Hals, Nase & Ohren

Mandelentzündung: Schmerzen im Hals

Eine Mandelentzündung (Tonsillitis oder Angina Tonsillares) ist eine schmerzhafte Entzündung der Gaumenmandeln und wird durch Bakterien oder Viren ausgelöst. Welcher Erreger für die Entzündung verantwortlich ist, lässt sich jedoch nicht leicht erkennen. Wir klären auf. 

Eine bakterielle Mandelentzündung wird anders als eine virale Mandelentzündung behandelt. Es ist also wichtig zu wissen, was die Entzündung ausgelöst hat. Eine ärztliche Untersuchung schafft Klarheit und sollte in jedem Fall gemacht werden.

Warum sind Mandeln wichtig?

Mandeln (Tonsillen) wehren Krankheitserreger – die über den Mund oder die Nase eindringen – ab. Das macht sie insbesondere in den ersten acht Lebensjahren zu einem wichtigen Teil des noch lernenden Immunsystems. Mit Beginn der Pubertät ist das Immunsystem fast vollständig ausgereift. Die Mandeln bilden sich langsam zurück und schrumpfen. Überflüssig sind sie deshalb aber nicht, da sie eine gewisse „Restaktivität“ beibehalten.

Ursachen einer Mandelentzündung

Ursache für eine Mandelentzündung ist eine Infektion durch Bakterien oder Viren. Während eine bakterielle Mandelentzündung oftmals durch Streptokokken ausgelöst wird, hängt eine virale Mandelentzündung meist mit einer Erkältung oder einem viralen Infekt zusammen.

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Verursacher einer bakteriellen Mandelentzündung:

  • Streptokokken der Gruppe A
  • Pneumokokken
  • Staphylokokken
  • Chlamydien
  • Haemophilus influenzae

Verursacher einer viralen Mandelentzündung:

  • Rhinoviren
  • Coronaviren
  • Adenoviren
  • Influenzaviren
  • Coxsackie-A-Viren
  • Herpes-simplex-Viren

Eine Mandelentzündung kann aber auch als Begleiterkrankung auftreten. Eigentliche Ursache ist dann z.B. das Pfeiffersche Drüsenfieber, Diphtherie oder Herpes.

Was ist der Unterschied zwischen einer akuten und chronischen Mandelentzündung?

Bei einer akuten Mandelentzündung treten die Entzündung und auch die Symptome plötzlich auf. Mithilfe von Antibiotika klingt sie jedoch schnell wieder ab.

Handelt es sich um eine immer wiederkehrende (chronische oder rezidivierende) Mandelentzündung sind die Symptome zwar ähnlich, verursachen aber in den meisten Fällen kaum Beschwerden. Die Ursache für eine chronische Mandelentzündung ist der Verbleib einzelner Bakterien in den Grübchen (Krypten) der Mandeln. Diese lösen dann eine erneute Entzündung aus. Wer eine vorherige akute Mandelentzündung verschleppt oder das Antibiotikum zu früh absetzt, provoziert eine erneute Entzündung der Gaumenmandeln.

Mandelentzündung – Hohe Ansteckungsgefahr

Eine Mandelentzündung ist hochgradig ansteckend und wird hauptsächlich über Speichel übertragen (Tröpfcheninfektion). Das geschieht z.B. durch Niesen, Küssen oder Husten. Oftmals war das Immunsystem schon vorher geschwächt – zum Beispiel durch Schnupfen, Erkältung, Grippe, Entzündungen im Hals- und Rachenbereich oder Stress.

Von der Ansteckung bis zum Ausbruch einer Mandelentzündung vergehen in der Regel nur 1 bis 3 Tage.

Symptome einer Mandelentzündung

Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber und geschwollenen Lymphknoten – typische Symptome für eine Mandelentzündung. Je nachdem durch welche Viren oder Bakterien eine Mandelentzündung hervorgerufen wurde, können auch die Symptome unterschiedlich ausfallen. Deutlichstes Unterscheidungsmerkmal ist:

Virale Mandelentzündung = Rachen rot

Bakterielle Mandelentzündung = Rachen rot und mit gelblich-weißlichen Eiterflecken (Stippchen) bedeckt

Nicht nur bei den Ursachen, sondern auch bei der Symptomatik, muss zwischen einer akuten und einer chronischen Mandelentzündung unterschieden werden.

Symptome einer akuten Mandelentzündung:

  • Halsschmerzen
  • Schluckbeschwerden
  • Fieber, Schüttelfrost
  • Geschwollene Lymphknoten an Hals und Kiefer
  • Kopfschmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Gerötete und geschwollene Gaumenmandeln
  • Gelbliche Eiterbeläge an den Gaumenmandeln (Stippchen)
  • Vermehrter Speichelfluss
  • Unangenehmer Mundgeruch
  • Bauchschmerzen und Erbrechen bei Kindern

Symptome einer chronischen Mandelentzündung:

  • Leichte Schluckbeschwerden
  • Unangenehmer Mundgeruch
  • Unangenehmer Geschmack im Mund
  • Kratzender Hals
  • Verminderte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit
  • Lymphknoten am Hals dauerhaft geschwollen aber ohne Schmerzen

Folgekrankheiten durch eine Mandelentzündung

Wird eine Mandelentzündung nicht behandelt oder verschleppt, können hieraus schwerwiegende Folgekrankheiten entstehen:

Bildung eines Abszesses

Kommt es bereits wenige Tage nach einer Mandelentzündung erneut zu hohem Fieber, starken Schluckbeschwerden und Stechen im Ohr, hat sich wahrscheinlich ein Abszess gebildet. Dieser entsteht im umliegenden Bindegewebe der Mandeln und ragt in die Mundhöhle hinein. Das führt unter anderem dazu, dass sich der Mund kaum öffnen lässt.

Da das geschwollene Zäpfchen im Gaumen zur Seite weicht, ist ein Abszess sogar bei leicht geöffnetem Mund gut zu erkennen. Eine schnelle Behandlung ist hier wichtig, weshalb umgehend ein Arzt kontaktiert werden sollte.

Herdinfektion

Herdinfektionen, die durch eine chronische Mandelentzündung ausgelöst werden, sind nicht zu unterschätzen. Die Ausbreitung von Bakterien, wie zum Beispiel Streptokokken, können zu gefährlichen Entzündungen der Niere, des Herzens oder der Gelenke führen.

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Diagnose einer Mandelentzündung

Wer den Verdacht auf Mandelentzündung hat oder die Symptome dieses vermuten lassen, sucht entweder seinen Hausarzt oder einen Hals-Nasen-Ohren Arzt (HNO) auf. Dieser untersucht mithilfe eines Spiegels die Mundhöhle und den Rachen, um gerötete und geschwollene Mandeln sowie Eiterstippchen schnell erkennen zu können. Manchmal wird auch ein Schnelltest auf Streptokokken durchgeführt. Hierbei nimmt der Arzt mithilfe eines Wattestäbchens einen Abstrich vom Rachen. Da das Ergebnis innerhalb weniger Minuten vorliegt, kann dieser Test noch in der Praxis durchgeführt und ausgewertet werden.

Ärzte arbeiten oftmals mit einem Punktesystem, um herauszufinden, ob es sich um eine bakterielle oder durch Viren verursachte Mandelentzündung handelt. Hat der Patient zum Beispiel keinen Husten, leidet aber an Fieber und eitrigen Mandeln, ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit eine bakterielle Mandelentzündung.

Eine ordentliche und ausführliche Untersuchung ist notwendig, damit andere Krankheiten mit ähnlichen Symptomen ausgeschlossen werden können.

Mandelentzündung

Bei einer Mandelentzündung durch Viren hilft nur: schonen. (c) Impact Photography / Fotolia

Behandlung einer Mandelentzündung

Bis eine akute Mandelentzündung vollständig verheilt ist, können zwischen zwei und drei Wochen vergehen. Entscheidend bei der Behandlung ist, was die Entzündung verursacht hat. In den meisten Fällen handelt es sich um eine bakterielle Infektion, die durch die Einnahme von Antibiotika behandelt werden kann. Nicht selten werden auch schmerz- und fiebersenkende Medikamente verschrieben.

Eine durch Bakterien ausgelöste Mandelentzündung ist meist innerhalb von 24 Stunden – nach der ersten Einnahme des verschriebenen Antibiotikums – nicht mehr ansteckend.

Wichtig: Antibiotika sollten immer über die vom Arzt empfohlene Dauer genommen werden. Üblich sind hier 5-10 Tage. Ansonsten steigt das Risiko von Folgeerkrankungen unnötig an. Auch wenn viele der Symptome bereits abgeklungen sind, bleiben die auslösenden Bakterien noch länger im Körper.

Bei einer durch Viren verursachten Mandelentzündung ist der Einsatz von Antibiotika leider nutzlos. Hier hilft nur eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr – in Form von Wasser und Tee – und den Körper weitestgehend zu schonen. Bei starken Schluckbeschwerden sollte auf feste Nahrung verzichtet und auf flüssige Nahrung (Brei oder Suppe) umgestiegen werden. Um den Rachen nicht unnötig zu reizen, sollte auf Säfte oder Nahrungsmittel mit einem hohen Säureanteil verzichtet werden. Lutschtabletten und Mundspülungen können zu einer leichten Linderung der Halsschmerzen beitragen.

Unabhängig davon, ob es sich um eine bakterielle oder virale Mandelentzündung handelt, sollte besonders auf Alkohol und Rauchen verzichtet werden. Beides führt in den meisten Fällen zu einer Verschlechterung der Entzündung.

Wann ist eine Mandel-OP notwendig?

Früher wurden entzündete Mandeln bei Kindern oftmals zu früh operativ entfernt. Durch den Verlust der Mandeln fehlte ein wichtiger Filter für Bakterien und Viren, wodurch das Abwehrsystem geschwächt wurde. Mit ein Grund dafür, warum Mandeln heutzutage nur noch unter besonderen Umständen entfernt werden.

Im Falle einer chronischen Mandelentzündung ist eine Mandelentfernung (Tonsillektomie) eventuell sinnvoll. Lagen in den vergangenen 12 Monaten mehr als 4-6 eitrige Mandelentzündungen vor, raten Ärzte oft zu einer Mandel-OP.

Hat sich ein Abszess gebildet, muss unter Umständen die Eiterhöhle durch einen operativen Eingriff geöffnet werden. Bedeutet jedoch nicht, dass auch die Mandeln zeitgleich entfernt werden. Das ist eher selten der Fall.

Sind die Gaumenmandeln sehr groß und führen zu starken Beeinträchtigungen der Atemwege oder zu massiven Sprechproblemen, kann über eine operative Entfernung nachgedacht werden. Allerdings werden die Mandeln dabei meist nur verkleinert oder teilweise entfernt (Tonsillotomie).