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Morbus Fabry

Bei Morbus-Fabry-Patienten ist ein bestimmtes Enzym geschädigt oder nicht vorhanden, wodurch sich Fette in verschiedenen Körperzellen ansammeln. Dies führt zu einer Reihe von Beschwerden – im schlimmsten Fall bis hin zum Tod. Lesen Sie hier, wie Morbus Fabry entsteht und wie die Krankheit behandelt wird.

Was ist Morbus Fabry?
Was sind die Ursachen von Morbus Fabry?
Was sind die Symptome von Morbus Fabry?
Wie erkennt der Arzt Morbus Fabry?
Wie wird Morbus Fabry behandelt?
Wie kann ich Morbus Fabry vorbeugen?
Wie sind die Heilungschancen bei Morbus Fabry?

Was ist Morbus Fabry?

Laut Definition handelt es sich bei Morbus Fabry um eine erblich bedingte Stoffwechselkrankheit. Aufgrund eines Enzymmangels ist bei den Patienten der Abbau bestimmter Fette gestört, der sogenannten Globotriaosylceramide. Diese lagern sich in verschiedenen Organen und Gewebestrukturen an. Morbus Fabry gehört daher zu den lysosomalen Speicherkrankheiten. Die Fettablagerungen führen zu einer Vielzahl von Symptomen, unter anderem können die Haut, die Augen, das Herz, die Nieren, das Nervensystem, das Gehirn und der Magen-Darm-Trakt in Mitleidenschaft gezogen werden. Unbehandelt schreitet die Erkrankung stetig fort und führt früher oder später zum Tod.

Erstmals beschrieben wurde das Krankheitsbild im Jahr 1898 durch den deutschen Arzt Johann Fabry. Zeitgleich machte sein britischer Kollege William Anderson eine ähnliche Entdeckung, sodass neben Morbus Fabry und Fabry-Syndrom auch die Bezeichnung Fabry-Anderson-Krankheit geläufig ist. Der ICD-Code lautet E75.2: sonstige Sphingolipidosen, Fabry-Anderson-Krankheit. Die Angaben zur Häufigkeit schwanken stark. Die Daten zur Prävalenz reichen von 1:117.000 bis 1:3.100. Einige Quellen sprechen von rund 80 Morbus-Fabry-Patienten in Deutschland.

Morbus Fabry betrifft mit ausgeprägteren Symptomen besonders Männer. (c) Aleksej / Fotolia

Als gesichert gilt, dass Männer stärker von Morbus Fabry betroffen sind: Bei ihnen zeigen sich die Symptome früher und sind deutlich stärker ausgeprägt als bei Frauen. Das liegt an der Art der Vererbung dieser Stoffwechselkrankheit: Der Gendefekt befindet sich auf dem X-Chromosom, dem weiblichen Geschlechtschromosom. Der Erbgang ist also X-chromosomal. Während Frauen ein zweites, meist gesundes X-Chromosom besitzen, verfügen Männer über ein X- sowie ein Y-Chromosom. Ist die Erbinformation auf dem X-Chromosom verändert, wie es bei Morbus Fabry der Fall ist, sind die Folgen für männliche Patienten daher gravierender. Bei Frauen kann das zweite X-Chromosom den Defekt zumindest teilweise ausgleichen.

Was sind die Ursachen von Morbus Fabry?

Morbus Fabry ist angeboren. Auslöser der Erkrankung ist eine Mutation auf dem X-Chromosom, die zu einem Mangel an einem bestimmten Enzym führt, der Alpha-Galactosidase A. Je nach Ausprägung dieser Stoffwechselkrankheit fehlt das Enzym komplett, liegt in zu geringer Konzentration bzw. in schwacher oder inaktiver Form vor.

Für den menschlichen Stoffwechsel ist die Alpha-Galactosidase A essenziell: Sie ist dafür verantwortlich, dass der Körper bestimmte Fette abbaut, die Bestandteil der Zellmembran sind. Ist das Gen verändert, das die Bauanleitung für dieses Enzym liefert, kann die Alpha-Galactosidase A ihre Aufgabe gar nicht oder nur unzureichend erfüllen. Die betreffenden Fette kann der Patient dann kaum oder überhaupt nicht abbauen und diese lagern sich als Speichersubstanz in verschiedenen Körperzellen ab, etwa in den Wänden der Blutgefäße. Dadurch zeigen die betroffenen Organe teils schwerwiegende Funktionsstörungen, was zu einer Vielzahl von Symptomen führen kann.

Männliche Patienten, die den Gendefekt in sich tragen, entwickeln nahezu immer die Krankheit Morbus Fabry. Alle Träger des Merkmals – egal ob männlich oder weiblich – können die Genmutation an ihre Kinder weitergeben. Die Wahrscheinlichkeit einer Vererbung beträgt 50 Prozent.

Was sind die Symptome von Morbus Fabry?

Bei Morbus Fabry handelt es sich um eine Multi-Organ-Erkrankung. Erste Symptome zeigen sich bei Jungen normalerweise in den ersten zehn Lebensjahren, meist im Vorschul-Alter. Bei Mädchen treten die Beschwerden in der Regel etwas später auf und sind schwächer ausgeprägt. Typisch für Morbus Fabry sind anfallsartig auftretende Schmerzen, insbesondere in den Händen und Füßen.

Dazu kommen gelegentliches Fieber, neurologische Symptome wie Missempfindungen in Armen und Beinen, Störungen der Schweißbildung und des Kälteempfindens – eine sogenannte Small-fiber-Polyneuropathie – sowie Magen-Darm-Probleme wie Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen und Übelkeit. Allgemeine Symptome wie Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen und Müdigkeit sind ebenfalls möglich. Auch eine Beteiligung des Auges, etwa eine Trübung der Hornhaut bzw. der Linse, lässt sich bereits in einem frühen Stadium beobachten. Sind die Ohren des Patienten betroffen, kann dies zu einer Verschlechterung des Hörvermögens, einem Hörsturz und sogar zur Taubheit führen.

Unbehandelt greift die Erkrankung auf zahlreiche Organe über und schädigt Nieren, Leber, Lunge, Hirn und Haut. Auch eine Herzbeteiligung ist möglich. Auffällig sind die sogenannten Angiokeratome, d. h. rötlich-blaue, runde Flecken im Bereich von Lenden, Oberschenkeln, Po und Bauchnabel. Zusätzlich zu diesen sichtbaren Gefäßerweiterungen können die Betroffenen im Verlauf der Krankheit schwerwiegende Komplikationen entwickeln wie Herzrhythmusstörungen, eine Herzinsuffizienz oder einen Herzinfarkt. Ein lebensbedrohliches Nierenversagen sowie Durchblutungsstörungen im Gehirn bis hin zum Schlaganfall können ebenfalls die Folgen von Morbus Fabry sein. Durch die starken Schmerzen können die Patienten außerdem psychische Leiden entwickeln, etwa Depressionen, Psychosen oder Antriebsstörungen.

Den Nachweis für die Krankheit bringt nur die Labor-Diagnostik. (c) Wellnhofer Designs / Fotolia

Wie erkennt der Arzt Morbus Fabry?

Morbus Fabry ist eine seltene Krankheit und ist aufgrund der vielfältigen Symptome meist erst recht spät zu erkennen. Dazu kommt, dass verschiedene Erkrankungen, etwa Multiple Sklerose, Fibromyalgie und Rheuma, ähnliche Beschwerden verursachen können. Dennoch gibt es einige Anzeichen, die auf das Fabry-Syndrom hindeuten.

Hegt der Arzt einen Anfangsverdacht, wird er dem Patienten zunächst verschiedene Fragen aus einem Fragenkatalog stellen wie: Verspüren Sie ein Brennen an Händen und Füßen? Leiden Sie unter einer starken Hitze- oder Kälteempfindlichkeit? Sind in der Familie Fälle von Morbus Fabry bekannt? Um seine Diagnose zu stellen, wird der Mediziner außerdem die Haut im Lendenbereich nach den charakteristischen Angiokeratomen absuchen. Gegebenenfalls ordnet der Arzt auch einen Urin-Test an, da sich bei Morbus-Fabry-Patienten häufig Eiweiß im Urin findet. Um die Verdachtsdiagnose zu bestätigen und einen sicheren Nachweis für die Krankheit Morbus Fabry zu erhalten, ist eine Labor-Diagnostik nötig. Bei Männern lässt sich die eingeschränkte Enzym-Aktivität mithilfe eines Bluttests feststellen: Anhand der Blutwerte lässt sich ablesen, dass die Alpha-Galactosidase A kaum oder gar nicht im Körper vorhanden ist.

Um den verantwortlichen Defekt in der Genetik des Patienten nachzuweisen, kann bei beiden Geschlechtern ein Gentest durchgeführt werden. Zeigen die Laborwerte die ursächliche Veränderung des X-Chromosoms, gilt die Diagnose als gesichert. Wie weit die Krankheit bereits fortgeschritten ist, zeigen im Anschluss verschiedene Untersuchungen wie eine Echokardiografie, ein EKG sowie radiologische Verfahren, etwa ein (Kardio-)MRT.

Wie wird Morbus Fabry behandelt?

Lange Zeit war nur eine symptomatische Therapie möglich, das heißt die behandelnden Ärzte konnten nur versuchen, die Beschwerden der Patienten zu lindern. Doch seit 2001 gibt es eine neue Art der Behandlung: Der Arzt verabreicht den Betroffenen einen Ersatzstoff, der die Aufgabe der fehlenden Alpha-Galactosidase A im Körper übernimmt. Dabei handelt es sich um ein künstlich hergestelltes Enzym, die Agalsidase. Durch die Enzymersatztherapie werden die Fettablagerungen im Körper abgebaut, die Schmerzen gemindert und die Organe vor weiteren Schäden geschützt. Der Wirkstoff wird mittels Infusionen verabreicht, welche die Patienten ihr Leben lang bekommen müssen – in der Regel alle zwei Wochen.

Hat der Patient die ersten Infusionen gut vertragen, kann die weitere Behandlung in Form einer Heimtherapie durchgeführt werden. Die Kosten belaufen sich auf etwa 250.000 Euro pro Jahr und werden von der Krankenkasse übernommen. Begleitend können Ärzte Verfahren aus der Naturheilkunde anwenden. Je früher der Patient mit der Enzymersatztherapie beginnt, desto positiver wirkt sich dies auf seine Lebenserwartung aus. Die Behandlung mit Agalsidase wird für Kinder und Erwachsene empfohlen, selbst in der Schwangerschaft sind Infusionen mit dem Wirkstoff möglich. Ist die Krankheit schon fortgeschritten, gilt es, bereits entstandene Organschäden zu therapieren und das Risiko für lebensbedrohliche Komplikationen so gering wie möglich zu halten. Liegt beispielsweise eine Niereninsuffizienz vor, können eine Dialyse oder eine Nierentransplantation notwendig werden.

Gut zu wissen: Seit 2017 steht bei Morbus Fabry auch eine orale Therapie zur Verfügung. Die Tabletten enthalten ein pharmakologisches Chaperon, eine chemische Verbindung, die die inaktive Alpha-Galactosidase A dazu anregt, ihre Aufgabe zu erfüllen.

Wie kann ich Morbus Fabry vorbeugen?

Da Morbus Fabry eine Erbkrankheit ist, kann man ihrer Entstehung nicht vorbeugen. Wer das defekte Gen in sich trägt, wird die Krankheit aller Wahrscheinlichkeit nach auch entwickeln – dies gilt insbesondere für männliche Patienten. Betroffene haben allerdings die Möglichkeit, durch einen gesunden Lebensstil den Verlauf von Morbus Fabry positiv zu beeinflussen.

Empfehlenswert ist eine fettarme, vitaminreiche Ernährung, da viele Morbus-Fabry-Patienten an einem Mangel an Vitamin D und/oder Vitamin B12 leiden. Wichtig sind außerdem eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie der Verzicht auf Alkohol und Nikotin. Stress sollte vermieden werden.

Patienten mit Kinderwunsch können sich genetisch beraten lassen, um das Auftreten des Syndroms beim Nachwuchs zu verhindern. Bei bestehender Schwangerschaft kann im Rahmen der Pränataldiagnostik bereits in der 15. Schwangerschaftswoche festgestellt werden, ob das Kind Träger des defekten Gens ist. Wenn dies der Fall ist, sollte frühzeitig mit der Therapie begonnen werden, um mögliche Organschäden durch Morbus Fabry zu verhindern.

Frauen sind während der Schwangerschaft besonders gefährdet. (c) Mangostar / Fotolia

Wie sind die Heilungschancen bei Morbus Fabry?

Unbehandelt sammelt sich immer mehr Globotriaosylsphingosin (Lyso-Gb3) in den Zellen an, wodurch die Organe geschädigt werden. Es kann zu einem tödlichen Nierenversagen, einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt kommen. Die Lebenserwartung von Morbus-Fabry-Patienten ist bei Frauen dann um zehn, bei Männern um zwanzig Jahre verkürzt.

Bei konsequenter Therapie ist die Prognose wesentlich besser: Die Lebensqualität steigt und die Patienten können ein hohes Alter erreichen. Wichtig ist, die Enzymersatztherapie bzw. die orale Therapie mit pharmakologischem Chaperon möglichst früh zu beginnen. Eine Heilung im eigentlichen Sinne ist aber nicht möglich, da der ursächliche Gendefekt nicht behoben werden kann.