Gesunde Ernährung

Metabolic Balance: Stoffwechseldiät nach Maß

Viel Selbstkontrolle, ein stark reduzierter Speiseplan und ein persönlicher Berater, der die Ernährung im Blick hat und beim Durchhalten hilft – wer mit Metabolic Balance Kilos verlieren möchte, braucht einen eisernen Willen und einen gut gefüllten Sparstrumpf. Aber rentiert sich der Aufwand am Ende auch? Wir verraten, was das Abnehmkonzept wirklich bringt.

Wer abnehmen möchte, braucht Disziplin – daran lässt sich nicht rütteln. Es gibt aber Diäten, die einem besonders viel Selbstbeherrschung abverlangen: Metabolic Balance (auf Deutsch: „Stoffwechsel im Gleichgewicht“) zum Beispiel. Das ist keine Diät, mit der man einfach so anfangen kann. Wer sie ausprobieren will, muss bezahlen – nicht nur mit Schweiß und Verzicht, sondern mit barem Geld. Laut Anbieter handelt es sich um ein Ernährungskonzept auf Basis des individuellen Stoffwechsels. Ziel soll dabei in erster Linie sein, die Gesundheit zu fördern und das körperliche Wohlbefinden zu steigern. Wenn nebenbei auch noch die Pfunde purzeln, umso besser.

Das Prinzip Planernährung

Das Metabolic-Balance-Konzept geht auf den Ernährungswissenschaftler und Internisten Dr. Wolf Funfack zurück. Seine Theorie hinter der Stoffwechseldiät: Unser Körper bestimmt selbst, was ihm guttut, und gibt einen Ernährungsplan vor, den wir nur noch zu Papier bringen müssen.

Allerdings kann einzig ein Metabolic-Balance-Berater die Bedürfnisse des Organismus in Lebensmittel übersetzen. Er stellt mithilfe eines Computerprogramms einen speziellen Speiseplan zusammen – nach exakter Analyse der Blutwerte und unter Berücksichtigung persönlicher Daten wie Größe, Gewicht, Allergien, Vorlieben und Abneigungen.

So ein individuell auf den Körper abgestimmtes Konzept hat seinen Preis. Allein die Analyse der Blutwerte, die Basis für den Ernährungsplan, schlägt mit rund 350 Euro zu Buche. Je nachdem, welches Paket man bucht und wie intensiv die Betreuung ist – persönlich, telefonisch oder online – entstehen weitere Kosten.

Das Problem mit dem Insulin

Metabolic Balance knüpft an stoffwechselgetriebene Ernährungskonzepte an, auf denen beispielsweise auch die Glyx-Diät fußt. Sie wollen die Insulinproduktion durch Ernährung konstant halten.

Warum aber ist das wichtig? Essen wir zu viele Kohlenhydrate, steigt unser Blutzuckerspiegel stark an. Daraufhin wird ein Überschuss des Hormons Insulin produziert, das den Zucker schnellstmöglich in die Zellen transportiert, wo er zu Energie wird. Die Folge: Wir bekommen Heißhunger, weil das Insulin den Zucker zu schnell aus dem Blut in die Zellen befördert. Ein weiterer unangenehmer Nebeneffekt: Besteht ein Übermaß an Zucker im Blut, gewinnen die Zellen Energie nur noch über Zucker und nicht mehr zusätzlich über Fett – die Fettverbrennung gerät ins Stocken und wir nehmen zu.

Metabolic Balance will den Stoffwechsel mit einer detaillierten, auf den jeweiligen Organismus zugeschnittenen Ernährung wieder ins Gleichgewicht bringen. Im Kern ist Funfacks Ernährungskonzept eine Low-Carb-Diät, also eine Kohlenhydratdiät mit starker Eiweißzufuhr.

Metabolic Balance: Die vier Phasen

Der Metabolic-Balance-Teilnehmer muss vorab einen Bluttest durchführen lassen. Aus den daraus resultierenden 36 Laborwerten liest ein Computerprogramm aus, welche Lebensmittel zu dem Teilnehmer passen und dazu beitragen, seinen Organismus wieder ins Gleichgewicht zu bringen, sprich: Hormonhaushalt und Energiestoffwechsel regulieren. Das ist das Fundament für das Programm, das aus vier Phasen besteht.

1. Die Entlastungsphase

Zwei Tage lang essen die Teilnehmer lediglich leichte Kost. Die Mahlzeiten stellt der Betreuer für ihn zusammen. Um Heißhungerattacken zu vermeiden, wird der Darm wie bei einer Fastenkur vorher entleert.

2. Die strenge Umstellungsphase

Für circa zwei Wochen ist nun Disziplin gefragt. Der Teilnehmer muss sich streng an seinen Plan halten und isst nur das, was draufsteht. Es wird ohne Fett gekocht, Kohlenhydrate sind stark reduziert. Der Metabolic-Balance-Berater kontrolliert regelmäßig die Werte des Teilnehmers. Sind sie zufriedenstellend, darf der Abnehmwillige langsam wieder mit Ölen kochen und zudem kleine, selbst gewählte Schlemmermahlzeiten einlegen.

Ab Phase zwei gelten außerdem die acht Metabolic-Balance-Ernährungregeln:

  • Drei Mahlzeiten am Tag – nicht mehr, nicht weniger
  • Fünf Stunden Pause zwischen jeder Mahlzeit
  • Eine Mahlzeit dauert nicht länger als 60 Minuten
  • Vor jeder Mahlzeit eine Portion Eiweiß essen. In der Praxis heißt das: zuerst das Fleisch, dann das Gemüse
  • Pro Mahlzeit eine Art Eiweiß, auf den Tag verteilt aber drei Eiweißsorten
  • Nach 21 Uhr nichts mehr essen
  • Täglich die errechnete Menge Wasser trinken (Faustregel: 35 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht)
  • Ein Apfel am Tag, am Ende der Mahlzeit
Kaffe

Kaffee ohne Zusatz von Zucker und Milch ist direkt nach den Mahlzeiten erlaubt. (c) colourbox

3. Die gelockerte Phase

In Phase drei werden die Lebensmittel auf dem Plan ergänzt und erweitert. Außerdem darf einmal die Woche „geschummelt“ und gegen den Diätplan verstoßen werden. Mit Erreichen des vorher festgelegten Wunschgewichts gilt Phase drei als beendet.

4. Die Erhaltungsphase

In Phase vier gibt es weniger Vorschriften. Der Teilnehmer löst sich vom Plan, soll mit Lebensmitteln experimentieren, dabei aber das Erlernte selbstständig beibehalten. Da diese Ernährungsumstellung nicht immer einfach und die Versuchung groß ist, in alte Muster zurückzufallen, betreut der persönliche Diät-Berater in dieser Zeit besonders intensiv.

Kompliziert und kostspielig

Wenig Kalorien und Kohlenhydrate, dafür viel Eiweiß – mit dem Metabolic-Balance-Speiseplan lässt sich abnehmen, keine Frage. Leicht dürfte die Ernährung nach Plan im Alltag aber nicht fallen. Damit die Ernährungsumstellung glückt, ist eine große Portion Entschlusskraft erforderlich – von Anfang bis Ende. Kurzum: Metabolic Balance ist nichts für Genussmenschen, sondern eher etwas für Durchgeplante. Experten bemängeln außerdem, dass diese Form der Ernährung persönliche Vorlieben schlicht nicht berücksichtigt. Die Gefahr ist groß, spätestens in Phase vier wieder in alte Ernährungsweisen zurückzufallen.

Kritisiert wird außerdem, dass …

  • die Wahl der Lebensmittel auf dem Ernährungsplan nicht nachvollziehbar ist.
  • statt saisonaler Gemüse- und Obstsorten viele exotische Früchte auf der Lebensmittelliste stehen.
  • es ausschließlich um Ernährung geht, der Aspekt Bewegung unter den Tisch fällt.
  • quasi jeder Metabolic-Balance-Berater werden kann. Die Ausbildung nimmt nur einige Tage in Anspruch.

Wissenschaftler, Verbraucherschützer und Mediziner raten von Metabolic Balance ab. Nicht zuletzt, weil Abnehmwillige für diese Diät tief in die Tasche greifen müssen. Davon abgesehen: Es existieren keine wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit, weil unabhängige Studien nicht möglich sind. Denn die Firma des Erfinders hält geheim, nach welchen Kriterien das PC-Programm die Lebensmittel ausliest.