Gesunde Ernährung

Low-Carb-Diät: Interview mit Autorin Bettina Matthaei

Die Low-Carb-Diät setzt auf das Reduzieren von Kohlenhydraten und soll damit für Erfolge auf der Waage sorgen. Im Gegensatz zu anderen Diäten sind Fleisch, Fisch, Eier, sogar Speck, Salami und Käse erlaubt. Was nach Paradies klingt, wird in der Praxis aber schnell eintönig. Beilagen wie Nudeln, Kartoffeln und Brot fehlen vielen Leuten auf Dauer.

Das neue Kochbuch der Low-Carb-Spezialistin Bettina Matthaei „Easy. Überraschend. Low Carb“ (erschienen im Becker-Joest-Volk-Verlag) setzt daher auf Abwechslung. Wir haben mit der Autorin gesprochen, um mehr über die Low-Carb-Methode und über ihr neues Buch zu erfahren.

Die Low-Carb-Diät ist schon seit Langem in aller Munde. Können Sie in ein paar Sätzen erklären, was das Besondere daran ist?

Bettina Matthaei: Unter „Low Carb“ gibt es die unterschiedlichsten Diät-Varianten, grundsätzlich sollen aber immer Kohlenhydrate, insbesondere aus Zucker und Weißmehl, gesenkt oder ganz gemieden werden. Das hält den Insulinspiegel konstant niedrig und beugt Heißhungerattacken und Rückfällen vor.

Das Buch „Easy. Überraschend. Low Carb“ basiert auf der Variante LCHF (= Low Carb High Fat), bei der der Anteil an Kohlehydraten gering, der Eiweißanteil moderat und der Fettanteil deutlich erhöht ist. Allerdings handelt es sich vor allem um gesunde Fette, die zum Beispiel in Nüssen, Avocados, Kokosöl und Olivenöl stecken. Zudem setzt LCHF auf Gemüse, Eier, Käse, Fisch und Fleisch.

g&v: Lässt sich mit einer Low-Carb-Ernährung wirklich abnehmen und warum?

Bettina Matthaei: Allein durch das Weglassen von Zucker und Weißmehl nimmt man nicht ab, wenn man dafür umso mehr andere Lebensmittel mit sehr viel Kalorien isst. Man muss immer seinen individuellen Kalorienbedarf im Auge haben, also seinen Grundumsatz, und den weiteren Kalorienverbrauch durch körperliche Aktivitäten. Wenn man etwa 80 bis 85 Prozent seines errechneten Bedarfs zu sich nimmt, wird man langsam, aber sicher abnehmen. Gerade bei LCHF sorgt die Verteilung der Nährwerte dafür, dass man trotz verringerter Kalorienzufuhr langanhaltend satt ist.

g&v: Wenn man die Rezepte in Ihrem Kochbuch anschaut: Was ist bei diesen Rezepten anders als beispielsweise bei einem herkömmlich gebackenen Brot? Und welche Auswirkungen hat das auf den Körper?

Bettina Matthaei: Gerade bei den Broten habe ich herkömmliche Mehle durch Mandelmehl, Leinsamenmehl oder Kokosmehl ersetzt. Weil diesen aber das bindende Gluten fehlt, musste ich mit anderen Bindemitteln arbeiten. Das sind zum Beispiel Eier, aber auch Chiasamen, Leinsamen, Guarkernmehl oder gemahlene Flohsamen. Dazu kommen häufig Nüsse, Mohn oder Sesam, oft auch Quark. Brote und Beilagen aus diesen Zutaten sättigen mehr, weil sie deutlich höhere Eiweiß- und Fettanteile haben. Dafür enthalten sie aber deutlich weniger Kohlenhydrate.

Haben 100 Gramm eines traditionellen Brotes 40 bis 50 Gramm Kohlenhydrate oder sogar mehr, so enthält die gleiche Menge meiner Low-Carb-Brote gerade einmal 1,5 bis 5,5 Gramm Kohlenhydrate. So kann man zum Frühstück, Lunch oder Abendessen jederzeit sein Lieblingsbrot mit dem passenden Belag genießen. Sorgen um die Kohlenhydrate muss man sich nicht machen. Dadurch, dass viele der Zutaten einen quellenden Effekt haben, sollte man aber auch darauf achten, ausreichend Wasser zu trinken.

g&v: Sie haben beliebte Beilagen diättauglich gemacht. Welche Beilagen sind es, und wie haben Sie diese verändert?

Bettina Matthaei: Klassische Beilagen sind Kartoffeln in den verschiedenen Zubereitungsformen, Reis, Couscous, Polenta, Knödel, Klößchen, Gnocchi oder Spätzle – alles lecker, aber sehr kohlenhydratlastig. Auf Dauer mag aber niemand nur von Steak, Gemüse und Salat leben, auch wenn diese Ernährung sehr low-carb-konform ist. Man sehnt sich nach „richtigen“ Beilagen.

Deshalb habe ich mit Gemüse und den Zutaten, die ich für die Brote verwende, experimentiert. Anstelle von Bratkartoffeln gibt es gebratenen Sellerie oder gebratene Scheiben von Topinambur. Couscous habe ich aus Sojaflocken zubereitet, Spätzle aus Eiern, Chia und Sojamehl, Polenta aus Mandeln und Parmesan, „Reis“ aus Kohlrabi, Püree aus Petersilienwurzeln oder Sellerie und Semmelknödel aus einem der Brote. Und das Titelrezept sind richtig leckere Gnocchi aus Tofu, Parmesan und Mandeln.

g&v: Was ist das Besondere an Ihrem Kochbuch – wie unterscheidet es sich grundsätzlich von anderen Low-Carb-Kochbüchern?

Bettina Matthaei: Das Besondere ist mit Sicherheit das große Kapitel zu den Broten und Aufstrichen und die vielen Beilagen, die satt und zufrieden machen. Auch wenn manche Low-Carb-Interessierte vor der Anschaffung der besonderen, teils etwas teuren Mehle und Low-Carb-Zutaten zurückschrecken, es sind dennoch natürliche Lebensmittel und keine Kunstprodukte. So verwende ich keine Fertigprodukte wie Eiweißpulver und grundsätzlich keine Süßstoffe. Und noch etwas ist besonders: Alle Rezepte sind glutenfrei und damit auch für Allergiker geeignet.

g&v: Frau Matthaei, vielen Dank für das Interview.

Anmerkung der Redaktion: Eine Low-Carb-Diät kann eine gute Methode darstellen, um überflüssige Pfunde zu verlieren. Um das erzielte Wunschgewicht jedoch dauerhaft zu halten, ist eine ausgewogene, gesunde und vollwertige Ernährung das A und O. Ausführliche Informationen zu den Vorteilen und Nachteilen einer Low-Carb-Diät finden Sie hier.