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Wassersucht: Was tun bei einem Ödem?

Geschwollene Füße und Beine können völlig harmlos sein – oder Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung. Lesen Sie hier, wie Ödeme entstehen, wie sie behandelt werden und wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten.

Was ist ein Ödem?
Was sind die Ursachen eines Ödems?
Was sind die Symptome eines Ödems?
Wie erkennt der Arzt ein Ödem?
Wie wird das Ödem behandelt?
Wie kann ich einem Ödem vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei einem Ödem?

Was ist ein Ödem?

Das Wort „Ödem“ kommt aus dem Griechischen, es bedeutet übersetzt „Geschwulst“ oder „Schwellung“. Laut Definition versteht man darunter eine Wassereinlagerung im Gewebe, die deutsche Bezeichnung „Wassersucht“ ist für dieses Krankheitsbild ebenfalls gebräuchlich. Ödeme können über den ganzen Körper verteilt auftreten oder nur einzelne Regionen betreffen, beispielsweise die Beine, das Knie, den Fuß oder die Arme. Aber auch im Bauchraum und am Kopf können sich Wasseransammlungen bilden. Ist die Region um die Augen betroffen, spricht man von einem periorbitalen Ödem.

Zu dem häufigsten Ödemen gehört das Lymphödem: Ist das Lymphsystem des Körpers gestört, welches für die Entsorgung von Flüssigkeiten und Abfallstoffen zuständig ist, kann sich Lymphflüssigkeit unter der Haut sammeln und deutlich sichtbare Polster bilden. Das Quincke-Ödem, das auch angioneurotisches Ödem genannt wird, gehört ebenfalls zu den häufigeren Ödemen. Hierbei handelt es sich um eine akute Schwellung der tiefer liegenden Hautschichten, welche vor allem im Gesicht auftritt.

Was sind die Ursachen eines Ödems?

Bei einem Ödem handelt es sich nicht um eine Krankheit im eigentlichen Sinn, sondern eher um ein Symptom: Die Kräfte, die dafür sorgen, dass der Flüssigkeitsgehalt im Gewebe und in den Blutgefäßen ausgeglichen ist, sind aus dem Takt geraten. Die Ursache für dieses Ungleichgewicht im Wasserhaushalt kann harmlos sein: Langes Stehen, aber auch hohe Temperaturen können beispielsweise dafür sorgen, dass sich Wasser in den Beinen ansammelt. Aber auch hormonelle Schwankungen, etwa kurz vor der Periode oder während der Schwangerschaft, können Ödeme begünstigen. In diesem Fall bilden sich die Wassereinlagerungen meist von selbst nach einiger Zeit wieder zurück.

Ödeme können sich aber auch in Zusammenhang mit einer vorliegenden Grunderkrankung entwickeln: So kann eine Herzinsuffizienz zu einem Lungenödem führen, bei Lebererkrankungen kann es zu Bauchwassersucht kommen. Eine Allergie kann ebenfalls die Ursache einer plötzlich auftretenden Wassersucht sein: Sie begünstigt Entzündungen am Gewebe, wodurch diese durchlässiger werden und ein Quincke-Ödem entstehen kann. Darüber hinaus können verschiedene Medikamente als unerwünschte Nebenwirkung eine Wassereinlagerung bewirken, zum Beispiel Cortison, östrogenhaltige Anti-Baby-Pillen und Antidepressiva. Nicht zuletzt fördern Übergewicht, Bewegungsmangel und eine falsche Ernährung, beispielsweise Eiweißmangel, die Bildung von Ödemen.

Was sind die Symptome eines Ödems?

Die Wasseransammlung im Gewebe verursacht eine deutlich sichtbare Schwellung der entsprechenden Körperpartie. Sind die Füße betroffen, passen die Schuhe auf einmal nicht mehr und die Sockenbündchen hinterlassen Druckstellen. Ödeme an den Händen führen zu Spannungsgefühlen, etwa beim Ballen der Fäuste, und Ringe passen nicht mehr. Zusätzlich kann es bei Ödemen zu Blasen- und Dellenbildung kommen, die Haut fühlt sich derb an, ist verhärtet und schmerzt unter Umständen.

Sind innere Organe von Ödemen betroffen, können schwere Komplikationen auftreten. Bei einem Lungenödem, welches vor allem als Folge eines schwachen Herzens entsteht, tritt Wasser aus und gelangt in die Lungenbläschen. Dies führt zu blubbernden Atemgeräuschen, das Atmen fällt zunehmend schwer. Symptome eines Hirnödems, welches sich zum Beispiel nach schweren Stürzen und Prellungen entwickeln kann, klagen Patienten zunächst über Kopfschmerzen und Übelkeit, später kann es zu Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma kommen.

Ödem / Wassersucht

Ein Ödem ist eine Wassereinlagerung im Körper. (c) kei907 / Fotolia


Wie erkennt der Arzt ein Ödem?

Periphere Ödeme sind relativ leicht zu erkennen. Der Arzt wird versuchen, die Ursache für die Wasseransammlung herauszufinden und diese anschließend zu behandeln. Dazu stellt er dem Patienten verschiedene Fragen wie zum Beispiel: Wie lange besteht die Wassersucht bereits? Welche Vorerkrankungen bzw. Allergien liegen vor? Welche Medikamente werden eingenommen? Besteht die Möglichkeit einer Schwangerschaft? Auch die Lage bzw. die Verteilung der Ödeme über den Körper kann bereits einen Anhaltspunkt über deren Ursache geben: Sind die Beine betroffen, steckt möglicherweise eine Venenerkrankung dahinter, während ein Quincke-Ödem im Gesicht die Folge einer allergischen Reaktion oder einer Entzündung sein kann.

Zur Aufnahme der Krankengeschichte kommt die körperliche Untersuchung. Der Arzt tastet die geschwollenen Körperpartien ab und drückt sie leicht ein. Bleibt ein Abdruck zurück, handelt es sich um ein wasserreiches Ödem, das vor allem in Zusammenhang mit Herz- und Nierenproblemen auftritt. Kaum eindrücken lassen sich pralle Lymphödeme. Bei einem Lungenödem wird die Lunge mit dem Stethoskop bezüglich auffälliger Atemgeräusche untersucht. Zusätzlich kann der Arzt eine Blut-, Urin- und eine Ultraschalluntersuchung anordnen, die wichtige Hinweise zur Ursache der Wassersucht liefern können.

Wie wird das Ödem behandelt?

Eine pauschale Antwort auf diese Frage gibt es nicht, die Behandlung der Wassersucht richtet sich nach der individuellen Ursache. In einigen Fällen, beispielsweise bei einem kardialen Ödem, wird das überschüssige Wasser mit Medikamenten aus dem Körper geschwemmt. Wichtig ist hierbei, ein Gleichgewicht aus Flüssigkeitsaufnahme und -ausscheidung zu finden, damit der Körper keine lebensnotwenigen Nährstoffe verliert. Bei Lymphödemen kann der Arzt Lymphdrainagen und Kompressionsstrümpfe verordnen. Ein wirksames Hausmittel ist Bewegung: Radfahren und Nordic Walking können helfen, die Muskulatur zu kräftigen und die Wassereinlagerungen zu verringern. Bei einem Ödem am Knie, das zum Beispiel durch einen Bänderriss, einen Muskelfaserriss oder eine Operation entstanden ist, wird das Bein zunächst geschont, hochgelagert und gekühlt, damit der Organismus die überschüssige Flüssigkeit selbst abbauen kann. Bringt dies keine ausreichende Linderung, kann der Arzt eine Gelenkpunktation anordnen.

Auch bei einem Quincke-Ödem richtet sich die Therapie nach der zugrundeliegenden Ursache. Ist der Auslöser eine Allergie, kann eine Desensibilisierung begonnen werden. Alternativ kann es sinnvoll sein, die Ernährung oder die Medikation umzustellen. Haben Infekte oder Entzündungen zur Bildung des Ödems geführt, behandelt der Arzt diese mit den entsprechenden Arzneimitteln. Bei einem Stimmbandödem, dem sogenannten Reinke-Ödem, muss fast immer eine Operation durchgeführt werden. Da dieses Ödem meist in Zusammenhang mit Zigarettenkonsum auftritt, raten Ärzte den entsprechenden Patienten dringend, das Rauchen aufzugeben. Bauchwassersucht dagegen ist häufig eine Folge der Leberzirrhose, welche oft durch Alkoholkonsum hervorgerufen wird. In diesem Fall müssen Betroffene unbedingt einen Entzug machen.

Wie kann ich einem Ödem vorbeugen?

Um einem Ödem vorzubeugen, muss die zugrundeliegende Erkrankung behandelt bzw. medikamentös eingestellt werden. Dies gilt vor allem für Patienten mit Herz-, Nieren- oder Leberproblemen: Sie sollten regelmäßig zum Arzt gehen, um ihren Gesundheitszustand überprüfen zu lassen. Steckt eine Venenschwäche, etwa eine Varikose, hinter der Wassereinlagerung, sorgen Sie für ausreichend Bewegung, lagern Sie die Beine immer wieder hoch und tragen Sie bei Bedarf Kompressionsstrümpfe. Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung sowie Verzicht auf Zigaretten und Alkohol kann ebenfalls helfen, Ödemen vorzubeugen.

Rufen verordnete Medikamente die Wasseransammlungen hervor, bitten Sie Ihren Arzt, Ihnen nach Möglichkeit ein anderes Arzneimittel ohne diese Nebenwirkung zu verschreiben. Schwangere sollten längeres Stehen und Sitzen vermeiden, um einer Umfangsvermehrung der Beine und Füße entgegenzuwirken. Entwässerungstees und durchblutungsfördernde Wechselbäder können Linderung verschaffen.

Wie sind die Heilungschancen bei einem Ödem?

Ob sich ein Ödem wieder vollständig zurückentwickelt, hängt von der Ursache für die Wasseransammlung im Gewebe ab. Tritt diese zum Beispiel in Zusammenhang mit einer OP, einer Überlastung oder einer Schwangerschaft auf, sind die Heilungschancen meist gut. In anderen Fällen ist die Prognose nicht so günstig: Steckt eine Krankheit wie Herzinsuffizienz, ein Schlaganfall oder ein Hirntumor hinter der Wassersucht, kann sich die Flüssigkeit dauerhaft im Gewebe anlagern. Wichtig ist in jedem Fall, rechtzeitig einen Arzt aufzusuchen: Falls das Ödem wächst, die Schwellung gerötet und schmerzhaft ist und schwerwiegende Begleiterscheinungen wie Atemnot, Fieber und Bewusstseinsstörungen auftreten, sollten Sie umgehend die Meinung eines Experten einholen.