Krankheiten & Therapien

PAVK (Schaufensterkrankheit)

Ein paar Schritte, dann ist eine Pause nötig. Wie beim Einkaufsbummeln in der Innenstadt. Allerdings sind diese Pausen bei PAVK nicht freiwillig, sondern durch starke Schmerzen bedingt – die Folge einer Durchblutungsstörung in den Beinen. Doch soweit muss es gar nicht erst kommen …

Was ist PAVK?
Was sind die Ursachen von PAVK?
Was sind die Symptome?
Wie erkennt der Arzt PAVK?
Wie wird PAVK behandelt?
Wie kann ich vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen?

Was ist PAVK?

PAVK ist die Abkürzung für periphere arterielle Verschlusskrankheit. In 95 Prozent der Fälle ist sie die Folge einer Verkalkung der Arterien (Arteriosklerose) und tritt überwiegend in den Beinen auf. Dort kommt es in den Blutgefäßen zu einer Verengung, durch die das Blut nicht mehr richtig fließen kann. Am häufigsten treten diese Durchblutungsstörungen in der Wade auf, doch Oberschenkel, Fuß und Po können ebenfalls betroffen sein.

PAVK wird umgangssprachlich als Schaufensterkrankheit bezeichnet, da die Betroffenen oft nur wenige Schritte schmerzfrei zurücklegen können, bevor sie eine kurze Pause machen müssen – eben ähnlich wie beim Schaufensterbummel. Etwa 20 Prozent der über 65-Jährigen weisen bereits eine Verkalkung der Arterien auf, die Häufigkeit von PAVK ist demnach recht hoch. Männer sind etwa viermal öfter betroffen als Frauen. Allein in Deutschland leiden etwa 4,5 Millionen Menschen unter PAVK.

Was sind die Ursachen von PAVK?

Die Ursache von PAVK ist in den meisten Fällen eine Arteriosklerose. Diese Verkalkung der Arterien in den Beinen wird wiederum durch verschiedene Risikofaktoren ausgelöst, beispielsweise durch

  • Rauchen, Nikotinkonsum
  • hohen Blutdruck
  • hohe Blutfettwerte (Cholesterin)
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Diabetes mellitus

Diabetiker haben sogar ein sechsmal so hohes Risiko, an PAVK zu erkranken. Außerdem spielt das Alter eine Rolle: Menschen ab 65 Jahren leiden häufig unter der Schaufensterkrankheit – oft ohne es zu wissen.

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Was sind die Symptome?

Typisch für die Schaufensterkrankheit sind starke Schmerzen in den Beinen, die das Laufen erschweren. Beim Stehenbleiben bessern sich die Beschwerden. Allerdings können Betroffene im fortgeschrittenen Stadium nur noch wenige Schritte schmerzfrei zurücklegen und sind dadurch stark in ihrer Lebensweise eingeschränkt. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, verläuft die PAVK über mehrere Stadien, die sich jeweils durch unterschiedliche Symptome bemerkbar machen:

  • Stadium 1: Im Anfangsstadium treten noch keine Beschwerden auf. Allerdings ist eine Verengung der Arterien bereits erkennbar und wird oft zufällig bei Untersuchungen entdeckt.
  • Stadium 2: Beim Gehen treten Schmerzen auf. Schaffen die Betroffenen über 200 Meter, bis die Schmerzen einsetzen, befinden sie sich in Stadium 2a. Kommen die Beschwerden jedoch schon bei einer Gehstrecke von weniger als 200 Metern, ist die PAVK bereits im Stadium 2b. Diese Phase wird auch als Claudicatio intermittens bezeichnet.
  • Stadium 3: Im fortgeschrittenen Stadium schmerzen die Beine sogar im Ruhezustand. Durch die schlechte Durchblutung wird das Gewebe nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Besonders unangenehm sind die Beschwerden nachts.
  • Stadium 4: Im Endstadium der PAVK stirbt das Gewebe durch die Unterversorgung an Nährstoffen ab. Dieser Vorgang wird als Nekrose bezeichnet und beginnt meist in den Zehen und an der Ferse. Wunden können dann nicht mehr richtig heilen. Es besteht die Gefahr, dass das betroffene Bein amputiert werden muss.

Durch die Verengung der Beinarterien ist nicht auszuschließen, dass auch andere Körperpartien Verkalkungen aufweisen. Das kann sogar zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen. Erste Anzeichen für Störungen des Herz-Kreislauf-Systems sollten deshalb unbedingt ernst genommen und untersucht werden.

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Ebenfalls lebensbedrohlich ist es, wenn plötzlich starke Schmerzen, Gefühlsstörungen und Bewegungsunfähigkeit auftreten. Ebenso, wenn die Haut des Beines bleich aussieht. Dann kann bereits ein Gefäßverschluss bestehen, der die Durchblutung komplett unterbricht und schnellstmöglich vom Notarzt behandelt werden muss. Schnelles Handeln ist angesagt, da sonst eine Amputation der Gliedmaßen die einzige Rettung sein kann.

Wie erkennt der Arzt PAVK?

Treten die ersten PAVK-Symptome auf, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Denn rechtzeitiges Handeln kann schlimmere Folgen verhindern. Oft bleibt die Schaufensterkrankheit lange Zeit unerkannt, da fast jeder zweite über 65-Jährige bei gelegentlichen Beschwerden gar nicht erst zum Arzt geht. Werden die Schmerzen beim Gehen dann immer schlimmer, ist es oft schon zu spät.

Bei Verdacht auf PAVK überweist der Hausarzt den Patient an einen Gefäßspezialisten. Dort wird der Patient gründlich untersucht und zu seiner Krankheitsgeschichte befragt. Um die Durchblutung zu checken, stehen dem Arzt verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Untersuchung des gesamten Herz-Kreislauf-Systems
  • Knöchel-Arm-Index (ABI): Hierbei wird durch eine kleine Sonde am Knöchel und am Arm gemessen, wie schnell das Blut durch die Arterien fließt. Dieser Check dient vor allem der Früherkennung von Verkalkungen in den Gefäßen.
  • Belastungstest: Auf dem Laufband wird getestet, wie lange der Patient ohne Schmerzen gehen kann.
  • Ultraschall: Die Messung mit Ultraschall gibt ziemlich genau an, an welcher Stelle die Gefäße verengt sind und wie weit die Verkalkung bereits fortgeschritten ist.
  • zusätzliche Untersuchungen: Angiographie (Röntgen mit Kontrastmittel), Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) können zur Absicherung der PAVK Diagnose eingesetzt werden.
Älteres Paar, das gemeinsam Fahrrad fährt.

Regelmäßige Bewegung hilft dabei die Schaufensterkrankheit vorzubeugen. (c) Colourbox.de

Wie wird PAVK behandelt?

Die absolute Basis der PAVK Therapie ist, dass Betroffene ihren Lebenswandel auf gesund umstellen und sämtliche Risikofaktoren beseitigen. Eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf Zigaretten und Alkohol wirken sich allgemein positiv auf die Arteriengesundheit aus.

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Im Anfangsstadium kann eine Behandlung der Schaufensterkrankheit mit Medikamenten ausreichen, um die Durchblutung zu fördern. Mittel, die die Blutgerinnung hemmen, und Tabletten zur Senkung der Blutfettwerte sind meist Teil der PAVK Therapie. Zusätzlich sollten die Betroffenen sich mehr bewegen. Regelmäßige Gymnastik und ein spezielles Gehtraining können die PAVK erheblich verbessern und schlimmeren Schäden der Blutgefäße vorbeugen.

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Mögliche Operationen

Ist die Krankheit bereits weiter fortgeschritten, wird eine Operation nötig. Bei der PAVK OP beseitigt der Arzt die Verengung, damit das Blut wieder besser fließen kann. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Kalkausschälung aus den Arterienwänden
  • Bypass aus körpereigenen oder künstlichen Venen, der die geschädigte Partie überbrücken soll
  • Aufdehnung der Blutgefäße durch Aufblasen der verengten Stelle (Ballon-Dehnung, Ballondilatation), evtl. mit einer Gefäßstütze (Stent), die das Gefäß von innen offenhält

Welche Behandlung die beste ist, richtet sich ganz nach der betroffenen Stelle im Bein. In der Wade wird meist eine andere Methode angewandt als im Beckenbereich. Ebenfalls entscheidend ist, ob die Verengung nur an einer kleinen Stelle auftritt oder sich über einen längeren Arterienabschnitt zieht. Auch nach einer OP muss der Patient aktiv daran arbeiten, die Risikofaktoren zu beseitigen und sich mehr bewegen.

Komplikationen der PAVK

Bleibt die Schaufensterkrankheit unbehandelt, kann das schwerwiegende Folgen haben: Blutgerinnsel und ein kompletter Gefäßverschluss gehören zu den möglichen Komplikationen der PAVK und können sogar tödlich enden.

Wie kann ich vorbeugen?

Um die Arterien gar nicht erst verkalken zu lassen, kann durch eine gesunde Lebensweise vorgebeugt werden. Kein Nikotin, kein Alkohol, dafür eine fettarme, zuckerarme, vitalstoffreiche Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse sind die Grundlage für gesunde Blutgefäße. Ebenfalls wichtig ist regelmäßige Bewegung, am besten an der frischen Luft, damit der Kreislauf in Schwung bleibt und die Beine ausreichend durchblutet werden.

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Außerdem können Vorsorgeuntersuchungen eine Verengung der Blutgefäße frühzeitig erkennen, bevor die ersten Beschwerden auftreten. Vor allem über 65-Jährige sollten diese Untersuchung regelmäßig durchführen, da mit fortschreitendem Alter die Wahrscheinlichkeit auf Arteriosklerose steigt.

Wie sind die Heilungschancen?

Die Schaufensterkrankheit ist heilbar, jedoch nur, wenn sie rechtzeitig in einem frühen Stadium erkannt wird. Dann kann einer Verkalkung der Gefäße durch eine gesunde Ernährung und Lebensweise erfolgreich entgegengewirkt werden. Auch nach einer OP stehen die Heilungschancen recht gut. Doch auch hier gilt es, den Lebenswandel anzupassen.

Kommt es im Verlauf der PAVK zu einem kompletten Verschluss der Beinarterien (Atherothrombose), besteht jedoch Lebensgefahr. Viele Betroffene nehmen die ersten Warnsignale nicht ernst und erkennen dadurch die Krankheit oft zu spät. Etwa 75 Prozent alles PAVK-Patienten sterben durch die Durchblutungsstörung. PAVK kann die Lebenserwartung sogar um 10 Jahre reduzieren. Denn ist die Arterienverkalkung bereits fortgeschritten, endet sie für viele Betroffene tödlich, vor allem, da sich durch PAVK das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht.