Knochen, Muskeln & Gelenke

Künstliches Hüftgelenk

Bei dauerhaften Schmerzen in der Hüfte, welche z.B. durch Arthrose oder Verschleiß ausgelöst wird, kann ein künstliches Hüftgelenk Abhilfe schaffen.

Reichen konservative Methoden wie Spritzen oder spezielle Übungen nicht mehr aus, kann das geschädigte Gelenk an der Hüfte ganz oder teilweise durch ein operativ eingesetztes künstliches Hüftgelenk ersetzt werden. Bei uns erfahren Sie, wann eine Hüft-OP sinnvoll ist, aus welchen Materialien ein künstliches Gelenk besteht und wie es nach erfolgreicher Durchführung mit der Bewegungsfreiheit aussieht.

Wann ist ein künstliches Hüftgelenk sinnvoll und welche Ursachen gibt es?

Zu den ersten Verschleißerscheinungen im Alter gehört die Hüfte. Kein Wunder, schließlich muss sie die Hauptlast unseres Körpers ein Leben lang tragen. Eingeschränkte Bewegung sowie heftige und beinahe unerträgliche Schmerzen sind ein klares Zeichen dafür, dass die schützende Knorpelschicht zwischen den Gelenkteilen in der Hüfte ziemlich abgenutzt ist. Dadurch reiben die Knochen quasi ohne weiteren Schutz direkt aneinander.

Die Folge ist ein immer steifer werdendes Gelenk, welches den Bewegungsspielraum immer kleiner und die Schmerzen immer höher werden lässt. Ist der Gelenkverschleiß (Arthrose) weit fortgeschritten, hilft oftmals nur noch eine Prothese in Form eines künstlichen Hüftgelenks.

Das Durchschnittsalter von Patienten, die eine Hüftgelenksoperation vornehmen lassen müssen, liegt bei 65 bis 70 Jahren. Hierbei kann man durchaus von einem altersbedingten natürlichen Verschleiß reden.

Fehlstellungen und Lebensstil als Ursache für Hüftschäden

Doch warum landen immer mehr jüngere Menschen unter 50 Jahren auf den OP-Tischen der Hüftchirurgen? Zu den häufigsten Ursachen zählt sicherlich eine angeborene Fehlstellung der Hüfte – die sogenannte Hüftdysplasie.

Mal abgesehen von diesem vererbten Gelenkschaden, kann auch der Lebensstil schuld an Hüftschäden sein. Zu den Faktoren zählen:

  • Übergewicht,
  • (Leistungs-)Sport,
  • übermäßiger Alkoholkonsum,
  • und falsches Schuhwerk.

> Hier lesen Sie noch mehr über die Ursachen von Hüftschmerzen

Ein künstliches Hüftgelenk, bestehend aus Hüftpfann, Einlage (Inlay), Prothesenkopf und Prothesenschaft.

So sieht eine herkömmliche Hüftgelenksprothese aus. (c) bht2000 / Fotolia

Aus welchen Materialien besteht ein künstliches Hüftgelenk?

Eine Hüftprothese sollte heutzutage rund 15 – 25 Jahre halten. Um diese Langlebigkeit zu erreichen, werden abriebarme Materialien wie Edelstahl, Keramik und der Kunststoff Polyethylen verwendet. Moderne künstliche Hüftgelenke bestehen aus mehreren Einzelteilen:

  • Hüftpfanne
  • Einlage (Inlay)
  • Prothesenkopf
  • Prothesenschaft

Diese Teile werden dann wie bei einem Baukastenprinzip zusammengefügt. Die Materialien, aus denen die Einzelteile einer Hüftprothese gefertigt werden, haben alle ihre Vor- und Nachteile. So haben die Erfahrungen der letzten Jahre gezeigt, dass fast kein Abrieb entsteht, wenn Prothesenkopf und Hüftpfanne aus Keramik bestehen. Einziger Nachteil: die Prothese kann brechen, was jedoch äußerst selten ist.

Warum Reha nach der Hüftgelenk-OP so wichtig ist

Insbesondere in den ersten Wochen nach erfolgter OP kann es bei falschen Bewegungen oder Stellungen zu Verschiebungen oder zur Auskugelung der einzelnen Prothesenelemente kommen. Zudem sind die Gelenke noch sehr empfindlich. Umso wichtiger ist es, dass die anschließende Rehabilitation (kurz Reha) unter Anleitung eines Physiotherapeuten erfolgt.

Direkt nach der OP und somit noch während des ca. einwöchigen Aufenthalts im Krankenhaus, wird mit einfachen Übungen begonnen. Gefolgt von Übungen im Stehen und die sogenannte Gangschule. Wenn alles reibungslos läuft, können die meisten Patienten bereits nach einigen Tagen wieder selbstständig duschen.

Nach dem Krankenhausaufenthalt kommt noch eine drei- bis vierwöchige orthopädische Reha hinzu, die entweder stationär oder ambulant durchgeführt wird. Das ist wichtig, um das Risiko für Komplikationen zu senken und um Muskeln wieder aufzubauen.

Eine Physiotherapeutin übt mit einem Patienten das Gehen nach seiner Hüftgelenksoperation.

Eine Reha kann helfen, dass Patienten schnell wieder mobil werden. (c) auremar / Fotolia

Leben mit künstlichem Hüftgelenk – Beweglichkeit und Sport

Wie schnell der Patient nach einer Hüftgelenksoperation wieder mobil und beweglich ist, hängt stark von der Vitalität des Gewebes und der grundsätzlichen Fitness des Betroffenen ab. Im Schnitt kann man aber sagen, dass die Prothese nach drei bis sechs Monaten am Knochen angewachsen und somit voll einsetzbar ist. Danach kann auch wieder Sport betrieben werden – allerdings mit ein paar Einschränkungen:

Geeignete SportartenNicht geeignete Sportarten
Leichte GymnastikFußball / Handball
WandernTennis
RudernRugby / Football
SchwimmenBasketball
PaddelnAlpiner Skilauf / Ski fahren
RadfahrenSportkegeln

 

Nicht empfohlen werden Sportarten, bei denen es zu ruckartigen Bewegungen sowie zu einer Stoßbelastung des Hüftgelenks kommen kann. Dazu gehören leider fast alle Ballsportarten. Skilanglauf, Tischtennis oder auch Golf gehören zu den eher bedingt geeigneten Sportarten. Bei Spaziergängen oder beim Wandern sollten Sie auf ebenes Gelände achten und zur Entlastung der Hüfte einen Wanderstock verwenden.

Wie bei einer natürlichen Hüfte kommt es auch bei einer künstlichen Prothese auf die Häufigkeit, Intensivität und Belastung an. Sobald sich Schmerzen bemerkbar machen, sollten Sie nach Möglichkeit ihre sportliche Aktivität vorerst unterbrechen und Ihren Arzt konsultieren.

> Schwimmen: Gelenkschonender Sport für jedes Alter