Gesundheit kompakt

Rückenmarksinfarkt

Rückenschmerzen und taube Beine sind ein Warnzeichen, das schnellstmöglich eine Untersuchung erfordert. Denn ein Rückenmarksinfarkt ist zwar selten, kann aber schwerwiegende Folgen für den Betroffenen haben. Erfahren Sie hier mehr über den Schlaganfall im Rückenmark und seine Heilungschancen.

Was ist ein Rückenmarksinfarkt?
Was sind die Ursachen eines Rückenmarksinfarkts?
Was sind die Symptome eines Rückenmarksinfarkts?
Wie erkennt der Arzt einen Rückenmarksinfarkt?
Wie wird ein Rückenmarksinfarkt behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei einem Rückenmarksinfarkt?

Was ist ein Rückenmarksinfarkt?

Herzinfarkt und Schlaganfall sind den meisten Menschen gut bekannt. Doch es gibt noch weitere Formen eines Infarkts, die ebenso gefährlich sind, beispielsweise ein Rückenmarksinfarkt oder in der Fachsprache Ischämische Myelopathie genannt. Er ist meist eine Komplikation von bereits bestehenden Gefäßerkrankungen wie Arteriosklerose.

Zur besseren Veranschaulichung lässt er sich am besten als Schlaganfall im Rücken beschreiben. Ein Rückenmarksinfarkt entsteht durch eine Unterversorgung des Rückenmarks mit Sauerstoff, wenn der Blutfluss plötzlich unterbrochen ist. Im Extremfall kommt es zu einem spinalen Schock. Diese Schädigung des Rückenmarks kann für den Betroffenen schwerwiegende Folgen haben und sogar dauerhaft zu einer Querschnittslähmung führen.

Risikogruppen für einen Rückenmarksinfarkt

Die Folgen sind meist dramatisch, allerdings macht der Rückenmarksinfarkt nur 1 Prozent aller Infarkte aus und zählt damit zu den äußerst seltenen Krankheiten. Menschen zwischen 50 und 60 Jahren sind besonders betroffen, ebenso wie Diabetes-Patienten. Aber auch bei jungen, sportlichen Menschen kann ein Rückenmarksinfarkt auftreten.

Was sind die Ursachen eines Rückenmarksinfarkts?

Das Rückenmark wird durch verschiedene Arterien mit Blut und Sauerstoff versorgt, die aus dem Bauchraum in Richtung Rückenmark fließen. Kommt es nun an einer dieser Arterien zu einer Störung des Blutflusses, ist diese Versorgung unterbrochen. Häufig ist ein verstopftes Gefäß der Auslöser der plötzlichen Beschwerden. Zu den Ursachen zählen:

  • Arteriosklerose, eine chronische Erkrankung der Arterien, bei der Ablagerungen die Blutgefäße verengen
  • Embolie durch ein Blutgerinnsel
  • Missbildungen an den Gefäßen
  • Aortendissektion, eine Aufspaltung der Gefäße der Hauptschlagader
  • Tumore
  • Komplikationen bei einer Operation im Bereich des 9. und 12. Brustwirbels

Was sind die Symptome eines Rückenmarksinfarkts?

Im Gegensatz zu anderen Erkrankungen treten die Anzeichen für einen Rückenmarksinfarkt meist plötzlich und heftig auf. Da die Durchblutung gestört ist, können auch keine Befehle mehr über das Rückenmark vom Gehirn zu den Körperteilen weitergegeben werden. Dann kommt es zu

  • Schmerzen im Rücken, die ringförmig ausstrahlen
  • Gefühlsstörungen, zum Beispiel Verlust von Schmerz- und Temperaturempfinden
  • Lähmung in Armen und Beinen, abhängig davon, an welcher Stelle der Wirbelsäule der Infarkt auftritt. Je weiter oben, umso ausgeprägter die Lähmung.
  • Atemnot, wenn der Infarkt im oberen Rücken auftritt

Ein Rückenmarksinfarkt ist ein absoluter Notfall. Treten die genannten Symptome auf, muss schnellstmöglich der Notarzt gerufen werden. Denn je länger die akute Durchblutungsstörung unbehandelt bleibt, desto mehr erhöht sich das Risiko auf bleibende Schäden. Im schlimmsten Fall kann ein Rückenmarksinfarkt sogar tödlich enden.

Wie erkennt der Arzt einen Rückenmarksinfarkt?

Da verschiedene Krankheiten zu den Symptomen eines Rückenmarksinfarkts führen, wird der Arzt bei der Untersuchung eine Reihe von Tests machen, um andere Ursachen auszuschließen. In der Regel übernimmt der Notarzt die Untersuchungen. Die weitere Behandlung führt ein Neurologe durch.

Einen Rückenmarksinfarkt zu diagnostizieren, ist für Ärzte manchmal nicht ganz leicht. Die besten Ergebnisse liefert eine Magnetresonanztomographie (MRT). Auch eine Computertomographie (CT) kann Veränderungen der Gefäße zeigen. Bei einer Lumbalpunktion, auch Liquor-Untersuchung genannt, entnimmt der Arzt zusätzlich Nervenwasser, das Aufschluss über eine mögliche Entzündung gibt.

> Was passiert bei CT und MRT?

Wie wird ein Rückenmarksinfarkt behandelt?

Schnelles Handeln ist absolut notwendig, um keine bleibende Lähmung oder gar eine Querschnittslähmung zu riskieren. In den meisten Fällen kann die Ursache für den Infarkt nicht behandelt werden, deshalb zielt die Therapie auf die Linderung der Symptome ab. Hierfür verordnet der Mediziner meist blutverdünnende Medikamente, um die Durchblutungsstörung zu beheben.

Im Anschluss an die medizinische Versorgung folgt meist ein mehrwöchiger Reha-Aufenthalt, um mögliche Folgeschäden und Lähmungserscheinungen durch Physiotherapie zu behandeln. Dabei wird die Muskulatur über mehrere Wochen und Monate trainiert, bis der Betroffene Arme und Beine wieder eigenständig bewegen und auf Hilfsmittel wie Rollator oder Rollstuhl verzichten kann.

Bewegung fördert die Regeneration

Eine begleitende Ergotherapie mobilisiert die gelähmten Körperteile. Durch eine regelmäßige Bewegungstherapie kann sich das Rückenmark allmählich regenerieren. Sofern keine irreparablen Schäden bestehen, können die Nervenbahnen nach einiger Zeit wieder Informationen vom Gehirn in die verschiedenen Körperregionen leiten.

Ist die Ursache eine verletzte Arterie oder ein verstopftes Blutgefäß, ist manchmal eine Operation notwendig, um Blutungen zu stoppen und den Blutfluss wieder zu ermöglichen.

Eine Frau bei der Ergotherapie. Sie sitzt im Rollstuhl, weil sie einen Rückenmarksinfarkt hatte.

Wird der Infarkt frühzeitig erkannt und therapiert, ist Laufen meist wieder möglich. (c) Robert Kneschke / Fotolia

Wie kann ich vorbeugen?

Eine gezielte Vorbeugung gegen einen Rückenmarksinfarkt ist nicht möglich, jedoch können Gefäßerkrankungen durch einen gesunden Lebensstil verhindert werden.

Als Empfehlung gilt eine ausgewogene Ernährung, Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Schlaf, wenig Stress und der Verzicht auf Zigaretten und Alkohol. Zusätzlich ist die Stabilisierung der Rückenmuskulatur sinnvoll, beispielsweise durch Kraftübungen für den Rücken oder Sportarten wie Schwimmen.

Kommt es dennoch zum Ernstfall, sollte schnellstmöglich ein Arzt gerufen werden. Denn je schneller ein Rückenmarksinfarkt erkannt wird, umso besser die Prognose auf eine vollständige Heilung.

> Spinalkanalstenose: Schmerzhafte Verengung des Wirbelkanals

Wie sind die Heilungschancen bei einem Rückenmarksinfarkt?

Je schneller man beim Auftreten der ersten Anzeichen eines Rückenmarksinfarkts handelt, umso besser sind die Chancen auf eine Heilung. Erfolgt die Behandlung innerhalb kürzester Zeit, ist in etwa 70 Prozent aller Fälle eine fast vollständige Genesung möglich. Dann ist das Rückenmark noch nicht komplett geschädigt und kann sich durch die Therapie wieder erholen.

Vergeht jedoch zu viel Zeit bis der Arzt die Diagnose stellt, ist eine Heilung kaum noch möglich. Oft bleiben dauerhafte Schäden des Rückenmarks zurück. Betroffene sind dann meist lebenslang gelähmt und auf einen Rollstuhl angewiesen. Unbehandelt kann ein Rückenmarksinfarkt im oberen Rücken sogar tödlich sein, da er die Atmung beeinträchtigt.

Auch nach einer erfolgreichen Behandlung sollten Betroffene regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Neurologen durchführen, um mögliche Folgeschäden frühzeitig zu erkennen.