Gesundheit kompakt

Typhus

Die ersten Anzeichen ähneln einem grippalen Infekt. Doch wer nach einer Reise in tropische Gebiete an Fieber erkrankt, sollte immer auch Typhus in Betracht ziehen. Wir erklären, wie die Infektionskrankheit behandelt wird und wie die Heilungschancen aussehen.

Was ist Typhus?
Was sind die Ursachen von Typhus?
Was sind die Symptome bei Typhus?
Wie erkennt der Arzt Typhus?
Wie wird Typhus behandelt?
Wie kann ich Typhus vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Was ist Typhus?

Typhus ist eine Infektionskrankheit, deren Verbreitung sich vor allem auf Entwicklungsländer beschränkt. Pro Jahr erkranken weltweit über 20 Millionen Menschen an Typhus, mehr als 200.000 sterben an dieser schweren Durchfallerkrankung. Laut Definition werden zwei Formen unterschieden: der Bauchtyphus, auch Typhus abdominalis genannt, und die typhusähnliche Krankheit, die fachsprachlich als Paratyphus bezeichnet wird. Besonders häufig stecken sich Neugeborene, Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren sowie Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder entzündlichen Darmerkrankungen mit dem Typhus-Erreger an.

Der Name der Krankheit leitet sich vom altgriechischen Wort „typhos“ ab, das sich mit „Nebel“ oder „Dunst“ übersetzen lässt. Wahrscheinlich waren die Schwindelgefühle und das getrübte Bewusstsein der Patienten ausschlaggebend für diese Bezeichnung. Ein Blick auf die Geschichte zeigt: Im 19. Jahrhundert, als zunehmend große Städte entstanden, war Typhus bei uns weit verbreitet. Der Bau von Abwassersystemen und Kläranlagen konnte der Bevölkerungs- und Städteentwicklung nicht standhalten, dadurch kam es zu vermehrten Infektionen mit dem Typhus-Erreger.

Durch die Verbesserung der hygienischen Bedingungen ist Typhus in Deutschland äußerst selten geworden: 2012 wurden 58 Ansteckungen und 43 Patienten mit typhusähnlicher Krankheit gezählt. Dies weiß man so genau, da Typhus bei uns eine meldepflichtige Erkrankung ist. Und: Bei nahezu allen Erkrankten handelte es sich um Fernreisende, die Krankheit wurde also eingeschleppt.

Was sind die Ursachen von Typhus?

Verantwortlich für die Entwicklung von Typhus und Paratyphus sind verschiedene Bakterien, genauer gesagt Salmonellen. Der Erreger Salmonella typhi löst die Krankheit aus, die manchmal auch typhoides Fieber genannt wird. Hinter dem paratyphoiden Fieber bzw. dem Paratyphus steckt das Bakterium Salmonella paratyphi, das je nach Region der Gruppe A, B oder C zugeordnet wird.

Übertragen wird die Krankheit von Mensch zu Mensch, meist indirekt durch eine Schmierinfektion. Das bedeutet: Die Bakterien stecken in verunreinigten Nahrungsmitteln und im Wasser. Die größte Ansteckungsgefahr geht von Leitungswasser – auch in Form von Eiswürfeln – sowie von rohem Obst und Gemüse und nicht ausreichend gegarten Speisen aus. Aber auch Schalentiere aus abwasserverseuchten Gebieten und Milchprodukte stellen eine Gefahr dar, ebenso wie die direkte fäkal-orale Übertragung von Mensch zu Mensch, vor allem über die Hände.

Typhus kommt weltweit vor, insbesondere in Gegenden mit unzureichender Abwasserbehandlung und schlechten Hygienebedingungen. Vor allem in Ländern Afrikas, Südamerikas und Südostasiens gibt es immer wieder Epidemien. Zu den Risikogebieten gehören auch beliebte Urlaubsregionen wie Thailand, Bali sowie Ghana und die Küstengebiete Chinas einschließlich der Großstädte Shanghai und Hongkong. Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, die sogenannte Inkubationszeit, beträgt zwei bis 21 Tage, in der Regel aber zehn bis 14 Tage. In Einzelfällen kann die Inkubationszeit sogar bei bis zu 60 Tagen liegen.

Was sind die Symptome bei Typhus?

Obwohl Typhus geheimhin als Durchfallerkrankung bezeichnet wird, sehen die Symptome zu Beginn der Krankheit anders aus. Was passiert also im Körper? Anfangs verspüren die Patienten Kopf- und Gliederschmerzen, die Entwicklung verläuft noch ohne Fieber oder mit nur leicht erhöhter Temperatur – die Beschwerden ähneln einem grippalen Infekt. Im Verlauf der Krankheit steigt das Fieber innerhalb von ein bis zwei Tagen auf bis zu 41 Grad, dazu können Bauchschmerzen und die namensgebenden Bewusstseinsstörungen kommen. Ohne Behandlung bleibt das Fieber über Wochen hinweg hoch. Weitere Symptome wie Appetitlosigkeit, Verstopfung und eine schwere Abgeschlagenheit können sich dazugesellen.

Typisch für Typhus sind auch eine gräulich belegte Zunge sowie ein rötlich-fleckförmiger Ausschlag am Oberkörper, die sogenannten Roseolen. Erst jetzt, wenn die Fieberkurve langsam sinkt, kommt es zu Durchfällen. Vorsicht: Im Stuhl der Patienten sind Erreger enthalten, die Ausscheidungen sind hochinfektiös. Die Betroffenen leiden an Flüssigkeits- und Gewichtsverlust sowie Schmerzen im Magen-Darm-Trakt.

Es kann zu schweren Komplikationen wie Darmdurchbruch, Embolien und Knochenmarksentzündungen kommen. Zu den Spätfolgen der Infektion zählen auch Hirnhautentzündungen und Haarausfall. Die typhusähnliche Krankheit verläuft analog dazu, allerdings sind die Symptome schwächer ausgeprägt: In der Regel steigt das Fieber nicht über 39 Grad, der Durchfall ist wässrig und wird von Übelkeit und Erbrechen begleitet.

Wie erkennt der Arzt Typhus?

Typhus und Paratyphus werden vor allem zu Beginn der Krankheit immer wieder mit anderen Tropenkrankheiten wie Malaria oder einem grippalen Infekt verwechselt. Besteht der Verdacht auf Typhus abdominalis oder Paratyphus, wird der Arzt zunächst nach der Art und Ausprägung der Symptome fragen.

Wichtig ist auch die Information, ob sich der Patient kürzlich in einem Typhus-Risikogebiet aufgehalten hat. Hat der Betroffene nach einer Reise in tropische Regionen hohes Fieber entwickelt, muss der Arzt eine Infektion in Betracht ziehen.

Um eine genauere Diagnostik zu ermöglichen, fertigt der Arzt ein Blutbild an. Typisch ist eine verminderte Anzahl weißer Blutkörperchen, aber auch der Erreger selbst lässt sich im Blut nachweisen. Leidet der Patient bereits an Durchfällen, kann der Typhus-Erreger auch direkt im Stuhl oder im Urin nachgewiesen werden. Selbst nach dem Abklingen der Symptome sind die krankheitsauslösenden Bakterien oft noch im Knochenmark zu finden.

Wie wird Typhus behandelt?

Was können Sie tun, wenn der Arzt bei Ihnen Typhus diagnostiziert? Meist wird die Infektion mit Antibiotika in Form von Tabletten oder Kapseln behandelt. In schweren Fällen verabreicht der Arzt die Medikamente im Krankhaus mithilfe einer Infusion. Mitunter stellt der Arzt Patienten unter Quarantäne. Da es auch bei der Typhus-Infektion inzwischen multiresistente Keime gibt, gegen die einige der gängigen Antibiotika nicht mehr wirken, empfiehlt es sich, vor der Therapie einen Test an einzelnen Erregern durchzuführen.

Wichtig: Auch wenn die Symptome bereits abgeklungen sind, besteht für andere Menschen noch wochenlang Ansteckungsgefahr. In der Folge einer Infektion werden etwa zwei bis fünf Prozent der Betroffenen sogar zu sogenannten Dauerausscheidern. Sie scheiden den Erreger ein Leben lang aus, obwohl sie keinerlei Beschwerden mehr verspüren. Diese Menschen müssen dauerhaft behandelt werden. Da sich die Bakterien häufig in der Gallenblase ansiedeln, kann bei Dauerausscheidern unter Umständen eine Entfernung dieses Organs infrage kommen.

Wie kann ich Typhus vorbeugen?

Gegen Typhus abdominalis gibt es eine Impfung. Der Arzt verabreicht den Impfstoff mit einer Spritze. Dieser bietet etwa drei Jahre lang Schutz vor einer Ansteckung. Alternativ ist eine Schluckimpfung möglich, bei der der Arzt den Impfstoff oral verabreicht. Deren Wirkung hält allerdings nur etwa ein Jahr lang an. Danach ist eine Auffrischung nötig. Wie oft muss geimpft werden? Bei der Schluckimpfung verwendet der Arzt einen Lebendimpfstoff, der in drei Dosen mit jeweils zwei Tagen Abstand verabreicht wird. Injiziert der Arzt den Impfstoff, ist eine einzige Dosis ausreichend. Beide Impfformen bieten allerdings keinen hundertprozentigen Schutz. Dieser liegt bei etwa 60 bis 80 Prozent und beginnt sieben bis 14 Tage nach der Impfung. Die Kosten betragen etwa 30 Euro. Es ist möglich, die Typhus-Impfung mit einer Impfung gegen Hepatitis A zu kombinieren.

Zu den Nachwirkungen der Impfung können Fieber, Verdauungsstörungen  und allergische Reaktionen gehören. Dennoch ist die Impfung für vor allem für diejenigen Personen empfehlenswert, die eine Reise in ein Typhus-Gebiet planen. Je nach Reiseziel kann auch eine Impfung gegen Cholera sinnvoll sein.

Weitere Vorsichtsmaßnahmen: Achten Sie bei einem Aufenthalt in einer solchen Region besonders auf die Hygiene. Meiden Sie Leitungswasser und rohe Speisen wie zum Beispiel Salate und ungeschältes Obst sowie Meeresfrüchte. Beherzigen Sie bei der Auswahl Ihrer Mahlzeiten die Regel „peel it, cook it, or forget it!“, auf Deutsch: schäl es, koch es oder vergiss es! Darüber hinaus sollten Sie sich gründlich die Hände waschen und diese desinfizieren, wenn Sie in Kontakt mit erkrankten Personen oder Dauerausscheidern stehen.

Wie sind die Heilungschancen bei Typhus?

Wie sieht die Prognose aus? Erkennt der Arzt die Krankheit rechtzeitig, stehen die Chancen auf eine Heilung sehr gut: Die Sterblichkeit liegt bei unter einem Prozent. Unbehandelt kann eine Typhus-Infektion jedoch zum Tod führen.

Dies kam in Deutschland zum Beispiel gehäuft während und nach dem Zweiten Weltkrieg vor, als kaum Antibiotika verfügbar waren. Heute bietet Reisenden eine Impfung guten, wenn auch nicht hundertprozentigen Schutz. Ihr Hausarzt berät Sie gerne.