Kopf & Psyche

Madame-Bovary-Syndrom – Die ewige Suche nach dem „idealen“ Partner

Träumen wir nicht alle von einem erfüllten und perfekten Leben mit Leidenschaft in der Liebe, keine Geldsorgen und ewiger Gesundheit? Ein bisschen zu träumen ist natürlich noch lange nichts Verwerfliches. Problematisch wird es erst dann, wenn Sie ständig alles, was real ist, um sich herum vergessen und fortlaufend in eine Traumwelt flüchten. Das nennt man dann Madame-Bovary-Syndrom. Bei uns erfahren Sie mehr über die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten des Bovarismus.

Was ist das Madame-Bovary-Syndrom und welche Ursachen gibt es?

Ursache für das Madame-Bovary-Syndrom – auch Bovarysmus genannt – sind Handlungen und Erzählungen aus Romanen. Aber auch die Angst vor dem Verlassenwerden und emotionaler Entbehrung spielen eine Rolle.

Romanautoren sind bekanntlich wahre Meister darin, ihre Leser in eine heile Welt voller Träume zu entführen. Eine Welt, in der alles perfekt ist. In den Büchern geht es oftmals um eine leidenschaftliche Beziehung mit einem romantisch veranlagten Mann, was insbesondere Frauen fasziniert. So wie bei der literarischen Figur Emma Bovary im 1857 veröffentlichten Roman von Gustave Flaubert. Madame Bovary ist folglich Namensgeberin für die Verhaltensstörung.

In dem Roman von Flaubert ist Emma mit dem Arzt Charles Bovary verheiratet und lebt ein eher gediegeneres und ruhiges Leben auf dem Land. Charles liebt Emma zwar sehr und zeigt dies auch oft auf unterschiedlichste Art und Weise, und dennoch entspricht er nicht ihren Vorstellungen nach einer idealisierten Liebe – so, wie sie es aus den unzähligen Romanen kennt, die sie seit ihrer Jugend liest.

Manch einer sucht die "Liebe des Lebens" für immer. (c) Colourbox

Insbesondere Frauen sind von der Verhaltensstörung Bovarysmus betroffen. (c) Colourbox

Sobald Emma die Geschichte eines Buches „verlässt“ und wieder in der Realität angekommen ist, befindet sie sich in einem emotional unzufriedenen Zustand. Die ständige Suche nach einer in den Romanen erzählten leidenschaftlichen Beziehung und ihrer realen Welt endet für Emma schließlich in einer Depression. Charles beschließt mit ihr vom Land in eine kleine Stadt zu ziehen, damit seine Frau wieder mehr Kontakt zu unterschiedlichen Menschen bekommt und wieder Freude am Leben erfährt.

Gelangweilt von ihrem Mann und dem Leben, sucht Emma ein Abenteuer und lässt sie sich von einem Studenten und einem Casanova verführen. Diese sehen in Emma jedoch nur eine schöne Abwechslung und nichts Ernsthaftes. Dagegen sieht Emma bei beiden sehr wohl eine feste Beziehung, in der sie sehr besitzergreifend, eifersüchtig und abhängig ist. Aus Angst beide Liebhaber zu verlieren, nimmt sie sich letzten Endes mithilfe von Arsen das Leben.

Solche Geschichten ziehen weibliche Leserinnen immer wieder in den Bann einer fantasievollen Gedankenwelt. Und plötzlich holt sie die Realität wieder ein und alles ist anders. Ihr Leben ist nicht so aufregend wie bei den in den Büchern beschriebenen Figuren. Selbst wenn der Richtige vermeintlich gefunden wurde, werden Sie irgendwann wieder zurück in das Hier und Jetzt katapultiert. Ein Bild, welches durch Geschichten und Romane vermeintlich wahr werden kann. Nur leider sieht das reelle Leben oftmals anders aus und dann ist die Enttäuschung groß.

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Symptome beim Madame-Bovary-Syndrom

Menschen, die am Madame-Bovary-Syndrom leiden, können mit dem Gedanken allein zu sein nicht umgehen. Sie leben fortwährend die Idee, dass jemand kommt, der sie von ihrer Langeweile, der Routine des Alltags und jeglichen Problemen befreit. Selbst wenn Bovaristen in einer Beziehung sind, verfolgen sie hartnäckig das im Kopf geschaffene Ideal der Liebe. Diese Symptome sind eindeutige Anzeichen dafür, dass jemand an Bovarismus leidet:

  • Sucht nach Romanzen und der „idealen“ Liebe
  • Stetige Unzufriedenheit, Langeweile und Desinteresse
  • Beziehungsuntauglich
  • Nachahmung eines geliebten Partners

Wenn Betroffene eine Beziehung beenden oder diese beendet wurde, lassen sie sich schnell auf einen neuen Partner ein. Das einzig erklärte Ziel eines Bovaristen ist es die eine Person zu finden, die dem Ideal entspricht. Tut dies der aktuelle Lebensgefährte nicht, neigen sie zu Untreue.

Kann Bovarysmus behandelt werden?

Beim Madame-Bovary-Syndrom ist Melancholie die stärkste Verbindung und Langeweile der größte Feind. Betroffene sind oft romantisch verklärt, unterfordert, unglücklich und im ständigen Streit mit sich selbst. Realität und Illusion liegen häufig nah beieinander, was über kurz oder lang zu einer Depression führt.

Zwar können Menschen mit Bovarysmus weitestgehend geheilt werden, allerdings ist dies ein langwieriger Prozess und erfordert viel Geduld. Nicht nur vom Betroffenen selbst, sondern auch von seinem engsten Umfeld. Hilfe finden Menschen mit Madame-Bovary-Syndrom bei einem Psychologen, der idealerweise auf Depressionen sowie Verhaltens- und Angststörungen spezialisiert ist.