Krankheiten & Therapien

Morbus Scheuermann

Die gute Nachricht: Morbus Scheuermann tritt nur während der Pubertät auf und verschwindet dann von selbst. Die schlechte Nachricht: Die Folgen machen sich erst Jahre später bemerkbar. Erfahren Sie hier alles über die Wirbel-Krankheit und was Sie dagegen tun können.

Was ist Morbus Scheuermann?
Was sind die Ursachen von Morbus Scheuermann?
Was sind die Morbus-Scheuermann-Symptome?
Wie erkennt der Arzt Morbus Scheuermann?
Wie wird Morbus Scheuermann behandelt?
Wie kann ich Morbus Scheuermann vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Morbus Scheuermann?

Was ist Morbus Scheuermann?

Viele Jugendliche sind betroffen, ohne es zu ahnen. Denn Morbus Scheuermann kommt häufiger vor, als man es erwarten würde. Anfangs verursacht die Krankheit kaum Beschwerden. Erst viele Jahre später kann sich die Schädigung der Wirbel durch Schmerzen äußern – und spätestens dann ist die Zeit zum Handeln gekommen. Durch Morbus Scheuermann ist das Wachstum des Rückens gestört. Normalerweise sind die Wirbel wie ein Zylinder geformt. Bei der Scheuermann-Krankheit wachsen sie jedoch auf der dem Bauch zugewandten Seite wie ein Keil zusammen. Dadurch entsteht eine Unregelmäßigkeit im Aufbau der Wirbelsäule, die mit fortschreitendem Alter zu Schmerzen und Beschwerden führen kann – aber nicht muss. Ebenfalls bildet sich durch die Verformung meist ein Rundrücken.

Die Scheuermann’sche Krankheit betrifft die Wirbelsäule vor allem bei Jugendlichen in der Pubertät. Die Häufigkeit von Morbus Scheuermann ist dabei recht hoch: Etwa jeder hundertste Jugendliche ist davon betroffen, Jungen etwas mehr als Mädchen. Meist beginnt die Verformung der Wirbel zwischen dem 8. und 14. Lebensjahr. Mit Ende der Pubertät kommt es zum Stillstand der Krankheit, doch die Symptome können auch erst später im Erwachsenenalter auftreten.
Andere Bezeichnungen für Morbus Scheuermann sind juvenile Kyphose oder juvenile Osteochondrose. Ihren Namen verdankt die Krankheit dem dänischen Arzt Holger W. Scheuermann. Umgangssprachlich tauchen oft die Bezeichnungen Schneiderbuckel oder Lehrlingsrücken auf.

Was sind die Ursachen von Morbus Scheuermann?

Was die Ursache dafür ist, dass bei Morbus Scheuermann die Wirbel im Wachstum plötzlich eine andere Form annehmen, ist bisher nicht bekannt. Vermutlich ist die Veranlagung für Morbus Scheuermann vererbbar, das heißt jedoch nicht, dass die Krankheit auch tatsächlich ausbricht. Eine gebückte Körperhaltung, beispielsweise beim Sport, im Büro oder in der Schule, kann Morbus Scheuermann ebenfalls begünstigen. Eine falsche Ernährung mit zu wenig Kalzium, Zink und Vitamin D wirkt sich ebenfalls negativ auf das Knochenwachstum aus.

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Was sind die Morbus-Scheuermann-Symptome?

Bei Morbus Scheuermann muss es nicht unbedingt zu Symptomen kommen. Viele Jugendliche bemerken gar nichts von der Krankheit. Doch oft kommen die Beschwerden erst Jahre später im Erwachsenenalter. Die häufigsten Symptome sind:
• Rundrücken: Vor allem die Brustwirbelsäule (BWS) krümmt sich bei Morbus Scheuermann stärker als normal nach vorne. Dieser Rundrücken wird in Fachkreisen als verstärkte Kyphose bezeichnet.
• Flachrücken: Kommt es bei Morbus Scheuermann zu Störungen in der Lendenwirbelsäule (LWS), wächst der Lendenbereich flacher als normal.
Rückenschmerzen, gelegentlich auch Nackenschmerzen

Am häufigsten kommt es bei Morbus Scheuermann im Bereich der Brustwirbelsäule zur Verformung einzelner Wirbel, die Lendenwirbelsäule ist seltener betroffen. Im unteren Rücken bildet sich eher ein Hohlkreuz, um den Rundrücken auszugleichen. Während die Krümmung der BWS meist keine Beschwerden verursacht, treten bei einer verformten LWS häufiger Rückenschmerzen auf. Durch die starke Vorbeugung der Brustwirbelsäule können manche Morbus-Scheuermann-Betroffene unter Atemnot leiden, da die Lunge eingeengt wird.

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Die ungleichmäßigen Wirbel engen auch die Bandscheiben ein, die sich jeweils zwischen zwei Wirbeln befinden. Dadurch entstehen die unangenehmen Schmerzen. Außerdem ist die Beweglichkeit des Rückens im betroffenen Bereich eingeschränkt. Ein Kribbeln in den Händen und Beinen ist ebenfalls möglich. Als Spätfolge von Morbus Scheuermann kann ein Bandscheibenvorfall auftreten.

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Wie erkennt der Arzt Morbus Scheuermann?

Morbus Scheuermann bleibt oft völlig unerkannt, weil es während der Wachstumsphase keine Beschwerden verursacht. Kommt es dann später im Erwachsenenalter zu Rückenschmerzen oder einem Unfall, wird die Krankheit oft rein zufällig bei der Untersuchung entdeckt. Der Arzt will dann in einem Anamnese-Gespräch wissen, welche Beschwerden vorliegen, seit wann die Schmerzen bestehen, ob es körperliche Einschränkungen gibt, ob Sport gemacht wird und ob es bereits ähnliche Fälle in der Familie gab.

Arzt der auf den Rücken eines Skelett-Modells zeigt.

Bei Morbus Scheuermann wachsen die Wirbel wie ein Keil zusammen. (c) okrasyuk/Fotolia

Ablauf der Untersuchung
Danach wird er die Wirbelsäule genau untersuchen, um beispielsweise eine Skoliose oder Morbus Bechterew auszuschließen, die ebenfalls eine Krümmung der Wirbelsäule und Schmerzen verursachen. Wichtig ist auch die Beweglichkeit: Dazu muss sich der Patient nach vorne und nach hinten beugen, nach rechts und nach links. Zusätzlich wird die Rotation getestet, indem sich der Patient zu beiden Seiten umdrehen muss.

Morbus Scheuermann kann beim Röntgen sehr eindeutig diagnostiziert werden. Auf der Aufnahme sind die keilförmigen Wirbel gut sichtbar. Ein weiterer Hinweis sind sogenannte Schmorl-Knötchen. Das sind Bestandteile der Bandscheiben, die in das Knochengewebe der Deck- und Bodenplatte der betroffenen Wirbel eindringen. Sie sind typisch für Morbus Scheuermann und ebenfalls beim Röntgen erkennbar. Ähnlich zuverlässig für die Diagnose ist ein MRT (Magnetresonanztomografie).

Regelmäßige Rücken-Kontrolle in der Pubertät
Eltern sollten bei ihren heranwachsenden Kindern hin und wieder die Wirbelsäule kontrollieren. Bei Veränderungen, die von der sonst üblichen S-Kurve abweichen, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Nur so können schlimmere Haltungsschäden rechtzeitig durch Physiotherapie verhindert werden.
Viele Fragen sich, welcher Arzt bei Morbus Scheuermann überhaupt zuständig ist. Die erste Anlaufstelle ist immer der Hausarzt oder Kinderarzt. Er wird nach einer ersten Untersuchung zu einem Spezialisten überweisen. In der Regel ist das ein Orthopäde.

Wie wird Morbus Scheuermann behandelt?

Die Behandlung von Morbus Scheuermann richtet sich nach Art und Ausprägung der Beschwerden:
• Bei leichten Rückenschmerzen helfen bereits Übungen zur Stärkung der Rückenmuskulatur. Gleichzeitig sollten die verkürzten Muskelgruppen im Brust- und Schulterbereich gedehnt werden. Deshalb gehört in jedem Fall Physiotherapie zur Behandlung. Auch Krafttraining und Yoga-Übungen helfen bei Morbus Scheuermann und sollten dauerhaft regelmäßig durchgeführt werden.

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• Sind die Rückenschmerzen sehr stark und Grund dafür, dass der Betroffene arbeitsunfähig ist, wird der Arzt Medikamente verordnen.
• Um die Wirbelsäule bei jungen Patienten im Wachstum wieder in eine aufrechte Position zu bringen, hilft ein Korsett als Stütze, das vorübergehend getragen wird.
• In seltenen Fällen kann bei Morbus Scheuermann eine Operation notwendig werden, etwa wenn die Wirbelsäule so stark gekrümmt ist, dass Übungen allein nicht mehr ausreichend sind.

Wie kann ich Morbus Scheuermann vorbeugen?

Die Verformung der Wirbel lässt sich bei Morbus Scheuermann nicht beeinflussen. Die Körperhaltung jedoch sehr wohl: Um Spätfolgen zu verhindern, lohnt sich der Aufbau der Rückenmuskulatur bereits in jungen Jahren. Während der Wachstumsphase kann die Wirbelsäule durch gezielte Übungen gut beeinflusst werden. Da Morbus Scheuermann erst im weiteren Verlauf im Alter Beschwerden verursacht, sollten bei Betroffenen ein Leben lang Rückengymnastik und Kräftigungsübungen zum Alltag gehören.
Unterstützend ist eine vitalstoffreiche Ernährung wichtig, die ausreichend Calcium, Zink und Vitamin D enthält. Diese Nährstoffe sind vor allem während der Wachstumsphase dafür zuständig, dass die Knochen sich normal bilden.

Morbus Scheuermann und Sport
Sport ist bei Morbus Scheuermann generell sehr empfehlenswert, allerdings kommt es auf die Sportart an. Die aufrechte Haltung sollte dabei trainiert und unterstützt werden. Schwimmen, Walken, Reiten, Gymnastik, Tanzen und Yoga sind ideal. Sportarten wie Radfahren, die mit gebeugtem Rücken ausgeübt werden, wirken sich hingegen negativ aus. Ebenfalls sollten Sprünge und Erschütterungen vermieden werden. Kampfsport und Joggen sind für die ohnehin belasteten Bandscheiben keine Wohltat. Außerdem wird bei Morbus Scheuermann davon abgeraten, Leistungssport zu betreiben. Die Belastung würde die Wirbelsäule zusätzlich schädigen.

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Wie sind die Heilungschancen bei Morbus Scheuermann?

Morbus Scheuermann ist nicht heilbar, da die Verformung der Wirbel nicht rückgängig gemacht werden kann. Allerdings gibt es eine Menge Maßnahmen, allen voran Krankengymnastik und Rückentraining, um die Haltung zu verbessern und Rückenschmerzen zu lindern. Die Lebenserwartung ist bei Morbus-Scheuermann-Betroffenen nicht geringer als normal, sofern sie aktiv an ihrer Haltung arbeiten. Nur selten ist Morbus Scheuermann so weit fortgeschritten, dass eine dauerhafte Behinderung bleibt.