Beauty & Wellness

Makellos: Müssen Frauenkörper perfekt sein?

Frauenkörper müssen perfekt sein, zumindest vermittelt uns das die Medienwelt. Man kann daran verzweifeln, oder sich von diesem Optimierungswahn befreien. Die Bloggerin Corinne Luca hat es geschafft – und zwar mit viel Humor. In ihrem Buch „Am liebsten sind mir die Problemzonen, die ich noch gar nicht kenne“ rechnet sie mit der Beautybranche ab. Wir haben sie zum Interview getroffen.

Frau Luca, wie sind Sie auf die Idee zum Buch gekommen?
Ich hatte schon eine ganze Weile meinen Blog makellosmag betrieben. Dort geht es um die Themen, die auch im Buch auftauchen. Schließlich gab es einen Schlüsselmoment: Mein Blog wurde 2016 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Da entstand in mir der Wunsch, alles noch einmal in einem Buch zu bündeln. Schließlich kann man die Themen in einem Blog-Text immer nur punktuell betrachten und in einem Buch doch ausführlicher beleuchten.

Was kann das Buch unseren Leserinnen bieten?
Na zuerst einmal ist Lachen schließlich gesund, und das kann mein Buch hoffentlich bieten: gute Unterhaltung. Ich wollte auf gar keinen Fall ein Buch von oben herab schreiben und dabei Frauen kritisieren, die sich zum Beispiel gerne schminken. Es geht mir einfach darum, dass wir wieder mehr auf uns schauen und uns fragen: Was tut mir eigentlich gut?

Was kritisieren Sie in Ihrem Buch?
Mir geht es häufig so: Eigentlich wollte ich nur zehn Minuten in einer Zeitschrift blättern. Und dann schaue ich auf meine vermeintlich dicken Schenkel oder jegliche anderen Makel, die ich laut dem Magazin wohl haben soll. Wie gesagt, mir geht es nicht darum zu sagen: Schminken ist doof oder dünn sein ist schlecht. Ich selbst mag es zum Beispiel sehr gerne, mir die Haare zu machen oder mich zu schminken. Das soll man sich dann auch nicht wegnehmen lassen. Dennoch versuchen die Medien, uns zum Kaufen von Beauty-Produkten zu verleiten und wollen uns daher vorschreiben, was schön ist und was nicht. Danach sollten wir uns nicht richten.

Haben Sie dafür ein- oder zwei Beispiele, die Sie in Ihrem Buch behandeln?
Also meine Lieblingsschlagzeile war einmal: „Schluss mit Muss: Warum Sie wieder alles falsch machen, wenn Sie perfekt sein wollen“. Das fand ich großartig: Machen Sie sich frei vom Perfektionswahn, aber machen Sie es genauso wie wir es vorgeben.

Ein weiteres Thema, über das ich gestolpert bin, hieß: „Wie funktioniert der No-Nagellack?“ Als normaler Mensch denkt man sich schließlich: No-Nagellack funktioniert, indem ich keinen Nagellack trage. Es wurde dann aber eine Seite lang beschrieben, wie man die Füße pflegen muss, damit man sich den No-Nagellack-Look leisten kann.

Gelingt es Ihnen immer, sich von dem Beautywahn abzugrenzen?
Oh, da tappe ich genauso rein! Bei mir sind die Haare die Achillesferse. Da bin ich fast immer Opfer von Produkten für noch glattere oder noch glänzendere Haare. Aber wenn ich mir so ein Produkt gönne, obwohl es wahrscheinlich gar nicht so hilft wie versprochen, es mir aber in diesem Moment guttut, ist das eben auch in Ordnung.

Absoluter Verzicht ist also auch nicht Sinn der Sache?
Ich versuche in meinem Buch lediglich die Mechanismen hinter bestimmten Zeitschriftenartikeln und vor allem der Werbung aufzuzeigen: Sie wollen mir in erster Linie etwas verkaufen. Und klar ist jeder der sich an seinen Polstern stört empfänglich für solche Botschaften, aber, wenn man ein wenig hinter die Kulissen schaut, kommt man bald zu dem Schluss, dass auch die beste Fünf-Minuten-Diät auf Dauer nichts bringt.

Ist Ihr Buch eigentlich auch etwas für Männer?
Natürlich geht das auch bei Männern mittlerweile los: Kein Jungschauspieler darf mehr ohne Sixpack auf die Bühne. Aber auf dem gleichen Level ist das noch nicht angekommen und Frauen tappen doch noch mehr in diese vermeintlichen Beautyfallen. Das liegt vor allem daran, dass Frauen noch einmal mehr nach dem Äußeren bewertet werden und zum gegenseitigen Vergleich angeregt werden.

Werden weitere Bücher folgen?
Ich habe auf jeden Fall Ideen! Sogar schon ganz konkrete für ein zweites Buch. Aber das hängt jetzt auch ein bisschen davon ab, wie das erste läuft und ob die Leserinnen sich mehr wünschen. Der Blog makellosmag geht aber auf jeden Fall weiter. Dazu gibt es jetzt auch einen regelmäßigen Newsletter. Außerdem möchte ich wieder neue Podcasts machen. Und wenn es sich ergibt, werde ich freilich auch weiterhin für verschiedene Medien, wie Edition F oder bento schreiben.