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Osteomalazie: Was tun, wenn die Knochen weich werden?

Dass Knochen weich werden können, klingt für viele unvorstellbar. Doch bei der Osteomalazie passiert genau das. Die Folgen: starke Schmerzen und Verformungen des Skeletts. Hier erfahren Sie, was Sie dagegen tun können.

Was ist Osteomalazie?
Was sind die Ursachen von Osteomalazie?
Was sind die Symptome von Osteomalazie?
Wie erkennt der Arzt Osteomalazie?
Wie wird Osteomalazie behandelt?
Wie kann ich Osteomalazie vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Osteomalazie?

Was ist Osteomalazie?

Osteomalazie ist eine Erweichung der Knochen, die im Erwachsenenalter auftritt. Die deutsche Bezeichnung lautet Knochenerweichung und beschreibt die Folgen der Krankheit recht bildlich. Durch die Störung des Knochenstoffwechsels werden dem Knochen wichtige Mineralstoffe entzogen. Diese Demineralisation hat Folgen für die Stabilität, der Knochen wird weich und biegsam. Tritt das Krankheitsbild bei Kindern auf, spricht man von Rachitis.

Osteomalazie und Osteoporose

Osteoporose ist ein weit verbreitetes Krankheitsbild, das die Knochen brüchig macht.

Der Unterschied zwischen Osteomalazie und Osteoporose ist der, dass die Knochen bei der Osteomalazie weich werden, bei der Osteoporose hingegen porös und brüchig. Das liegt daran, dass bei der Knochenerweichung der Mineralgehalt sinkt, die Knochensubstanz an sich bleibt jedoch erhalten. Bei der Osteoporose nimmt hingegen die Knochendichte ab.

Osteomalazie ist eine Erweichung der Knochen. (c) rocketclips / Fotolia

Was sind die Ursachen von Osteomalazie?

Ein gesunder Knochen muss ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden, damit das Skelett stabil bleibt. Für eine gute Knochenstruktur sind Vitamin D, Calcium und Phosphat notwendig. Nur wenn genügend Vitamin D vorhanden ist, kann das Calcium aus dem Darm aufgenommen und in den Knochen eingelagert werden. Kommt es hier zu einer Unterversorgung, sei es durch die Ernährung oder eine Krankheit, leidet der Knochen.

Bei Erwachsenen wird die Krankheit in der Regel durch einen Mangel an Vitamin D oder Calcium ausgelöst. Beide Komponenten sind für den Knochenbau wichtig und sollten im Körper in einem ausgeglichenen Verhältnis vorhanden sein, damit der Knochen stabil bleibt. Ist nun zu wenig Vitamin D oder Calcium vorhanden, werden die Knochen weich, was zu erheblichen Schmerzen und Beeinträchtigungen führen kann.

Ursachen für den Vitamin-D-Mangel

Mögliche Ursachen für einen solchen Vitamin-D-Mangel sind:

  • Mangelernährung, bei der zu wenig Vitamin D über die Nahrung aufgenommen wird
  • zu wenig Sonnenlicht auf der Haut
  • eine gestörte Vitamin-D-Aufnahme über den Darm, zum Beispiel bei Krankheiten wie Zöliakie, Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn
  • Störung im Vitamin-D-Stoffwechsel

Wer sich regelmäßig im Freien aufhält, senkt das Risiko, an Osteomalazie zu erkranken. Zur Risikogruppe zählen ältere, bettlägerige Menschen, die die meiste Zeit in geschlossenen Räumen verbringen. Auch Frauen während der Schwangerschaft oder Stillzeit sollten ihren Vitamin-D-Spiegel im Auge behalten.

Andere Ursachen für Osteomalazie

Eher selten entsteht eine Osteomalazie unabhängig vom Vitamin-D-Spiegel. Zu den möglichen Ursachen zählen:

  • Nebenwirkungen von Medikamenten, zum Beispiel Antiepileptika
  • Funktionsstörungen der Niere oder Leber
  • renale Osteopathie
  • Phosphatdiabetes
  • Hypophosphatasie
  • Osteodystrophia deformans, auch Morbus Paget genannt

Was sind die Symptome von Osteomalazie?

Da die Knochen mit der Zeit immer weicher werden, kommt es bei einer Osteomalazie zu Verformungen von Rücken, Brustkorb, Becken und Beinen. Das kann zu erheblichen Schmerzen führen, die meist als anhaltend und dumpf beschrieben werden. Häufig betroffen sind die Knochen, die einen Großteil des Körpergewichts tragen müssen:

  • Wirbelsäule
  • Brustkorb
  • Becken
  • Oberschenkel
  • Unterschenkel
  • Knie

Eine Folge der Osteomalazie der Wirbelsäule ist beispielsweise eine Skoliose. Diese Fehlstellung der Wirbel führt zu starken Rückenschmerzen. Verformen sich die Knochen am Knie, kommt es zu X- oder O-Beinen.  Zusätzlich treten oft auch Symptome auf, die allgemein auf einen Mineralstoffmangel hindeuten:

  • Muskelschwäche
  • Müdigkeit
  • Erschöpfung
  • erhöhte Anfälligkeit für Knochenbrüche (Frakturen)

Die Beschwerden treten meist schleichend auf und entwickeln sich über einen längeren Zeitraum. Betroffen sind vor allem ältere Menschen, die durch eine mangelhafte Ernährung und zu wenig Sonnenlicht einen niedrigen Vitamin-D-Spiegel haben. Oft werden die Knochenschmerzen auch fälschlicherweise für Rheuma gehalten.

Besonders ältere Menschen sind gefährdet an Osteomalazie zu erkranken. (c) sebra / Fotolia

Wie erkennt der Arzt Osteomalazie?

Die meisten Knochenkrankheiten ähneln sich in ihren Symptomen und sind manchmal vom Arzt nicht leicht zu diagnostizieren. In einem ersten Anamnesegespräch wird er Fragen zu Form, Ausprägung und Dauer der Beschwerden stellen. Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung. Zusätzlich werden die Laborwerte von Blut und Urin analysiert.

Folgende Untersuchungen können den Verdacht auf Osteomalazie bestätigen:

  • Blutwerte: Bei einer Blutuntersuchung kommt es auf bestimmte Blutwerte an, die Hinweis auf die Erkrankung geben. Beispielsweise ist die alkalische Phosphatase erhöht, dafür sind die Werte von Vitamin D, Calcium und Phosphat niedrig.
  • Röntgen: Die Veränderungen der Knochen werden beim Röntgen sichtbar, sind jedoch oft schwer von einer Osteoporose zu unterscheiden. Typisch für eine Osteomalazie sind jedoch sogenannte Looser-Umbauzonen. Das sind helle Linien im Knochengewebe, die am Röntgenbild erkennbar sind.
  • Knochendichtemessung: Ebenso wie bei einer Osteoporose lässt sich auch bei einer Osteomalazie eine verminderte Knochendichte messen. Typisch ist ein niedriger Mineraliengehalt.
  • Szintigraphie: Hierbei kann der Arzt einen erhöhten Knochenstoffwechsel nachweisen.
  • Knochenbiopsie: Um ganz sicher zu gehen und eine Osteomalazie von einer Osteoporose zu unterscheiden, besteht die Möglichkeit einer Knochenbiopsie.

Wie wird Osteomalazie behandelt?

Die Osteomalazie-Therapie beginnt mit der Beseitigung des Vitamin-D- und Calcium-Mangels. Das kann durch Medikamente geschehen, aber auch durch eine Veränderung der Ernährung und des Verhaltens. Wer viel Zeit in geschlossenen Räumen verbringt, sollte mehr ins Freie gehen, um das Sonnenlicht zur Vitamin-D-Produktion zu nutzen. Oft reichen bereits 15 Minuten täglich aus, in denen eine möglichst große Fläche der Haut von der Sonne beschienen wird. Denn der Körper kann einen Großteil des benötigten Vitamin D selbst herstellen, wenn das Sonnenlicht auf die Haut trifft.

Um die Knochenstabilität zu unterstützen, eignet sich eine Physiotherapie. Durch gezielte Übungen werden die Muskeln gekräftigt, damit der Knochenapparat gestützt wird. Bei starken Fehlbildungen der Knochen kommen sogenannte Orthesen zum Einsatz, die dem Knochen den nötigen Halt geben.

Eine Operation ist hingegen nur in sehr seltenen Fällen notwendig, wenn die Knochen sich so stark verformt haben, dass die Stützfunktion des Skeletts beeinträchtigt ist.

Physiotherapie und viel Sonnenlicht können bereits helfen. (c) rh2010 / Fotolia

Wie kann ich Osteomalazie vorbeugen?

Um einen Vitamin-D-Mangel zu verhindern, gibt es ein paar allgemeine Vorbeugungsmaßnahmen:

  • Regelmäßige Aufenthalte im Freien: Die Einstrahlung von Sonnenlicht auf die Haut führt im Körper zur Produktion von Vitamin D. Etwa 80 Prozent des Vitamin-D-Bedarfs werden über die UV-Strahlung abgedeckt. Am besten wird zusätzlich Sport betrieben, denn Bewegung hält die Knochen stabil und gesund. Spaziergänge fördern ebenfalls die Knochengesundheit.
  • Sonnenschutz reduzieren: Sonnencreme und ein ausreichender UV-Schutz sind im Sommer natürlich wichtig, um die Haut vor Verbrennungen und Krebs zu schützen. Allerdings verhindert das auch, dass die UV-Strahlen direkt auf die Haut treffen und die Vitamin-D-Produktion ankurbeln. Im Sommer ist es deshalb ratsam, morgens oder abends einige Minuten ohne Sonnenschutzmittel im Freien zu verbringen.
  • Vitamin-D-Mangel im Winter vermeiden: Gerade im Winter, wenn die Tage kurz und dunkel sind, kommt es bei vielen Menschen zu einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel. Deshalb lohnt es sich, jede Gelegenheit zu nutzen, wenn die Sonne durch die Wolken durchscheint. Alternativ gibt es Vitamin D3 auch als Nahrungsergänzung, um einem Mangel vorzubeugen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für Erwachsene eine tägliche Zufuhr von 5 µg Vitamin D, das entspricht 200 I.E.. Ältere Menschen, Vegetarier und Veganer benötigen eine höhere Dosis.
  • Ernährung: Obwohl nur ein geringer Teil des Vitamin-D-Bedarfs über die Nahrung abgedeckt wird, ist eine gesunde, ausgewogene und vitalstoffreiche Ernährung die Grundlage für gesunde Knochen. Nahrungsmittel mit Vitamin D und Calcium sollten deshalb regelmäßig verzehrt werden, zum Beispiel
    • Fisch
    • Milchprodukte
    • Hülsenfrüchte
    • Eier
    • Avocado
    • Vollkornprodukte
    • Pilze

Ein gesunder Vitamin D-Haushalt stärkt den Körper. (c) reichdernatur / Fotolia

Wie sind die Heilungschancen bei Osteomalazie?

In der Regel ist eine Osteomalazie gut heilbar. Die Prognose richtet sich jedoch ganz danach, wie frühzeitig die Krankheit erkannt wurde.

Bei einer frühen Behandlung lässt sich die Erkrankung innerhalb von vier bis sechs Monaten heilen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Demineralisierung noch nicht zu weit fortgeschritten ist.

Bleibt eine Osteomalazie über einen längeren Zeitraum unerkannt, können im Verlauf der Krankheit jedoch Komplikationen wie Knochenbrüche oder dauerhafte Verformungen des Skeletts auftreten.