Kopf & Psyche

Kontrollzwang – wenn die Angst überhand nimmt

Der Kontrollzwang ist eine Form einer Zwangsstörung. Zwangsstörungen sind eine psychische Erkrankung, bei der Betroffene einen inneren Zwang haben, immer wieder dieselben Handlungen auszuführen. Was ein Kontrollzwang ist, wie er sich äußert und wie Abhilfe geschafft werden kann, verraten wir hier.

Menschen mit Kontrollzwang sind sich bewusst, dass es sich keinesfalls um sinnvolle oder rationale Gedanken oder Handlungen handelt, aber widersetzen können sie sich trotzdem nicht. Dies wird von Betroffenen als extrem quälend empfunden.

Woher kommt der Kontrollzwang?

Allgemein kommen Zwangsstörungen, zu der der Kontrollzwang zählt, bei etwa zwei Prozent der Bevölkerung in Deutschland vor. Wie genau die Krankheit entsteht und was die konkrete Ursache dafür ist, ist noch nicht geklärt. Es wird vermutet, dass viele Ursachen zusammenkommen. Das sind zum Beispiel:

  • Vererbung (ist ein Familienmitglied betroffen, steigt das eigene Risiko für die Erkrankung)
  • Psychosoziale/Psychische Faktoren (im Zuge der Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen; traumatische Erfahrungen)
  • Stoffwechselstörungen im Gehirn (Serotoninmangel)

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Wie äußert sich Kontrollzwang?

Zwangsstörungen treten meist im Kindes- oder Jugendalter das erste Mal auf. Oft liegt das erste Ereignis auch im frühen Erwachsenenalter, später aber eher selten. Zwangshandlungen wie der Kontrollzwang sind dabei die Folge von Zwangsgedanken und -impulsen. Aus den sich immer wieder aufdrängenden Gedanken folgt eine sich immer wieder gleich abspielende Handlung. Die Betroffenen fühlen sich gezwungen, immer wieder, meist in gleicher Reihenfolge, Dinge zu kontrollieren. Beispiele hierfür sind: Ist die Haustür abgeschlossen? Ist der Herd ausgeschaltet?

Kontrollzwang

Ist das Fenster auch wirklich richtig geschlossen? (c) Gina Sanders / Fotolia

Die Betroffenen empfinden die ständige Ausführung der Handlung als sehr unangenehm und wissen, dass sie keineswegs sinnvoll ist. Wenn sie aber versuchen, gegen den inneren Zwang Widerstand zu leisten, entstehen starke Angstgefühle und eine nicht aushaltbare innere Anspannung entsteht. Durch die Ausführung der Handlung, die teilweise bis zur Erschöpfung praktiziert wird, können diese Gefühle vermieden oder abgebaut werden.

Ein Kontrollzwang führt zu einer erheblichen Einschränkung des alltäglichen Lebens und starkem Leidensdruck. In besonders schlimmen Fällen sind die betroffenen Menschen nicht mehr in der Lage, das Haus zu verlassen. Häufig kommen auch weitere psychiatrische Erkrankungen, wie etwa Depressionen oder Angststörungen, zu den Symptomen des Kontrollzwangs hinzu.

Wie wird er diagnostiziert?

Ein Kontrollzwang kann im Gespräch mit einem Psychologen festgestellt und diagnostiziert werden. Es müssen einige Kriterien vorliegen, damit es sich nach Definition um eine Zwangsstörung handelt:

  • Die Zwangsgedanken oder -handlungen müssen an den meisten Tagen über mindestens zwei Wochen vorhanden sein
  • Die Gedanken und Handlungen wiederholen sich immer gleich, werden als eigene Gedanken wahrgenommen und der Versuch sich zu widersetzen, ist meist erfolglos
  • Die Betroffenen sind im Alltag stark eingeschränkt
  • Es liegt keine andere psychische Störung vor, welche die Symptome erklären kann

Wie kann ein Kontrollzwang behandelt werden?

Grundsätzlich empfiehlt es sich, schnell professionelle Hilfe zu suchen, da es nur schwer möglich ist, die Zwänge aus eigener Kraft loszuwerden. Um den Kontrollzwang zu behandeln, findet in der Regel eine Kombinationstherapie statt. Ein wichtiger Teil ist die Verhaltenstherapie. Hier soll der Betroffene lernen, wie er sich den Zwangshandlungen erfolgreich widersetzen kann.

Auch Medikamente können ein Teil der Therapie sein. Wirksam sind hier solche Präparate, die auch bei Depressionen zum Einsatz kommen, sogenannte Antidepressiva. Weil sowohl Depressionen als auch der Kontrollzwang zum Teil auf einem gestörten Stoffwechsel bestimmter Substanzen im Gehirn beruhen, wirken diese Medikamente bei beiden Erkrankungen.

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