Schon gewusst?

Sicherung der medizinischen Versorgung – Zwischen Kostendruck und Bedarfsplanung

Sowohl Ärzte, als auch Patienten klagen immer häufiger über gewisse Schieflagen. Für die Mediziner sind vor allem Kostenfragen, für die Patienten eine umfassende Versorgung vor Ort entscheidend.

Wie aber genau gestalten sich die Probleme und welche Ursachen haben sie? Gibt es eventuell Lösungsansätze? Dieser Beitrag liefert Antworten.

Lage der Ärzte und Krankenhäuser: Hoher Kostendruck

Viele Ärzte beklagen einen hohen Kostendruck. Dieser resultiert vor allem daraus, dass sowohl die laufenden Kosten, wie auch einmalige Ausgaben teuer sind und über kurz oder lang refinanziert werden müssen.

Hohe Kosten für Ärzte und Krankenhäuser

Eine Arztpraxis hat eine ganze Reihe laufender Kosten. Dazu zählt vor allem das Personal, konkreter die Arzthelfer und Arzthelferinnen, aber möglicherweise auch weitere Mediziner. Die meisten Praxen sind zudem in angemieteten Räumlichkeiten zu finden.

Betrachtet man die deutschlandweit in den letzten 30 Jahren massiv gestiegenen Mietpreise, kann dieser Faktor schnell Summen erfordern, die den Druck, Einnahmen zu generieren, stark wachsen lassen. Hinzu kommen weitere Kosten wie beispielsweise Medikamente, Strom, Wasser oder auch Absicherungen wie eine Berufshaftpflichtversicherung.

Zudem gibt es teure Anschaffungen von medizinischen Geräten, die refinanziert werden müssen. Diese Anlagen verursachen zudem oft laufende Kosten, die ebenfalls schnell Beträge erreichen können, die nur schwer bezahlbar sind. Ein MRT beispielsweise kostet zwischen 750.000 und über 3 Millionen Euro, die laufenden Ausgaben können bis zu 15.000 Euro monatlich betragen.

Ausgaben der Krankenhäuser

Krankenhäuser haben vor allem bei zwei Posten höhere Ausgaben. Einerseits das Personal: So ist dies oft der größte Kostenfaktor in der Kalkulation. Der Grund: Krankenhäuser benötigen eine ganze Reihe von fachlich gut ausgebildeten Ärzten, Pflegern oder auch Medizintechnikern, die entsprechende Gehaltszahlungen notwendig machen. Im Jahr 2018 betrug der Anteil der Personalkosten von Krankenhäusern 62 Prozent des Gesamtbudgets, während für Sachkosten nur 38 Prozent der finanziellen Mittel aufgewendet wurden.

Hinzu kommt, dass ein Krankenhaus eine um ein Vielfaches größere Fläche benötigt, als eine Arztpraxis. Daher werden oft sehr hohe Kredite für einen Bau aufgenommen, die über einen meist längeren Zeitraum abbezahlt werden müssen.

Höherer Kostendruck durch die Corona-Pandemie?

In der aktuellen Situation der Corona-Pandemie entstehen einerseits höhere Kosten durch die Ausrüstung zur Umsetzung besonderer Vorsichtsmaßnahmen. Andererseits gehen zumindest bis zu einem gewissen Grad weniger Menschen wegen kleinerer Probleme zum Arzt. Zudem können die Wartezimmer aufgrund der Abstandsregeln nicht wie sonst üblich voll besetzt werden. Die Einnahmen der Ärzte sinken also wie in vielen anderen Sektoren auch seit dem Ausbruch der Pandemie.

Weiterhin besteht das Risiko, unter gewissen Umständen (Teil-) Ausfälle hinnehmen zu müssen. Vor allem, wenn eine Praxis geschlossen werden muss, können Ärzte nur unter bestimmten Bedingungen einen Verdienstausfall erhalten, der zudem für selbstständige Mediziner erst im Nachhinein ausbezahlt wird.

Schlussendlich besteht die Gefahr eines Personalausfalls durch eine Erkrankung am Corona-Virus. Nicht zuletzt die Haftbarkeit gegenüber Patienten bei Ansteckung durch mangelnde Hygiene (dies ist bei einem geschulten Mediziner zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich), hier könnten Schadensersatzforderungen auf einen Arzt zukommen, die die Gesamtkosten massiv in die Höhe treiben. Wie hoch das Risiko eines Ausfalles aufgrund einer dieser Faktoren ist, hängt insgesamt maßgeblich vom Versicherungsschutz der jeweiligen Praxis ab.

Hausbesuch einer Ärztin

In ländlichen Gebieten mit einer älteren Bevölkerungsstruktur müssen Ärzte häufiger Hausbesuche machen. (c) Adobe Stock / Alexander Raths

Auswirkungen des Kostendrucks im Berufsalltag

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass der Kostendruck eines Krankenhauses oder auch einer Arztpraxis im Berufsalltag enorm hoch ist. Dies hat auf vielen Gebieten Auswirkungen auf die Behandlungsweisen, aber auch auf die zeitliche und lokale Flexibilität.

Problem Pauschalabrechnung

Grund für dieses Problem ist die in Deutschland zumeist praktizierte Pauschalabrechnung der ärztlichen Leistungen durch die Krankenkassen. In der Realität bedeutet das, dass eine bestimmte Behandlung einen zuvor definierten Betrag einbringt, unabhängig davon, wie lange der Mediziner hierfür benötigt oder welche sonstigen Zusatzaufwendungen er hat. Solche Extraausgaben könnten beispielsweise die Fahrtkosten für einen Hausbesuch sein.

Stadt – Land Verteilung

Ein weit bekanntes Problem ist der Ärztemangel in ländlicheren Regionen. Auch hier spielt der hohe Kostendruck eine Rolle. Einerseits müssen Ärzte davon ausgehen, in dünn besiedelten Gebieten grundsätzlich weniger Patienten zu haben.

Außerdem ist die Altersstruktur im ländlichen Raum oft so, dass viele Menschen, die dort wohnen, bereits mehr Lebensjahre zählen. Daher besteht das Risiko einer höheren Sterblichkeit von Patienten, zudem werden mehr Hausbesuche notwendig, die sowohl kosten-, als auch zeitaufwendig sind.

Daher ist es wenig verwunderlich, dass viele Ärzte eine Niederlassung im urbanen Raum vorziehen. Grund hierfür ist vor allem eine höhere Sicherheit, die nötigen Kosten für die Praxis tragen zu können. Hinzu kommen andere Faktoren wie der Wunsch vieler Ärzte, einen möglichst kurzen Arbeitsweg zu haben oder auch ihren Partnern gute Berufschancen zu ermöglichen. Beides ist in Stadtgebieten eher gegeben.

Zeitmangel

Hinzu kommt der Zeitmangel. Aufgrund der Pauschalabrechnung der Leistungen ist es in logischer Konsequenz das Ziel eines Arztes, möglichst viele Patienten zu behandeln. Daher wird versucht, jede Behandlung möglichst kurz zu halten.

Ein ähnlicher Druck besteht in Krankenhäusern. Die Folge können einerseits Flüchtigkeitsfehler sein, andererseits auch andere Konsequenzen wie ein hohes Stresslevel bei den Medizinern selbst. Zudem besteht sowohl bei niedergelassenen Ärzten wie auch in Krankenhäusern die Gefahr, dass Patienten sich in ihren Anliegen nicht ernstgenommen fühlen.

Therapiewahl

Zudem bringen gewisse Leistungen einen höheren Umsatz ein als andere. Diese Behandlungen werden dann logischerweise auch häufiger angewendet. Krankenhäuser geben sogar häufig Ziele vor, wie oft beispielsweise eine bestimmte Operation im Monat oder Jahr durchgeführt werden muss, damit die Klinik wirtschaftlich rentabel bleibt. Dabei steht der Arzt vor der Problematik, trotz des Kostendrucks stets das Patientenwohl im Auge zu behalten.

In vielen Fällen mag dies gelingen, in einigen auch nicht. Der hohe Kostendruck in Verbindung mit der höheren Bezahlung verschiedener Therapiemethoden ist daher bezüglich der Therapiewahl nicht unbedingt förderlich für die zielführende Ausübung des Arztberufes.

Über- und Unterversorgung

Das Resultat dieser Umstände ist unter anderem eine wachsende Über- und Unterversorgung. Das bedeutet, dass einerseits in manchen Regionen ein Ärztemangel besteht, andererseits gerade in urbanen Räumen zu viele Ärzte niedergelassen sind.

Für die Patienten, wie auch für Ärzte bringt dies viele Nachteile mit sich. Einerseits haben Patienten auf dem Land das Problem eines Mangels an medizinischer Versorgung. Zudem kann eine weite Anfahrt zum nächsten Arzt oder Krankenhaus bei bestimmten Problemen wie beispielsweise einem Schlaganfall, der eine schnelle Behandlung benötigt, desaströse Konsequenzen haben.

Andererseits könnte es bei einer Überversorgung für Mediziner manchmal selbst in urbanen Räumen schwierig sein, eine zur Kostendeckung ausreichende Zahl an Patienten zu „finden“. Gleiches gilt für Krankenhäuser, Leerstände bringen hier schnell große finanzielle Probleme mit sich.

Das Instrument der Bedarfsplanung

Aus diesen Gründen wurde schon im Jahr 1992 das Gesundheitsstrukturgesetz geschaffen. Es verpflichtet Ärzte, Krankenkassen und Krankenhäuser dazu, eine bevölkerungsbezogene Verteilung zu erreichen. Zur Umsetzung wurde eine Bedarfsplanungsrichtlinie erstellt. Zudem spielt das Niederlassungsrecht eine Rolle.

Bei einer Überversorgung in einem bestimmten Gebiet werden verschiedene Instrumente wie beispielsweise eine Zulassungsbeschränkung angeordnet. Zudem gibt es in einigen Fällen gewisse Zuschüsse. Das Gesetz wurde aufgrund der weiterhin bestehenden Problematik im Jahr 2012 weiterentwickelt, vor allem sollen Entscheidungen jetzt regionaler getroffen werden können.

Zusätzliche Förderungen

Diese Entwicklung wird auch in der Realität umgesetzt. Um Über- und Unterversorgung noch besser regulieren zu können, gehen viele Bezirksstellen von kassenärztlichen Vereinigungen dazu über, eine Reihe zusätzlicher Fördermöglichkeiten in Aussicht zu stellen. Dazu können Gründungszuschüsse, wie auch verschiedene Darlehen oder die Gewährung von Umsatzgarantien gehören.

Dadurch werden gerade im ländlichen Raum Anreize für eine Niederlassung geschaffen. Ziel ist die weitere Verbesserung der Sicherung einer guten und umfassenden medizinischen Versorgung aller Menschen, unabhängig von ihrem Wohnort.

Fazit

Viele Ärzte und Krankenhäuser haben aufgrund verschiedener Faktoren wie Mietpreise oder Anschaffung von teurem Gerät einen hohen Kostendruck. Die Konsequenzen sind sowohl eine geringere Qualität der Behandlung, wie auch eine Über- und Unterversorgung.

Zur Verbesserung des Systems, wie auch der Sicherstellung einer funktionierenden Gesundheitsversorgung haben Gesetzgeber und Krankenkassen in den letzten 30 Jahren verschiedene Instrumente entwickelt. Trotz einer weiterhin bestehenden hohen Relevanz der Problematiken lassen sich daher auch einige Verbesserungen erkennen.