Krankheiten & Therapien

Vulvovaginitis

Bei der Vulvovaginitis kommt es zu einer chronischen oder akuten Entzündung der Vagina oder der Vulva. Die Entzündung des weiblichen Genitaltrakts wird umgangssprachlich auch Scheidenpilz genannt. Am Häufigsten erkennen Betroffene die Erkrankung durch Jucken oder Brennen im Bereich der Vagina sowie vaginalen Ausfluss.

Was ist Vulvovaginitis?
Was sind die Ursachen von Vulvovaginitis?
Was sind die Symptome von Vulvovaginitis?
Wie erkennt der Arzt Vulvovaginitis?
Wie wird Vulvovaginitis behandelt?
Wie kann ich Vulvovaginitis vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Was ist Vulvovaginitis?

Ausgehend von einer Kolpitis oder Vaginitis, wo die Entzündung sich auf die Scheide beschränkt, ist bei einer Vulvovaginitis auch die Vulva entzündet. In den meisten Fällen entwickelt sich eine Scheidenentzündung zu einer Vulvovaginitis und die Kolpitis breitet sich auf den äußeren weiblichen Genitalbereich aus. Die Kolpitis ist eine der häufigsten Infektionen des weiblichen Genitalbereichs und trifft Frauen jeden Alters. Etwas öfter sind jedoch junge Mädchen sowie Frauen in und nach den Wechseljahren betroffen.

Vulvovaginitis wird in unterschiedliche Typen unterteilt, abhängig von den Krankheitserregern, die die Scheidentzündung verursachen. Häufig spricht man bei einer Scheidenentzündung von der sogenannten Vulvovaginitis candidomycetica. Diese Entzündung wird durch einen Pilz verursacht, den sogenannten Pilz Candida albicans.

Pilzinfektionen im Intimbereich betreffen Frauen als auch Männer gleichermaßen und sind ansteckend. Vor allem ungeschützter Geschlechtsverkehr kann zur Übertragung führen. Andere Pilzinfektionen der Scheide werden Vulvovaginitis mycotica genannt.

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Weitere Typen der Scheidenentzündung

Eine weitere Form der Krankheit ist die Vulvovaginitis gonorrhoica, die vor allem junge Mädchen und ältere Frauen betrifft und in ganz seltenen Fällen auch während der Schwangerschaft auftritt und von Gonokokken-Bakterien verursacht wird.

Vulvovaginitis herpetica (ausgelöst durch das Herpes-genitalis-Virus), Vulvovaginitis infantum (durch Bakterien verursacht, vor allem bei Mädchen vor der Pubertät), Vulvovaginitis diabetica (ausgelöst durch Diabetes), Vulvovaginitis neonatorum (Scheidenentzündung bei neugeborenen Mädchen, vermutlich durch Verkeimung aus dem Analbereich der Mutter während der Geburt) sind weitere Formen.

Eine zyklische Vulvovaginitis bezieht sich auf wiederkehrende Symptome einer Scheidenentzündung vor oder während der Menstruationsblutung, wie Brennen und Jucken in der Scheide.

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Was sind die Ursachen von Vulvovaginitis?

Eine Scheidenentzündung entwickelt sich leichter, wenn die Scheidenflora gestört ist. Wenn das Scheidenmilieu aus dem Gleichgewicht geraten ist, können sich Krankheitserreger leichter ansiedeln. Zu den Faktoren, die das Scheidenmilieu stören und somit eine Vulvovaginitis begünstigen können, zählen: Antibiotika, übertriebene Hygiene, Scheidenspülungen, Östrogenmangel, Tampons, Scheidendiaphragma, starke Menstruationsblutung oder Diabetes mellitus. Sobald ein mikrobielles Ungleichgewicht der natürlichen Scheidenflora vorliegt, können Erreger, wie etwa Bakterien, Keime, Pilze oder Viren leichter eine Kolpitis auslösen.

Auch beim Geschlechtsverkehr können Bakterien in die Scheide gelangen. Doch nur wenn die Scheidenflora geschwächt ist, kann eine Vulvovaginitis entstehen. Deshalb ist die Erkrankung auch nur bedingt ansteckend. Nur wenn der natürliche Schutzmechanismus der Scheide aus dem Gleichgewicht geraten ist, kann es zu einer Ansteckung kommen. Gemeinsam benutzte Handtücher oder Unterwäsche können eine Scheidenentzündung ebenfalls begünstigen.

Vor allem Mädchen vor der Geschlechtsreife und ältere Frauen in und nach den Wechseljahren sind besonders gefährdet, denn bei ihnen ist der Hormonhaushalt nicht so stabil. Hier spricht man auch von einer atrophischen Kolpitis in der Postmenopause. Durch den Östrogenmangel in den Wechseljahren baut sich die Scheidenschleimhaut ab und Erreger treten leichter ein.

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Eine Vulvovaginitis kann viele Ursachen und Symptome haben. (c) SENTELLO/Fotolia

Was sind die Symptome von Vulvovaginitis?

In manchen Fällen verläuft eine Scheidenentzündung ohne Symptome, vor allem wenn die Vaginitis zunächst auf die Scheide begrenzt auftritt. Das wichtigste Symptom ist der vermehrte Ausfluss. Die Scheidenflüssigkeit kann sich bei einer Entzündung verändern und kann nach Art des Erregers entweder wässrig, krümelig, schleimig, schaumig, blutig, gelb-grünlich oder eitrig sein. Oftmals riecht der Ausfluss zudem sehr streng und manchmal fischig. Letzteres Symptom tritt vor allem bei bakteriellen Vaginosen auf. Der Ausfluss wird bei einer durch einen Pilz ausgelösten Vulvovaginitis meist weiß und geruchslos.

Zu den weiteren Symptomen einer Kolpitis zählen: Brennende Schmerzen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Juckreiz im Scheidenbereich, Bläschen (vor allem bei einer Herpes genitales-Infektion), Blutungen oder Beschwerden beim Wasserlassen. Auch unspezifische Unterleibsschmerzen deuten auf eine mögliche Scheidenentzündung hin.

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Wie erkennt der Arzt Vulvovaginitis?

Der Frauenarzt kann die Diagnose Scheidenentzündung während einer Untersuchung der Scheide feststellen. Eine Schwellung oder Rötung der Scheide oder Bläschen auf der Schleimhaut sind erste Anzeichen einer Erkrankung, die der Arzt erkennen kann. Anhand des Ausflusses und der Beschaffenheit der Scheidenflüssigkeit, kann ein medizinischer Verdacht auf Kolpitis weiter gefestigt werden und Indizien geben, um welchen Erreger es sich handeln könnte.

Für eine akkurate Diagnose nimmt der Gynäkologe einen Abstrich vom Gebärmutterhals und der Scheide. Basierend auf den Laborergebnissen und dem pH-Wert des Scheidenmilieus, wird der Erreger ermittelt und die Behandlung begonnen.

Wie wird Vulvovaginitis behandelt?

Die Behandlung hängt von dem jeweiligen Erreger der Scheidenentzündung ab. Je nach Art des Erregers wird mit Scheidenzäpfchen, Cremes, Tabletten, Salben oder Spritzen behandelt. Sind Bakterien Verursacher der Kolpitis, helfen Antibiotika, mit Wirkstoffen wie zum Beispiel Metronidazol oder Clindamycin.

Ist eine Pilzinfektion die Ursache, kommen spezielle Anti-Pilz-Mittel, sogenannte Antimykotika zum Einsatz. Bei dieser Therapie sind die Wirkstoffe Clotrimazol oder Miconazol besonders effektiv. Sind Parasiten der Auslöser, werden Medikamente mit dem Wirkstoff Metronidazol verschrieben. Neben der medikamentösen Behandlung kann eine Scheidenentzündung auch lokal mit Antiseptika in Form von Cremes und Salben behandelt werden. Wurde die Vulvovaginitis sexuell übertragen, muss der Sexualpartner ebenfalls behandelt werden. Östrogenpräparate werden bei einer atrophischen Kolpitis eingesetzt. Auch mit Mitteln aus der Homöopathie kann man eine Scheidenentzündung behandeln.

Falls im Labor kein Krankheitserreger als Ursache für die Vulvovaginitis ermitteln lässt, aber dennoch ein mikrobielles Ungleichgewicht der natürlichen Scheidenflora vorliegt, kommen Medikamente wie Probiotika zum Einsatz. Als Hausmittel bei einer Scheidenentzündung und zur Stabilisierung des Scheidenmilieus hat sich ein mit Joghurt getränkter Tampon in der Scheide bewährt. Außerdem sollte man auf Geschlechtsverkehr verzichten.

Tampons und Joghurt sind ein bewährtes Hausmittel. (c) Leonid/Fotolia

Wie kann ich Vulvovaginitis vorbeugen?

Einen sicheren Schutz vor einer Vulvovaginitis gibt es nicht. Jedoch gibt es Methoden, um einer Scheidenentzündung vorzubeugen. Das Verwenden von Kondomen beim Geschlechtsverkehr minimiert das Infektionsrisiko mit Krankheitserregern im Scheidenbereich. Das Aufrechterhalten eines gesunden Scheidenmilieus durch die richtige Intimpflege ist ebenfalls wichtig. Mangelnde oder übertriebene Hygiene greifen die natürliche Flora an und stören das Gleichgewicht. Das Risiko einer Erkrankung wird durch lange Schaumbäder, Intimsprays, aggressive Seifen und Scheidenspülungen erhöht.

Auch die Toilettenhygiene muss beachtet werden, damit keine Verunreinigung der Scheide mit Stuhl oder anderen Bakterien verursacht und eine Kolpitis begünstigt wird.

Wie sind die Heilungschancen?

Bei konsequenter und frühzeitiger Behandlung heilt eine Scheidenentzündung meist problemlos ab. Zu Problemen beim Heilungsprozess kommt es vor allem, wenn sich die Vaginitis weiter auf den Gebärmutterhals ausbreitet. In dem Fall kann es zu einer Gebärmutterentzündung oder entzündeten Eierstöcken und Eileitern kommen. Auch eine Scheidenentzündung in der Schwangerschaft birgt ein erhöhtes Risiko für einen Blasensprung, vorzeitige Wehen und eine damit verbundenen Frühgeburt.

Nach einer abgeheilten Entzündung müssen bestimmte Faktoren, wie etwa übertriebene oder mangelnde Intimhygiene, Vaginalspülungen oder Intimkosmetik vermieden werden. So sinkt das Risiko einer chronischen Scheidenentzündung oder einer erneuten.