Krankheiten & Therapien

Schizophrenie

Schizophrenie ist eine psychische Krankheit, über die es viele Missverständnisse gibt. Nicht alle Patienten hören Stimmen oder haben Wahnvorstellungen. Lesen Sie hier, wodurch diese Psychose gekennzeichnet ist und wie die Therapie aussieht.

Schizophrenie – Was ist das?
Was sind die Ursachen von Schizophrenie?
Was sind die Symptome von Schizophrenie?
Wie erkennt der Arzt Schizophrenie?
Wie wird Schizophrenie behandelt?
Wie kann ich Schizophrenie vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Schizophrenie?

Schizophrenie – Was ist das?

Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, die ohne Behandlung schwerwiegend verlaufen kann. Das Krankheitsbild zählt zu den sogenannten endogenen Psychosen. Laut Definition versteht man unter einer Psychose eine seelische Krankheit, die durch eine fehlerhafte Wahrnehmung bzw. eine Fehlinterpretation der Umwelt gekennzeichnet ist. Dies führt zu Realitätsverlust, Wahnvorstellungen, Halluzinationen, emotionalen Störungen und weiteren Symptomen. Eine endogene Psychose wie die Schizophrenie entwickelt sich von innen heraus, also ohne erkennbaren Einfluss äußerer Faktoren. Die ICD-Codes für diese Krankheit lauten F20 und F21.

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Weltweit leidet ca. ein Prozent der Bevölkerung an Schizophrenie, in Deutschland sind es derzeit etwa 800.000 Menschen. Damit ist die Krankheit keineswegs selten und bei uns in etwa so häufig wie chronisches Rheuma. Beide Geschlechter sind gleichermaßen betroffen, wobei sich die Störung bei Männern in der Regel früher zeigt. Erste Anzeichen einer Schizophrenie lassen sich meist im jungen Erwachsenenalter beobachten. Schizophrenie bei Kindern ist eher selten und bleibt oft unentdeckt. Wichtig zu wissen: Die Patienten haben keine gespaltene oder multiple Persönlichkeit. Sie tragen also nicht, wie häufig in Hollywood-Filmen zu sehen ist, verschiedene Persönlichkeiten in sich, die wechselnd zutage treten. Diese Krankheit heißt dissoziative Identitätsstörung. Sie hat andere Ursachen und wird auch anders behandelt als die Schizophrenie.

Was sind die Ursachen von Schizophrenie?

Warum manche Menschen schizophren werden, lässt sich nicht genau sagen. Experten gehen davon aus, dass es sich um ein Zusammenspiel aus erblich bedingten, biologischen und psychischen Faktoren handelt. Die Patienten sind häufig empfindsamer als ihre Mitmenschen, sodass belastende Lebensereignisse, Stress, Mobbing und Traumata die Entwicklung einer Schizophrenie begünstigen können. Außerdem lassen sich bei Erkrankten Stoffwechselstörungen und veränderte Strukturen im Gehirn feststellen. Verschiedene Medikamente, darunter Ritalin, stehen im Verdacht, eine solche Veränderung im Gehirn und damit eine Psychose hervorzurufen.

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Als veraltet gilt die Annahme, dass die Ursachen in der Kindheit liegen. Ein instabiles Elternhaus und ein falscher Erziehungsstil allein sind nicht verantwortlich für die Entwicklung der psychischen Störung. Möglich ist aber, dass derartige familiäre Bedingungen zu einer erhöhten Verletzlichkeit führen, die wiederum eine Schizophrenie begünstigt. Ob auch Drogen wie Cannabis (Gras), Amphetamine (Speed), LSD und Kokain zu den Risikofaktoren gehören, die eine Schizophrenie auslösen können, wird derzeit noch diskutiert. Fest steht, dass der Drogenkonsum ähnliche Symptome wie die Krankheit hervorrufen kann, darunter Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Bei bestehender Schizophrenie können illegale Drogen, aber auch Alkohol, eine erneute Episode verursachen. Außerdem verschlechtert sich der Verlauf der Krankheit deutlich.

Alkoholkonsum kann eine schizophrene Episode hervorrufen. (c) Rainer Fuhrmann / Fotolia


Was sind die Symptome von Schizophrenie?

Die Krankheitsanzeichen der Schizophrenie sind vielfältig und individuell verschieden. Man unterscheidet mehrere Symptom-Arten: Zu den positiven Schizophrenie-Symptomen zählen eine verzerrte Wahrnehmung, das Hören von Stimmen und paranoide Wahnvorstellungen. Diese treten vor allem während eines akuten Krankheitsschubs auf. Daneben gibt es negative Symptome, die während der chronischen Phase überwiegen, beispielsweise Antriebsstörungen, Interessensverlust und sozialer Rückzug. Dazu können sich kognitive Symptome gesellen: Diese umfassen unter anderem Aufmerksamkeitsstörungen, Konzentrationsprobleme, Denk- und Sprachstörungen. Dennoch ist das Bewusstsein des Patienten nicht getrübt und die Intelligenz nicht gemindert.

Abhängig von der Ausprägung der Symptome unterscheidet man drei Verlaufsformen von Schizophrenie. Am häufigsten ist die paranoide Schizophrenie, hier überwiegen Probleme wie Sinneshalluzinationen, Verfolgungs- und Beziehungswahn. Bei der hebephrenen Schizophrenie fallen die Patienten eher durch emotionale und kognitive Defizite auf. Sie verhalten sich oft unangemessen, irritieren ihre Mitmenschen und können sich in akuten Phasen sprachlich kaum ausdrücken. Bei der katatonischen Schizophrenie, einer eher seltenen Form der Erkrankung, stehen psychomotorische Störungen im Vordergrund. Die Betroffenen sind erregt, zeigen auffällige, bizarr anmutende Bewegungen der Arme und Beine oder erstarren einfach mit unbeteiligtem Gesichtsausdruck.

Wie erkennt der Arzt Schizophrenie?

Die Diagnose stellt in der Regel ein Facharzt für Psychiatrie. Zu Beginn steht eine ausführliche Befragung, bei der unter Umständen enge Angehörige miteinbezogen werden. Der Arzt klärt dabei verschiedene Punkte ab: Zeigt der Patient Anzeichen einer Ich-Störung? Fühlt er sich verfolgt oder hat er das Gefühl, dass ihm andere Böses wollen? Treten Sprachstörungen oder Konzentrationsprobleme auf? Verschiedene dieser Kriterien müssen erfüllt sein und die Störung muss über einen längeren Zeitraum auftreten, damit eine gesicherte Diagnose möglich ist.

Anschließend wird eine umfassende körperliche und neurologische Untersuchung durchgeführt, um andere Krankheiten auszuschließen, die ähnliche Symptome hervorrufen können wie eine Schizophrenie. Dazu zählen zum Beispiel Epilepsie und Gehirntumoren, aber auch eine bipolare Störung und Depressionen sind als Verursacher der Beschwerden denkbar. Um eine organische Ursache auszuschließen, wird beispielsweise eine Magnetresonanztomografie oder eine Computertomografie des Gehirns angeordnet. Ferner wird ein Drogenscreening gemacht, um etwaigen Drogenmissbrauch als Auslöser von Wahnvorstellungen und Halluzinationen festzustellen.

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Wie wird Schizophrenie behandelt?

Durch eine geeignete Therapie, meist durch eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie, werden die Symptome schwächer und seltener. Das Risiko für einen erneuten Krankheitsschub sinkt. Während der akuten Phase gilt es zunächst, den Betroffenen zu stabilisieren – hierzu ist möglicherweise ein Krankenhausaufenthalt nötig. Fehlt die Krankheitseinsicht, kann eine Zwangseinweisung notwendig sein. Zur Behandlung von Psychosen werden Neuroleptika eingesetzt, um die verzerrte Wahrnehmung zu korrigieren. Ergänzend können Antidepressiva und Beruhigungsmittel gegeben werden. Eine elektrische Reizung des Gehirns, wie sie früher oft bei Psychosen durchgeführt wurde, kommt heute eher selten zum Einsatz: Nur wenn die Schizophrenie mit Bewegungsstörungen einhergeht, die sich nicht medikamentös behandeln lassen, greift man noch auf die Elektrokrampftherapie zurück.

Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehört auch eine kognitive Verhaltenstherapie bei einem Psychologen. Sie hilft dabei, Stress und Ängste abzubauen, die eigenen Gefühle zu verstehen, Frühwarnzeichen zu erkennen und die Krankheit letztendlich zu akzeptieren. Die Therapiedauer ist je nach Art und Ausprägung der Symptome unterschiedlich. Wichtig: Eine schizophrene Episode ohne Medikamente zu beenden, ist nicht ratsam, da der Therapieerfolg gefährdet ist. Ergänzende natürliche Heilmethoden können in Absprache mit dem behandelnden Arzt und dem Therapeuten versucht werden.

Wie kann ich Schizophrenie vorbeugen?

Da erbliche Faktoren bei der Entwicklung einer Schizophrenie eine wichtige Rolle spielen, kann man dieser Erkrankung nicht gezielt vorbeugen. Es ist aber möglich, das Risiko eines Ausbruchs zu vermindern – insbesondere dann, wenn es in der Familie bereits Fälle von Schizophrenie gab: Reduzieren Sie Stress und psychische Belastungen und meiden Sie Drogen- und Alkoholkonsum. Achten Sie außerdem auf Warnsignale Ihres Körpers und suchen Sie frühzeitig einen Arzt auf. Zu den Frühzeichen der Schizophrenie gehören zum Beispiel Reizbarkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Schlafprobleme und Antriebslosigkeit.

Wie sind die Heilungschancen bei Schizophrenie?

Ist Schizophrenie heilbar? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Fakt ist: Die Symptome sind mit den entsprechenden Medikamenten und einer begleitenden Psychotherapie gut behandelbar. Ein akuter Schub lässt sich auf diese Weise erfolgreich therapieren, bei etwa einem Viertel aller Patienten bleibt es bei einer einzigen Krankheitsepisode. Schizophrene sind also nicht zwangsläufig unheilbar krank. Gut die Hälfte erlebt mehrere Krankheitsschübe, doch auch hier kommt es in 25 bis 30 Prozent der Fälle zu einer Genesung im Laufe des Heilungsprozesses. Chronische, schwere Einschränkungen haben ein weiteres Viertel aller Betroffenen. Doch auch sie können mithilfe einer geeigneten Behandlung eine Besserung erzielen und die Lebensqualität erhöhen. Auch eine Spontanheilung wurde schon beobachtet: Eine Studie, die im Fachmagazin „Psychological Medicine“ vorgestellt wurde, berichtet von einer Selbstheilung der geschädigten Gehirnareale.

Mit einer Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie können Patienten ein weitgehend normales Leben führen. Sie können eine Partnerschaft eingehen, Sexualität erleben und eine Arbeit aufnehmen. Von den Betroffenen geht in der Regel keine Gefahr aus und sie neigen normalerweise auch nicht zu Gewalt. Aufgrund von Suiziden und Unfällen mit Todesfolge ist ihre Lebenserwartung dennoch niedriger als bei gesunden Personen. Umso wichtiger ist es, nach der Diagnose Schizophrenie möglichst schnell eine maßgenschneiderte Therapie zu beginnen.

> Dissoziative Identitätsstörung/multiple Persönlichkeiten

> Bipolare Störung