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Zervixinsuffizienz

Wenn sich der Muttermund im zweiten Schwangerschaftsdrittel schmerzlos öffnet, kann eine Zervixinsuffizienz dahinterstecken. Lesen Sie hier, was diese Diagnose für Schwangere und ihr Baby bedeutet und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Zervixinsuffizienz – Was ist das?
Was sind die Ursachen einer Zervixinsuffizienz?
Was sind die Symptome einer Zervixinsuffizienz?
Wie erkennt der Arzt eine Zervixinsuffizienz?
Wie wird eine Zervixinsuffizienz behandelt?
Wie kann ich einer Zervixinsuffizienz vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Zervixinsuffizienz – Was ist das?

Bei einer Zervixinsuffizienz ist laut Definition der Gebärmutterhals, fachsprachlich Zervix genannt, kürzer und weicher als üblich. Man spricht in diesem Fall auch von einer Gebärmutterhalsschwäche, einer Muttermundschwäche bzw. einer isthmozervikalen Insuffizienz. Für schwangere Frauen birgt eine Zervixinsuffizienz die Gefahr, dass sich der Muttermund vorzeitig öffnet, wodurch eine Fehlgeburt oder eine Frühgeburt ausgelöst werden können. Das Baby kommt dann vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Von einer Zervixinsuffizienz ist etwa ein Prozent aller Schwangeren betroffen. Bei Frauen über 35 Jahren wird eine Gebärmutterhalsschwäche häufiger diagnostiziert. Die ICD-10-Codes lauten O34 und N88.

Der Muttermund ist der untere Teil der Gebärmutter. Während einer Schwangerschaft hat er nur eine kleine Öffnung, um das Ungeborene vor Krankheitserregern zu schützen. Bei gesunden Frauen sorgen spezielle Hormone kurz vor der Geburt dafür, dass das Gewebe geschmeidig und dehnbarer wird – erst dann öffnet sich der Muttermund auf etwa zehn Zentimeter, um das Kind passieren zu lassen.

Komplikationen bei der Zervixinsuffizien

Liegt eine Zervixinsuffizienz vor, misst der Gebärmutterhals nur 25 statt der üblichen 40 oder 30 Millimeter. Der Muttermund wird weicher und öffnet sich bereits im zweiten Schwangerschaftsdrittel, meist zwischen der 16. und der 22. Woche, auf zwei bis drei Zentimeter. Das wachsende Kind und die Plazenta drücken auf den geschwächten Verschlussapparat, sodass die Schwangerschaft unter Umständen nicht mehr gehalten werden kann. Dann drohen eine Früh- bzw. eine Fehlgeburt.

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Was sind die Ursachen einer Zervixinsuffizienz?

Die Gründe für eine Zervixinsuffizienz sind vielfältig. Durch die hormonelle Umstellung im zweiten Schwangerschaftsdrittel wird bei einigen Frauen das feste Gewebe des Gebärmutterhalses und des Gebärmutterhalskanals vorzeitig weicher. Die Neigung dazu scheint, genau wie eine allgemeine Bindegewebsschwäche, erblich bedingt zu sein. Außerdem haben Blutungen, vorangegangene Frühgeburten oder Fehlgeburten sowie Mehrlingsschwangerschaften Einfluss auf die Entwicklung einer Zervixinsuffizienz.

Ebenso erhöhen angeborene Gebärmutteranomalien, eine große Menge Fruchtwasser und ein vorzeitiger Blasensprung bei einer früheren Schwangerschaft das Risiko für eine Gebärmutterhalsschwäche. Eine wichtige Ursache für die Entwicklung einer Muttermundschwäche sind aber auch Infektionen, insbesondere durch Chlamydien oder Gonokokken.

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Vorangegangene Operationen, etwa zur Behandlung einer Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs, können ebenfalls dazu beitragen, dass sich eine Zervixinsuffizienz entwickelt: Bei der sogenannten Konisation wird beispielsweise ein kegelförmiges Gewebestück aus dem Muttermund entnommen. Als weitere Risikofaktoren für eine Gebärmutterhalsschwäche kommen körperliche Überanstrengung, insbesondere schweres Heben, Rauchen und Stress infrage. Eine Zervixinsuffizienz kann aber auch eine Spätfolge einer vorangegangenen Abtreibung sein, vor allem wenn eine Ausschabung durchgeführt wurde.

Was sind die Symptome einer Zervixinsuffizienz?

Häufig haben Frauen mit Zervixinsuffizienz keinerlei Beschwerden. Das bedeutet, dass sich der Muttermund ohne Wehen vorzeitig öffnen kann, wodurch das Risiko für eine Frühgeburt bzw. eine Fehlgeburt ansteigt. Manche Schwangere mit Gebärmutterhalsschwäche verspüren aber auch menstruationsähnliche Schmerzen oder wehenähnliche Schmerzen, haben das Gefühl, dass sich ihr Bauch zusammenzieht oder sich hart anfühlt.

Achtung: Hier besteht Verwechslungsgefahr mit Übungswehen.

Ein Druckgefühl im Bereich von Schambein, unterem Rücken oder in der Leiste, insbesondere im zweiten Schwangerschaftsdrittel, kann ebenfalls auf eine Zervixinsuffizienz hindeuten. Bei Blutungen, Ausfluss, einem vorzeitigen Blasensprung oder einem Vorfall der Fruchtblase in die Scheide, dem sogenannten Fruchtblasenprolaps, sollten Sie umgehend Ihren Gynäkologen aufsuchen. Es kann eine Zervixinsuffizienz oder eine andere Schwangerschaftskomplikation dahinterstecken, die dringend behandelt werden muss.

Eine Zervixinsuffizienz kann auch ohne Beschwerden schlimme Folgen haben. (c) FotolEdhar/Fotolia


Wie erkennt der Arzt eine Zervixinsuffizienz?

Eine Zervixinsuffizienz wird in der Gynäkologie anhand einer vaginalen Untersuchung festgestellt: Mittels Ultraschall können der verkürzte Gebärmutterhals und der geöffnete Muttermund sichtbar gemacht werden. Oftmals nimmt der Gebärmutterhalskanal die Form eines Trichters an. In manchen Fällen verschiebt sich die Fruchtblase bis in die Scheide. Alternativ zum Ultraschall kann eine Tastuntersuchung vorgenommen werden, um die Trichterbildung festzustellen und die Gebärmutterhalsschwäche zu diagnostizieren.

Wichtig ist in jedem Fall, die Zervixinsuffizienz von einer wehenbedingten Zervixverkürzung zu unterscheiden: Während bei Ersterer der Muttermund meist schmerz- und symptomlos geöffnet ist, handelt es sich bei Letzterer um vorzeitige Wehen. Häufig wird die Zervixinsuffizienz erst nach vorangegangenen Früh- oder Fehlgeburten festgestellt. Wurde bei einer Frau bereits eine Muttermundschwäche entdeckt, liegt ihr Risiko, bei einer weiteren Schwangerschaft erneut darunter zu leiden, bei etwa 30 Prozent. Hatte eine Frau bereits drei oder mehr Fehlgeburten im zweiten Schwangerschaftsdrittel, ist das Risiko für eine erneute Zervixinsuffizienz deutlich erhöht.

Spätestens ab der 20. Schwangerschaftswoche wird der behandelnde Frauenarzt daher bei jedem Kontrolltermin die Länge des Gebärmutterhalses messen, um zu ermitteln, ob eine Fehl- oder Frühgeburt droht. Die Kontrollen finden zudem engmaschiger statt als bei normal verlaufenden Schwangerschaften.

Wie wird eine Zervixinsuffizienz behandelt?

Oberstes Ziel bei der Therapie einer Zervixinsuffizienz ist es, die drohende Fehl- oder Frühgeburt zu verhindern. Der Arzt wird hierzu Bettruhe anordnen, die Schwangere krankschreiben oder gegebenenfalls ein Beschäftigungsverbot aussprechen.

Bekommt die Patientin zu Hause nicht genügend Ruhe, beispielsweise weil dort ein Kleinkind betreut werden muss, kann eine Aufnahme ins Krankenhaus sinnvoll sein. Die Betroffene sollte die Schwangerschaft im Liegen verbringen, jede Anstrengung vermeiden, das Rauchen einstellen und das Becken in Seitenlage hochlagern. Auf Geschlechtsverkehr und heiße Bäder sollte bis zur Geburt verzichtet werden.

Medikamentöse Behandlung

Wird durch einen Vaginalabstrich eine Infektion mit Bakterien festgestellt, ist eine Behandlung mit Antibiotika angezeigt. Unter Umständen werden zusätzlich wehenhemmende Medikamente verschrieben. Um das Risiko einer Frühgeburt zu reduzieren und die Schwangerschaft aufrechtzuhalten, kann das Hormon Progesteron als Vaginalgel verabreicht werden.

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Operative Behandlung

Als operative Maßnahme kommt die sogenannte Cerclage infrage: Dabei wird der Patientin unter Vollnarkose oder lokaler Betäubung ein Band oder ein Ring um den Gebärmutterhals gelegt, wodurch dieser unterstützt und eng gehalten wird. Das eingesetzte Kunststoffband bzw. das Pessar verbleibt dort bis zum Ende der Schwangerschaft und wird erst kurz vor der Entbindung wieder entfernt. Von einer Notfall-Cerclage spricht man, wenn die OP der einzige Weg ist, um eine Früh- oder Fehlgeburt zu verhindern.

In einigen Fällen kann auch ein vollständiger Muttermundverschluss sinnvoll sein, bei dem der äußere Muttermund vernäht wird, um eine Infektion zu vermeiden. Die Nähte werden normalerweise vor der Entbindung entfernt. Geschieht dies nicht, wird ein Kaiserschnitt durchgeführt. Kann die Schwangerschaft nicht durch die genannten Maßnahmen verlängert werden, wird die Betroffene in ein Frühgeborenen-Zentrum verlegt, um eine kontrollierte Frühgeburt zu ermöglichen und die Überlebenschancen des Kindes zu erhöhen.

Eine Zervixinsuffizienz kann eine Schwangerschaft gefährden.(c) nenetus/Fotolia

Wie kann ich einer Zervixinsuffizienz vorbeugen?

Einer Zervixinsuffizienz gezielt vorzubeugen, ist nicht möglich. Schwangere haben jedoch die Möglichkeit, das Risiko für diese Komplikation zu senken: Verzichten Sie darauf zu rauchen, vermeiden Sie körperlich oder seelisch belastende Tätigkeiten und achten Sie auf ein gesundes Normalgewicht.

Starkes Über- oder Untergewicht sollte behandelt werden. Moderate sportliche Betätigung ist im Rahmen einer komplikationslosen Schwangerschaft empfehlenswert, von schwerem Heben wird allerdings abgeraten. Welche Sportarten für Sie infrage kommen, klären Sie am besten mit Ihrem Gynäkologen.

Haben Sie bereits bei einer früheren Schwangerschaft eine Zervixinsuffizienz oder eine Fehlgeburt erlitten, sollten Sie Ihren Frauenarzt im Vorfeld darüber informieren. Er wird dann die Länge und die fortschreitende Entwicklung des Gebärmutterhalses genau überwachen. Möchten Sie Ihren Muttermund selbst abtasten, achten Sie auf sauber gewaschene Hände und kurz geschnittene Fingernägel, um das Risiko für Infektionen und Verletzungen zu verringern.

Wie sind die Heilungschancen?

Unbehandelt steigt bei einer vorliegenden Zervixinsuffizienz die Gefahr für eine Frühgeburt oder eine Fehlgeburt. Dies betrifft auch alle erneuten Schwangerschaften. Schwangere sollten deshalb unbedingt alle Kontrolltermine bei ihrem Frauenarzt wahrnehmen, um eine etwaige verfrühte Öffnung des Muttermunds frühzeitig zu erkennen und die entsprechenden Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Dabei gilt: Je kürzer der Gebärmutterhals, desto wahrscheinlicher ist eine vorzeitige Geburt. Wird rechtzeitig mit der Therapie begonnen, kann trotzdem in vielen Fällen eine normale Schwangerschaftsdauer erreicht werden.