Augen

Multifokallinsen: Eine Alternative zur Brille?

Nie mehr eine Brille – Multifokallinsen sollen die Lösung sein. Sie können Sehbeeinträchtigungen korrigieren und sind praktisch im Alltag. Aber können sie tatsächlich die Gleitsichtbrille ersetzen? Bei uns erfahren Sie mehr.

Multifokallinsen werden häufig als Top-Alternative angepriesen für alle, die keine Brille tragen möchten. Außerdem sollen die Linsen sogar verhindern, dass Sehbeeinträchtigungen überhaupt erst entstehen. Doch stimmt das wirklich? Und was macht Multifokallinsen sonst noch aus? Wir erklären, welche Vor- und Nachteile sie mit sich bringen.

Was sind Multifokallinsen?

Multifokallinsen oder Mehr-Stärken-Linsen sind künstlich hergestellte Linsen, die die natürliche Linse des Auges ersetzen. Sie können bei einer Trübung der Linse, ausgelöst durch einen Grauen Star, oder auch bei Kurz- und Weitsichtigkeit die Fehlfunktion korrigieren.

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Es gibt zwei Arten von Multifokallinsen: die Bi- und die Trifokallinsen. Bei der Bifokallinse wird das Licht sowohl in der Nähe als auch in der Ferne optimal gebrochen, wodurch scharfes Sehen möglich ist. Bei der Trifokallinse kommt noch eine dritte Zone hinzu. Dieser Sehbereich befindet sich in einer Distanz von 50 bis 100 Zentimeter zum Auge und ermöglicht ein optimales Arbeiten am Computer.

Die Linsen werden bei einer kurzen Operation unter örtlicher Betäubung implantiert. Dabei wird zunächst die natürliche Linse des Auges entfernt, bevor der Arzt die künstliche einsetzt. Der Vorgang dauert nur 20 Minuten. Nach dem operativen Eingriff dürfen die meisten Patienten wieder nach Hause gehen. Nur in seltenen Fällen müssen sie länger in der Klinik bleiben.

Vorteile der Multifokallinsen

Zu den Vorteilen der Multifokallinsen zählen die folgenden Aspekte:

Bequemlichkeit

Ein Vorteil der Mehr-Stärken-Linsen liegt auf der Hand: Das ewige Suchen oder Verlieren der Brille gehört der Vergangenheit an. Einmal eingesetzt, bleiben die Multifokallinsen ein Leben lang in den Augen des Patienten. Das Tragen von Mehr-Stärken-Linsen ist für ihn schlicht und einfach bequemer als das Tragen einer Brille.

Nicht sichtbar

Für Menschen, die sich mit einer Brille auf der Nase unwohl fühlen, können Multifokallinsen die Lösung sein. Sie sind durchsichtig und von Außenstehenden nicht zu erkennen.

Vorbeugung eines Grauen Stars

Frühzeitig eingesetzt, können Multifokallinsen die Entstehung eines Grauen Stars verhindern. Das kommt daher, dass die Augenerkrankung durch eine altersbedingte Trübung der natürlichen Linse entsteht. Bei den künstlichen Mehr-Stärken-Linsen kann das nicht passieren. Der Graue Star wird dadurch vorgebeugt.

Mittelalter Mann, der sich die Augen reibt.

Nach der Operation jucken und brennen die Augen häufig. (c) thodonal / Fotolia

Nachteile der Multifokallinsen

So viele Vorteile die Multifokallinsen haben, bringen sie doch auch einige Nachteile mit sich. Dazu gehören:

Hohe Kosten

Die Kosten für den Einsatz der Multifokallinsen bezahlen Krankenkassen nur, wenn ein Grauer Star vorliegt und der Arzt eine Operation empfiehlt. Ist das nicht der Fall, müssen Betroffene den Preis selbst übernehmen. Dieser beläuft sich in der Regel auf mindestens 2000 Euro. Je nach Wahl der Linse und des Facharztes kann die Operation aber auch deutlich teurer sein. Die Kosten sind zwar einmalig (Folgekosten fallen nicht an), trotzdem können sie eine finanzielle Belastung für den Patienten darstellen.

Risiken während der Operation und Beschwerden danach

Die Implantation der Multifokallinsen gilt als relativ sicherer operativer Eingriff. Dennoch bleiben einige Risiken bestehen. Beim Entfernen der natürlichen Linse kann es in seltenen Fällen zu Entzündungen, Blutungen oder einer Verletzung der Hornhaut kommen, wodurch das Auge dauerhaft beschädigt wäre.

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Auch wenn Multifokallinsen bei einer Operation innerhalb wenigen Minuten eingesetzt sind, kann es doch einige Wochen dauern, bis sich das Auge an die neuen Linsen gewöhnt hat. In dieser Zeit kann es zu Beeinträchtigungen der Sehkraft und zu störenden Lichtreflexionen kommen. Meist brennen und jucken die Augen nach dem Eingriff und ein unangenehmes Fremdkörpergefühl entsteht. Diese Effekte verschwinden, wenn sich das Auge vollständig an die Linse gewöhnt hat. Das kann allerdings bis zu sechs Wochen dauern.

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Nicht in allen Bereichen nützlich

Die Mehr-Stärken-Linsen funktionieren nicht in allen Bereichen gleich gut. Einen Abstand von 50 Zentimeter bis zu einem Meter zum Streulicht empfinden viele Patienten als störend. Wurde eine Bifokallinse eingesetzt, muss bei der Arbeit am Computer und beim Autofahren meist eine zusätzliche Brille getragen werden, da die Linse nicht alle Sehbereiche ausreichend abdeckt. Insofern ist die Bifokallinse hier nur bedingt sinnvoll. Die Trifokale Linse kann dagegen, wie bereits erwähnt, in allen Bereichen eingesetzt werden.

Fazit: Können Multifokallinsen die Brille ersetzen?

Sind die Linsen für Betroffene geeignet, so können sie eine gute Alternative zur herkömmlichen Gleitsichtbrille darstellen. Allerdings sollten Patienten die Vor- und Nachteile, die eine Implantation mit sich bringt, sorgfältig mit ihrem Arzt abwägen. Letztendlich bleibt es jedem selbst überlassen, ob er sich von seiner Brille verabschieden und zukünftig die Linsen nutzen möchte oder nicht.

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