Gesundheit kompakt

Pest

Die meisten von uns kennen die Pest nur aus Geschichtsbüchern, denn die Krankheit gilt in Deutschland seit über hundert Jahren als ausgerottet. Und trotzdem lauert immer noch die Gefahr, dass sich die Seuche wieder ausbreiten könnte. Deshalb lohnt ein genauer Blick auf die Ursachen, Symptome und Heilungschancen.

Wenn Sie sich zwischen Pest und Cholera entscheiden müssten – wüssten Sie dann überhaupt, was die beiden Erkrankungen genau sind und wie deren Krankheitsverlauf ist? Beide verbreiten sich schnell und beide enden unbehandelt meist tödlich. Wenn das bereits alles ist, was Sie über die Pest wussten, erfahren Sie hier alles Wichtige über die gefährliche Seuche.

Was ist die Pest?
Was sind die Ursachen der Pest?
Was sind die Pest-Symptome?
Wie erkennt der Arzt die Pest?
Wie wird die Pest behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Pest?

Was ist die Pest?

Die Pest ist eine hochansteckende Infektionskrankheit, die sich rasend schnell verbreitet. Auslöser ist die Bakterienart Yersinia pestis. Das Wort „pestis“ leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet „Seuche“. Schon seit der Antike kam es immer wieder zu verheerenden Pest-Epidemien. In Europa war die Seuche im Mittelalter eine der Haupttodesursachen. Alleine zwischen 1347 und 1353 lag die Opferzahl bei 25 Millionen Menschen. Das war damals ein Drittel der europäischen Bevölkerung. Da früher kaum jemand eine Infektion mit dem Erreger überlebt hat und eines der Symptome großflächige Hautblutungen ist, erhielt die Krankheit den volkstümlichen Namen „der Schwarzer Tod“.

In Deutschland ist die Krankheit inzwischen nur noch Geschichte, denn seit dem letzten Ausbruch Ende des 19. Jahrhunderts gilt sie als ausgerottet. Damals wurde der Erreger durch infizierte Ratten über die Schifffahrt aus Asien in alle großen Hafenstädte der Welt verbreitet und kam dadurch auch zurück nach Europa. 12 Millionen Menschen starben in den 50 Jahren bis zum Ende dieser letzten großen Pandemie.

Risikogebiete: Die Pest gibt es heute noch

Doch in Asien, Afrika und Amerika besteht noch heute ein Infektionsrisiko, besonders in Madagaskar, Tansania, Russland, China, Indien, Vietnam oder Peru. In Madagaskar ist die letzte Epidemie noch nicht lange her. Erst 2017 gab es über 120 Pest-Tote. Obwohl in Deutschland seit Jahren keine Erkrankungen mehr vorkommen, besteht dennoch die – wenn auch geringe – Gefahr, den Erreger auf Fernreisen aufzuschnappen und weiterzuverbreiten.

Zu den Risikogebieten gehören unter anderem Madagaskar und Tansania (c) vaclav/fotolia

Was sind die Ursachen der Pest?

Die Ursache für den Ausbruch der Pest ist eine Ansteckung mit dem Erreger Yersinia pestis. Das Bakterium wurde 1894 vom Schweizer Arzt Alexandre Yersin entdeckt und trägt seitdem dessen Namen. Die Pest-Bakterien kommen eigentlich nur bei wildlebenden Nagetieren vor, wie Ratten, Mäuse oder Eichhörnchen. Über deren Parasiten, zum Beispiel Rattenflöhe, kann sich das Bakterium aber auch vom Tier auf den Menschen übertragen. Ich Fachkreisen spricht man dann von einer Zoonose.

Die mit etwa 90 Prozent aller Fälle häufigste Form ist die Beulenpest. Sie wird in der Regel durch einen Flohstich ausgelöst. Der Pest-Erreger kann jedoch auch über eine Hautverletzung übertragen werden. Das ist meist die Ursache einer Pestsepsis, also einer Blutvergiftung durch das Pest-Bakterium. Eine Lungenpest wird hingegen durch Tröpfcheninfektion weitergegeben.

Schnelle Ausbreitung unter Hygienemangel

Hat sich ein Mensch mit dem Bakterium infiziert, kann er es an andere Menschen übertragen. Das geschieht durch Menschenflöhe oder durch Tröpfcheninfektion. Begünstigt wird die Verbreitung der Pest, wenn viele Menschen auf engem Raum unter mangelnder Hygiene zusammenleben.

> Was ist der Unterschied zwischen Bakterien und Viren?

Was sind die Pest-Symptome?

Beim Menschen tritt die Pest in drei Hauptformen auf: als Beulenpest (Bubonenpest), als Lungenpest oder als Pestsepsis. Sehr selten kommt es zu einer Pestmeningitis, bei der die Hirnhäute entzündet sind.

Die Inkubationszeit der Beulenpest beträgt zwei bis sechs Tage. Erst dann zeigen sich nach der Ansteckung die ersten Symptome. Bei der Lungenpest bricht die Krankheit wesentlich schneller aus, oft sogar innerhalb der ersten Stunden nach der Infektion. Die Pestsepsis tritt meist als Komplikation einer der beiden anderen Formen auf. Dementsprechend sind die Symptome unterschiedlich:

Symptome der Beulenpest

  • Fieber, meist plötzlich und sehr hoch
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Schüttelfrost
  • Gliederschmerzen
  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • Schwellung der Lymphknoten, die zu den typischen Beulen führt

Diese Pestbeulen können bis zu zehn Zentimeter groß werden und sich mit Eiter füllen. Im Endstadium brechen die Beulen sogar auf. Innerhalb weniger Tage kommt es zu Blutungen in der Haut und Organe. Die Haut färbt sich dann bläulich-schwarz, was zur volkstümlichen Bezeichnung „Schwarzer Tod“ führte. 

Symptome der Lungenpest

  • plötzliches hohes Fieber
  • allgemeines Krankheitsgefühl
  • Schüttelfrost
  • Abgeschlagenheit
  • Kopfschmerzen
  • Atemnot
  • starker Husten mit blutigem Auswurf
  • Blaufärbung der Lippen

Diese Form ist höchstansteckend, da sie über Tröpfcheninfektion beim Niesen, Husten oder Sprechen übertragen wird. Die typischen Kennzeichen treten bereits kurz nach der Ansteckung auf und verschlimmern sich sehr schnell. Schon nach zwei Tagen kann die Lungenpest zum Tod führen. Oft tritt sie im Verlauf einer Beulenpest auf.

Symptome der Pestsepsis

  • hohes Fieber
  • geistige Verwirrtheit
  • Lethargie

Bei der Pestsepsis gelangen die Bakterien direkt ins Blut und breiten sich schnell über die Blutbahnen aus. Sie führt dazu, dass sämtliche Organe versagen, wie Nieren, Herz, Lunge und die Verdauungsorgane.

Abortive Pest – eine milde Form

Die meisten Fälle der Pest verlaufen tödlich, wenn sie nicht schnell behandelt werden. Anders die sogenannte abortive Pest: Diese sehr abgemilderte Form äußert sich nur durch leichte Krankheitssymptome, oft schwillt nur ein Lymphknoten an. Nach Abklingen der Beschwerden sind die Betroffenen eine längere Zeit gegen den Erreger immun.

Wie erkennt der Arzt die Pest?

Die Pest-Diagnose ist heutzutage in Deutschland und Europa nicht leicht zu stellen. Denn die Ärzte haben seit langer Zeit nichts mehr mit der Behandlung der Seuche zu tun. Da sich zu Beginn einer Infektion ein allgemeines Krankheitsgefühl ausbreitet, vermuten Ärzte oft einen harmlosen grippalen Infekt. Nur der Erreger kann einen Hinweis auf die Krankheit geben. Deshalb wird bei der Untersuchung ein Bluttest gemacht, außerdem Auswurf oder Eiter der Beulen auf die Bakterienart Yersinien getestet.

Sobald das Pest-Bakterium nachgewiesen ist, muss schnell gehandelt werden. Denn nur eine frühzeitige Behandlung kann Leben retten!

Meldepflicht des Pest-Erregers

Nach dem Infektionsschutzgesetz muss jede Form des Erregers, eine Erkrankung, alle Todesfälle durch Pest und sogar der Verdacht auf eine Infektion an das Gesundheitsamt gemeldet werden.

Ein Gespräch mit dem Arzt kann Leben retten. (c) Colourbox

Wie wird die Pest behandelt?

Wer die Pest bisher nur aus den Geschichtsbüchern kannte, dachte vermutlich, dass die Krankheit gar nicht behandelt werden kann. Das galt für vergangene Jahrhunderte durchaus, doch heutzutage ist die Medizin so weit fortgeschritten, dass selbst diese tödliche Krankheit heilbar ist. Wichtig für den Behandlungserfolg ist jedoch eine frühzeitige Erkennung der Krankheit. Nur dann gibt es spezielle Antibiotika verordnet, welche das Bakterium unschädlich machen.

Meist erfolgt die Behandlung intravenös, das Medikament wird also über eine Vene direkt ins Blut gespritzt. Zeigt die Therapie Erfolg, kann anschließend auf eine Behandlung mit Tabletten umgestiegen werden. Für die Dauer der Therapie werden die Betroffenen von der Außenwelt isoliert und unter Quarantäne gestellt, um eine weitere Ausbreitung des Erregers zu verhindern.

Wie kann ich vorbeugen?

Gegen den Erreger gibt es keine Impfung wie bei vielen anderen Krankheiten. Zwar gibt es einen Impfstoff, doch die Nebenwirkungen sind zu groß und der Nutzen der Schutzimpfung zu gering, um in der heutigen Zeit vorsorglich zu impfen. Gegen eine Infektion lässt sich also nicht vorbeugen. Deshalb gilt die Empfehlung, vor allem in Risikogebieten nicht in Kontakt mit Nagetieren zu treten. Schon alleine das Streicheln der Nager kann zur Ansteckung führen.

Beim Verdacht auf eine Infektion wird die betroffene Person sofort unter Quarantäne gesetzt. Das heißt, sie wird von der Außenwelt abgeschottet, um eine Übertragung des Erregers auf andere Menschen zu vermeiden. Zur Sicherheit müssen auch alle Personen, mit denen der Erkrankte Kontakt hatte, für mindestens sechs Tage isoliert werden. Bei Krankenhauspersonal kann die Einnahme von Antibiotika einer Ansteckung vorbeugen.

Wie sind die Heilungschancen bei Pest?

Im Verlauf der Geschichte endete die Pest fast immer tödlich und forderte während der Epidemien unzählige Todesopfer. Die Zeiten sind zum Glück vorbei, denn erstens kommt eine Infektion heutzutage in Europa kaum noch vor. Zweitens können die meisten Formen durch die rechtzeitige Einnahme von Antibiotika geheilt werden.

Eile ist beim Auftreten der ersten Symptome jedoch geboten: Etwa 15 Stunden nach den ersten Anzeichen stehen die Heilungschancen einer Behandlung sehr gut. Je länger mit der Therapie gewartet wird, umso höher steigt das Risiko, die Infektion nicht zu überleben.