Kopf & Psyche

Peter-Pan-Syndrom – Wenn Männer nicht erwachsen werden wollen

Es gibt Männer, die bleiben für immer Kind und werden nie erwachsen. Weil sie es nie gelernt haben und somit nicht können. Familientherapeut Dan Kiley nennt dieses Phänomen „Peter Pan Syndrom“.

Sie schwimmen stets gegen den Strom, sind unerschrocken und tapfer, beziehungsuntauglich und folgen nur ihren eigenen Regeln: Männer mit Peter-Pan-Syndrom. Es handelt sich hierbei zwar nicht um eine anerkannte psychische Störung, dennoch sind die Symptome der Betroffenen eindeutig und durchaus als krankhaft einzustufen. Was genau hinter dem Peter Pan Syndrom steckt und ob man es behandeln kann, erfahren Sie in unserem Artikel.

Peter-Pan-Syndrom – Meist sind die Eltern schuld!

Es gibt Männer, denen könnte man den ganzen Tag lang sagen: „Werd’ doch endlich mal erwachsen“. Ständig verhalten sie sich kindisch, wirken überdreht und sehen das gesamte Leben als ein einziges großes Abenteuer. Irgendwie klingt das wie die Geschichte von Peter Pan, der für nichts und niemanden Verantwortung übernimmt, mit Piraten kämpft und statt erwachsen zu werden lieber für immer eine sorgenlose Kindheit auf der Insel Nimmerland verbringen möchte.

Doch im Gegensatz zu Peter Pan, der Pate für die psychische Störung ist, handelt es sich bei den Betroffenen nicht um eine fiktive Figur, sondern um gestandene Männer. Quasi Kinder gefangen im Körper eines Erwachsenen. Meist können sie noch nicht einmal etwas dafür, denn die eigentliche Ursache liegt oftmals in der frühen Kindheit und der Erziehung durch die Eltern. Psychologen sind sich inzwischen einig darüber, dass vor allem zwei Verhaltensweisen von Eltern als Ursache festgehalten werden können:

Überfürsorglichkeit und zu viel Lob

Kinder von sogenannten Helikoptereltern sind besonders häufig betroffen. Diese finden wirklich alles was der Sohnemann macht total toll, setzen keine Grenzen, loben ihn für alles und jenes und sind nie kritisch. Auch wenn es die Eltern sicherlich nur gut meinen, richten sie mit ihrer überfürsorglichen Art mehr Schaden an, als sie glauben.

Das Kind lernt dadurch nicht, was es heißt, Verantwortung für sich oder andere zu übernehmen, eigenständige Entscheidungen zu treffen, selbstkritisch und selbstständig zu sein. Im Erwachsenenalter fällt es dann vielen schwer, zwischen richtigem und falschem Verhalten zu unterscheiden. Wie soll man(n) sich denn auch wie ein Erwachsener verhalten, wenn es einem nie beigebracht wurde?!

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Unterkühltes Familienklima

Auch bei einem sehr unterkühlten Klima innerhalb des engeren Familienkreises leiden erwachsene Männer später häufig an dem Peter Pan Syndrom. Oftmals ist mindestens ein Elternteil sehr streng, kühl und distanziert. Das gibt dem Kind das Gefühl, nicht geliebt zu werden und den hohen Anforderungen der Eltern nicht gerecht werden zu können. Kurz gesagt, sie haben Angst zu versagen. Als Erwachsener versuchen sie die Versagensängste durch kindliches Verhalten zu kompensieren.

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Ein junger Mann blickt selbstverliebt in den Spiegel und berührt mit den Händen seine Wangen.

Männer mit Peter-Pan-Syndrom sind häufig narzisstisch veranlagt. (c) Colourbox

Peter-Pan-Syndrom – Welche Symptome sind typisch?

In jedem Mann steckt ein Kind – soweit so gut. Solange der Mann nicht ignoriert, dass die Natur das Erwachsensein nicht ohne Grund erfunden hat. Ein bisschen verspielt sind wir alle und das Kind in einem sollte auch nie verloren gehen. Der amerikanische Psychoanalytiker und Familientherapeut Dan Kiley beschreibt in seinem Buch „Das Peter Pan Syndrom – Wenn Männer nicht erwachsen werden“ sechs Symptome, die typisch für die Störung sind:

  1. Verantwortungslosigkeit
  2. Angst und Schuldgefühle
  3. Einsamkeit
  4. Sexueller Rollenkonflikt
  5. Narzissmus
  6. Chauvinismus

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Auch im Verhalten gibt es eindeutige Anzeichen dafür, ob jemand vom Peter Pan Syndrom betroffen ist, oder nicht:

  • Verhält sich nicht dem Alter entsprechend.
  • Nimmt gern Hilfe von anderen an, gibt aber nur selten etwas zurück.
  • Ist nicht in der Lage eine längerfristige Beziehung einzugehen bzw. generell eine Partnerschaft aufrecht zu halten.
  • Passiv-aggressives Verhalten, wenn etwas nicht so läuft wie gedacht.
  • Wenige bis gar keine Freunde. Außer der eigenen Mutter lässt er niemanden an sich ran.
  • Narzisstisches Verhalten: dominant, nicht kritikfähig, rastlos, selbstverliebt, keine Empathie.
  • Er ist nie an etwas schuld. Immer sind andere verantwortlich – auch für sein eigenes Verhalten.

Doch nur weil zum Beispiel ein erwachsener Mann zwischenzeitlich sein inneres Kind auf die Spielwiese schickt, sich ab und zu mal verhält als wäre er gerade 16 geworden oder immer noch gerne Skateboard fährt, ist er noch lange nicht vom Peter-Pan-Syndrom betroffen. Zum Problem wird es nur, wenn Männer sich tagtäglich wie ein Kleinkind oder Teenie verhalten und sich partout nicht der Realität des Alltags stellen wollen.

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Kann das Peter-Pan-Syndrom behandelt werden?

Keine Sorge, das Peter-Pan-Syndrom kann durchaus behandelt und geheilt werden. Um aber überhaupt einen Erfolg erzielen zu können, muss „Peter“ das Syndrom in erster Linie selbst erkennen. Nur dann gelingt die Flucht aus dem Nimmerland zurück in die Realität. Außerdem ist es extrem wichtig, die Ursachen für die psychische Störung zu finden. Im Rahmen einer Psychotherapie kann Betroffenen geholfen werden, an sich selbst zu arbeiten und die in der Jugend verpasste Erziehungsmaßnahmen wieder neu aufzubauen und zu erlernen.

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