Knochen, Muskeln & Gelenke

Leistenzerrung vorbeugen und heilen

Ein großer Satz beim Sport oder ein schneller Sprung beim Spielen mit Kindern und es ist passiert: Die Leiste ist gezerrt. Genauer: Die Muskeln, die Oberschenkel und Leiste verbinden. Alles halb so wild? Wer eine Leistenzerrung nicht ernst nimmt, riskiert langwierige Beschwerden. Also besser gleich die richtige Therapie einleiten. Wir erklären, worauf es dabei ankommt.

Eine Leisten- bzw. Adduktorenzerrung ist eine Verletzung der Muskeln an der Innenseite des Oberschenkels. Dort arbeiten sechs Muskeln als Gruppe zusammen und sorgen für die volle Beweglichkeit des Beins und der Hüfte. Sie setzen am Becken an und ziehen zum Oberschenkelknochen. Sie werden gefordert, wenn das abgespreizte Bein zum Körper zurückgezogen werden soll, sind aber auch bei einer Beugung im Hüftgelenk aktiv. Beim sportlichen Laufen stabilisieren sie das Becken.

Die Ursachen der Zerrung

Die Leistenzerrung zählt zu den häufigsten Sportverletzungen. Zu ihr kommt es meistens dann, wenn die Muskeln zu starker Belastung oder Dehnung ausgesetzt werden. Ihre Fasern erleiden dann winzige Verletzungen oder reißen sogar. Leistungssportler, zum Beispiel Fußballer oder Hürdenläufer, setzen ihre Adduktoren ständig einer hohen Belastung aus. Das macht sie anfällig für Zerrungen. Bei Freizeitsportlern sind es eher ungewohnte oder untrainierte Bewegungen, die das Risiko einer Adduktorenzerrung erhöhen.

Ein weiterer Risikofaktor: Ist die Gesäßmuskulatur zu schwach, müssen bei großen Belastungen (zum Beispiel bei einem Marathon) die Adduktoren mithelfen – das kann zu Überbelastungen und in der Folge zu ausgeprägten  Leistenzerrungen führen.

Das sind die Symptome

Das erste Anzeichen einer Leistenzerrung ist ein plötzliches Gefühl des „Schnappens“ oder „Wegspringens“ und ein scharfer, stechender Schmerz. Eine Leistenzerrung wird, wie alle Zerrungen, nach dem Schweregrad der Verletzung klassifiziert:

Grad 1: Leichte Zerrung oder Dehnung

Hierbei handelt es sich um die leichteste Verletzung dieser Art. Eventuell sind ein paar Muskelfasern gerissen oder wurden überdehnt. Möglicherweise machen sich leichte Schmerzen bemerkbar, aber die Bewegungsfreiheit ist kaum eingeschränkt.

Grad 2: Mittelschwere Zerrung

Adduktorenzerrungen zweiten Grades sind etwas schwerwiegender, denn viele der Muskelfasern sind überdehnt oder gerissen. Die Schmerzen sind intensiver und bestimmte Bewegungen, wie etwa Rennen, sind nicht mehr möglich. Außerdem schwillt die Muskulatur leicht an und es bilden sich Blutergüsse.

Grad 3: Schwerwiegende Leistenzerrung

Es besteht die Möglichkeit, dass der gesamte Muskel gerissen ist. Die Schmerzen sind sehr heftig und Laufen ist kaum mehr möglich. Das betroffene Areal schwillt an, wird sehr berührungsempfindlich und an der Stelle der Verletzung wird eine Beule sichtbar. Das Zusammenführen oder gar -pressen der Oberschenkel ist nicht mehr möglich.

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Das hilft dem gezerrten Muskel

Als Sofortbehandlung einer Leistenzerrung ist das sogenannte PECH-Schema zu empfehlen. „Pech“ ist eine Abkürzung und steht für:

P wie Pause: Auch wenn der Betroffene keine starken Schmerzen spürt – Bewegung oder gar ein weiteres Training sollte er unbedingt vermeiden, um zu verhindern, dass die Zerrung zunimmt.

E wie Eis: Kühlen Sie den gezerrten Bereich. Das lindert nicht nur die Schmerzen, sondern verhindert auch eine Einblutung ins Gewebe. Achtung: Die Kühlung darf nicht zu stark sein, sonst verkehrt sich der Effekt ins Gegenteil.

C wie Compression: Eine Kompression des betroffenen Gewebes, zum Beispiel durch eine Binde, hemmt die Bildung von Blutergüsssen zusätzlich und entlastet die Muskulatur.

H wie Hochlagern: Anschließend das Bein hochlagern, damit sich die Oberschenkelmuskulatur so gut wie möglich entspannen kann.

Die weitere Behandlung hat das Ziel, die natürliche Heilung der Muskelfasern zu unterstützen. Folgende Maßnahmen haben sich bewährt:

  • Wärmebehandlungen
  • Reizstrom
  • Lymphdrainagen
  • Salben- und Kompressionsverbände
  • Übungen unter Anleitung eines Physiotherapeuten
  • Behandlung mit Arnika-Salbe, die Schwellung, Blutergüsse und Schmerzen lindert

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Ausnahme: Bei einer Verletzung dritten Grades empfiehlt der Arzt wahrscheinlich eine Operation, um die Muskelfasern wieder zu befestigen. Um nach der Verletzung wieder ganz zu Kräften zu kommen, ist häufig eine physiotherapeutische Behandlung über mehrere Monate nötig. Betroffene müssen über diesen Zeitraum geduldig sein. Wer nach einer solchen Verletzung zu früh wieder durchstartet, riskiert weitere Zerrungen.

Nach einer Adduktorenverletzung kann Physiotherapie hilfreich sein.

Nach einer Adduktorenverletzung kann Physiotherapie hilfreich sein. (c) Adam Gregor/Fotolia

So verhindern Sie eine Leistenzerrung

Wie bei den meisten Verletzungen gilt auch hier: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Mit diesen einfachen Maßnahmen kann man das Risiko einer Adduktorenzerrung senken:

  • Vor der sportlichen Betätigung darauf achten, dass die Muskeln gedehnt wurden und richtig aufgewärmt sind. So erreichen sie ihre maximale Flexibilität, bevor sie zusätzlich belastet werden.
  • Turnschuhe tragen, die eine gute Dämpfung bieten und den Fuß optimal stützen. Das stabilisiert die gesamte Beinmuskulatur.
  • Die Belastbarkeit der Muskulatur erhöhen, durch regelmäßiges Training, das Woche für Woche intensiver wird.
  • Den Po trainieren. Das entlastet die innere Oberschenkelmuskulatur.

Wirklich schwerwiegend ist eine Zerrung in der Leiste eher selten. Doch auch leichte Leistenzerrungen sollten ernst genommen werden. Nur wer sie richtig ausheilen lässt, verhindert, dass der Muskel und die Knochen darunter auf Dauer geschwächt werden oder dass eine chronische Leistenzerrung entsteht.

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