Krankheiten & Therapien

Pocken

Lange galten die Pocken als Geißel der Menschheit, die Krankheit forderte Millionen Leben. Dank umfangreicher Impf-Aktionen sind die Pocken heute weltweit ausgerottet. Warum die Gefahr dennoch nicht vollständig gebannt ist und was im Falle eines Ausbruchs zu tun ist, lesen Sie hier.

Was sind die Pocken?
Was sind die Ursachen der Pocken?
Was sind die Pocken-Symptome?
Wie erkennt der Arzt die Pocken?
Wie werden die Pocken behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Pocken?

Was sind die Pocken?

Die Pocken sind eine hochansteckende, lebensgefährliche Infektionskrankheit, für die Hautveränderungen wie Papeln und Pusteln charakteristisch sind. Die Erkrankung, fachsprachlich Variola genannt, dessen Auslöser das Pockenvirus, das von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Es sind verschiedene Formen bekannt: Die echten Pocken, eine mildere Verlaufsform namens weiße Pocken und eine besonders schwere Form, die schwarzen Pocken. Eine veraltete Bezeichnung für das Krankheitsbild lautet Blattern.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen den Pocken und den Windpocken. Obwohl es sich bei beiden Krankheiten um Vireninfektionen handelt, sind die Unterschiede enorm: Während die Windpocken eine meist harmlose Kinderkrankheit sind, kann eine Pockeninfektion tödlich enden. Verantwortlich sind unterschiedliche Erreger: Die verschiedenen Pocken-Formen lösen sich durch Vertreter der Gattung Orthopoxvirus aus, Windpocken durch das Varizella-Zoster-Virus.

In der Vergangenheit kam es immer wieder zu verheerenden Ausbrüchen der Krankheit, die ähnlich wie die Pest Millionen Menschen das Leben gekostet haben. Im Mittelalter gab es zum Beispiel dramatische Pockenepidemien in Deutschland und England.  Die Geschichte der Pocken in Europa beinhaltet auch prominente Patienten, wie österreichische Kaiserin Maria Theresia und den deutschen Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe: Beide erkrankten an den Pocken und überlebten. Mit der Einführung der flächendeckenden Pockenimpfung 1967 gingen die Ansteckungen zurück. Seit 1980 gilt die Krankheit als weltweit ausgerottet. 

Hepatitis

Dank Poken-Impfungen ist das Risiko einer Erkrankung besiegt. (c)  Adam Gregor / Fotolia

Was sind die Ursachen der Pocken? 

Was ist über die Entstehung der Krankheit bekannt? Verantwortlich für die Erkrankung beim Menschen ist das Variola-Virus, welches zur Gattung der Orthopoxviren gehört. Es handelt sich dabei um sehr große, komplex aufgebaute Viren mit ovaler oder backsteinartiger Form.

In erster Linie übertragt sich der hartnäckige Erreger durch die Tröpfcheninfektion: Kleine Mengen Speichel gelangen durch die Luft von einem Menschen zum nächsten – etwa beim Sprechen, Niesen oder Husten. Da die Viren auch einige Zeit auf Oberflächen wie Geschirr, Wäsche und Türklinken überleben können, ist eine Schmierinfektion ebenfalls möglich. 

Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit, die sogenannte Inkubationszeit, beträgt bei Pocken sieben bis 19 Tage. Meist sind nach zwei Wochen die ersten Symptome erkennbar. Dann sind die Patienten bereits ansteckend, selbst wenn sich die typischen Knötchen oder Hautverdickungen noch nicht gebildet haben. Die größte Ansteckungsgefahr geht von den flüssigkeitsgefüllten Pusteln aus: Wenn diese aufplatzen, setzen sie eine große Menge Viren frei. 

Was sind die Pocken-Symptome? 

Die ersten Anzeichen der echten Pocken halten zwei bis vier Tage an und erinnern an einen schweren grippalen Infekt. Die Patienten bekommen Fieber und klagen über Kopf-, Glieder- und Rückenschmerzen, sowie Entzündungen der Atemwege. Als Vorboten der Pocken bilden sich kleine, rote Bläschen auf der Zunge und im Rachen. Dann folgt der typische Hautausschlag: Im Gesicht sowie an Armen und Beinen sind zuerst rötliche Flecken, später kleine Knötchen zu sehen, die mit starkem Juckreiz verbunden sind.

Die Hautveränderungen breiten sich auf den Oberkörper und schließlich auf den gesamten Körper aus. Die Patienten sind mitunter verwirrt und desorientiert. Aus den Knötchen oder Hautverdickungen entwickeln sich im Laufe der Erkrankung sekret- bzw. eitergefüllte Pusteln, die aufplatzen oder eintrocknen und dabei eine harte Kruste hinterlassen. Fällt der Schorf ab, fängt die Haut wieder an zu jucken. Zurück bleiben oft entstellende Narben.

Der Begriff schwarze Pocken, schwarze Blattern bzw. Variola haemorrhagica bezeichnet eine besonders schwere Form der Erkrankung. Die Inkubationszeit ist kürzer, es kommt zu Blutungen, welche die Pusteln dunkel einfärben. Auch in den Schleimhäuten und in den inneren Organen können sich Blutungen entwickeln, die zum Tod führen können. Milder verlaufen die weißen Pocken: Bei dieser Form sind die Symptome weniger stark ausgeprägt, die Sterblichkeitsrate liegt deutlich niedriger. 

Wie erkennt der Arzt die Pocken? 

Da die Krankheit als ausgerottet gilt, müssen Ärzte sie heute glücklicherweise nicht mehr diagnostizieren. Dennoch ist ein erneuter Ausbruch nicht völlig unmöglich – etwa durch Laborunfälle oder aufgrund eines Anschlags mit Biowaffen.

Besteht der Verdacht auf eine Pockenansteckung bei Kindern oder Erwachsenen, sollten sie einen Spezialisten für Tropen- oder Infektionskrankheiten aufsuchen. Er wird zunächst die Krankengeschichte erfragen und die Hautveränderungen begutachten. Wahrscheinlicher als eine Infektion mit den echten Pocken ist derzeit eine Ansteckung mit Affen- und Kuhpocken. Diese beiden milder verlaufenden Arten werden von Tieren auf den Menschen übertragen und kommen noch vereinzelt vor.

Um die Krankheit von anderen abzugrenzen, etwa von einem schweren Verlauf der Windpocken, muss der Pockenerreger eindeutig identifizierbar sein. Unter einem Mikroskop findet dann eine Untersuchung des entnommenen Sekrets aus den Pusteln statt. Auch im Blut des Patienten kann das Virus befinden. Für eine nötige Aufklärung, um welche Unterart des Erregers es sich handelt, sind aufwendige Untersuchungen in speziellen Labors mit erhöhten Sicherheitsvorkehrungen nötig. 

Wenn der Verdacht auf Pocken besteht, kann ein Spezialist helfen. (c) Gorodenkoff/Fotolia

Wie werden die Pocken behandelt? 

Die Folgen einer Infektion mit dem Pockenvirus sind gravierend. Es gibt kein Gegenmittel, das die Ursache der Erkrankung beseitigen könnte. Die Behandlung zielt deshalb allein darauf ab, die Symptome zu lindern. Die erste Maßnahme besteht allerdings darin, den Betroffenen zu isolieren. Durch die Quarantäne soll eine weitere Ausbreitung des Virus verhindert werden. Alle persönlichen Gegenstände des Patienten, etwa Kleidung und Möbel, müssen gründlich desinfiziert werden. Direkt nach der Ansteckung kann nach eine nachträgliche Impfung den Verlauf der Krankheit abschwächen.

Die Patienten sollten sich schonen, außerdem kalorienreiche Nahrung und viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Zusätzlich können im Rahmen der Therapie fiebersenkende Arzneien verabreicht werden. Spezielle Medikamente, die das auslösende Virus wirksam bekämpfen könnten, gibt es derzeit nicht. Auch gegen Affen- und Kuhpocken sind keine Virostatika erhältlich. 

Wie kann ich vorbeugen? 

Durch großangelegte Maßnahmen der WHO ist die Welt heute offiziell pockenfrei. Die letzte verpflichtende Impfung in Deutschland fand in den 70er-Jahren statt. Es ist anzunehmen, dass damals geimpfte Personen inzwischen nicht mehr vollständig vor einer Infektion geschützt sind, da die Impfung spätestens alle zehn Jahre aufgefrischt werden muss.

Nach der Ausrottung der Krankheit im Jahr 1980 setzte die Impfpflicht weltweit aus. Auch eine freiwillige Pockenimpfung führen Ärzte derzeit nicht durch, da keine Bedrohungslage vorliegt und die Impfung schwere Nebenwirkungen haben kann. Diese reichen von grippeähnlichen Symptomen über Gehirnentzündungen bis hin zu tödlichen Komplikationen.

Bei der Impfung wird ein Lebendimpfstoff in den Oberarm injiziert, der dort zur Bildung einer Pustel führt. Diese juckende Beule ist potenziell ansteckend – sowohl für den Geimpften selbst als auch für andere. Nach wenigen Wochen heilt die Pustel ab, zurück bleibt die typische runde Pockenimpfungsnarbe. Gut zu wissen: Um die Bevölkerung vor einer erneuten Pockenepidemie zu schützen, etwa in Folge eines Terroranschlags, ist der Impfstoff in Deutschland wieder vorrätig, welchen speziell geschulte Ärzteim Bedarfsfall verabreich können. 

Wie sind die Heilungschancen bei Pocken? 

Abhängig von der vorliegenden Form der Erkrankung und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Infizierten gestaltet sich die Prognose: Besonders gut sind die Chancen auf Heilung bei den weißen Pocken, der leichtesten Verlaufsform. Hier liegt die Sterblichkeitsrate bei nur einem Prozent.

An den echten Pocken stirbt etwa ein Drittel aller Patienten, die schwarzen Pocken sind fast immer tödlich. Überlebt der Patient die Infektion, können schwere Folgeschäden zurückbleiben: Die Betroffenen können durch die Narben für immer gezeichnet sein, ihr Gehör verlieren, erblinden oder an Lähmungserscheinungen bzw. Hirnschädigungen leiden.