Unklar ist jedoch, warum diese Verbindung zwischen den Erkrankungen besteht.

Das hilft bei Raynaud

Eine Behandlung, die das Auftreten der Raynaud-typischen Symptome ein für alle mal stoppt, gibt es bis dato nicht. Die Therapie setzt auf die Vermeidung von Situationen, die die Beschwerden auslösen und die Förderung der allgemeinen Durchblutung:

  • Darauf achten, unter keinen Umständen zu frieren. Auch an sonnigen Tagen sollten ein Tuch, Handschuhe und warme Socken im Handgepäck stecken.
  • Starke Temperaturunterschiede vermeiden.
  • Tabakkonsum stark einschränken oder am besten das Rauchen ganz aufgeben, da es die Gefäße zusätzlich verengt und auf Dauer schädigt.
  • Stress so gut wie möglich vermeiden, denn auch er führt dazu, dass sich die Gefäße verengen.
  • Regelmäßig Sport treiben, um die Durchblutung zu fördern.
  • Bei Kälte wärmende Speisen essen, die mit Zutaten gewürzt wurden, die die Durchblutung fördern, wie Ingwer, Pfeffer oder Chilli. Auch Knoblauch und Fischöl fördern die Durchblutung.
  • Allgemein auf eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung achten, die vor allem eine ausreichende Versorgung mit Magnesium und B-Vitaminen garantiert.
Raynaud-Syndrom

Warmes Wasser wärmt die kalten Hände wieder auf. (c) by-studio / Fotolia

Wann ist Raynaud ein Fall für den Arzt?

Wer glaubt, an Raynaud zu leiden, sollte darüber mit seinem Arzt sprechen. Der Mediziner kann abklären, ob die Beschwerden von einer organischen Erkrankung wie Arthritis herrühren oder nicht.

Betroffene sollten außerdem ihren Blutdruck überprüfen lassen. Ein niedriger Blutdruck (unter 120/70) kann die Beschwerden verschlimmern.
Wer Medikamente einnimmt, sollte auch überprüfen lassen, ob es sich bei den Beschwerden eventuell um Nebenwirkungen handelt. Einige Beta-Blocker können Raynaud-artige Symptome auslösen.

Falls die Beschwerden zum ersten Mal nach der Arbeit mit einem stark vibrierenden Werkzeug auftraten, sollten Betroffene mit einem Arbeitsmedizinier sprechen.

In schweren Fällen kann ein Arzt Medikamente empfehlen, die die Durchblutung fördern und dadurch die Symptome von Raynaud lindern. Allerdings haben diese auch immer Nebenwirkungen, die es abzuwägen gilt.

> Lesen Sie hier mehr über Durchblutungsstörungen