Gesundheit kompakt

Ulcus cruris

Ulcus cruris ist auch unter den Begriffen offenes Bein oder Beingeschwür bekannt. Es handelt sich um eine chronische Hautschädigung meist am Unterschenkel, Knöchel oder Fuß. In der Regel verursachen Durchblutungsstörungen oft tiefe und meist schlecht heilende Wunden . Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko erheblich, häufiger betroffen sind auch Diabetiker. Mediziner sprechen dabei oft von einem diabetischen Fuß.

Was ist Ulcus cruris?
Was sind die Ursachen von Ulcus cruris?
Was sind die Symptome?
Wie erkennt der Arzt Ulcus cruris?
Wie wird Ulcus cruris behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Die Erkrankung lässt sich relativ gut behandeln, wenn Betroffene die Wundversorgung der Ulcus cruris nach therapeutischen Grundsätzen vornehmen. Bei der Kompressionstherapie als auch bei der Wundauflage, gilt es, die Wundphasen des Ulcus cruris zu beachten. Denn die Wundversorgung orientiert sich an den einzelnen Stadien der Erkrankung. Ziel ist dabei immer, das Wundsekret durch einen Verband aufzusaugen, aber gleichzeitig die Wunde vor dem Austrocknen zu schützen.

Was ist Ulcus cruris?

Ulcus cruris bezeichnet per Definition ein Geschwür (Ulcus) am Unterschenkel (cruris) und wird im allgemeinen Sprachgebrauch offenes Bein genannt. Das Geschwür tritt meistens als Folge von venösen, manchmal auch von arteriellen Durchblutungsstörungen in den Beinen auf. Die chronischen Hautdefekte treten in der Mehrzahl als venöse Beingeschwüre (Ulcus cruris venosum) auf. Ursache hierfür sind Beeinträchtigungen des venösen Blutkreislaufs wie etwa durch Krampfadern.

Als Symptome klagen Betroffene über schwere Beine, Hautverfärbungen an den Knöcheln oder Unterschenkeln sowie in akuten Fällen offene Wunden. In der Folge wird das Gewebe geschädigt und Hautzellen sterben ab. Bereits kleine Verletzungen können sich zu Ulcus cruris entwickeln und sich in vielen Fällen großflächig an den Beinen ausweiten. Die offenen Wunden neigen zu Infektionen und jede Beinbewegung verursacht dann Schmerzen. Die nässenden Wunden heilen nur mit spezieller Wundbehandlung wieder ab. Wobei die Behandlung sich als oftmals schwierig und langwierig darstellt.

Im Gegensatz dazu gibt es seltener arterielle Beingeschwüre (Ulcus cruris arteriosum). Diese finden sich häufiger im Bereich der Zehen oder Fersen. Merkmale hierfür sind blasse und kalte Füße, die meist schmerzhaft sind, besonders bei Bewegung oder bei Hochlagerung der Beine. Durchblutungsstörungen durch verengte oder verstopfte Arterien sind auch unter der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit PAVK bekannt. Ein offenes Bein kann jedoch auch auch durch eine gleichzeitige Verengung beider Blutkreisläufe entstehen. Wenn als Ursache eine venöse sowie arterielle Durchblutungsstörung des Gefäßsystems vorliegt, dann ist es Ulcus cruris mixtum.Ulcus cruris neoplasticum ist eine weitere Form der chronischen Hautschädigung, die durch bösartige Wucherungen entstehen kann.

Was sind die Ursachen von Ulcus cruris?

Die häufigste Ursache ist eine Störung des Blutkreislaufes in den Venen. Venöse Ulcus cruris entwickeln sich aus einer chronischen Venenschwäche, dessen Ursache eine Thrombose ist. Dadurch erweitern und verlängern sich die Venen, der Druck steigt und es entstehen Krampfadern. Es folgt eine Durchblutungsstörung und Stauung von Wasser, was zu Ödemen führen kann.

Bleibende Ödeme ziehen oft eine Verhärtung des umliegenden Bindegewebes mit sich (Sklerose). Diese Veränderungen im Gewebe führen zu einem Sauer- und Nährstoffmangel. Diese Unterversorgung wiederum führt nach längerer Zeit zu Fuß- und Beingeschwüren, sogenannten Ulcus cruris.

Eine seltene Ursache sind Durchblutungsstörungen der Arterien. Durch Kalkablagerungen in den Arterien kommt es zur Unterversorgung des Gewebes und Beingeschwüre können sich entwickeln. Weitere Ursachen und Risikofaktoren für das Auftreten eines Ulcus cruris sind unter anderem Nikotinkonsum, Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen.

Gesunde Vene: Das Blut kann gerade durchfließen, es kommt zu keiner Stauung. Krampfader: Das Blut wird nicht richtig geleitet und es kann sich anstauen.

Durch kaputte Venenklappen kann das Blut nicht richtig fließen. (c) Colourbox

Was sind die Symptome?

Typische Symptome bei Ulcus cruris sind tiefe Wunden, die nicht von alleine wieder abheilen. Dabei sind mehrere Hautschichten betroffen und können manchmal sogar den Knochen freilegen. Oft sind diese chronischen Wunden feucht und fangen durch Eiterbildung ständig wieder an zu nässen. Diese nässende Flüssigkeit aus der Wunde breitet sich oftmals auf das umliegende Gewebe aus und weicht es auf. Ein Ulcus cruris venosum tritt meistens im Bereich der Fußknöchel auf und breitet sich großflächig in Richtung Unterschenkel aus. In machen Fällen verläuft die Geschwürbildung einmal um das ganze Bein.

Weitere Symptome sind: Spannungsgefühl in den betroffenen Beinen, bräunliche Hautverfärbung um die offene Wunde. Eine arteriell bedingte Ulcus cruris verursacht oftmals Schmerzen, vor allem in Bewegung oder bei Hochlagerung. Besonders häufig treten arterielle Geschwüre an den Zehen und der Fußsohle auf. Außerdem sind die Füße meist kalt und blass, Zehennägel können sich verfärben und werden brüchig.

Wunden können sich bei nicht fachkundiger Wundversorgung sehr leicht infizieren. Bei offenen Wunden können Schmutz oder Bakterien leicht in den Körper gelangen und so eine Entzündung verursachen. Zu einer eitrigen Wunde kommt auch noch ein faulen Geruch hinzu.

Wie erkennt der Arzt Ulcus cruris?

Nach einer ärztlichen Anamnese der offenen Beine, versucht der Arzt die Ursache für eine mögliche Durchblutungsstörung zu klären. Für eine gesicherte Diagnose von Ulcus cruris führt er eine Ultraschalluntersuchungen durch und nimmt Röntgenaufnahmen.

Liegt die Ursache in einer Durchblutungsstörung in den Venen, wie etwa wegen eines Blutgerinnsels, kann der Arzt dies in der Dopplersonografie identifizieren. Auch eine Untersuchung des Bluts hilft bei der Diagnose eines Beingeschwürs und gibt weiter Aufschluss, ob Diabetes oder eine Gerinnungsstörung beim Patienten vorliegen. Bei einem Ulcus cruris durch Keime oder Bakterien kann der Arzt zusätzlich einen Abstrich aus der Wunde nehmen, um den Erreger oder die Art der Entzündung zu ermitteln.

Ganz selten kann eine Form von Hautkrebs (Spinaliom) ein Ulcus cruris verursachen. In diesem Fall bringt nur eine Gewebeprobe Klärung. Erst nach einer gründlichen medizinischen Untersuchung und vollständigen Klärung der Ursachen von Ulcus cruris ist es möglich mit der Behandlung zu beginnen.

Wie wird Ulcus cruris behandelt?

Die Behandlungen zielen vor allem darauf ab, die Ursachen des Beingeschwürs zu bekämpfen. So kommen bei venösen Ulcus cruris vor allem Kompressionsverbände zum Einsatz, um die Durchblutungsstörung zu therapieren. Neben der Kompressionstherapie wird eine spezielle Wundversorgung nötig: Wundauflagen, die überschüssige Flüssigkeit aus der Wunde ziehen, aber dennoch nicht austrocknend wirken. Entzündete Ulcus cruris müssen zuvor gereinigt und desinfiziert werden. Mit speziellen Bädern, Antibiotika-Salben oder Zinksalben findet eine Vorbehandlung für die betroffene Körperregion statt.

Sobald das abgestorbene Gewebe entfernt ist, kann das offene Bein vollständig abheilen. Dafür kommt entweder ein chirurgischer Eingriff in Frage oder eine Therapie mit gepulstem Laserlicht oder mit speziell gezüchteten Fliegenmaden. Diese Maden fressen das abgestorbene Gewebe, ohne die gesunde Haut anzugreifen. Im äußersten Fall müssen beschädigte Venen oder Arterien operativ entfernt werden. Denn nur mit behobener Durchblutungsstörung, kann ein Ulcus cruris vollständig abheilen. Bei extrem großen Wundflächen kann sogar eine Eigenhautverpflanzung notwendig sein.

Bei falscher Behandlung oder Eigentherapie kann sich der Zustand des Ulcus cruris weiter verschlechtern. Bei dem Versuch, sich mit Cremes oder Salben selbst zu therapieren, kann sich die Erkrankung zu einem Kontaktekzem weiterentwickelt. Die Folgen sind eine intensive Rötung der Hautpartie sowie Jucken und Brennen, die zusätzlich mit Kortison behandelt werden müssen.

Die Vorbehandlung beinhaltet eine Antibiotika-Salbe (c) colourbox

Wie kann ich vorbeugen?

Ausreichend Bewegung beugt Venenleiden vor, damit ein Ulcus cruris erst gar nicht entstehen kann. Bewegung, vor allem der Füße und Beine, fördert den Blutkreislauf und arbeitet gegen Blutstau in den Venen. Bei einer bereits bestehenden Venenschwäche ist es ratsam, Kompressionsverbände oder Kompressionsstrümpfe zu tragen. Weiter verringert der Verzicht auf Nikotin das Risiko für Gefäßerkrankungen. Auch eine gesunde Ernährung und ein normales Körpergewicht reduzieren ein mögliches Erkrankungsrisiko.

Ein weiterer Aspekt der Vorbeugung sind gut sitzende Schuhe, die den Füßen genug Luft geben. Auch kleine Verletzungen, vor allem im Fuß- und Beinbereich, sollten vermieden oder einer anschließend guten Versorgung folgen . Insbesondere für Diabetiker besteht bei Verletzungen ein erhöhtes Risiko, an Ulcus cruris zu erkranken.

Wie sind die Heilungschancen?

Je früher die Diagnose vorliegt, desto seltener kommt es zu Komplikationen, wie etwa nötiges Abtragen von abgestorbenem Gewebe oder ein operativer Eingriff. Wichtig ist demnach, dass Betroffene beim ersten Anzeichen eines Ulcus cruris sofort den Hausarzt konsultieren, um schnell mit der passenden Therapie zu beginnen.

In der Regel heilen die Beingeschwüre mit einer konsequenten Behandlung nach wenigen Monaten komplett ab. Bei älteren Menschen oder Patienten mit Diabetes kann der Verlauf jedoch zu langwierigen Komplikationen führen. Im schlimmsten Fall führt dies zu einer Nekrose (abgestorbenes Gewebe), die oft nur durch eine Amputation der betroffenen Zehen oder Beine aufzuhalten ist.