Beim Roemheld-Syndrom handelt es sich um Symptome wie Herz-Beschwerden und Atemnot, die jedoch durch übermäßige Gasansammlungen im Magen-Darm-Trakt und eine Verschiebung des Zwerchfells nach oben in den Brustraum hervorgerufen werden. Da das Roemheld-Syndrom aufgrund dieser „Symptom-Verschiebung“ oft falsch diagnostiziert wird, machen die Betroffenen häufig eine Ärzte- und Therapie-Odyssee durch.
Was ist das Roemheld-Syndrom?
Das Roemheld-Syndrom, auch Gastrokardiales-Syndrom oder Magen-Herz-Syndrom genannt, stellt im Grunde keine schwere Erkrankung dar. Wie der Name „Syndrom“ besagt, ist das Roemheld-Syndrom im eigentlichen Wortsinn auch keine eigenständige Erkrankung. Syndrome fassen eine Reihe von auftretenden Symptomen unter einem Oberbegriff zusammenzufassen.
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Beängstigende Beschwerden
Schlimm für die Betroffenen ist allerdings, dass die Hauptsymptome des Roemheld-Syndroms, wie Brustschmerzen und Atemnot, hauptsächlich mit Herzinfarkten oder Herzbeschwerden in Verbindung gebracht werden. Dies kann bei den Patienten zu Panikattacken führen. Für Ärzte erschwert es die Diagnose des Roemheld-Syndroms, so dass es nicht selten zu Fehldiagnosen und in der Folge zu Fehlbehandlungen kommt.
Die Auslöser der Brust- und Herzbeschwerden beim Roemheld-Syndrom sind allerdings im Magen-Darm-Trakt zu finden. Es handelt sich um Gasansammlungen, etwa durch blähendes oder übermäßiges Essen sowie anatomische Anomalien.
Benannt wurde das Roemheld-Syndrom nach dem Internisten Ludwig von Roemheld (1871–1938) aus Gundelsheim, der dieses gastro-kardiale Syndrom Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals erkannte und beschrieb.
Was sind die Ursachen des Roemheld-Syndroms?
Wie bereits beschrieben, sind die eigentliche Ursache für das Roemheld-Syndrom übergroße Gasansammlungen im Magen und Darm. Dadurch wird das Zwerchfell stark nach oben in Richtung Brusthöhle gedrückt. Das verursacht Druck und Engegefühl in den über dem Zwerchfell liegenden Organen wie Lunge und vor allem Herz. Das Herz kann nicht mehr richtig schlagen. Die Lungen können sich nicht mehr vollständig entfalten, was zu Atembeschwerden und Kurzatmigkeit führt.
Mögliche Ursachen für die Gasansammlungen sind:
- übermäßiges Essen
- sehr fetthaltige Mahlzeiten, gerade abends
- blähende Lebensmittel
- eine verlangsamte Darmtätigkeit
- Schleimhautentzündungen im Magen (Gastritis)
- Schleimhautentzündungen im Darm (Enteritis)
- Entzündungen des gesamten Magen-Darm-Traktes (Gastroenteritis)
- Nahrungsmittelintoleranzen wie zum Beispiel Lactoseintoleranz, Fructoseintoleranz oder Glutenunverträglichkeit (Zöliakie)
- eine gestörte Gallenblasenfunktion
- Erkrankungen, die zu einer vermehrten Produktion von Darmgasen führen
- Erkrankungen, die das Entweichen von Darmgasen verhindern
- Reizdarmsyndrom
Auch anatomische Erkrankungen können zu den Beschwerden eines Roemheld-Syndroms führen. Bei der Hiatushernie etwa rutscht ein Teil des Magens durch die Zwerchfellöffnung an der Speiseröhre aus der Bauch- in die Brusthöhle.
Was sind die Symptome?
Im Rahmen des Roemheld-Syndroms können eine Vielzahl von Symptomen auftreten.
Verschiedene Herzbeschwerden treten oft spontan und anfallartig auf:
- etwa Symptome wie bei einer Angina pectoris (Brustenge): Sodbrennen-artige Schmerzen (hauptsächlich hinter dem Brustbein), verbunden mit Engegefühl in der Herzgegend
- Beklemmungen in der Brust
- Extrasystolen (Herzschlag außerhalb des physiologischen Herzrhythmus)
- Herzrhythmus, der sich ständig schnell verändert
- plötzliches Herzklopfen
- Herzrasen oder ein verlangsamter Herzschlag
- sinkender Blutdruck
Außerdem kann es zu folgenden Symptomen kommen:
- Hitzewallungen
- Kurzatmigkeit, Atemnot
- Angstzustände, Panikattacken
- Schwindelattacken
- Kreislaufstörungen bis hin zu Kreislaufzusammenbruch
- Schlafstörungen
- kurzzeitige Ohnmacht (in schweren Fällen)
Die vorhandenen Symptome im Magen-Darm-Trakt (ständiges Völlegefühl, harter Bauch, ständige Blähungen) beim Roemheld-Syndrom werden von den oft als schwerwiegender empfundenen Herz- und Atmungsbeschwerden sowie den Gefühlen der Panik überlagert.

Roemheld-Syndrom: Andere Erkrankungen müssen ausgeschlossen werden. (c) Colourbox
Wie erkennt der Arzt das Roemheld-Syndrom?
Das Roemheld-Syndrom wird häufig nicht sofort erkannt. Zunächst untersucht der Arzt oft auf einen Infarkt oder sonstige Herz-Erkrankungen hin. Nicht selten kommt es auch zu einer falschen Diagnose, was für die Betroffenen falsche Therapien und/oder lange „Ärztetouren“ zur Folge haben kann.

Durch eine sogenannte Ausschlussdiagnose kann das Roemheld-Syndrom aber erkannt werden. Das bedeutet, dass der Arzt bei Verdacht auf Roemheld-Syndrom versucht, mögliche Erkrankungen des Herzens auszuschließen.
Zur Untersuchung des Patienten gehören dabei:
- eine ausführliche Befragung (Anamnese)
- Abhören des Herzens
- ein Elektrokardiogramm (EKG), Langzeit-EKG
- eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens (Echokardiografie)
- ein Kardio-CT (Computertomografie)
- ein Kardio-MRT (Magnetresonanztomografie)
- ein Linksherzkatheder
Ebenso sollte auch die Lunge untersucht werden sowie natürlich der Magen-Darm-Trakt samt Funktionen der Nahrungsaufnahme und Verdauung.
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Wie wird das Roemheld-Syndrom behandelt?
Neben einer Operation bei Hiatushernie (siehe oben, Vorschieben des Magens) ist die einzig sinnvolle Therapie bei Roemheld-Syndrom, eine übermäßigen Ansammlung von Gasen im Magen-Darm-Trakt möglichst zu vermeiden. Dazu muss natürlich die Ursache der Gase bekannt sein, um eine passende Therapie zu finden.
Soforthilfe bei akutem Anfall
Bei plötzlich auftretenden Beschwerden helfen einige einfache Sofortmaßnahmen, damit die Luft im Magen-Darm-Trakt schneller entweicht:
- Sanfte Bauchmassage: Kreisen Sie mit der flachen Hand im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel, das regt die Darmbewegung an.
- Bewegung an der frischen Luft: Ein kurzer Spaziergang kann die Verdauung ankurbeln und den Druck auf das Zwerchfell abbauen.
- Entschäumende Mittel mit den Wirkstoffen Simeticon oder Dimeticon aus der Apotheke wirken gezielt gegen die Gasansammlung im Magen.
- Nachts: Schlafen Sie mit leicht erhöhtem Oberkörper statt flach auf dem Rücken, idealerweise auf der linken Seite. Das erleichtert die Verdauung und verringert den nächtlichen Druck von Magen und Zwerchfell auf das Herz.
Wichtiger Sicherheitshinweis: Da sich die Symptome des Roemheld-Syndroms kaum von denen eines Herzinfarkts unterscheiden lassen, gilt bei starken, erstmaligen oder unklaren Brust- und Herzbeschwerden: Im Zweifel immer den Notruf 112 wählen, um eine akute Herzerkrankung sicher auszuschließen. (Quellen: gesundheit10.de, magen-darm-ratgeber.de)
Möglich sind bei Roemheld-Syndrom unter anderem folgende Maßnahmen:
- Essen Sie bewusster, fettarmer und weniger, vor allem abends.
- Verzichten Sie auf blähende Lebensmittel wie etwa Hülsenfrüchte.
- Verzichten Sie auf bestimmte Nahrungsmittel, wenn bei Ihnen eine Intoleranz dagegen festgestellt wurde.
- Bewegen Sie sich nach dem Essen.
- Setzen Sie auf Sport zur Stärkung des Zwerchfells.
- Viel körperliche Bewegung und der Abbau von Übergewicht wirken sich ebenfalls positiv aus.
- Hausmittel wie gequollene Flohsamenschalen sowie Kümmel-, Anis- oder Fencheltee sind beim Roemheld-Syndrom hilfreich.
- Massagen rund um den Bauchnabel werden empfohlen.
- In der Homöopathie soll die Gabe von Carbo vegetabilis helfen.
- Als Medikamente werden leicht verdauungsfördernde und entschäumende Arzneimittel mit den Wirkstoffen Dimeticon (Entschäumung) oder Simeticon (Völlegefühl) gegeben.
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Wie kann ich vorbeugen?
Vermeiden Sie schon im Vorfeld mögliche Ursachen für die übermäßigen Gasansammlungen im Magen-Darm-Trakt. Verzichten Sie auf übermäßige, sehr fetthaltige sowie blähende Mahlzeiten. Blähende Lebensmittel sind unter anderem Milch, Zwiebeln, Knoblauch oder auch Hülsenfrüchte.
Setzen Sie auf viel körperliche Bewegung (Stärkung der Zwerchfellmuskulatur) und versuchen Sie, Übergewicht zu vermeiden beziehungsweise abzubauen. Lassen Sie sich auf Nahrungsmittelintoleranzen (etwa Lactoseintoleranz, Fructoseintoleranz, Glutenunverträglichkeit) hin untersuchen, und befolgen Sie bei positiver Diagnose den Rat Ihres Arztes – wie etwa Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel.
Wie sind die Heilungschancen?
Eine vollständige Heilung ist beim Roemheld Syndrom leider oft nicht möglich. Eine Linderung und Entlastung des Magen-Darm-Traktes durch Therapie und Vorbeugung ist aber ein guter Weg für Patienten, um mit der Krankheit gut zu leben.
Tipp der Redaktion
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Zuletzt aktualisiert: Juli 2026
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