Gesundheit kompakt

Zwerchfellbruch

Wenn ein Teil des Magens durch eine Öffnung im Zwerchfell in den Brustraum rutscht, spricht man von einem Zwerchfellbruch. In vielen Fällen wird das nur zufällig entdeckt, da die Patienten keinerlei Symptome zeigen. Lesen Sie hier, wann ein Zwerchfellbruch gefährlich ist und wie er behandelt werden kann.

Was ist ein Zwerchfellbruch?

Was sind die Ursachen eines Zwerchfellbruchs?

Was sind die Symptome eines Zwerchfellbruchs?

Wie erkennt der Arzt einen Zwerchfellbruch?

Wie wird ein Zwerchfellbruch behandelt?

Wie kann ich vorbeugen?

Wie sind die Heilungschancen nach einem Zwerchfellbruch?

Was ist ein Zwerchfellbruch?

Was im Volksmund Zwerchfellbruch genannt wird, ist unter Medizinern als Hiatushernie bekannt. Man beschreibt damit den Umstand, dass sich ein Teil des Magens durch eine Öffnung im Zwerchfell in den Brustraum verlagert. Das Zwerchfell ist der wichtigste Muskel der Atemmuskulatur und trennt Bauch- und Brusthöhle voneinander. Es besitzt drei Öffnungen, die fachsprachlich als Hiatus bezeichnet werden; Durch einen dieser Schlitze führt die Speiseröhre in den Magen. Bei einem Zwerchfellbruch ist diese Lücke vergrößert und der obere Teil des Magens tritt hindurch.

Mit etwa 80 bis 90 Prozent der Fälle ist die häufigste Form des Zwerchfellbruchs die axiale Gleithernie: Dabei schiebt sich der Mageneingang entlang der Speiseröhre Richtung Mundraum und bildet dort eine Art Verlängerung der Speiseröhre. Weitaus seltener ist die paraösophageale Hernie, bei der der durchgetretene Teil des Magens sackartig neben der Speiseröhre auf dem Zwerchfell aufliegt. Darüber hinaus gibt es Mischformen aus axialer und paraösophagealer Hernie.

Eine Sonderform stellt der sogenannte Upside-Down-Stomach beziehungsweise totale Thoraxmagen dar: In diesem Fall verlagert sich der komplette Magen in den Brustraum. Pro Jahr werden in Deutschland etwa 10.000 Zwerchfellbrüche diagnostiziert. Frauen allgemein und Personen über 50 Jahre sind besonders häufig betroffen.

Was sind die Ursachen eines Zwerchfellbruchs?

Man unterscheidet eine angeborene und eine erworbene Form des Zwerchfellbruchs. Ist die Hiatushernie angeboren, steckt meist eine Fehlbildung des Zwerchfells dahinter. Entwickelt sich die Hiatushernie erst im Alter, ist häufig eine Bindegewebsschwäche die Ursache: Durch Verschleißerscheinungen leiert das Gewebe aus, sodass sich der Speiseröhrenschlitz weitet. Darüber hinaus können sich die Bänder zwischen Magen und Zwerchfell lockern, sodass die Speiseröhre flacher als gewöhnlich in den Magen mündet, wodurch das Risiko für einen Zwerchfellbruch erhöht ist.

Grundsätzlich ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, einen Zwerchfellbruch zu erleiden, wenn der Druck auf den Bauchraum steigt. Dies kann zum Beispiel bei Übergewicht, bei Verstopfung oder während der Schwangerschaft der Fall sein. Bei stark übergewichtigen Menschen drückt das Körperfett im Bauchraum auf die Organe, insbesondere im Liegen. Dadurch können sich die Organe verschieben und einen Zwerchfellbruch begünstigen.

Ähnlich verhält es sich bei schwangeren Frauen: Das heranwachsende Kind in der Gebärmutter benötigt immer mehr Platz, sodass die Bauchorgane nach oben gedrückt werden. Nach der Geburt bildet sich ein etwaiger Zwerchfellbruch meist ohne Probleme zurück. Ein weiterer Risikofaktor ist starkes Pressen: Wenn sich die Bauchmuskeln anspannen, etwa durch die Anstrengung beim Stuhlgang, beim Heben schwerer Gegenstände oder beim Krafttraining, erhöht sich der Druck auf die Bauchhöhle.

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Was sind die Symptome eines Zwerchfellbruchs?

Ob und wie sich eine Hiatushernie äußert, hängt von deren Form ab. Viele Patienten, bei denen eine axiale Hiatushernie vorliegt, zeigen keinerlei Symptome. Einige wissen nicht einmal, dass ein kleiner Teil ihres Magens in den Brustraum durchgetreten ist, sodass der Zwerchfellbruch oft zufällig entdeckt wird – etwa bei einer Magenspiegelung. Wenn Beschwerden auftreten, handelt es sich meist um Anzeichen einer gastroösophagealen Refluxkrankheit, welche umgangssprachlich Sodbrennen genannt wird.

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Durch die Erweiterung des Speiseröhrenschlitzes und die Verlagerung des Magens in den Brustraum gelangt vermehrt Magensäure in die Speiseröhre, was normalerweise die Engstelle im Zwerchfell verhindern würde. Die Folgen dieses Rückflusses, fachsprachlich Reflux genannt, können krampfartige Schmerzen im Oberbauch, Schluckbeschwerden, Aufstoßen von Luft bis hin zu Atemproblemen und Luftnot sein. Die Schmerzen hinter dem Brustbein verschlimmern sich typischerweise im Liegen und können sich auch wie Rückenschmerzen anfühlen. Stress kann ebenfalls zu einer Verschlechterung beitragen. Kommen zum Sodbrennen weitere Symptome wie Übelkeit, Durchfall und Erbrechen, kann dies auf ein generelles Problem des Verdauungstrakts hindeuten.

Älteres Seniorenpaar beim Joggen im Wald.

Regelmäßiger Sport kann dabei helfen einen Zwerchfellbruch vorzubeugen. (c) Colourbox.de

Bei der paraösophagealen Hernie treten zunächst keinerlei Symptome auf. Im Krankheitsverlauf verspüren die Patienten ein Druckgefühl in der Herzgegend, vor allem nach dem Essen. Es kann zu Komplikationen wie Magengeschwüren, inneren Blutungen und einem Magenwanddurchbruch kommen. Chronische Blutarmut, die sich in Blässe und abfallender Leistungsfähigkeit äußert, sowie starke Magenschmerzen können erste Anzeichen für derartige Probleme sein. Lebensgefährliche Komplikationen wie eine Sepsis sind glücklicherweise selten. Verlagern sich große Teile des Magens, kann es allerdings zu Kreislaufbeschwerden, Atemproblemen wie Kurzatmigkeit bis hin zu Atemnot kommen.

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Wie erkennt der Arzt einen Zwerchfellbruch?

Etwa zwei Drittel aller Zwerchfellbrüche verursachen keinerlei Beschwerden und werden zufällig entdeckt, etwa im Rahmen einer Kontrolluntersuchung. Vermutet der Arzt eine Hiatushernie, etwa weil der Patient über Sodbrennen, Schluckbeschwerden oder Schmerzen im Brustraum klagt, wird er diesem zunächst einige Fragen stellen, zum Beispiel: In welchen Situationen treten die Probleme auf? Wodurch werden sie verschlimmert?

Leidet der Betroffene an Gallensteinen und/oder wurden bereits Ausstülpungen der Darmwand festgestellt, liegt der Verdacht auf Zwerchfellbruch nahe, da diese Gesundheitsprobleme häufig gemeinsam auftreten. Tritt der Schmerz in Zusammenhang mit Lachen, Husten oder Niesen auf, spricht dies eher für eine Zwerchfellentzündung. Werden beim Abhören rasselnde Geräusche festgestellt, könnte eine Rippenfellentzündung vorliegen.

Auf das Patientengespräch folgt die körperliche Untersuchung. Der Arzt kann beispielsweise eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs anordnen und/oder eine Speiseröhrendruckmessung, eine Kernspintomografie (MRT) und eine Endoskopie durchführen, um seine Diagnose zu stellen. Wird beim ungeborenen Kind ein angeborener Zwerchfelldefekt vermutet, welcher einen Zwerchfellbruch hervorrufen kann, wird im Mutterleib ein Ultraschall des Fetus gemacht.

Wie wird ein Zwerchfellbruch behandelt?

Verläuft die Hiatushernie symptomfrei, ist oftmals keinerlei Behandlung notwendig. Klagt der Patient jedoch aufgrund seines Zwerchfellbruchs über Beschwerden einer Refluxkrankheit, können Medikamente verschrieben werden, die die Säureproduktion im Magen vermindern. Mitunter wird auch versucht, die Tätigkeit des Magen-Darm-Trakts medikamentös anzuregen.

Darüber hinaus kann der Patient während der Therapie selbst einiges tun, um Probleme wie Schluckbeschwerden und Aufstoßen in den Griff zu bekommen: Dazu zählen eine gezielte Gewichtsabnahme bei Übergewicht, eine konsequente Umstellung der Ernährung und der Verzicht auf Alkohol. Empfehlenswert sind mehrere kleine, möglichst fettarme Mahlzeiten über den Tag verteilt. Bleibt die Frage, ab wann man bei einer axialen Gleithernie operieren muss. Nötig wird eine OP hier in der Regel nur, wenn es durch den zurückfließenden Magensaft zu einer schweren Entzündung der Speiseröhre kommt.

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Liegt eine paraösophageale Hernie oder eine Mischform vor, wird fast immer operiert, auch wenn der Patient keine Symptome zeigt. Der Grund hierfür ist das erhöhte Risiko für schwere Komplikationen, etwa für eine Magenverdrehung oder eingeklemmten Bruchinhalt. Es gibt verschiedene OP-Methoden unterschiedlicher Dauer. Am häufigsten wird die sogenannte Fundoplikatio angewandt: Dabei wird die Lage des durchgetretenen Magens so verändert, dass eine Schließung des Übergangs von der Speiseröhre in den Magen wieder möglich ist. Eine Manschette aus Magengewebe verstärkt den Verschlussdruck und verhindert den Rückfluss der Magensäure.

Wie kann ich vorbeugen?

Das Risiko für eine Hiatushernie steigt bei Übergewicht und Bewegungsmangel. Um einem Zwerchfellbruch vorzubeugen, sollten Sie daher überflüssiges Körpergewicht loswerden und regelmäßig Sport treiben. Ein aktiver, gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und einem Verzicht auf Alkohol und Zigaretten trägt erheblich zu Ihrem Wohlbefinden bei und senkt das Risiko für unzählige Erkrankungen – auch für einen Zwerchfellbruch.

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Wurde bei Ihnen bereits eine Gleithernie festgestellt oder leiden Sie an Sodbrennen, sollten Sie auf Medikamente und Nahrungsmittel verzichten, die die Magensäureproduktion anregen. Außerdem können Sie mit aufgestelltem Kopfteil schlafen, um ein Hochrutschen der Bauchorgane in die Brusthöhle zu verhindern. Sie verringern dadurch auch die Beschwerden der Refluxkrankheit, die in Zusammenhang mit einer Hiatushernie auftreten kann.

Wie sind die Heilungschancen nach einem Zwerchfellbruch?

Kann man einen Zwerchfellbruch heilen? Generell ist die Prognose recht gut: In 80 bis 90 Prozent der Fälle von Gleithernie ist keinerlei Therapie nötig. Muss operiert werden, führt dies bei den meisten Patienten im Anschluss zu einer völligen Beschwerdefreiheit.

Gefährlich ist ein Zwerchfellbruch vor allem für Neugeborene. Da sich die Problematik bereits im Mutterleib entwickelt hat, ist oft ein Lungenflügel unterentwickelt, wodurch das Lungenvolumen eingeschränkt ist. Die Sterblichkeit von Babys mit Zwerchfellbruch ist daher relativ hoch.