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Saccharoseintoleranz: Wenn Zucker für Bauchschmerzen sorgt

Wer unter einer Saccharoseintoleranz leidet, hat es nicht leicht. Denn ziemlich viele Produkte enthalten Haushaltszucker, der bei Betroffenen zu starken Verdauungsbeschwerd en führt. Hier erfahren Sie, wie Sie die Symptome in den Griff bekommen und welche Lebensmittel Sie meiden sollten.

Was ist eine Saccharoseintoleranz?
Was sind die Ursachen einer Saccharoseintoleranz?
Was sind die Symptome der Saccharoseintoleranz?
Wie erkennt der Arzt eine Saccharoseintoleranz?
Wie wird eine Saccharoseintoleranz behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Zucker ist generell mit Vorsicht zu genießen, denn vor allem der stark verarbeitete Industriezucker liefert keine Nährstoffe und wird für viele Erkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck verantwortlich gemacht. Doch für Menschen mit Saccharoseintoleranz ist Zucker ein echter Feind, der sofort nach dem Verzehr gesundheitliche Beschwerden auslöst.

Was ist eine Saccharoseintoleranz?

Eine Saccharoseintoleranz ist eine angeborene Unverträglichkeit gegenüber ganz gewöhnlichem Haushaltszucker (Saccharose) oder Malzzucker (Maltose). Genau genommen ist diese Zuckerunverträglichkeit eine Begleiterscheinung einer seltenen Stoffwechselkrankheit, die mit einem Sucrase-Isomaltase-Mangel einhergeht. Allerdings sind davon nur 0,05 bis 0,2 Prozent der Bevölkerung in Europa betroffen, die Häufigkeit dieser Intoleranz ist also recht gering.

Es gibt eine primäre und eine sekundäre Form der Saccharoseintoleranz. Die primäre Form ist die genannte angeborene Unverträglichkeit, die über Vererbung weitergegeben wird. Die sekundäre Saccharoseintoleranz beruht auf einer Schädigung der Darmschleimhaut, die beispielsweise durch eine chronische Entzündung wie Morbus Crohn oder Zöliakie ausgelöst wird.

Saccharose wird von vielen täglich verwendet und steckt in den meisten industriell verarbeiteten Lebensmitteln. Ein hartes Los für Menschen mit einer Saccharose-Unverträglichkeit, denn sie müssen beim Einkaufen ganz genau darauf achten, was auf der Zutatenliste steht.

Was sind die Ursachen einer Saccharoseintoleranz?

Der Saccharoseintoleranz liegt eine genetisch bedingte Stoffwechselkrankheit zugrunde. Sie wird autosomal-rezessiv vererbt, das heißt, nur wenn von beiden Elternteilen je ein defektes Gen aufeinandertrifft, kommt es zur Störung des Stoffwechsels. Dadurch kann der Körper Zucker nicht richtig verwerten.

Im Dünndarm wird Saccharose nicht wie bei anderen Menschen in seine Bestandteile Glukose und Fruktose aufgespalten, da das Enzym Ducrase-Isomaltase fehlt oder nicht ausreichend produziert wird. Deshalb gelangt die Saccharose ungespalten bis in den Dickdarm, wo sie zu gären beginnt und durch die entstehenden Gase zu den typischen Symptomen wie Bauchschmerzen und Blähungen führt.

Saccharoseintoleranz kann heftige Bauchschmerzen verursachen. (c) Prostock-studio

Unter der Erkrankung leiden bereits Kinder ab dem sechsten Lebensmonat, sobald sie neben der Muttermilch allmählich Beikost bekommen. Da der Zucker im Darm nicht verwertet werden kann, kommt es zu den typischen Verdauungsbeschwerden, die bei Babys oft lange nicht als Saccharoseintoleranz erkannt werden.

Was sind die Symptome der Saccharoseintoleranz?

Die Symptome sind oft nicht leicht zuzuordnen und können auch auf andere Unverträglichkeiten oder Magen-Darm-Erkrankungen hinweisen, zum Beispiel:

Meist treten die Beschwerden bereits eine halbe Stunde nach einer Mahlzeit auf, manchmal jedoch auch erst verzögert. Die Beschwerden können den ganzen Tag anhalten und die Betroffenen im Alltag stark beeinträchtigen. Nachts bzw. mehrere Stunden nach der letzten Mahlzeit des Tages, klingen die Bauchkrämpfe jedoch in der Regel ab. Auch bei längerem Verzicht auf Nahrung treten die Symptome nicht auf, wodurch sich nach genauer Beobachtung der Zusammenhang zur Zuckeraufnahme herstellen lässt.

Wie erkennt der Arzt eine Saccharoseintoleranz?

Eine Saccharoseintoleranz ist aufgrund der unspezifischen Symptome oft schwer zu erkennen. Betroffene haben oft einen langen Leidensweg hinter sich, bis sie die Ursache für ihre Beschwerden gefunden haben. Denn der Arzt untersucht zuerst, ob nicht eine Erkrankung des Magen-Darm-Traktes dahintersteckt. Auch ein Reizdarmsyndrom (RDS), das in der Bevölkerung weit verbreitet und ebenfalls schwer zu diagnostizieren ist, muss von einer Saccharoseintoleranz abgegrenzt werden.

Das heißt, der Arzt, in der Regel ein Gastroenterologe, wird folgende Untersuchungen durchführen, um verschiedene Erkrankungen ausschließen zu können:

  • Stuhluntersuchung
  • Magenspiegelung
  • Darmspiegelung

Wenn bei diesen Untersuchungen keine Krankheiten festgestellt wurden, kann der Arzt gezielte Tests auf eine Saccharoseintoleranz durchführen. Um eine Unverträglichkeit von Haushaltszucker nachzuweisen, besteht die Möglichkeit einer Dünndarmbiopsie, bei der das Gewebe des Dünndarms untersucht wird. Einen eindeutigen Saccharose-Test gibt es leider nicht, allerdings kann der Arzt durch einen Wasserstoffatemtest die Unverträglichkeit von Disacchariden (Zweifachzucker) testen. Auch ein Gentest kann den Nachweis erbringen, ist jedoch recht aufwändig und muss unter Umständen vom Patienten selbst bezahlt werden.

Selbsttest: Zucker meiden

Beim Verdacht auf eine Saccharoseintoleranz können Betroffene auch einen Selbsttest durchführen, indem sie für mehrere Wochen auf jede Form von Haushaltszucker verzichten. Bessern sich die Beschwerden, ist das bereits ein Hinweis auf die Zuckerunverträglichkeit. Treten die Beschwerden nach dem Verzehr von zuckerhaltigen Speisen danach wieder auf, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Saccharoseintoleranz vor. Hilfreich ist auch ein Ernährungstagebuch, in dem vermerkt wird, welche Lebensmittel wann gegessen wurden und ob danach Beschwerden aufgetreten sind.

Gesunde Lebensmittel lindern die Symptome. (c) sergiophoto / Adobe Stock

Wie wird eine Saccharoseintoleranz behandelt?

Eine Ernährungsumstellung ist meist die einzig sinnvolle Behandlung. Medikamente können zwar die Beschwerden lindern, aber nicht beseitigen. Menschen mit der Unverträglichkeit sollten Haushaltszucker strikt meiden. Denn jede Aufnahme von zuckerhaltigen Speisen löst die Beschwerden aus. Wer sich jedoch diszipliniert an die empfohlenen Ernährungsregeln hält, kann ein beschwerdefreies Leben führen.

Das funktioniert jedoch nur durch den Verzicht auf Saccharose-haltige Lebensmittel, wie:

  • Süßigkeiten
  • Saccharose-haltige Obst- und Gemüsesorten wie Datteln, Ananas, Mango, Banane, Trauben, Mandarinen, Trockenobst, Karotten, Rote Bete
  • Fertigprodukte mit Zusatz von Zucker
  • Wurst
  • Limonade

Betroffene sollten beim Einkaufen genau auf die Zutatenliste der Produkte achten. Zu den unverträglichen Zuckern gehören:

  • Rohrzucker
  • Zuckerrübenzucker
  • Puderzucker
  • Kandiszucker
  • brauner Zucker

Vorsicht ist ebenfalls geboten, wenn bei den Zutaten folgende Stoffe aufgelistet sind:

  • Malzzucker
  • Melasse
  • Zuckerstoffe
  • Ahornsirup
  • Maltodextrine
  • Agavensirup
  • Zucker
  • Invertzucker
  • Invertsirup
  • Ahornsirup
  • Akaziensirup
  • Glukosesirup
  • Süßstoff Isomalt

Auch Malzprodukte können Beschwerden verursachen und sollten gemieden werden:

  • Getreide
  • Nudeln
  • Bier
  • Kartoffeln

Verträglichere Alternativen für eine Ernährung bei Saccharoseintoleranz sind beispielsweise Fruchtzucker, Traubenzucker oder Lactose, aber nur, wenn nicht auch eine Unverträglichkeit gegenüber den genannten Zuckern vorliegt.

Ernährungsplan vom Ernährungsberater

Auf eigene Faust auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten kann jedoch zu einem Nährstoffmangel führen. Deshalb sollte der Ernährungsplan immer von einem Arzt oder Ernährungsberater nach den individuellen Bedürfnissen zusammengestellt werden. Nach mehreren Wochen Verzicht auf sämtliche zuckerhaltige Produkte kann allmählich wieder Zucker verzehrt werden, um die individuelle Grenze auszutesten. Manche vertragen Zucker in gewissen Mengen, andere sollten lieber ganz darauf verzichten.

Generell hilft es vielen Betroffenen, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen, in der sie sich mit Gleichgesinnten über die Erfahrungen mit der Zuckerunverträglichkeit austauschen können und sich gegenseitig mit Ernährungstipps und Rezepten unterstützen.

Enzymersatz durch Sacrosidase

Bei einer primären Saccharoseintoleranz kann auch eine Enzymersatztherapie mit Sacrosidase durchgeführt werden. Das Medikament ersetzt die fehlende Sucrase-Isomaltase und wird gleichzeitig beim Verzehr von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln eingenommen.

Wie kann ich vorbeugen?

Die Veranlagung für eine Saccharoseintoleranz ist angeboren. Sie tritt zwar äußerst selten auf, kann jedoch nicht verhindert werden.

Allerdings können die Betroffenen ganz gut mit ihrem Stoffwechseldefekt leben, wenn sie sich an eine gewisse Ernährung halten. Damit lassen sich zumindest die Symptome reduzieren.

Wie sind die Heilungschancen?

Da die Saccharoseintoleranz durch einen genetischen Defekt ausgelöst wird, ist sie leider nicht heilbar. Allerdings können Betroffene die Symptome gut verhindern, indem sie auf eine spezielle Ernährung achten und Zucker meiden.

Meist hilft es, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Für die Suche nach neuen Rezepten eignet sich ein spezielles Forum für Saccharoseintoleranz. Denn wer dauerhaft auf bestimmte Lebensmittel verzichten muss, freut sich immer über Abwechslung im Ernährungsplan.