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Mundrose: Zu viel Pflege für die Haut

Mutti hat eben doch recht. Die goldene Regel des Lebens lautet: in Maßen. Ob essen, shoppen, joggen – man kann alles übertreiben. Auch die Körperpflege. Wird der Gesichtshaut das alltägliche Wasch- und Cremeprogramm zu viel, reagiert sie mit Ausschlag. Wie man die Mundrose wieder loswird? Die Therapie ist simpel, aber nicht einfach.

Für ihr Gesicht tun viele Frauen viel: morgens Reinigungslotion, Tagescreme und Make-up, abends dann alles wieder runter und eine Pflege für die Nacht drauf. Für einen tollen Teint, fein und rein. Und für ein geschmeidiges Gefühl. Was wir für nötig erachten und uns gefällt, muss unserer Haut aber noch lange nicht zusagen.

Im Gegenteil: Wird die Gesichtshaut überpflegt, kann eine periorale Dermatitis (auch Mundrose genannt) entstehen. Das ist weder ansteckend noch gefährlich, für Betroffene aber sehr belastend. Es handelt sich um einen hartnäckigen Hautausschlag, meist um den Mund herum (perioral).

Vor allem gepflegte Frauen, zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr sind von den Knötchen und Bläschen im Gesicht betroffen. Weil bei den Symptomen viele an Spätakne denken, behandeln sie die angegriffene Haut falsch.

Zu viel des Guten

Warum genau die Haut im Gesicht plötzlich rebelliert, ist (noch) nicht erforscht. Mediziner gehen aber davon aus, dass die Haut der Betroffenen anlagebedingt trockener ist und empfindlich auf äußere Einflüsse reagiert.

Als Auslöser für Mundrose kommt viel infrage: zu viel Sonnenlicht, Stress, Allergien, Hormonumstellung (durch die Antibabypille etwa) oder kortisonhaltige Salben zum Beispiel. In der Regel aber nimmt die Hautirritation mit der falschen oder zu reichhaltigen Pflege ihren Anfang.

Tipp: Besonders im Ausland sollte man beim Kauf von Lotion, Creme und Co. darauf achten, was in den Produkten steckt. Wer „blind“ kauft, mutet seinem Gesicht dann vielleicht bestimmte (potenziell reizende) Inhaltsstoffe in ungewohnt hoher Konzentration zu. Wer sensible Haut hat, sollte von einer Umstellung im Urlaub besser absehen.

Im Teufelskreis der Pflege

Überpflegung bringt die Haut aus dem Gleichgewicht. Genauer: Die Hornschicht quillt auf und verliert ihre Barrierefunktion. Die Haut gibt mehr Wasser ab als normal, trocknet aus, ihre natürlichen Abwehrkräfte schwächeln. Die Folge: Es spannt, brennt und schuppt im Gesicht, Bakterien haben jetzt leichtes Spiel. Es kommt zu einer Entzündung, die sich durch kleinste, etwa zwei Millimeter große Knötchen (Papeln) und Eiterbläschen (Pusteln) äußert. Diese sammeln sich typischerweise in rötlichen „Feldern“ rund um den Mund, während ein kleiner Strich um die Lippen frei bleibt. Je nach Schweregrad der Mundrose können auch Kinn, Stirn, Wangen und Augenlider befallen sein.

Ohne zu wissen, was das Problem ist, cremen Betroffene weiter. Um die sehr unangenehmen Symptome der Mundrose in den Griff zu bekommen, greifen sie dabei häufig zu intensiveren Pflegeprodukten. Das reizt die Haut aber nur noch mehr, der Ausschlag breitet sich aus.

Finger weg von kortisonhaltigen Salben! Sie verbessern das Hautbild zwar kurzzeitig, nach dem Absetzen der Produkte kehrt die Mundrose aber in verschärfter Form zurück.

Wer unter Mundrose leidet, sollte sofort aufhören, seine Haut zu pflegen

Wer unter Mundrose leidet, sollte seine Haut ab sofort nur noch mit Wasser reinigen


Nichts als Wasser

Die Mundrose-Therapie besteht in erster Linie darin, etwa sechs Wochen lang keine Kosmetikprodukte anzurühren: keine Lotion, kein Gesichtswasser, keine Creme und kein Make-up. Damit sich die Schutzbarriere der Haut regenerieren kann, dürfen Betroffene in dieser Zeit nur klares Wasser an ihr Gesicht lassen. Die sogenannte Nulltherapie klingt einfach, kann aber schwerfallen. Zumal sich die Symptome in den ersten zwei Wochen des Verzichts verschlimmern können, wodurch sich das Bedürfnis nach Extrapflege erhöht.

Wer die Disziplin aufbringt und die Nulltherapie durchhält, wird belohnt: Die Mundrose heilt üblicherweise nach einigen Wochen aus, ohne Narben zu hinterlassen. Allerdings sollte man auch nach dieser Zeit nicht in alte Pflegemuster zurückfallen. Um erneute Hautirritation zu vermeiden, empfiehlt es sich, mit dem Dermatologen einen an den individuellen Hauttyp angepassten Pflegeplan zu erstellen.

Spannt und brennt die Haut während der Nulltherapie sehr, helfen Umschläge mit Schwarztee. Die enthaltenen Gerbstoffe wirken entzündungshemmend und lindern die Beschwerden. So geht’s: Tee mindestens zehn Minuten ziehen lassen, nach dem Abkühlen ein Tuch im Aufguss tränken und auf das Gesicht legen.

Fällt der Verzicht auf Pflegeprodukte sehr schwer, kann in Absprache mit dem Arzt auch auf besonders milde Produkte zurückgegriffen werden – spezielle Gele oder Cremes mit Zink zum Beispiel. In schweren Fällen kommen auch Antibiotika zum Einsatz, entweder in Form von antibiotischen Salben oder als Tabletten.

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