Gesunde Ernährung

Podcast „sag mal, Anna“: Darf ich abgelaufene Lebensmittel noch essen?

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DARF ICH ABGELAUFENE LEBENSMITTEL NOCH ESSEN?

Welche Ernährungsfragen brennen euch unter den Nägeln? Schreibt mir einfach unter: anna@rtv.de
Vielleicht beantworte ich eure Frage dann schon in der nächsten Folge von „sag mal, Anna“.

Alles Liebe,
eure Anna

Bitte beachten Sie: Gerne beantwortet Anna Ihnen allgemeine Fragen zur Ernährung. Die Bereitstellung von Gesundheitsdaten ist dabei nicht Bestandteil der Nutzung von „Sag mal, Anna“.

 


Kampf der Lebensmittelverschwendung

Vor ein paar Jahren ist ja bekannt geworden, dass jedes Jahr viele Tonnen Lebensmittel weggeschmissen werden.  Seitdem sind viele Initiativen entstanden, um diese Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Von kleinen Start Ups, die krummes Gemüse an den Mann bringen, über Foodsharing-Gemeinschaften bis hin zur kleinen bayerischen Rewe-Filiale, die abgelaufene Lebensmittel verschenkt.

Ein Grund für den Wegwerfwahnsinn scheint die Verunsicherung über das Mindesthaltbarkeitsdatum von Lebensmitteln zu sein.

Was bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum genau?

Was sagt das MHD eigentlich aus? Muss ich Lebensmittel entsorgen, wenn das MHD abgelaufen ist? Das hat mich neulich auch meine Kollegin Anna-Kathrin gefragt.

Eigentlich gibt der Name ja schon einen Hinweis auf seine Bedeutung: das Lebensmittel ist mindestens so lange haltbar wie aufgedruckt. Aber keinesfalls danach ungenießbar oder verdorben. Trotzdem wird das Datum umgangssprachlich als Verfallsdatum gehandelt, was suggeriert, dass ein Lebensmittel danach verfallen, also verdorben sei.

In der Praxis ist das aber absolut nicht der Fall. Warum also diese Verwirrung durch die Hersteller?

Das MHD hat nichts mit tatsächlicher Haltbarkeit zu tun, sondern mit Haftung

Im Studium haben wir das aus rechtlicher Sicht betrachtet. Es geht bei der ganzen Sache nämlich um Haftung. Der Hersteller garantiert mit dem MHD, dass das Produkt genauso lange seine ursprünglichen Eigenschaften beibehält. Das heißt ein Joghurt zum Beispiel ist nicht nur so lange nicht verdorben wie draufsteht, sondern er ändert auch nicht seine Eigenschaften wie z.B. seine Konsistenz. Denn ein Joghurt kann auch mal ein bisschen weicher werden, ohne dass er gleich schlecht ist. Oder ein tiefroter Kirschjoghurt kann auch mal ein bisschen verblassen, ohne dass er an Geschmack verliert.

Aber weil die Hersteller dafür haften müssen, dass die Produkte genau gleichbleiben, gehen sie gerne auf Nummer sicher und bauen häufig noch einen Sicherheitszuschlag ein und verkürzen das MHD noch ein bisschen.

Das führt dann dazu, dass viele Verbraucher 1A Lebensmittel in die Tonne schmeißen, obwohl die meisten davon noch völlig in Ordnung sind.

Deshalb möchte ich euch gerne einen kurzen Überblick geben, wie lange ihr was noch essen könnt.

Wie lange können welche Lebensmittel noch bedenkenlos gegessen werden?

  • Zu den Lebensmitteln, die eigentlich ewig halten, gehören viele Trockenprodukte wie: Speisestärke, Reis, Couscous, Mehl, Nudeln oder Salz und Pfeffer.
  • Getrocknete Kräuter und Gewürze werden im Prinzip auch nicht schlecht. Sie verlieren allerdings an Aroma, weshalb man dann eben etwas mehr davon dran tun muss.
  • Konserven in Dosen und im Glas werden auch sehr, sehr lange halten und können mehrere Monate bis Jahre nach Ablauf des MHD noch bedenkenlos gegessen werden. Skeptisch solltet ihr dann werden, wenn sich die Dose wölbt. Das ist ein Zeichen dafür, dass Bakterien darin sind, die sich ausdehnen. Dann unbedingt entsorgen.
  • Nüsse und Kerne können auch bei überschrittenem MHD noch gegessen werden. Hier solltet ihr auf eure Nase vertrauen. Denn ob Nüsse noch gut sind, riecht man sofort. Die guten Fette, die darin sind, werden ranzig. Vergesst also den Blick aufs Datum, sondern riecht einfach daran.
  • Den gleichen Effekt habt ihr bei Pflanzenöl: Je mehr der gesunden, ungesättigten Fettsäuren enthalten sind, desto schneller werden sie ranzig. In der Praxis heißt das: Oliven- und  Sonnenblumenöl sollte man ca. 1 Jahr nach Öffnung verbrauchen. Rapsöl nach etwa ½ Jahr. Empfindliche Öle wie Leinöl am besten im Kühlschrank lagern. Bei allen Ölen gilt wie bei den Nüssen: riecht es ranzig, besser weg damit.
  • Milchprodukte sind eine sehr spannende Gruppe. Obwohl die Lebensmittel teilweise viel Wasser enthalten, was eigentlich immer für eher kurze Haltbarkeit spricht, halten sie erstaunlich lange.
  • Joghurt, Quark, Frischkäse: wenn sich der Deckel nicht seltsam wölbt oder sich Schimmel bildet, sind sie absolut okay. Auch wenn das MHD schon seit Tagen, Wochen oder Monaten überschritten ist!
  • Milch: Milch ist längst nicht mehr so empfindlich, wie zu Omas Zeiten, weil sie durch Erhitzungsverfahren haltbar gemacht wurde.
  • Das muss nicht mal unbedingt H-Milch sein, auch die Frischmilch hält locker ein paar Tage länger als drauf steht. Wenn ich unsicher bin, gieße ich einen kleinen Schluck auf in ein Glas. Flockt die Milch, ist sie nicht mehr gut. Sieht sie okay aus, nippe ich vorsichtig daran. Spätestens dann würde man saure Milch erkennen.
  • Bei Käse ist es im Prinzip eine reine Geschmacksfrage. Er ist ohnehin schon 2 bis 24 Monate gereift. Da kommt es auf ein paar Wochen oder Monate länger nicht an. Er wird höchstens intensiver im Geschmack.
  • Anders sieht es bei Wurst aus: Die hält zwar auch locker ein paar Tage länger als aufgedruckt ist (insbesondere Salami und roher Schinken), aber mehrere Monate länger wird nicht klappen.
  • Eine Ausnahme stellen rohes Fleisch und roher Fisch da: Sie sollte man wirklich nach dem aufgedruckten Datum nicht mehr essen. Dabei handelt es sich aber auch nicht um das Mindeshaltbarkeitsdatum, sondern um das Verbrauchsdatum. Hier können sich Keime vermehren (vor allem bei Geflügel), die sich nicht unbedingt am Geruch erkennen lassen.

Am besten: den Sinnen vertrauen!

Das Wichtigste ist aber schlussendlich: Traut euren Sinnen! Wenn ihr unsicher seid: schaut euch das Lebensmittel zunächst genau an. Wenn es nicht eine seltsame Farbe hat oder irgendwo Schimmel zu sehen ist, dann riecht dran. Riecht es normal? Dann ist es wahrscheinlich noch gut. Probiert ein kleines Stück. Wenn es gut schmeckt, ist es auch noch gut.

Also sehen, riechen, schmecken. In der Reihenfolge.

Bis zum nächsten Mal

Eure Anna


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