Kopf & Psyche

Peter-Pan-Syndrom – Wenn Männer nicht erwachsen werden wollen

Es gibt Männer, die bleiben für immer Kinder und werden nie erwachsen – weil sie es nie gelernt haben und somit nicht können. Familientherapeut Dan Kiley nennt dieses Phänomen „Peter-Pan-Syndrom“.

Sie schwimmen stets gegen den Strom, sind unerschrocken und tapfer, beziehungsuntauglich und folgen nur ihren eigenen Regeln: Männer mit Peter-Pan-Syndrom. Es handelt sich hierbei zwar nicht um eine anerkannte psychische Störung, dennoch sind die Symptome der Betroffenen eindeutig und durchaus als krankhaft einzustufen. Was genau hinter dem ewigen Kind und dem Peter-Pan-Syndrom steckt und ob man es behandeln kann, erfahren Sie in unserem Artikel.

Peter-Pan-Syndrom – Meist sind die Eltern schuld

Es gibt Männer, denen könnte man den ganzen Tag lang sagen: „Werd‘ doch endlich mal erwachsen“. Sie legen ein infantiles Verhalten an den Tag, wirken überdreht und sehen das gesamte Leben als ein einziges großes Abenteuer. Irgendwie klingt das wie die Geschichte von Peter Pan, der für nichts und niemanden Verantwortung übernimmt, mit Piraten kämpft und statt erwachsen zu werden lieber für immer eine sorgenlose Kindheit auf der Insel Nimmerland verbringen möchte.

Doch im Gegensatz zu Peter Pan, der Pate für die psychische Störung ist, handelt es sich bei den Betroffenen nicht um eine fiktive Figur, sondern um volljährige Männer. Quasi Kinder gefangen im Körper eines Erwachsenen. Meist können sie nichts dafür, denn die eigentliche Ursache liegt oftmals in der frühen Kindheit und der Erziehung durch die Eltern. Psychologen sind sich inzwischen einig darüber, dass vor allem zwei bestimmte Verhaltensweisen von Eltern als Ursache ausschlaggebend sein können.

Überfürsorglichkeit und zu viel Lob

Kinder von sogenannten Helikoptereltern sind besonders häufig betroffen. Diese finden alles, was der Sohnemann macht, toll, setzen keine Grenzen, loben ihn für jede kleine Handlung und sind nie kritisch. Auch wenn es die Eltern sicherlich nur gut meinen, richten sie mit ihrer überfürsorglichen Art mehr Schaden an, als ihnen bewusst ist.

Das Kind lernt dadurch nicht, was es bedeutet, Verantwortung für sich oder andere zu übernehmen, eigenständige Entscheidungen zu treffen, selbstkritisch und selbstständig zu sein. Im Erwachsenenalter fällt es dann vielen Menschen schwer, zwischen richtigem und falschem Verhalten zu unterscheiden. Wie soll eine betroffene Person ihr Leben wie ein Erwachsener führen, wenn es ihr niemand beigebracht hat?

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Unterkühltes Familienklima

Auch bei einem sehr unterkühlten Klima innerhalb des engeren Familienkreises leiden erwachsene Männer später häufig an dem Peter-Pan-Syndrom. Oftmals ist mindestens ein Elternteil sehr streng, kühl und distanziert. Das gibt dem Kind das Gefühl, nicht geliebt zu werden und den hohen Anforderungen der Eltern nicht gerecht werden zu können. Kurz gesagt, sie haben Angst zu versagen. Als Erwachsener versuchen sie, die Versagensängste durch kindliches Verhalten zu kompensieren.

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Ein junger Mann blickt selbstverliebt in den Spiegel und berührt mit den Händen seine Wangen.

Männer mit Peter-Pan-Syndrom sind häufig narzisstisch veranlagt. (c) Colourbox

Peter-Pan-Syndrom – Welche Symptome sind typisch?

In jedem Mann steckt ein Kind – und das ist auch völlig in Ordnung, solange er er sich trotz alledem dem Ernst des Lebens stellt. Ein bisschen verspielt sind wir alle und das Kind in einem sollte nie verloren gehen. Dan Kiley, ein amerikanischer Psychoanalytiker und Familientherapeut, beschreibt in seinem Buch „Das Peter Pan Syndrom – Wenn Männer nicht erwachsen werden“ sechs Symptome, die typisch für die Störung sind:

  1. Verantwortungslosigkeit
  2. Angst und Schuldgefühle
  3. Einsamkeit
  4. Sexueller Rollenkonflikt
  5. Narzissmus
  6. Chauvinismus

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Auch bestimmte Eigenschaften und Verhaltensmuster sind eindeutige Hinweise auf das Peter-Pan-Syndrom:

  • Verhält sich nicht seinem Alter entsprechend und ist spaßorientiert.
  • Übernimmt keine Verantwortung für sich oder seinen Partner.
  • Nimmt gern Hilfe von anderen an, gibt aber nur selten etwas zurück.
  • Ist nicht in der Lage, eine längerfristige, tiefgehende Beziehung einzugehen bzw. generell eine Partnerschaft aufrecht zu halten.
  • Passiv-aggressive Reaktion, wenn etwas nicht so läuft wie gedacht.
  • Wenige bis gar keine Freunde. Er pflegt eine enge Beziehung zu seiner Mutter, lässt aber andere Menschen kaum an sich ran.
  • Narzisstischer Charakter: dominant, nicht kritikfähig, rastlos, selbstverliebt, keine Empathie.
  • Er ist nie an etwas schuld. Er schiebt die Verantwortung auf andere ab – auch für seine eigenen Fehler.

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Doch nur weil zum Beispiel ein erwachsener Mann zwischenzeitlich sein inneres Kind auf die Spielwiese schickt, sich kurzzeitig aufführt, als wäre er gerade 16 Jahre alt geworden oder leidenschaftlich gerne Skateboard fährt, steckt noch lange nicht das Peter-Pan-Syndrom dahinter. Zum Problem wird es nur, wenn Männer sich tagtäglich wie ein Kind oder Teenie verhalten und sich partout nicht der Realität des Alltags stellen wollen.

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Kann das Peter-Pan-Syndrom behandelt werden?

Das Peter-Pan-Syndrom kann durchaus behandelt und geheilt werden. Um aber überhaupt einen Erfolg erzielen zu können, muss der Betroffene das Syndrom in erster Linie selbst erkennen. Nur dann gelingt die Flucht aus dem Nimmerland zurück in die Realität. Außerdem ist es extrem wichtig, die Ursachen für die psychische Störung zu finden. Im Rahmen einer Psychotherapie kann Betroffenen geholfen werden, an sich selbst zu arbeiten und die in der Jugend verpasste Erziehungsmaßnahmen wieder neu aufzubauen und zu erlernen.

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